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Kijan Espahangizi, Sabine Hess u.a. (Hrsg.): Rassismus in der postmigrantischen Gesellschaft

Cover Kijan Espahangizi, Sabine Hess, Juliane Karakayali, Bernd Kasparek, Simona Pagano u.a. (Hrsg.): Rassismus in der postmigrantischen Gesellschaft. transcript (Bielefeld) 2016. 250 Seiten. ISBN 978-3-8376-3570-6. D: 24,99 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 31,60 sFr.

movements. Journal für kritische Migrations- und Grenzregimeforschung : Jg. 2, Heft 1/2016.
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Rassistische Diskriminierung und Gewalt: Alltagserfahrung in Deutschland?!

In der neueren Rassismusforschung wird im Zusammenhang mit den zunehmenden, gesellschaftsspaltenden rechtsradikalen, populistischen und fremdenfeindlichen Entwicklungen festgestellt, dass die schleichende, schweigende wie schreiende, gesellschaftliche Akzeptanz, Rassismen nicht nur auszusprechen, sondern auch öffentlich zu demonstrieren, sowohl bei der theoretischen Auseinandersetzung, als auch der staatlichen Informations- und Aufklärungspolitik weitgehend ignoriert wird. Rassismus als „ein gesellschaftliches Verhältnis der Fremdmachung, das Menschen in hierarchische Beziehungen zueinander setzt“, wird nicht deutlich genug benannt und offensiv dagegen vorgegangen: „Politik, Staat sowie weite Teile der bürgerlichen Öffentlichkeit tun sich schwer damit, die aktuell sichtbare gesellschaftliche Stimmungsmache gegen Migration und Pluralität, die in Großdemonstrationen von PEGIDA und Co. oder in der Zunahme von Angriffen gegen Flüchtlingsunterkünfte deutlich zum Ausdruck kommt, in ihre Schranken zu weisen“. Die unwürdigen, populistischen, pöbelnden und die Menschenwürde missachtenden Auftritte, wie sie z. B. (erneut) beim „Tag der Einheit“ am 3. 10. 2016 in Dresden stattfanden, sind eindeutig rassistisch zu bezeichnen. Die Benutzung der demokratischen und freiheitlichen Parole – „Wir sind das Volk“ – durch die Rassisten, müsste eigentlich die Mehrheit der Bevölkerung auf den Plan rufen und die Rassisten von ihren öffentlichen Auftritten vertreiben; natürlich nicht mit Gewalt und undemokratischen Mitteln, sondern mit der Kraft der demokratischen Überzeugung.

Entstehungshintergrund und Herausgeberteam

Postmigrantische Gesellschaften sind gekennzeichnet durch staatliche und Gesellschaftsordnungen, die sich aufgrund von Migrations- und Einwanderungsprozessen gebildet und politische, soziale und kulturelle Veränderungen und Perspektivenwechsel hervorgerufen haben. An die Zugewanderten wird nicht mehr nur der Anspruch auf Anpassung an die Mehrheitskulturen gestellt, sondern Migration wird als eine gleichwertige und gegenseitige Herausforderung an Eingesessene und Zugewanderte verstanden und praktiziert. Wenn in so verfassten Gesellschaften rassistische Tendenzen und Höherwertigkeitsvorstellungen auftreten und wirken, bedarf es der besonderen Aufmerksamkeit der Theoretiker und Praktiker in der Rassismus- und Grenzregime-Forschung. Es geht um die Frage, „was race in unseren Gesellschaften, in Institutionen und im Alltag tatsächlich ausmacht“ (vgl. z. B. in diesem Zusammenhang die Diskurse um Critical Whitness, postkoloniale und Gender-Strukturen: Maureen Maisha Eggers / Grada Kilomba / Peggy Piesche / Susan Arndt, Hrsg., Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland, Münster 2005, 550 S., rezensiert in: Berliner Literaturkritik; sowie: Astrid Messerschmidt, Weltbilder und Selbstbilder. Bildungsprozesse im Umgang mit Globalisierung, Migration und Zeitgeschichte, 2009, www.socialnet.de/rezensionen/7256.php).

