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Joachim Armbrust, Gudrun Noll: Besser leiten mit Vertrauen

Cover Joachim Armbrust, Gudrun Noll: Besser leiten mit Vertrauen. Die Kita-Leitung als verlässliche Größe für Kinder, Eltern und Team. Carl Link (Kronach) 2016. 246 Seiten. ISBN 978-3-556-06963-9. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR.
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Thema

Das Buch „Besser leiten mit Vertrauen – die Kita-Leitung als verlässliche Größe für Kinder, Eltern und Team“ bietet Leitungskräften und pädagogischen Fachkräften praxisorientierte Anregungen, um den Arbeitsalltag in Kindertageseinrichtungen im Hinblick auf Vertrauen als Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit angemessen zu gestalten. Die Themen „Vorbild-Sein“, „Vertrauensbildung“ und das „Schaffen von Vertrauensräumen“ nehmen einen besonderen Stellenwert ein.

Die AutorInnen verfolgen das Ziel, Kita-Leitungen und pädagogische Fachkräfte zur Selbstreflexion und zur Vertiefung des Themenfeldes „Leiten mit Vertrauen“ und dem Aufbau von positiven Vertrauenserfahrungen einzuladen. Der Leitsatz „Sorge gut für dich“ richtet sich als Appell an alle Leitungen. Das Selbstbild von Leitungskräften soll stabilisiert werden, weil nur derjenige, der gut für sich sorgt für andere sorgen kann. Im Kontext einer Kindertageseinrichtung bedeutet dies, gut für die Kinder, für die Eltern und für sein Team zu sorgen. Denn eine vertrauensvolle Beziehung gilt als wertvolle Ressource für eine erfolgreiche und gelingende Arbeit.

Autor und Autorin

Joachim Armbrust, Buchautor (Elementarpädagogik); Praxis für Psychotherapie, Paartherapie, Supervison, Coaching, Mediation und Prozessgestaltung.

Gudrun Noll, Diplomsozialpädagogin und Heilpraktikerin für Psychotherapie, selbstständig in eigener Praxis in Schwäbisch Hall; begleitet Menschen in spannungsreichen Lebensphasen.

Aufbau

Der Ratgeber „Besser leiten mit Vertrauen“ gliedert sich in sechs Kapitel.

Im Verlauf des Buches werden die Begriffe „Vorbild“, „Vertrauensbildung“ und das „Schaffen von Vertrauensräumen“ thematisiert.

Inhalt

1. Vorbild-Sein – der Grundstein für Vertrauen. Im ersten Kapitel wird die Bedeutung des „Vorbild-Seins“ auf sachlicher und beruflicher Ebene mit unterschiedlichen Inhalten gefüllt. Hierzu finden vertiefende Überlegungen aus einer pädagogisch-psychologischen Sicht statt. Die Leser können sich im Verlauf des ersten Kapitels auf eine berufliche und persönliche Reflexion des Themas „Vorbild-Sein“ einlassen und bekommen Fragen gestellt wie: „Was beutet Vorbild-Sein für mich und meine Mitmenschen?“. In diesem Zusammenhang erhalten sie einen Einblick in den komplexen Arbeits- und Aufgabenbereich von Leitungen und pädagogischen Fachkräften in Kindertageseinrichtungen. Des Weiteren laden die Autoren zum Bewusstmachen der Vorbildfunktion und zu einem Selbstfindungsprozess im Hinblick auf die Vorbildrolle einer Kita-Leitung ein. Hierbei vermitteln sie Haltungs-Richtlinien wie „Respekt und Wertschätzung“, die sie als besonders wichtig bei der Führung von Mitarbeitern beschreiben. Das Kapitel endet mit einer Geschichte, die dem Leser die Bedeutung des Grundsteins für Vertrauen verbildlicht.

2. Vertrauensbildung und -bedeutung. Dieser Abschnitt beschäftigt sich mit der Vertrauensbildung und dem Schaffen von Vertrauensräumen für Kinder, Eltern und das Team. Die Vertrauensbildung und ihre Bedeutung im Kita-Alltag wird aus der Sicht der Kinder, der Eltern und des Teams beschrieben. Die grundlegende Voraussetzung jeglicher Form von Vertrauensbildung wird anhand von theoretischen und praxisorientierten Beispielen verdeutlicht. Die Fragen „wie wächst Vertrauen“, „was kann die Kita als vertrauensbildende Maßnahme im Alltag einsetzen“ und „wie können Erzieherinnen den Prozess der Vertrauensbildung unterstützen“ werden thematisiert. Jeden Tag wartet in Kindertageseinrichtungen eine verantwortungsvolle Aufgabe, in der es darum geht, Kinder zu begleiten, zu unterstützen und ihnen einen Weg zu weisen. Ein professionelles vertrauensvolles Handeln von Fachkräften in der Frühpädagogik hat Auswirkungen auf die Beziehungsgestaltung zu Mitarbeitern, Kindern und deren Familien. Das Kapitel endet mit einer Geschichte, die berichtet, was geschieht, wenn wir uns auf den hilfreichen Erfahrungen von gestern ausruhen und vergessen, jede Situation neu zu bewerten und neu zu bemessen.

