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Marieta Koopmans: Feedback. Kritik äußern - Kritik annehmen

Cover Marieta Koopmans: Feedback. Kritik äußern - Kritik annehmen. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2016. 107 Seiten. ISBN 978-3-95571-424-6. D: 16,90 EUR, A: 17,40 EUR.
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Thema

Das Buch gibt Anregungen für den Umgang damit, Kritik so zu äußern, dass andere wirklich zuhören und sie verstehen können, aber auch, wie mit selbsterhaltenen Feedbacks besser umgegangen werden kann. Die Autorin führt in die entscheidenden Regeln ein, diskutiert die Ängste und Emotionen, die dabei eine Rolle spielen. Sie macht deutlich, welche Rolle Feedback für die Weiterentwicklung der Persönlichkeit hat und erarbeitet wichtige Rahmenbedingungen für typische Feedback-Situationen, vor allem im beruflichen Kontext.

AutorIn oder HerausgeberIn

Marieta Koopmans ist Sozialpsychologin und als Organisationsentwicklerin und Coach sowie als Trainerin in der Erwachsenenbildung tätig.

Aufbau und Inhalt

Das Buch umfasst acht Kapitel:

  • Kapitel 1 lädt zu einer Selbstanalyse im Hinblick auf das Geben und Erhalten von Feedbacks ein.
  • Kapitel 2 führt in die Kommunikationstheorie ein, damit die unterschiedlichen Aspekte einer Botschaft erfasst werden können.
  • Kapitel 3 und 4 führen in die Regeln des Geben und Empfangens von Feedback ein und schlagen dazu Regeln vor. Hier orientiert sie sich im Wesentlichen an Schulz von Thun.
  • Kapitel 5 erläutert, warum Feedback manchmal zu Widerständen und Gegenangriffen führt.
  • Kapitel 6 erklärt, welche Emotionen den Umgang mit Feedback erschweren.
  • Kapitel 7 arbeitet heraus, wie Feedback persönliche Wachstumsprozesse initiieren kann.
  • Kapitel 8 stellt verschiedene klassische Einsatzfelder für Feedback vor, das Mitarbeiter*innengespräch oder das Disziplinargespräch etc.

Unter Feedback geben versteht die Autorin: „einer anderen Person Rückmeldung geben. Die Rückmeldung kann verschiedene Bereiche betreffen. Sie können Ihrem Gegenüber die Rückmeldung geben, was Sie von seiner Arbeitsleistung halten. Sie können ihm noch mitteilen, wie sein Verhalten auf andere wirkt und wahrgenommen wird. Da es beim Feedbackgeben auch immer darum geht, wie das Verhalten auf Sie, den Feedbackgeber wirkt, sagt Feedback meistens genauso viel über Sie selbst wie über den Feedbacknehmer aus. Wenn Sie Feedback bekommen, heißt das: jemand anderes sagt Ihnen, wie er ihr Verhalten erlebt und empfindet. Diese Information brauchen Sie, um sicher sein zu können, dass beim anderen etwas so angekommen ist, wie Sie es beabsichtigen. Durch Feedback – erhaltenes wie erbetenes – vergrößert sich Ihre Selbsterkenntnis.“ (11)

Konzeptionell bezieht sich Koopmans vor allem auf das Konzept der Past Reality Integration (PRI von Ingeborg Bosch), bei dem es darum geht, aus dem Herzen heraus zu leben, in Verbundenheit mit dem Selbst, Anderen und der Umwelt, und dem Konzept „Voice Dialogue“, das von dem amerikanischen Psychologen-Ehepaar Hal und Sidra Stone entwickelt wurde. Nach dem Ansatz des Voice Dialogue bilden Menschen nicht nur eine Person aus, sondern im Laufe ihres Lebens ganz verschiedene einzelne Sub-Personen/Persönlichkeitsfacetten. Diese inneren Personen kennenzulernen, bietet zahlreiche Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten: „jeder Mensch kommt mit seiner eigenen besonderen Essenz auf die Welt. Jeder wird als einzigartiges Individuum mit spezifischen genetischen Merkmalen, die sein Erscheinungsbild bestimmen, geboren. Und jeder besitzt seinen eigenen psychisch-seelischen Fingerabdruck: eine einzigartige Qualität, die seine Identität bestimmt und bewirkt, dass er sich von anderen unterscheidet. Es ist die subtile Qualität, die uns ins Bewusstsein kommt, wenn wir an einen bestimmten Menschen denken. Diese Qualität wird von unserem Ich der ersten Stunde getragen, dem verletzlichen Kind, das uns lebenslang begleitet.. Bereits von Geburt an haben wir die Fähigkeit, eine nicht festgelegte Zahl von Sub-Persönlichkeiten zu entwickeln. Sie sind die Bausteine unserer Persönlichkeit, die wir mit den Jahren entwickeln.“ (61). Diese Sub-Persönlichkeiten können auch als Haupt-Selbste verstanden werden, das wären z. B:

  • Der Regelbewacher
  • Der Antreiber
  • Der Perfektionist
  • Der innere Kritiker
  • Der Rechtmacher.

