Wolfgang Dohrmann: Die Facharbeit für Erzieherinnen und Erzieher
Rezensiert von Dipl. Soz.Arb./-Päd. Wolf Paschen, 19.01.2017
Wolfgang Dohrmann: Die Facharbeit für Erzieherinnen und Erzieher. Ein Ratgeber für Lernende an Fachschulen für Sozialpädagogik. Verlag Handwerk und Technik GmbH (Hamburg) 2016. 112 Seiten. ISBN 978-3-582-04776-2. 13,90 EUR.
Thema
In dieser Veröffentlichung wird eine Definition der Facharbeit bzw. Abschlussarbeit im Rahmen von Fachschulen und Fachakademien für Sozialpädagogik vorgenommen. Darüber hinaus wird sich mit den technischen Fragen, der Gestaltung eines wissenschaftlichen Manuskriptes, den Arbeitsmethoden sowie u. a. auch mit der Themenfindung und der -formulierung sowie den Zielen so einer Arbeit auseinandergesetzt. Diese sollen vorrangig den Fachschülerinnen und -schülern als Orientierung zur Erstellung ihrer Abschlussarbeiten dienen. Aber auch den Lehrkräften dieses Bereiches soll dies eine Beratungsgrundlage sein.
Autor
Der Autor Wolfgang Dohrmann unterrichtet selbst an einer Fachschule für Sozialpädagogik, die Erzieherinnen und Erzieher ausbildet.
Entstehungshintergrund
Der Autor führt aus, dass besonders die vielen Fragen von Studierenden zu diesem Aspekt im Rahmen seiner eigenen Tätigkeit als Prüfer, zu dem Gedanken geführt hat, hierzu einen Orientierungsratgeber zu entwickeln.
Aufbau
Der Ratgeber gliedert sich in sieben Teile:
- Ziel und Zweck dieses Buches
- Vom Thema zum Text
- Vom Entwurf zum Manuskript
- Von der Recherche zur Dokumentation
- Vom Entwurf zum Layout
- Formblätter und Formsachen
- Der Abschluss
Inhalt
In seinem Ratgeber stellt der Autor auf insgesamt 112 Seiten alle relevanten Aspekte zum Verfassen einer schriftlichen Abschlussarbeit im Rahmen von sozialpädagogisch ausgerichteten Ausbildungen wie z. B. zur Erzieherin / zum Erzieher dar.
Im ersten Kapitel wird unter anderem definiert, was eine Facharbeit ist. Hier wird exemplarisch auf die unterschiedlichen Regellungen in den Bundesländern hingewiesen ohne diese systematisch für alle Bundesländer auszuführen.
Im zweiten Kapitel wird auf die Themenwahl, die Titelfindung der Facharbeit sowie auf den Aufbau / die Gliederung eingegangen. Neben den Aspekten zur Einleitung, dem Hauptteil, dem Schluss und dem Anhang wird gesondert auch auf den Praktikumsbericht als Facharbeit eingegangen. Auch ein Unterkapitel zum Umgang mit der Geschlechterbenennung in den Formulierungen ist hier (mit Beispielen und einer Bewertung dieser verschiedenen Formen) zu finden.
Das dritte Kapitel widmet der Autor den Themenbereichen des wissenschaftlichen Arbeitens, der Vorbereitung auf das eigentliche Schreiben bzw. wie man beim Schreiben vorgehen kann. In einem Exkurs von Gabriela Naumann lässt der Autor in diesem Kapitel auch darauf eingehen, wie sich empirische Fragestellungen in eine Facharbeit sinnvoll und korrekt einbeziehen lassen. Ein weiterer Unterabschnitt dieses Kapitels widmet der Autor dem persönlichen Zeit- und Schreib- wie Vorbereitungsmanagement auf so eine Arbeit.
