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Ulrike Pohlmann: Haltung entwickeln - Qualität zeigen

Cover Ulrike Pohlmann: Haltung entwickeln - Qualität zeigen. Ein Kompass zur Eltern-, Familien- und Sozialraumorientierung. verlag das netz (Berlin) 2016. ISBN 978-3-86892-122-9.
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Thema

Im vorliegenden Werk wird der Ansatz der Qualitätsentwicklung im Diskurs vorgestellt, der für eine Anwendung in Kindertagesstätten entwickelt wurde. Der Ansatz richtet sich an pädagogische Fachkräfte, Leitungskräfte, Fachberatungen und Träger, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Qualität ihrer Arbeit in Bezug auf die Eltern-, Familien- und Sozialraumorientierung zu verbessern und nachhaltig zu sichern. Der Ansatz soll dazu befähigen, die eigene Arbeit und insbesondere die persönliche Haltung zu reflektieren, den Blick auf die individuellen Bedingungen und Bedarfe der jeweiligen Einrichtung und ihrer Klientel zu richten und diese in die Planungen miteinzubeziehen.

Entstehungshintergrund

Der Ansatz der Qualitätsentwicklung im Diskurs wurde im Rahmen des rheinland-pfälzischen Landesprogramms Kita!Plus entwickelt welches von der Hochschule Koblenz in Kooperation mit dem Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen Rheinland-Pfalz durchgeführt wurde. Das Programm wurde in vielen Einrichtungen erprobt und so weiterentwickelt, dass es jetzt träger- und ortsunabhängig in jeder Kita durchgeführt werden kann.

Aufbau und Inhalt

Das vorgestellte Werk wird in einem Arbeitsordner geliefert. Dieser beinhaltet ein Begleitheft sowie ein Register mit verschiedenen Arbeitsmaterialien. Im Begleitheft wird Hintergrundwissen zur Anwendung des Ansatzes vermittelt, im Ordner selbst werden die konkreten Schritte erklärt.

Nach einer kurzen Einleitung werden in Teil A des Begleithefts grundlegende Informationen zum Ansatz der Qualitätsentwicklung im Diskurs vorgestellt. Der Ansatz soll pädagogischen Fachkräften in Kindertageseinrichtungen helfen, die eigene Arbeit in Bezug auf die Bereiche Eltern- und Familienorientierung sowie Sozialraumorientierung zu evaluieren. Die Autoren gehen in diesem Zusammenhang noch einmal kurz darauf ein, warum die Beachtung dieser Themen für die heutige Arbeit in pädagogischen Institutionen von Bedeutung ist.

Im Anschluss unterteilen die Autoren die beiden übergeordneten Bereiche in acht kleiner gefasste Teilbereiche, durch die eine gezielte Auseinandersetzung mit einzelnen Aspekten möglich werden soll. Es handelt sich dabei um die Themen Erziehungs- und Bildungspartnerschaft, Familienorientierung, Elternbeteiligung und die Gestaltung der Übergänge sowie Sozialraum- und Gemeinwesenorientierung, Bedarfsorientierung, Vernetzung mit anderen Institutionen und Bedarfsplanung, die ebenfalls noch einmal kurz erläutert werden.

Der Bearbeitungszeitraum für ein ausgewähltes Thema beträgt ein Jahr. Die Autoren empfehlen eine Zusammenarbeit mehrerer Einrichtungen in sogenannten Regionalgruppen, die von ausgebildeten ProzessbegleiterInnen unterstützt werden. Jeweils zwei Fachkräfte einer Einrichtung („Tandem“) besuchen regelmäßige Veranstaltungen und nehmen Reflexionsfragen und Aufgaben zur weiteren Bearbeitung mit in ihr Team hinein.

Ein Grundstein des Ansatzes der Qualitätsentwicklung im Diskurs ist das Verständnis, dass alle an der Bildung und Erziehung von Kindern in Kindertageseinrichtungen Beteiligten, also Leitungen, Fachkräfte, Eltern und weitere Angehörige des jeweiligen Sozialraums, kompetente Partner sind, die auf Augenhöhe zusammenarbeiten sollten, um bestmögliche Bedingungen für das Aufwachsen von Kindern schaffen zu können. Es wird betont, dass Qualität nur dort entstehen und nachhaltig gesichert werden kann, wo alle Beteiligten ihren Beitrag dazu leisten.

In Teil B werden die drei Säulen des Ansatzes und deren Bearbeitung vorgestellt. In jeder Phase gibt es einen Theorieteil, dessen Inhalte durch Aufgabenstellungen und Reflexionsfragen näher bearbeitet werden sollen. Rückkopplungsschleifen am Ende einer jeden Phase sollen ermöglichen, die bereits unternommenen Schritte noch einmal zu überprüfen. Die Autoren betonen noch einmal die Wichtigkeit des Einbezugs sämtlicher beteiligter Personen. Nur im Diskurs aller kann ein gemeinsames Verständnis von Qualität entwickelt werden, welches wiederum als Grundlage für Veränderungen genutzt werden kann.

Im ersten Teil des Ordners „Haltung entwickeln“ nähern sich die Autoren zunächst dem Begriff der Haltung aus verschiedenen Perspektiven an und unterstreichen die Bedeutung der Reflexion dieser für das professionelle Handeln von pädagogischen Fachkräften. Reflexionsfragen erleichtern das Nachdenken über die eigene Haltung, über die sich anschließend im Diskurs mit anderen ausgetauscht werden soll. Damit dies gelingen kann, werden auch der Diskurs und die Diskurskultur näher beschrieben. Abschließend werden auch Schritte zum Vorgehen beim selbstständigen Evaluieren vorgestellt.

