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Arbeitsgruppe „Lernen vor Ort“: Kommunales Bildungsmanagement als sozialer Prozess

Cover Arbeitsgruppe „Lernen vor Ort“: Kommunales Bildungsmanagement als sozialer Prozess. Studien zu "Lernen vor Ort". Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2016. 268 Seiten. ISBN 978-3-658-12441-0. D: 39,99 EUR, A: 41,11 EUR, CH: 41,50 sFr.
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Thema

Die Initiative „Lernen vor Ort“ bot zwischen 2009 und 2014 für Kreise und kreisfreie Städte die Rahmenbedingungen, ein kohärentes kommunales Bildungsmanagement zu entwickeln und zu verstetigen. Das Programm stellte damit einen zentralen Bestandteil der Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung „Aufstieg durch Bildung“ für mehr und bessere Bildung und Weiterbildung in allen Lebensbereichen dar.

Das Werk fasst die wissenschaftliche Begleitforschung des Programms „Lernen vor Ort (LvO)“ zusammen. Das Programm, das vom BMBF und mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds zwischen 2009 und 2014 gefördert wurde, hatte das Ziel, ein datenbasiertes kommunales Bildungsmanagement aufzubauen, zusammen mit einem kommunalen Bildungsmonitoring.

Auf Basis verschiedener empirischer und theoretischer Studien werden in diesem Band die qualitativen Analysen und die Erkenntnisprozesse dargestellt, die sich im Laufe dieses Förderprogrammes ergaben.

Autoren

Die Arbeitsgruppe „Lernen vor Ort“, die das Werk verfasst hat, besteht aus Felix Brümmer, Thomas Brüsemeister, Julia Klausing, Markus Lindner, Katharina Lüthi, Sebastian Niedlich, Marie Kristin Opper und Marion Rädler.

Entstehungshintergrund

Bis 2012 nahmen an dem Programm „Lernen vor Ort“ (LvO) 40 Kommunen teil, bis 2014 waren es 35 Kommunen. Das Ziel war der Aufbau eines kommunalen Bildungsmanagement, einschließlich eines Bildungsmonitoring, die Entwicklung stadtteilbezogener Bildungsberatung und der Begleitung von Bildungsübergängen. In vielen Kommunen entstanden daraus netzwerkartige Formen des Zusammenarbeitens mit Stiftungen und anderen zivilen oder wirtschaftlichen Akteuren.

Aufbau und Inhalt

Nach der Einleitung zum Programm „Lernen vor Ort“ und den Erläuterungen zur methodischen Vorgehensweise werden zunächst die Bedingungen kommunalen Bildungsmanagements analysiert.

Zu den zentralen Entwicklungstrends im deutschen Bildungswesen zählt dessen zunehmende Regionalisierung. Charakteristisch für diese Entwicklung ist die Vielzahl konzeptioneller Ansätze mit unterschiedlichen Bezeichnungen, Begründungszusammenhängen und Schwerpunktsetzungen. Deshalb wird vor allem die Rollle der Kommunalverwaltungen als Koordinator und Strategiegeber heraus gearbeitet.

Mit dem Programm Lernen vor Ort wurden Kommunen als Hauptakteure im Bildungswesen mit der Aufforderung angesprochen, ein kohärentes Bildungswesen vor Ort als Voraussetzung für ein erfolgreiches Lernen im gesamten Lebenslauf der Bürger zu schaffen. Auf Basis von 14 Fallstudien in verschiedenen Kommunen werden die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung der ersten drei Programmjahre vorgestellt. Das kommunale Bildungsmanagement gewinnt danach zunehmend Bedeutung als sozialer Brückenbauer, der die Integration in die kommunale Verwaltung, die Einbindung relevanter Akteure sowie das Bildungsmonitoring, das Bildungsmarketing und die Öffentlichkeitsarbeit moderiert.

In einem weiteren Beitrag werden in diesem Kontext Regelungsbereiche für Kommunen aufgezeigt, die sich ergeben, wenn ein integriertes kommunales Bildungsmanagement aufgebaut werden soll. Auf kommunaler Ebene entsteht seit den letzten Jahren ein Bildungsmonitoring. Das Bildungsmonitoring hat drei zentrale Funktionen: Die Beobachtung, Analyse und Darstellung zentraler Aspekte des Bildungssystems, die Kontrolle und Überwachung des Bildungssystems und die Gewinnung und Ausweitung von steuerungsrelevantem Wissen. Auf dieser Basis kann das Bildungsmanagement neu organisiert werden.