Das zweimal im Jahr vom Institut für Kulturanthropologie / Europäische Ethnologie – Labor für kritische Migrations- und Grenzregimeforschung – der Universität Göttingen herausgegebene Journal für kritische Migrations- und Grenzregimeforschung“ ist Sprachrohr des Netzwerks kritnet, einem Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Heft 1/2016 setzt sich mit „Rassismus in der postmigrantischen Gesellschaft“ auseinander. Der Historiker und Geschäftsführer des Zentrums „Geschichte des Wissens“ an der Universität Zürich, Kijan Espahangizi, die Göttinger Kulturanthropologin Sabine Hess, die Soziologin von der Evangelischen Hochschule Berlin, Juliane Karakayali, der Kulturanthropologe Bernd Kasparek, die Göttingen Doktorandin Simona Pagano, der Politikwissenschaftler von der Frankfurter Goethe-Universität, Mathias Rodatz, und der Soziologe von der Fachhochschule Kiel, Vassilis S. Tsianos, geben den Sammelband heraus, an dem insgesamt 24 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mitarbeiten. Die Initiative kritnet mischt sich in die deutschen, europäischen und globalen, gesellschaftspolitischen Entwicklungen ein und fordert mit öffentlichen Stellungnahmen zur aktiven, politischen Auseinandersetzung auf; z. B. mit dem Aufruf „Solidarität statt Rassismus. Es ist Zeit, den virulenten Rassismus zu stoppen“.

Aufbau und Inhalt

Im Einführungsteil verweist das Herausgeberteam darauf, dass es Zeit ist, „zu einer empirisch geleiteten Aufarbeitung der zunehmenden Komplexität rassistischer Artikulationen und Praktiken in der postmigrantischen Gesellschaft beizutragen“; und zwar analytisch mit der Frage, „wie und mit welchen Mitteln angesichts der ambivalenten postmigrantischen gesellschaftlichen Entwicklungen Ausschlüsse hergestellt und aufrechterhalten werden und wie sich dabei Subjektivierungs- und Organisationsformen und damit Grenzen und Möglichkeiten von Kämpfen und Taktiken gegen rassistische Ausschlüsse verändern“.

Der Göttinger Kulturanthropologe Lee Hielscher engagiert sich in der Gedenkstättenarbeit und analysiert die Wirkungen und Hintergründe des NSU-Komplexes. Mit seinem Beitrag „De/Realität des Terrors“ zeigt er eine Bilddokumentation von stadträumlichen Blickachsen der ehemaligen Lebensmittelpunkte der Opfer des NSU. Er widerspricht den Einschätzungen, dass es sich bei den Morden der NSU um Zufallsopfer gehandelt habe; vielmehr macht er deutlich, dass sich der „rechte Terror ( ) nicht allein auf einzelne Familien (richtete), sondern auf das soziale Gefüge ganzer Stadtviertel und damit auf alle ähnlichen Orte, in ähnlichen Vierteln“. Das war beim zweiten Mord an den Änderungsschneider Abdurrahim Özüdo?ru (1952 – 2001) in Nürnberg der Fall, ebenso bei Süleyman Ta?köprü (1970 – 2001) in Hamburg, bei Habil Kiliç (1963 – 2001) in München, bei Mehmet Turgut (1979 – 2004) in Rostock und bei Theodoros Boulgarides (1964 – 2005) in München. Diese, wie auch die weiteren Morde sollten die Migrantinnen und Migranten darauf aufmerksam machen: „Ihr seid nirgendwo sicher“. Auch wenn der Autor die Morde, die am 26. 9. 1980 beim Münchner Oktoberfest stattfanden, nicht mit in seine Recherchen einbezieht, vermitteln zahlreiche Parallelen die Vermutung, dass es sich bei dem Attentat ebenfalls um eine rechtsextremistische Tag gehandelt haben könnte (siehe das Buch „Oktoberfest. Das Attentat“, 2014, sowie die Filmdokumentation „Der blinde Fleck“).