Die Autorin führt zahlreiche Beispiele an, wie sich diese Haupt-Selbste im Kontext des Feedback-Gebens und -Nehmens auswirken.

Ein weiteres Modell, das Koopmans für einen konstruktiven Umgang mit Feedback einführt, ist das Kernqualitäten-Modell von Daniel Ofman, das in den Kontext der positiven Psychologie einzuordnen ist. Ofman beschreibt Kernqualitäten als Eigenschaften, die spezifisch zu einer Person gehören und Teil des Wesens (des Kerns) dieser Person sind. Insofern ist eine Kernqualität eine spezifische Kraft eines Menschen, ein einzigartiges Merkmal, das sein Handeln charakterisiert, und zwar unabhängig von äußeren Umständen. Die verschiedenen Kombinationen der Klangqualität machen jeden von uns zu einer einzigartigen Person.“ (90). In der Entwicklung von Qualitäten sind vier Stadien zu unterscheiden – von nicht entwickelt bis überentwickelt: latent, halb- latent, manifestiert und verformt.

  • Latente Qualitäten sind bereits im Keim vorhanden, müssen sich aber noch entwickeln.
  • Halb-latente Qualitäten sind nur zum Teil entwickelt. Sie sind oft eher im privaten Kontext erkennbar, aber im Arbeitskontext noch nicht oder kaum sichtbar, also nur halb-latent vorhanden. Einschränkende Faktoren - wie zum Beispiel ungleiche Machtverhältnisse -verstärken diese selektive Auswahl
  • Manifestierte Qualitäten sind optimal entwickelt, in dem Sinne dass Individuen freien Zugang zu ihnen haben und sie in Situationen, in denen das notwendig und wünschenswert ist, anwenden können. In dieser manifestierten Form werden Qualitäten zu Kernqualitäten.
  • Ursprünglich waren verformte Qualitäten Kernqualitäten, bevor sie überentwickelt wurden und deshalb auf das Umfeld einen weniger positiven Effekt haben. So wurde aus Fürsorge zum Beispiel Bevormundung aus Flexibilität Launenhaftigkeit.

Grundsätzlich gilt, dass Qualitäten keine starren festen Größen sind, sondern aus Poetentialen entwickelt werden können. Auch eine überentwickelte Qualität kann wieder zu einer manifestierten Qualität werden.

Ofman hat das sogenannte Kernquadrat entwickelt, wenn es um die Einsicht in die eigenen Kernqualitäten geht und Fallen, Möglichkeiten der Weiterentwicklung oder Konfliktquellen mit dem persönlichen Umfeld betroffen sind. Denn Kernqualität und Fallen gehen Hand in Hand, sind untrennbar miteinander verbunden. Versteht man Fallen als Qualitäten, die über das Ziel hinaus geschossen sind, verändert dies die Perspektive und den Umgang mit anderen und sich selbst grundlegend. Statt einer einseitigen Fixierung auf das Negative, kann hinter einem „schwierigen“ Verhalten, die dahinterliegende Qualität gesucht werden: „Fallen, in die wir selbst gerne tappen und die Fallen anderer Menschen, können wir so ganz anders erleben. D.h. auch, dass es uns leichter fällt, Feedback anzunehmen und andere mit den Auswüchsen ihres Verhaltens zu konfrontieren, weil wir auf die dahinterliegende Qualität abzielen.“ (93)

Koopmans präsentiert in ihrem Buch einige Checklisten, vielfältige Fallbeispiele und zahlreiche Übungen, z. B: zu eigenen Erfahrungen mit dem Geben und Entgegennehmen von Feedback (16), Fragen und Antworten zu einem konkreten Fallbeispiel (27, 29), Feedback und dem Kommunikationsmodell (28), Fragen zu eigenen Fällen (35), zur Anwendung von Regeln im persönlichen Kontext (39, 40f), eigenen Emotionen im Feedback-Kontext (45, 47, 50, 56, 67, 83). Es werden außerdem Transfer-Übungen für den eigenen Alltag bereitgestellt (54, 69,80).

Diskussion und Fazit

Koopmans ist ein inspirierendes Buch gelungen, das vielfältige und höchst hilfreiche Anregungen gibt für alle Menschen, die häufig Feedback geben müssen: Lehrkräfte, Berater*innen, Trainer*innen, Führungskräfte. Auch für den eigenen Umgang mit einem erhaltenen Feedback bietet es zahlreiche Impulse. Es ist ein sehr praxisnahes, anwendungsorientiertes Werk, das Theorie und Praxis auf sehr gelungene und ressourcenorientierte Art und Weise miteinander in Verbindung bringt.


Rezensentin
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 04.11.2016 zu: Marieta Koopmans: Feedback. Kritik äußern - Kritik annehmen. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2016. ISBN 978-3-95571-424-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21521.php, Datum des Zugriffs 16.10.2019.


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