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Christian Swertz: Didaktisches Design

Cover Christian Swertz: Didaktisches Design. Ein Leitfaden für den Aufbau hypermedialer Lernsysteme mit der Web-Didaktik. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2004. 120 Seiten. ISBN 978-3-7639-0193-7. 21,80 EUR.
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Einführung in das Thema

Wie gestaltet man Online-Lernumgebungen unter didaktischen Gesichtspunkten ? Nach welchen Kriterien sollten Wissensinhalte ausgewählt und zusammengestellt werden? Und wie sollte dieses Wissen schließlich aufbereitet werden? Subsumiert werden diese Fragen unter dem Begriff: Didaktisches Design. Die Entwicklung mediengerechter und didaktisch fundierter Lernumgebungen nimmt zunehmenden Raum innerhalb verschiedener pädagogischer Fachrichtungen ein. Online-Lernen, E-Learning beginnt in der Jugendarbeit (vgl. die Rezension zu Schindler, W.: Bildung und Lernen online. E-Learning in der Jugendarbeit) weiter über allgemeinbildende und berufsbildende Schulformen bis hin zu E-Learning in der Fort- und Weiterbildung und im Rahmen der Erwachsenenbildung. Viele der dort tätigen PädagogInnen werden künftig auch die Kompetenzen erwerben müssen, die sie befähigen, Schritt für Schritt, von der didaktischen Planung über die Realisierung einzelner Bildschirmseiten bis zur Qualitätssicherung Online-Lernprozesse zu gestalten. Das auch unter den Begriffen "Didaktische Ontologie" und "Bielefelder-Duisburger Didaktik" inzwischen aber durchgängig als Web-Didaktik verortete Konzept ist zudem nicht nur auf das Medium Web eingeschränkt, sondern kann auch in anderen didaktischen Zusammenhängen Anwendung finden. Dies zeigt sich auch darin, dass das Buch selbst nach den Prinzipien der Web-Didaktik aufgebaut ist. Die hier vorgestellte Web-Didaktik ist universell anwendbar und kann auch im Rahmen des Wissensmanagements und der Personalentwicklung in Unternehmen ihren Einsatz finden kann. Das Ziel des Buches ist, die didaktische Organisation von Wissen unter dem Aspekt der Handlungsfähigkeit (also: wie bereite ich Lernmaterial didaktisch auf?) und im Bezug auf das Verständnis (also: warum tue ich dies?) zu vermitteln.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in eine grafische Übersicht, ein Vorwort und 3 Kapitel sowie einem Anhang gegliedert, wobei sich die drei Kapitel in der grafischen Übersicht zu Beginn des Buches wieder finden. Jedes Kapitel ist in die Bereiche Orientierung, Erklärung, Handlung und Aufgabe untergliedert.

1. Vorwort. Das Vorwort von Prof. Dr. Norbert Meder ordnet das Buch in den Kontext der anderen Bücher der Serie "Wissen und Bildung im Internet" ein und gibt einen kurzen Überblick über die einzelnen Kapitel.

2. Didaktische Wissensorganisation. Der Autor gibt hier eine erste Orientierung über die Ziele des Buches und den Aufbau nach dem didaktischen Modell des deduktiven Lernens. Es geht also zunächst um hierarchische Wissensanordnung von oben nach unten, bevor es in die Breite des Themas geht. Dann folgt eine Erklärung über die Verwendung des Ansatzes im Kontext des Buches und ein Abschnitt zur Handlung, der in sechs Punkten aufzeigt, wie die Auseinandersetzung mit dem Buch vom Leser organisiert werden kann. Das Kapitel endet mit einer Aufgabe zur didaktischen Aufbereitung von Lernmaterialien.

3. Didaktik. Die Allgemeine Didaktik zeigt in einer kurzen Orientierung die allgemeinen Grundsätze der Didaktik auf und erklärt dann detaillierter die didaktische Wissensorganisation und den daraus resultierenden Lernprozess. Die einzelnen Handlungsschritte zeigen dann auf, wie die didaktische Aufbereitung von Lernmaterialien durchzuführen ist. Eine Aufgabe zur Didaktik beendet diesen Teil des 3.Kapitels.

Im Abschnitt zu den Bedingungsfeldern, geht es in der Orientierung darum, die mögliche Vielfalt der Analyse der Bedingungen zu erläutern, während die Erklärung sich konkret auf die Kultur-, Zielgruppen-, Organisations-, Ressourcen-, Vorgabe- und Anforderungsanalyse bezieht. Wie dies im Einzelnen ausdifferenziert wird, kann dem Abschnitt Handlung entnommen werden. Auch hier beendet eine thematische Aufgabe das Unterkapitel.

Die verschiedenen Ebenen der Entscheidungsfelder werden in Kapitel 2.1.2. in der Orientierung kurz erläutert. Die Erklärung bezieht sich über die Kompetenzen, Rollen, Inhaltsauswahl, didaktische Modelle und die Qualitätssicherung , also auf die konkreten Möglichkeiten, diese Entscheidungsfelder zu gestalten. Die Handlung zeigt wieder die praktische Umsetzung auf und eine Aufgabe beendet das Kapitel.

