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Björn Migge, Rudi Fränkle: 75 Bildkarten sinnorientiertes Coaching

Cover Björn Migge, Rudi Fränkle: 75 Bildkarten sinnorientiertes Coaching. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2016. 32 Seiten. ISBN 978-3-407-36576-7. D: 49,95 EUR, A: 51,40 EUR, CH: 64,30 sFr.
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Thema

„Bildkarten gehen wie verrückt“, sagte schon vor einer Weile ein befreundeter Händler für Literatur und Materialien für Coaching und Supervision. Das Arbeiten mit Bildern hat einen festen Platz im methodischen Repertoire von Berater*innen. Sie gehören in die Abteilungen „Arbeiten mit analogen Methoden“. „Analoge“ Methoden öffnen den Schatz des Unbewussten, so dass er für Erkenntnisse und Problemlösungen zu Verfügung steht. Mehr als bei anderen Methoden wird bei der Arbeit mit Bildern deutlich, dass die Dinge nicht per se eine Bedeutung haben, sondern dass Bedeutung immer gegeben wird – ebenso wie „Sinn“. Bedeutungsreframing ist ebenso eine wiederkehrende Aufgabe im Coaching wie Sinngebung. Hier setzt auch der Text im Begleitheft von Migge an: Der erste Abschnitt ist überschrieben mit „Vom Sinn“.

Autoren

Dr. Björn Migge ist der Autor einer Reihe von Coachinglehrbüchern. Er hat soziale Verhaltenswissenschaft, Philosophie und Medizin studiert und in Zürich als Oberarzt und Universitätsdozent gearbeitet. Er betreibt in Westfalen ein Ausbildungs- und Trainingsinstitut für Coaching.

Rudi Fränkle ist seit Jahrzehnten ein ambitionierter Hobbyfotograf, der auch schon die Fotos für die Sammlung „75 Bildkarten Schema-Coaching“ geliefert hat.

Aufbau und Inhalt

Die Box enthält 75 farbige Fotokarten im DinA5-Format, die Rudi Fränkle fotografiert hat, und ein Begleitheft mit Texten und Methoden von Björn Migge.

21 Abschnitte umfasst das Heft, alle bezogen auf das Thema „Sinn“. Der erste ist überschrieben mit „Vom Sinn“, der zweite mit „Mehr als nur reden“ – beide zusammen beschreiben gut das Programm dieser Sammlung. Natürlich hat die „klare kognitive sprachliche Arbeit“ (S. 3) ihren Platz im Coaching und wird ihn nicht verlieren. Begleitend aber schaffen andere, emotionsaktivierende, auf die Kompetenz des Unbewussten zielende Methoden einen beraterischen – und gewiss auch therapeutischen – Mehrwert.

Jeder Abschnitt enthält Hinweise zur Arbeit mit den Bildern und Methoden, die sich im Coaching einsetzen lassen – auch im Selbstcoaching: Migge formuliert konkrete Fragen und konkrete Arbeitsaufgaben. Am Ende des Begleitheftes werden alle Fotos im Überblick in schwarz-weiß als Thumbnails abgedruckt.

Auf der Verlagsseite ist das vollständige Inhaltsverzeichnis einsehbar.

Diskussion

Das zugehörige Buch von Migge, Sinnorientiertes Coaching ist bereits bei socialnet rezensiert worden. Die Bildersammlung ergänzt und unterstützt das Gesamtprojekt in einer guten Weise. Die ausgewählten Fotos sind bewusst offen für unterschiedliche Bedeutungsgebungen, sie sind eher symbolischer Art und deshalb in vielen thematischen Zusammenhängen nutzbar. Gegenüber manchen anderen Bildersammlungen gefällt mir hier das A5-Format, das ist vor allem in Gruppensituationen hilfreich.

Dass Bilder im Coaching nützlich sind, bedarf vermutlich keiner Begründung mehr. Im Beiheft von Migge bleibt mir allerdings unklar, wer die primären Adressaten der Box sind. Im Heft heißt es: „Dieses Bildkartenset wendet sich an Profis in Coaching, Supervision, Psychotherapie, Seelsorge und ähnlichen Beratungsformen, die ihre Arbeit mit Klienten hier und da mit dem Medium des Fotos ergänzen möchten.“ (S. 3) Das verstehe ich. Der nächste Satz lautet: „Die einzelnen Übungen sind so formuliert, als würde ein Klient angesprochen, der von einem Coach begleitet ist.“ Das verstehe ich nicht, denn etliche Formulierungen zielen erkennbar nicht auf Selbstcoaching mit dem Material, sondern auf die Verwendung im Coaching: „Besprechen Sie mit Ihrem Coach.“. Das ist mir zu sehr um die Ecke gedacht: Schaut sich der Klient dann Aufgabe und Bild schon mal zuhause an und kommt dann zum Coach oder braucht er im Coaching erst eine Phase der Einzelarbeit? Und dann kommen noch die „Risiken und Nebenwirkungen“ (Migge ist Arzt!): „Bedenken Sie bitte, dass verunsicherte Menschen, die sich gerade in einer Krise befinden, oder psychisch erkrankte Menschen die meisten vorgeschlagenen Übungen nicht allein durchführen sollten, sondern – je nach Art der Beeinträchtigung – hierbei an ihrer Seite einen passenden Profi haben sollten.“ (S. 3) So toxisch sind aber weder Bilder noch Methoden.

Die vorgeschlagenen Methoden sind in ihrer Fragestellung gut und mehr als brauchbar, sie nehmen den Faden des Buches auf, und bauen zum großen Teil aufeinander auf: Klärung von Unklarheit – Statt „Du fragst das Leben“ (Warum nur? Warum ich?): Das Leben fragt dich – Welche Gefühle lösen die Fragen des Lebens in dir aus? – Wie stellst du dich dazu? – Wie antwortest du dem Leben? (Ver-Antwortung) etc. Das ist in sich schon ein recht wirksames Programm zum Coachen in Sinnfragen. Und es steigert durchaus auch das Sinnerleben von Coaches, wenn sie sich nicht nur mit aktuellen Konflikten am Arbeitsplatz, gelingenden Strategien der Karriereplanung, Optimierung des Führungsverhaltens etc. beschäftigen, sondern wenigstens gelegentlich den größeren Horizont in den Blick bekommen dürfen. Ich nehme mir vor, mit dieser Bilder- und Methodensammlung zu arbeiten!

Fazit

Es gibt zahlreiche Bildersammlungen, die im Coaching genutzt werden können. Die Stärke der Box von Migge und Fränkle liegt darin, dass gute Fotos und gute methodische Ideen zueinandergefunden haben. Das macht sie auf jeden Fall empfehlenswert!


Rezensent
Peter Schröder
Pfarrer
(Lehr-)Supervisor (DGSv), Seniorcoach (DGfC)
Homepage www.resonanzraeume.de
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Zitiervorschlag
Peter Schröder. Rezension vom 21.03.2017 zu: Björn Migge, Rudi Fränkle: 75 Bildkarten sinnorientiertes Coaching. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2016. ISBN 978-3-407-36576-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21504.php, Datum des Zugriffs 22.10.2019.


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