Anschließend werden die Inhalte der drei Säulen des Ansatzes erklärt. In allen drei Bereichen werden Begrifflichkeiten geklärt, theoretisches Hintergrundwissen vermittelt und einzelne Schritte genau beschrieben. Reflexionsfragen helfen, einen Einstieg in das jeweilige Thema zu finden sowie dieses zu vertiefen.

  1. Säule eins „beobACHTEN“ hilft bei der Schaffung eines gemeinsamen Begriffsverständnisses von der Eltern-, Familien- und Sozialraumorientierung im Allgemeinen und bezogen auf die konkrete Einrichtung durch ein „beobachten“ des eigenen Handelns und der eigenen Haltung. Das Hervorheben der Achtung steht für Wertschätzung und Respekt, die die Grundlage für gegenseitiges Vertrauen bilden, ohne das wiederum keine Veränderungen möglich wären, für das Achten unterschiedlicher Sichtweisen und die Würdigung des Teams, ihre Arbeit verbessern zu wollen. Im Anschluss werden die acht oben genannten Teilbereiche noch einmal etwas ausführlicher vorgestell und deren Bedeutung hervorgehoben. Zum Abschluss der Phase wird im Team reflektiert, welcher Teilbereich für die nähere Bearbeitung ausgewählt wird.
  2. Säule zwei „Gemeinsam entwickeln“ beinhaltet drei Schritte: die Analyse der Rahmenbedingungen, das Bestimmen externer und interner Faktoren sowie verfügbarer Ressourcen sowie das Entwickeln gemeinsamer Ziele. Wie dies gelingt, wird Schritt für Schritt vorgestellt.
  3. In Säule drei „Gemeinsam Praxis gestalten“ geht es darum, konkrete Veränderungen zu planen und umzusetzen. Dabei soll Bewährtes genutzt und mit Neuem verbunden werden. Basis für die Veränderungen sind die Ergebnisse aus den vorhergehenden Phasen.

In jedem Abschnitt wird auf mögliche anzuwendende Methoden verwiesen, die in der Materialsammlung vorgestellt werden. Für jede Methode werden dort die Zielgruppe, die konkreten Ziele, das Vorgehen und der benötigte Zeitbedarf beschrieben.

Diskussion und Fazit

Der konkrete Blick auf die Bedarfe von Kindern und Familien in der Kindertagesstätte und eine entsprechende Beachtung dieser in sämtlichen Bereichen des pädagogischen Alltags ist für die Qualität der Arbeit ebenso von Bedeutung wie die Öffnung nach außen und eine Vernetzung mit Partnern im Sozialraum. Insofern hat der Inhalt des Werkes eine hohe Relevanz für die Praxis von Kindertageseinrichtungen.

Die Einführung in den Ansatz der Qualitätsentwicklung im Diskurs erfolgt in ausreichendem Umfang, sodass dieser von interessierten Fachkräften ohne größere Probleme angewendet werden kann. Insgesamt sind alle Texte leicht verständlich geschrieben und Begrifflichkeiten gut erklärt. Beispiele erleichtern an einigen Stellen das Verständnis.

Besonders hilfreich erscheint die Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung, die das persönliche berufliche Handeln so maßgeblich beeinflusst, deren Reflexion im Kindertagesstättenalltag jedoch häufig zu kurz kommt. Die vielen Fragen erleichtern die Auseinandersetzung und laden dazu ein, die eigene Haltung auch in Bezug auf andere Themen einmal näher zu betrachten. In Verbindung mit dem Blick auf die individuellen Bedingungen vor Ort und den Einbezug aller Beteiligten können Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden, die für die jeweilige Einrichtung maßgeschneidert und dadurch besonders nachhaltig sind.

Es ist von Vorteil, dass möglich anzuwendende Methoden direkt im Anhang zu finden sind und somit keine zusätzliche Literatur notwendig wird. Alle Methoden sind kurz und bündig erklärt und dadurch leicht umzusetzen. Die Zusammenstellung ist vielfältig und bei Bedarf auch in anderen Bereichen einsetzbar.

Die Wahl eines Ordners ist zwar praktisch, um die Theorie und erarbeitete Materialien, Protokolle und Dokumentationen aus der Praxis zusammen aufbewahren zu können, wäre aber nicht unbedingt notwendig gewesen.

Die Autoren formulieren, dass Fachkräfte durch die Arbeit mit ihrem Ansatz auf mehreren Ebenen profitieren können. Diese Ebenen sind die Wissenserweiterung im Bereich der Eltern-, Familien- und Sozialraumorientierung, die Anleitung zur bewussten Auseinandersetzung mit der persönlichen Haltung und eine damit verbundene verbesserte Reflexionsfähigkeit, die Stärkung von Kompetenzen zum Umgang mit Veränderungen sowie das Erlernen neuer Methoden und Moderationstechniken. Dieses Ziel wird meiner Ansicht nach erreicht.

Für alle Kindertagesstätten-Teams, die mehr Gewicht auf den Einbezug der Familien und des Sozialraums legen wollen, ist das Werk daher empfehlenswert.


Rezensentin
Jessica Krämer
Kindheitspädagogin B.A., Erzieherin
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Diese Rezension ist als Studienleistung im Rahmen des weiterbilden Masterstudiengangs Kindheits- und Sozialwissenschaften der Hochschule Koblenz (www.hs-koblenz.de/maks) entstanden.


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Zitiervorschlag
Jessica Krämer. Rezension vom 28.10.2016 zu: Ulrike Pohlmann: Haltung entwickeln - Qualität zeigen. Ein Kompass zur Eltern-, Familien- und Sozialraumorientierung. verlag das netz (Berlin) 2016. ISBN 978-3-86892-122-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21470.php, Datum des Zugriffs 25.07.2017.


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