Im zweiten Kapitel werden Aufsätze abgedruckt, die sich mit Fragen der Entstehung von rassistischem Gedankengut und ihren Wirkungen auf den individuellen und zivilgesellschaftlichen Alltag von Menschen in Deutschland befassen. Die Politikwissenschaftlerin und Bildungsforscherin von der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg, Ellen Kollender, setzt sich in ihrem Beitrag „Die sind nicht unbedingt auf Schule orientiert“, indem sie Formationen eines ‚racial neoliberalism‘ aufzeigt und (neo-)rassistische Ein- und Ausschließungspraktiken im Kontext der Schule diskutiert. Die Autorin zeigt auf, dass die institutionalisierten, mentalitätsorientierten und curricular und lehr- und lernprofessionalisierten Einstellungen und Zuschreibungen an „Eltern, denen ein Migrationshintergrund zugeschrieben wird und die nicht entsprechend bildungsbürgerlicher Verständnisse von ‚engagierter Elternschaft‘ (sichtbar) in der Schule agieren, als ‚Risiko-Gruppe‘ sowie potentielle ‚Integrations- und Leistungsverweigerer‘ zur Schule und anderen Eltern positioniert“, zu neuen Formen von „racial neoliberalism“ führen.

Tarek Naguib hat sch als Jurist auf Antidiskriminierungsrecht spezialisiert. Er lehrt an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, der Universität Fribourg und der Humboldt-Universität in Berlin. Mit seinem Beitrag „Mit Recht gegen Rassismus“ stellt er kritische Überlegungen zum Verhältnis von Recht und Antirassismus am Beispiel der schweizerischen Strafnorm zur Rassendiskriminierung an. Die 1994 eingeführte Strafnorm wird anhand von verschiedenen Rechtstheoriebildungen und völkerrechtlichen Werte- und Normenvorstellungen nach alltäglichen und strukturellen, Erfolgs- und Misserfolgswirkungen befragt. Dabei wird deutlich, dass „Strafrecht dazu beitragen kann, institutionelle Rassismen zu bekämpfen“; gleichzeitig aber werden Probleme erkennbar, wenn „Antirassismus an den Staat delegiert wird und damit die Deutungshoheit darüber, was Antirassismus sein soll, quasi staatlich akkreditieren lässt mit dem Risiko, Kämpfe gegen strukturelle Rassismen zu delegitimieren“.

Die Hamburger Soziologin Marianne Pieper setzt sich mit ihrem Beitrag „Assemblagen von Rassismus und Ableism“ damit einander, wie selektive Inklusion und die Fluchtlinien affektiver Politiken in emergenten Assoziationen wirksam werden. Rassismus und Ableismus sind Formen von Diskriminierung und Herabwürdigung der Menschenwürde. Die Autorin verweist mit ihren theoretischen und analytischen Beispielen auf die Notwendigkeit, im Forschungsprozess „eine forschungsstrategische Sensibilität zu entwickeln für Ereignisse des Werdens und für das Auftauchen von Potenzialitäten in den sich beständig aktualisierenden Deterritorialisierungsbewegungen sozialer Verhältnisse“.

Die an der Frankfurter Goethe-Universität forschende Politikwissenschaftlerin Susanne Schultz macht sich Gedanken über „Die zukünftige Nation“, indem sie über die Demografisierung von Migrationspolitik und neuen Konjunkturen des Rassismus reflektiert. Sie zeigt auf, dass in der aktuellen Demografiepolitik ein Konfliktfeld deutlich wird, indem „verschiedene Hegemonieprojekte und verschiedene Konzepte der Nation, und insofern auch verschiedene rassistische Konjunkturen, aufeinandertreffen“. Rassismuskritik muss eine anti-demografiepolitische Intervention beinhalten.

Die Berliner Soziologin mit Schwerpunktforschung zu „Migration, Rassismus und Geschlechterverhältnisse“, Juliane Karakayali, führt in englischer Sprache ein Interview mit der australischen Sozialwissenschaftlerin Alana Lentin. Sie titeln es mit „Bringing Race Back in“, indem sie über „Racism in ‚Post-Racial‘ Times“ diskutieren, und zwar zum einen im Vergleich der Diskurse in Australien und anderen Ländern in der Welt mit den gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen in Deutschland; zum anderen, indem sie sich um gemeinsame Positionen bemühen: „We need to understand how race continues to morph itself and adapts itself to ever new situations“.