Das vierte Kapitel befasst sich mit der Auseinandersetzung mit den verschiedenen Quellen von Facharbeiten. Insbesondere stellt der Autor hier ausgewählte Quellen wie die Grundlagenliteratur, die pädagogischen Fachzeitschriften oder das Internet vor. Auch den Zitierweisen sowie der Anlage eines Literaturverzeichnisses widmet der Autor jeweils ein Unterkapitel dieses Abschnittes.
Im fünften Kapitel werden die Schritte der formalen Gliederung dargestellt sowie praktische Tipps zur Umsetzung bezogen auf die Textverarbeitungsprogramme Open Office und Word gegeben.
Das sechste Kapitel befasst sich mit den Fragen des Datenschutzes oder auch des korrekten Umgangs mit Fotos innerhalb von schriftlichen Arbeiten. Den Abschluss dieses Kapitels bilden die Themen Formblätter und Erklärungen, die häufig Bestandteil von schriftlichen Prüfungsarbeiten sind.
Im siebten Kapitel des Ratgebers finden sich abschließend Hinweise zu den Beurteilungskriterien von Facharbeiten sowie zum Kolloquium, der Präsentation und dem Fachgespräch.
Diskussion
In dem Ratgeber werden in anschaulichem Sprachstil (der mit Bezug auf die überwiegend unakademische Zielgruppe angemessen gewählt wurde) zu den wichtigsten Aspekten des Themas Facharbeit, Abschlussarbeit und Praxisbericht hilfreiche Hinweise, Tipps und Orientierungen gegeben. Dabei ist es dem Autor gelungen, praxisnah und auf die konkrete Umsetzung bezogen zu formulieren, sowie eine Auswahl von geeigneten Vertiefungsthemen zu wählen. Auch die gewählte Grafik des Ratgebers mit farbiger Seitengestaltung, hervorgehobenen Tipps zu vielen Aspekten sowie einer hilfreichen Randnotizspalte werden dem Anspruch eines zielgruppespezifischen Praxisratgebers in ansprechender Weise gerecht. Die gewählte Gliederungsform orientiert sich ebenfalls eher an den Bedürfnissen der Zielgruppe, denn an anderen denkbaren Logiken einer (wissenschaftlicheren) Gliederungsordnung.
Der Autor hat sich auf die Darstellung von möglichst allgemein gültigen Aspekten zum Thema beschränkt und auf die Darstellung spezifischer Regellungen in den einzelnen Bundesländern verzichtet. Vielleicht hätten diese den Rahmen des Ratgebers auch gesprengt.
Im Kapitel fünf werden konkrete Screenshots von Menüleisten aus Open Office wie auch Word ausgewiesen. Dies ist sicherlich ein hilfreicher Service für die Umsetzung der dargestellten – wie auch landesspezifischen formellen – Erfordernisse hilfreich. Allerdings hat diese Art von Hilfestellung, durch neue Programmversionen, eine zeitlich begrenzte Aktualität. Diese spezifischen Programmkenntnisse wären auch über andere Kontexte anzueignen.
Die Darstellung der Zitierweise (im Unterkapitel 14) hätte vielleicht vor den Unterkapiteln platziert werden können, die die verschiedenen Quellenformen (im Unterkapitel 11, 12 und 13) vorstellen. Dies hätte dem Leser das Verständnis des Umgangs mit diesen Quellen noch erleichtert.
Eine
kleine Schwäche des Ratgebers ist die etwas eingeschränkte
Darstellung der vorgeschlagenen Zitierweisen. Hier wäre die
Anführung anderer – auch geläufigen wie praktizierten –
Zitierweisen sinnvoll gewesen. Denn hierzu gibt es keine
bundeseinheitlichen Zitierregeln. Somit wären auch andere sinnvoll
und ebenfalls praktikabel darstellbar. Z. B. die verbreitete
amerikanische Kurzzitierweise, in der in einer Klammer hinter dem
Zitat (Autor Jahr, Seite) als Quellenangabe gesetzt wird. Inzwischen
wird hierbei auch von einer Trennung durch ein Komma zwischen
Autorennamen und dem Erscheinungsjahr als weitere Vereinfachung
verzichtet.