Der Hauptteil des Buches widmet sich der Web-Didaktik. Dazu wird dieser Ansatz zunächst in die Informationswissenschaft, Bildungstheorie, Medientheorie und die Didaktik eingeordnet. Interessant und bedeutsam ist in der Web-Didaktik, dass jedem Inhalt nur ein einziger Terminus zugeordnet werden darf. Die Dekontextualisierung zeigt theoretisch und praktisch (wieder über den Aufbau Orientierung/Erklärung/Handlung) auf, dass Inhalte ausgewählt werden müssen, dass ein Lehrplan erstellt werden muss, der nur bestimmte Teile des gesamten Wissensbestandes an die Lernenden weitergibt. Immer mit praktischem Bezug zum didaktischen Aufbau des Buches, werden auch die Lerneinheiten, also die Anordnung der Lerninhalte thematisiert. Es werden praktische Hinweise zum Umfang der Lerneinheiten im Bezug auf das Online-Lernen gegeben. Die Wissenseinheiten beziehen sich im Folgenden auf das rezeptive, interaktive und kooperative Wissen bzw. derart gestaltete Wissenseinheiten. Wie diese Wissenseinheiten genau aufgebaut werden, wird detailliert beschrieben. Die Medieneinheiten erläutern die verschiedenen medialen Möglichkeiten beim Online-Lernen und deren didaktisch sinnvollen Einsatz. Bei der Rekontextualisierung werden die Wissenseinheiten in einen Lernverlauf geordnet, wie dies didaktisch geschehen kann, wird in einem Handlungsverlauf dargestellt. Mögliche Zusammenhänge zwischen zwei Lerneinheiten werden durch Relationen hergestellt, auf die verschiedenen Relationstypen wird übersichtlich eingegangen. Um aus den Wissens- und Lerneinheiten größere und übersichtliche Einheiten zu gestalten, werden Kursmodelle und deren Erstellung dargestellt, die nach einer allgemeinen Thematisierung noch einmal in die didaktischen Makromodelle, Mikromodelle und Medienmodelle aufgeschlüsselt werden.

4. Qualitätssicherung. Im letzten Kapitel des Buches geht es um die Qualität des Lernmaterials und die Überprüfung der Lernumgebung. Dazu wird in inhaltliche und didaktische Qualitätskriterien unterschieden.

5. Anhang

Der Anhang bietet Antworten auf die Aufgaben, ein Literaturverzeichnis, einen Index und einen kurzen Bereich mit FAQ (Frequently Asked Questions).

Zielgruppe

Tele-Tutoren, WissenschaftlerInnen, PädagogInnen, MitarbeiterInnen in der Fort- und Weiterbildung, Lehrende und Studierende kommunikationspsychologischer und erziehungswissenschaftlicher Studiengänge,

Bewertung

Das Buch verfolgt einen äußerst interessanten, wissenschaftlich fundierten aber dennoch sehr praxisorientierten Ansatz, der sachlogisch sehr gut in der Praxis Anwendung finden kann. Ein besonders hilfreicher Aspekt zur Verdeutlichung des Ansatzes ist der Aufbau des Buches nach genau diesen Prinzipien der dort dargestellten Web-Didaktik. Das Buch "Didaktisches Design" von Christian Swertz wird so gleichzeitig zum anschaulichen Beispiel für genau die didaktische Aufbereitung von Lernmaterial, die in ihm beschrieben wird. Der Umfang von nur gut 100 Seiten lädt zudem ein, sich mit dem Buch komplett auseinander zu setzen und nicht nur einzelne Kapitel für die Realisierung heranzuziehen. Was die Gestaltung oder eben das "Design" des Buches betrifft, so wäre hier etwas mehr möglich gewesen, um die didaktische Präsentation der Inhalte anschaulicher und vor allem ansprechender zu gestalten.

Negativ anzumerken ist, dass die Beispiel Webseiten zur praktischen Betrachtung der Webdidaktik auf S.26 alle an mehreren Versuchstagen nicht zu erreichen waren bzw. nicht mehr verfügbar sind.

Fazit

Das Buch Didaktisches Design von Christian Swertz ist jedem Pädagogen zu empfehlen, der sich in ersten Gedankengängen oder aber auch schon konkret mit der Idee beschäftigt, Online-Lernen in seine Lehrtätigkeiten aufzunehmen.


Rezensent
Michael Kobbeloer
ist Autor, Trainer und Vortragsredner. Er erlebte das Bildungssystem aus allen Perspektiven und gab zuletzt seinen Beruf als Studiendirektor und Leiter einer Fachschule auf. Mit "emodaktik® - lernen erLeben" hat er sein Konzept der "Emotionalen Didaktik" umgesetzt und begleitet Lehrende auf dem Weg in ein zukunftsorientiertes Bildungssystem. Er ist unter anderem zertifizierter Trainer für emotionale und erfahrungsorientierte Lernmethoden sowie LernPROzess-Trainer
Homepage www.kobbeloer.de
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Zitiervorschlag
Michael Kobbeloer. Rezension vom 11.01.2005 zu: Christian Swertz: Didaktisches Design. Ein Leitfaden für den Aufbau hypermedialer Lernsysteme mit der Web-Didaktik. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2004. ISBN 978-3-7639-0193-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2148.php, Datum des Zugriffs 22.09.2019.


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