3. Die Kita-Leitung als Vertrauensperson. In diesem Kapitel geht es darum, das Selbstbild einer Kita-Leitung zu finden, zu bilden und zu stärken. Dies wird dadurch begründet, dass die Rolle einer Kita-Leitung vielfältigen äußeren wie inneren Einflüssen ausgesetzt ist. Daher wird konkret auf die Rolle der Kita-Leitung eingegangen. Vertrauensbildung macht einen wichtigen Teil der beruflichen Kompetenz von Leitungskräften aus und erfordert bestimmte Fähigkeiten, die bei einem professionellen Umgang wichtig sind. Die Autoren beschreiben, von welch großer Bedeutung vor allem die Vertrauensbildung und ein reflektiertes Selbstbild im Umgang mit Eltern, Kindern und Mitarbeitern für die Rolle einer Leitungskraft seien. Hierzu beziehen sich die Autoren auf einige Vorschläge zum vertrauensvollen Führen von Kita-Leitungen. Im Vordergrund steht immer die Schaffung eines Klimas des Vertrauens und der gemeinsamen Fürsorge. Die Autoren animieren die Leser dazu, immer wieder neu um ein inneres und gemeinsames Vertrauen zu ringen. Anschließend thematisieren sie wie es gelingt, Vertrauensverlust in Vertrauensstärkung umzuwandeln. Zum Thema Vertrauensverlust wird dem Leser ein komplexes Angebot an Prozessabläufen von Alltags-Konfliktsituationen vorgestellt.

4. Landschaft als Vorräume zur Vertrauensbildung. Im vierten Abschnitt geht es um eine Art Spaziergang, bei dem die Leser durch verschiedene „Landschaften“ als Vorräume zur Vertrauensbildung geführt werden. Auf diesem Weg werden ihnen ganz unterschiedliche Dimensionen, Qualitäten, Sichtweisen und Zugänge vermittelt, die die Vertrauensfrage von verschiedenen Seiten her umkreisen. Aus Sicht der Autoren sollen die Leser Mut haben, sich für neue Perspektiven zu öffnen und sich auf Veränderungen einzulassen, die aus der eigenen Tiefe kommen. Anhand einer Grafik verdeutlichen die Autoren, dass vielerlei Einflüsse auf die Beziehungsräume der Kita einwirken. Die Leitung wird in diesem Zusammenhang als Katalysator vorgestellt, die den erforderlichen Raum dafür zur Verfügung stellt und eröffnet, in dem das gemeinsame Austragen zu einem gemeinschaftlichen Prozess des Loslassens und des Kommenlassens von Neuem werden kann. Im Anschluss gehen die Autoren darauf ein, wie Kinder und Erwachsene ihre Ängste mit Hilfe von Märchen verwandeln und Vertrauen gewinnen können. Die Autoren vermitteln, wie wichtig es ist, Angst ernst zu nehmen und sich ihr zuzuwenden. Denn erst im Zulassen unserer Gefühle können wir ihrer Ansicht nach neue Qualitäten finden.

5. Vertrauensräume brauchen die Fähigkeit zur inneren Selbststeuerung. Das fünfte Kapitel geht darauf ein, dass die Anforderungen von außen zwar selten nachlassen, dass jedoch jeder Moment mit einer inneren Selbststeuerung beginnen kann. Damit eine Leitungskraft vertrauensvoll und erfolgreich führen kann, benötigt sie eine reflektierte Haltung im Umgang mit ihren Mitarbeitern. Eine konstruktive Haltung, die auf gegenseitiges Vertrauen setzt, steht hier im Vordergrund. Eine Selbstreflexion und ein Sich-Selbst-Öffnen liefern eine Grundvoraussetzung dafür, dass sich Vertrauen im Umgang mit Menschen überhaupt erst bilden kann. Die Leser werden zu einer Reflexion eingeladen, in der sie sich darüber Gedanken machen können, welche Handlungsalternativen sie in ihrem Notfallkoffer haben, um eine zementierte und unverrückbare Misstrauenssituation wieder in Bewegung zu versetzen