Auch synonym verwendbare Alternativen wie z. B. der
Kennzeichnung von indirekten Zitaten durch ein „vgl.“ etwa auch
durch ein „s“ wurde verzichtet.
An einigen Stellen sind dem
Autor – vermutet durch den Anspruch nur so ausführlich wie nötig
darzustellen – einige verkürzte bzw. einseitige Aussagen geraten.
So z. B. auf der Seite 69, wo er dazu rät, jeweils die neuesten
Texte des C.H.Beck Verlags (neben denen des Bundesministeriums der
Justiz) als juristische Quellen zu verwenden. Hier gibt es auch eine
Reihe von anderen Verlagen, die ebenfalls seriöse Quellenorte sein
können.
In einigen wissenschaftlichen Einrichtungen werden
alternativ zur Sortierung der Autorennamen in der Literaturliste auch
andere Sortierkriterien erwartet wie z. B. der Sortierung nach
Jahreszahlen auf- oder absteigend. Dies kann einen schnellen
Überblick der PrüferInnen über die Aktualität der verwendeten
Literatur geben. Hier wäre ein Hinweis darauf, dies bei den
Prüferinnen und Prüfern vorab zu erfragen sinnvoll gewesen. Aber
dies sind nur Randaspekte, die einer sinnvollen Grundorientierung zum
Verfassen von schriftlichen Prüfungsarbeiten in dem dargestellten
Kontext nicht im Wege stehen.
Fazit
Der vom Autor Wolfgang Dohrmann vorgelegte Ratgeber mit dem Titel: „Die Facharbeit für Erzieherinnen und Erzieher“ und dem Untertitel: „Ein Ratgeber für Lernende an Fachschulen für Sozialpädagogik“, ist ein sinnvoller wie hilfreicher Ratgeber mit vielen Tipps und Hinweisen zu den Standards des wissenschaftlichen Arbeitens für die dargestellte Zielgruppe angehender Erzieherinnen und Erzieher. In sinnvollen sieben Kapiteln beschreibt der Autor sowohl die inhaltlichen Schritte (z. B. Themenwahl, Titelfindung, Aufbau einer Arbeit, Umgang mit Fachliteratur und verschiedenen Quellenformen) wie formellen Aspekten (z. B. dem Datenschutz, den Beurteilungskriterien, der Zitierweise) beim Verfassen insbesondere von Facharbeiten im Rahmen sozialpädagogischer Ausbildungseinrichtungen. In sprachlich guter verständlicher Weise wird sehr praxisbezogen formuliert und viele Umsetzungstipps gegeben.
Dieser Ratgeber erfüllt damit nicht nur die Funktion eines praxisnahen Ratgebers, sondern bereitet m. E. auch auf eine vielfach (z. B. in Niedersachsen an der Leuphana Universität in Lüneburg) heute schon mögliche akademische Weiterqualifikation für Erzieherinnen und Erzieher in Studiengängen zur Erreichung des Bachelorabschlusses für Sozialarbeit /-pädagogik sinnvoll vor.
Rezension von
Dipl. Soz.Arb./-Päd. Wolf Paschen
Programmleiter der berufsbegleitenden Studiengänge Sozialmanagement, Soziale Arbeit an der Leuphana Universität Lüneburg. Er lehrt als Dozent und Trainer in Hochschule und Praxis u. a. die Themen: Work-Life-Balance, persönliches Zeitmanagement und Arbeitsorganisation / Optische Rhetorik - erfolgreich präsentieren / wissenschaftliches Arbeiten / Moderationsmethode für Konzeptentwicklung, Partizipation und Problemlösungsprozesse / Sitzungen und Besprechungen effizient leiten / Zukunftswerkstätten für Partizipation Konzeptentwicklung und Bürgerbeteiligung
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