Im zweiten Hauptteil des Buches „Strategien“ wird das Konzept des Lernens vor Ort zunächst aus der Perspektive des Educational Governance, d.h. der Lenkung und Beeinflussung von Strukturen und Prozessen der Bildung durch die Kommunen, betrachtet. Dabei geht es vor allem um die Kooperationen von Schulen und Jugendhilfe bzw. ihrem lokalen Umfeld. Dazu zählen die Weiterbildung im Kontext der Regionalentwicklung, stadtteil- und quartiersbezogene Bildung oder der Übergang von der Schule in die Ausbildung bzw. Arbeit.

Die „Karriere“ des Bildungsmonitorings wird am Beispiel von zwei Kommunen mit einer Feinanalyse untersucht. Danach wird erörtert, wie ein kommunales datenbasiertes Bildungsmanagement in Kreisen und kreisfreien Städten in fünf Phasen gestaltet werden kann. Ergänzend wird ein sogenannter Governance-Equalizer vorgestellt, mit dem sich verschiedene Bereiche der Steuerung ausdifferenzieren lassen.

Im dritten Hauptteil „Konsequenzen“ wird zunächst die Frage untersucht, wie das Programm „Lernen vor Ort“ angemessen untersucht werden kann. Die Autoren schlagen dafür eine „Contribution Analysis“ vor, mit der sie die Gründe für den Erfolg von Bildungsprogrammen heraus arbeiten und dann empirisch überprüfen sowie weiterentwickeln. Es zeigte sich dabei, dass das Wechselspiel zwischen Kooperation und Hierarchie und der Einfluss auf die institutionellen Policies, Praktiken und Verfahren von wesentlicher Bedeutung sind. Weiterhin wird untersucht, ob die beteiligten Kommunen mit Hilfe von kommunalen Bildungsberichten ihre Literalität erhöhen, d. h. ihre Angebote in einer Bildungslandschaft zu lesen verstehen.

Das Programm „Lernen vor Ort“ zielte darauf, ein datenbasiertes kommunales Bildungsmanagement (DKBM) zu etablieren. Deshalb wird im letzten Beitrag die Frage der Nachhaltigkeit erörtert. Es bleiben jedoch die Fragen offen, welche Koordinationsstrukturen erforderlich sind, welche selbsttragenden Dynamiken entstanden sind und wie das kommunale Bildungsmanagement ohne externe Förderung langfristig funktionieren kann.

Fazit

„Lernen vor Ort“ soll dazu beitragen, dass Lernen in den Kommunen und lebenslang stattfindet. Durch das Programm sind in den beteiligten Kommunen vielfältige tragfähige Kooperationsstrukturen und nachhaltige lokale Bildungslandschaften entstanden.

Die Beiträge zeigen, dass in dem fünfjährigen Projekt vielfältige Veröffentlichungen und Materialien entstanden sind, die für eine erhöhte Transparenz und die verbesserte Koordination und Kooperation im Bildungswesen sorgen und sich für den Transfer in andere Kommunen eignen. Es entstand zudem ein ganzheitliches kommunales Konzept für den Kita- und Schulbereich, das allen Beteiligten Orientierung und Unterstützung bieten soll. Von mehr Transparenz und einer besseren Vernetzung vor Ort profitieren auch die Schülerinnen und Schüler, beispielsweise im Bereich der Berufsorientierung und unter Einbeziehung örtlicher Arbeitgeber. Es wurden im Rahmen dieses Vorgehens auf lokaler Ebene auch Strukturen geschaffen, die die Bildungssituation für alle verbessern.

Das vorliegende Werk gibt einen Zwischenstand der Forschungsarbeit wider, der nach Darstellung der Autoren noch einer Vielzahl weiterer Untersuchungen bedarf. Deshalb kann es nicht den Anspruch erfüllen, ein Handbuch für die praktische Umsetzung zu sein.


Rezensent
Prof. Dr. Werner Sauter
Blended Solutions GmbH
Homepage www.blended-solutions.de
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Zitiervorschlag
Werner Sauter. Rezension vom 24.04.2017 zu: Arbeitsgruppe „Lernen vor Ort“: Kommunales Bildungsmanagement als sozialer Prozess. Studien zu "Lernen vor Ort". Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2016. ISBN 978-3-658-12441-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21582.php, Datum des Zugriffs 25.07.2017.


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