Im Kapitel „Interventionen“ werden Forschungen vorgestellt, die sich mit aktuellen rassistischen Ereignissen und Rezeptionen auseinandersetzen. Die Doktorandin an der Willy Brandt School of Public Policy in Erfurt, Miriam Aced, und der Doktorand Veit Schwab von der britischen University of Warwick, thematisieren in englischer Sprache die Situation von „Students of Colour“ in europäischen Hochschulen. In Anlehnung an den Critical Whiteness-Diskurs entwickeln sie mit ihrem Beitrag „Adressing Whiteness with/in“ eine Theorie der Ciritical Migration Studies: „We propose to acknowledge and collectively scrutinise these political interventions, particularly with regard to the challenge they pose for Critcal Migration Studies, the activist-academic space we inhabit and shape“ (vgl. auch: Miriam Aced / Tamer Düzyol / Arif Rüzgar / Christian Schaft, Hrsg., Migration, Asyl und (post-)migrantische Lebenswelten in Deutschland. Bestandsaufnahme und Perspektiven migrationspolitischer Praktiken, 2014, www.socialnet.de/rezensionen/20570.php).

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld, Mai-Anh Boger, und Nina Simon von der Universität Bayreuth stellen mit ihrem Beitrag „zusammen – getrennt – gemeinsam“ das von ihnen entwickelte 14wöchige universitäre Seminarkonzept zur Rassismuskritik vor. Ziel ist, „zusammen eine fachliche Grundlage zum Thema Rassismus zu legen, getrennt zu reflektieren, was die Positionsabhängigkeit unseres Sprechens und Tuns eröffnet und verschließt, und schließlich gemeinsam zu überlegen, was wir aus diesen Positionen heraus tun können“.

Die Kulturwissenschaftlerin Gabriele Dietze setzt sich mit ihrem Beitrag „Ethnosexismus“ mit „Sex-Mob-Narrativen“ um die Kölner Sylvesternacht auseinander. Mit dem Begriff „Ethnosexismus“ verweist sie zum einen auf die sprachliche Nähe zu Ethno- und Eurozentrismus, zum anderen auf den Zusammenhang von „Racing Sex und Sexing Race“, wie er von der Soziologin Joane Nagel formuliert wurde. Mit dem Exempel „arabischer Mann“ wird eine Wissenskategorie „in einer bestimmten autoritativen Version .. etablier.(t)“.

Lee Hielscher steuert einen weiteren Beitrag zum migrantisch-situiertem Wissen um die Bedeutungsebenen des NSU-Terrors bei: „Das Staatsgeheimnis ist Rassismus“ bei. Er verweist auf die Tendenz, „Rassismus lediglich als unaufgeklärten, ungebildeten und unmodernen politischen Extremismus zu verstehen“, während eine Auseinandersetzung darüber „nicht imaginiert werden (kann), sondern ( ) ausgehend von den Taten des NSU neu erdacht werden (muss)“.

Die Berliner Politikwissenschaftlerin Sophie Schlüter und die Osnabrücker Doktorandin Katharina Schoenes gewähren mit ihrem Beitrag „Zur Ent-Thematisierung von Rassismus in der Justiz“ einen Einblick in die Arbeit der Prozessbeobachtungsgruppe Rassismus und Justiz. Es sind Formen von offenem und verdecktem Rassismus, der Reflexion von Machtverhältnissen im Gerichtssaal, die deutlich machen: „Der Rassismus der Justiz und der Rassismus der Gesellschaft gehen Hand in Hand und stützen sich gegenseitig“.