6. Nachwort. Zum Ende des Buches laden die Autoren die Leser zur Reflexion über Vertrauen im eigenen (Berufs-)Leben ein. Die Leser erhalten erneut die Möglichkeit, Räume der zufriedenstellenden Eindeutigkeit, der beglückenden Erfüllung und der belastenden Ausweglosigkeit im Hinblick auf Vertrauen für sich selbst unterscheiden und ordnen zu lernen. Zum Abschluss des Kapitels drücken die Autoren ihre allergrößte Hochachtung vor dem Berufsstand und den alltäglichen Herausforderungen, die Leitungen und pädagogische Fachkräfte täglich bewältigen aus.

Diskussion

Den Leser erwartet in jedem Kapitel ein vielfältiges Angebot an Fragen, Skizzen, Geschichten und Grafiken, die ihn bei der intensiven Bearbeitung des Themas „Vertrauen“ im Berufsalltag unterstützen. Seitens der Autoren findet eine Fokussierung auf das Thema Vertrauen im Alltag statt. Das Motto „Besser leiten mit Vertrauen“ spricht besonders die Zielgruppe der Leitungskräfte an, da diese als Führungskräfte die Kultur einer Kita prägen und als bewusste wie unbewusste Vorbildfunktion ihrer Mitarbeiter fungieren. Leitungskräfte werden dazu animiert, das Thema Vertrauen aus unterschiedlichen Perspektiven wahrzunehmen.

Hervorzuheben ist, dass der Aufgabenbereich einer Kita-Leitung jedoch sehr heterogen und vielfältig ist. Daher sollen sich Kita-Leitungen das Ziel setzen, ihre Kompetenzerweiterung auf mehreren Ebenen auszubauen. Zum Beispiel benötigt eine Leitungskraft neben einer vertrauensvollen Haltung auch geeignete Management-Instrumente und eine angemessene Kommunikation. Leitungskräfte können dieses Buch nutzen, um sich intensiv mit dem Themenbereich Vertrauen auseinanderzusetzen und neue Impulse für den alltäglichen vertrauensvollen Umgang mit Menschen zu gewinnen. Für einen komplexen Kompetenzaufbau zur Leitungsfunktion einer Kindertageseinrichtung wird jedoch die Auseinandersetzung mit weiteren zentralen Leitungsaufgaben empfohlen.

Fazit

Mit ihrem Ratgeber eröffnen die Autoren den Lesern Räume zur Vertrauensbildung und zur Reflexion über Vertrauen. Der Leser erhält die Möglichkeit, sich selbst mit dem eigenen Stand zur Vertrauensbildung zum Forschungsprojekt zu machen, was ihm ermöglicht, eine neue Perspektive bezogen auf das Thema „Vertrauen im Alltag“ zu erlangen.

Die Autoren sprechen von einer vertrauensvollen Leitungskraft als Katalysator für eine erfolgreiche und nachhaltige Zusammenarbeit mit Eltern, Kindern und Kollegen. Somit steht die Kita-Leitung mit einer vertrauensvollen Haltung als Fundament für eine nachhaltig erfolgreiche Zusammenarbeit in der Kita. Die Autoren vermitteln das Vertrauen in sich selbst, die Voraussetzung dafür ist, dass man in Andere Vertrauen setzen kann.

Die Leser erhalten in jedem Kapitel die Möglichkeit, sich intensiv durch eine Selbstreflexion in Verbindung mit unterschiedlichen Fragestellungen mit dem Thema „Vertrauensbildung im Alltag“ auseinanderzusetzen, und können zudem ihre Kompetenzen rund um das Thema Vertrauen ausbauen. Führungskräfte können dieses Buch als Landkarte nutzen, auf der mehrere gangbare Wege verzeichnet sind, um eine vertrauensvolle Basis für jegliche Form von Zusammenarbeit aufzubauen.


Rezensentin
Martha Damaschek
Sozialpädagogin
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Die Rezension entstand im Rahmen des Masterstudiengangs Kindheits- und Sozialwissenschaften (MAKS) der Hochschule Koblenz


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Zitiervorschlag
Martha Damaschek. Rezension vom 05.12.2016 zu: Joachim Armbrust, Gudrun Noll: Besser leiten mit Vertrauen. Die Kita-Leitung als verlässliche Größe für Kinder, Eltern und Team. Carl Link (Kronach) 2016. ISBN 978-3-556-06963-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21538.php, Datum des Zugriffs 25.04.2017.


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