Im Kapitel „Forschungswerkstatt“ stellt Johanna Elle vom Göttinger Labor für kritische Migrations- und Grenzregimeforschung mit ihrem Beitrag „Zwischen Fördern, Integrieren und Ausgrenzen“ Ambivalenzen und Spannungsfelder bei Sprachlernklassen an Grundschulen vor. Sie referiert ihre Forschungsergebnisse in mehreren Göttinger Grundschulen und stellt entgegen der oftmals allzu euphorischen, kultusministeriellen Erfolgsmeldungen über die Einführung von Sprachlernklassen erhebliche Probleme fest, etwa, „dass der Umgang mit herkunftsbezogener sprachlicher Diversität in den Schulen zwar auf Bedürfnisse reagiert, schlussendlich aber aufgrund der inkonsequenten Verfolgung der postulierten Prämisse ‚Teilhabe‘ scheitert (vgl. dazu auch: Elina Marmer / Papa Sow, Hrsg., Wie Rassismus aus Schulbüchern spricht. Kritische Auseinandersetzung mit »Afrika«-Bildern und Schwarz-Weiß-Konstruktionen in der Schule – Ursachen, Auswirkungen und Handlungsansätze für die pädagogische Praxis, 2015, www.socialnet.de/rezensionen/19729.php).

Der Geograph und Stadtentwickler Valentin Domann thematisiert die bekannten und vielfach kritisierten Probleme von „Rassismus auf dem Wohnungsmarkt“. Ethnische Segregation vor allem in Großstädten ist Diskriminierungsfakt. In der Stadtentwicklung jedoch werden diese Phänomene jedoch wenig berücksichtigt. Der Autor beschreibt die Methode „Paired Ethnic Testing“, mit der rassistische Diskriminierungen ermittelt werden können. Gleichzeitig aber verweist er auch auf die Schwächen und Probleme der Methode und plädiert dafür, Beratung und Testung zusammen zu bringen und einen stärkeren Blick auf die Forschung auf diesem Gebiet zu lenken.

Die Göttingen Islamwissenschaftlerin und Geschlechterforscherin Karima Popal informiert mit ihrem Beitrag „Akademische Tabus“ über Formen von Rassismus in Universität und Studium. Sie vermisst an den Universitäten eine objektive und tätige Auseinandersetzung darüber: „An der Universität existieren .. weder institutionalisierte Räume noch Sprechweisen, innerhalb derer sich ein Wissen und Bewusstsein über, oder eine generelle Auseinandersetzung mit Rassismus entwickeln könnte“.

Den Schlussbeitrag im Sammelband liefert die Migrationsforscherin von der Universität Freiburg, Inga Schwarz, mit ihrem englischsprachigen Text „Racializing freedom of movement in Europe“. Sie richtet ihren Blickpunkt auf die postulierte Freizügigkeit des Reisens in Europa und findet dagegen immer strikter wirkende Grenzkontrollen und Zurückweisungen: „What we have to konfront is .. the spurious arguments governments use to restrict intra-European and external borders“.

Fazit

Wenn Rassismus, Ethozentrismus, Höherwertigkeitsvorstellungen und Fremdenfeindlichkeit in (eigentlich) freiheitlichen, demokratischen, postmigrantischen Gesellschaften wenn auch nicht zur Normalität, aber doch zu geduldeten, aufmerksamkeitsreduzierten Denk- und Verhaltensweisen werden, ist etwas faul in der Gesellschaft. Dort wo das höchste, humane Gut, Menschenwürde, nicht mehr geachtet wird, verkommt die Gesellschaft zu einem egoistischem, unsolidarischem Ort. Deshalb ist es wichtig und notwendig, immer wieder Menschen aufzuklären und zu bilden. Die Grundlagen dafür werden in den wissenschaftlichen Theoriebildungen und Forschungen gelegt. Das Göttinger Labor für kritische Migrations- und Grenzregimeforschung gibt mit dem der Initiative kritnet und der Herausgabe der Halbjahreszeitschrift „movements“ Richtungen und Handlungsanregungen vor. Obwohl rassistisches Denken und Handeln anscheinend in der deutschen Gesellschaft zunimmt, geben die wissenschaftlichen Expertisen Hoffnung, dass sich durchsetzt, was mit den demokratischen, lokalen und globalen Werten Menschenwürde, Empathie und Solidarität Menschsein ausmacht.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 12.10.2016 zu: Kijan Espahangizi, Sabine Hess, Juliane Karakayali, Bernd Kasparek, Simona Pagano u.a. (Hrsg.): Rassismus in der postmigrantischen Gesellschaft. transcript (Bielefeld) 2016. ISBN 978-3-8376-3570-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21460.php, Datum des Zugriffs 19.08.2019.


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