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Klaudia Schultheis, Agnes Pfrang u.a. (Hrsg.): Pädagogische Kinderforschung

Cover Klaudia Schultheis, Agnes Pfrang, Petra Hiebl (Hrsg.): Pädagogische Kinderforschung. Grundlagen, Methoden, Beispiele. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2016. 186 Seiten. ISBN 978-3-17-028594-1. D: 34,00 EUR, A: 35,00 EUR.
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Thema

In dem Buch „Pädagogische Kinderforschung – Grundlagen, Methoden, Beispiele“ wird der neue erziehungswissenschaftliche Forschungsansatz der Pädagogischen Kinderforschung wissenschaftlich erläutert und anhand praktischer Beispiele vorgestellt. „Die pädagogische Kinderforschung zielt auf Erkenntnisse über die individuelle Erfahrung von Kindern mit Lernen und pädagogischem Handeln in den pädagogischen Settings von Schule, Familie und anderen pädagogischen Institutionen“ (S. 7). Sie nimmt die Perspektive von Kindern in den Blick und stellt diese reflektierend, insbesondere unter dem Fokus der „subjektiven Befindlichkeiten“ und „leiblich-ästhetischen Erfahrungen“ im Kontext von Lernen und Erziehen in den Mittelpunkt der Betrachtung. Die Kinder werden im Sinne dieses qualitativen Forschungsansatzes, welcher eine Kombination von verschiedenen qualitativen Methoden vorsieht, aktiv am Forschungsprozess beteiligt. Dieser Forschungsansatz hat ein pädagogisches Erkenntnisinteresse.

Herausgeber

Das Buch ist ein Herausgeberwerk von Klaudia Schultheis und Petra Hiebl.

Prof. Dr. Klaudia Schultheis hat die Professur für Grundschulpädagogik und Grundschuldidaktik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Erziehungstheorie und der phänomenologischen Pädagogik sowie der Pädagogischen Kinderforschung.

Dr. Petra Hiebl ist Grundschulpädagogin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Pädagogischen Kinderforschung und in der Kompetenzorientierung in Unterricht und Lehrerbildung.

Autoren und Autorinnen

Die Beispiele aus der Pädagogischen Kinderforschung wurden neben Klaudia Schultheis und Petra Hiebl von den Autoren und Autorinnen Karin Hecht, Anja Viehweger, Heiko Geschwendt, Ann Susann Zimmermann und Agnes Pfrang, verfasst.

Aufbau und Inhalt

Das Herausgeberwerk gliedert sich, nach einem einführenden Vorwort in drei Teile.

  1. In Teil eins wird zunächst von der Herausgeberin Klaudia Schultheis der Bezugsrahmen und die Grundlagen der Pädagogischen Kinderforschung erläutert.
  2. Im zweiten Teil gehen beide Herausgeberinen Klaudia Schultheis und Petra Hiebl auf die Methodologie der Pädagogischen Kinderforschung ein.
  3. Im letzten und dritten Teil werden von verschiedenen Autoren und Autorinnen praktische Beispiele aus der Pädagogischen Kinderforschung vorgestellt.

Teil I „Was ist Pädagogische Kinderforschung? Grundlagen und Bezugstheorien“. Im ersten Teil geht die Herausgeberin Klaudia Schultheis auf die Grundlagen Pädagogischer Kinderforschung ein. Der Ansatz wird von der Autorin historisch eingeordnet und zu benachbarten Disziplinen abgegrenzt. Sie stellt dar, wo die Pädagogische Kinderforschung im aktuellen Forschungsdiskurs positioniert ist. Die Konzeption sowie die Intention dieses qualitativen Ansatzes werden ebenso wie die theoretischen, forschungsleitenden Begründungslinien eingehend dargelegt.

Teil II „Methodologie der Pädagogischen Kinderforschung“. Der zweite Teil des Buches befasst sich mit den methodologischen Grundannahmen des Forschungsansatzes und geht dabei ebenfalls auf die Besonderheiten bei dem Forschen mit und über Kinder ein.

Teil III „Beispiele aus der Pädagogischen Kinderforschung“. Im letzten Teil des Buches werden Beispiele der Pädagogischen Kinderforschung vorgestellt.

  • Das erste Beispiel von Petra Hiebl befasst sich mit den Lernerfahrungen von Schülern und Schülerinnen im Rahmen der Lernwerkstatt. Wie Kinder das Lernen in der Lernwerkstatt erleben, sprich die kindliche Selbstwahrnehmung wurde im Rahmen einer Untersuchung exemplarisch erforscht.
  • In dem Beispiel „Wie sich Grundschulkinder ihr Klassenzimmer wünschen – leibliche Aspekte des Lernens aus Sicht der Kinder“ von Karin Hecht und Klaudia Schultheis, werden die Wünsche von Kindern bezüglich der Klassenraumgestaltung erforscht um daraus Überlegungen für die Umgestaltung abzuleiten.
  • Im dritten Beitrag von Anja Viehweger geht es um die individuelle Zeiterfahrung von Schülern und Schülerinnen.
  • Im vierte Beitrag widmet sich Heiko Geschwendt dem Thema der Inklusion und wie ebendiese Schüler und Schülerinnen mit und ohne besonderen Förderbedarf im Schulkontext erleben.
  • Die Pädagogische Kinderforschung in der Lehrerbildung wird im fünften Beitrag von Klaudia Schultheis und Ann Susann Zimmermann anhand des „International Project (IPC)“ erläutert. Hier wird dargelegt, wie die Pädagogische Kinderforschung hochschuldidaktisch in die Lehrerausbildung integriert werden kann.
  • Im letzten und abschließenden Beispiel „Joy to Learn – eine internationale Studie zur Erforschung der schulischen Lernfreude von Kindern“ von Petra Hiebl, Klaudia Schultheis und Agnes Pfrang, werden die Ergebnisse einer Studie vorgestellt, in welcher Lernprozesse aus Sicht von Kindern evaluiert wurden und wie aus ebendiesen Ergebnissen pädagogische sowie unterrichtspraktische Maßnahmen für Schülerinnen und Schüler abgeleitet werden können.

Diskussion

Das Herausgeberwerk bietet einen profunden Einblick in die Pädagogische Kinderforschung. Ein neuer Forschungsansatz, welcher bis dato wenig Berücksichtigung in der wissenschaftlichen Fachliteratur findet.

Durch die Praxisbeispiele wird veranschaulicht, wie Pädagogische Kinderforschung forschungsmethodisch umgesetzt werden kann. Diese Praxisbeispiele sind neben der Grundlagenerläuterungen von Bezugsrahmen und Methodologie der Pädagogischen Kinderforschung sehr bereichernd. Allerdings werden hier ausschließlich Praxisbeispiele aus dem Schul- und Lehrkontext vorgestellt. Wünschenswert wäre es gewesen, wenn die Herausgeberinnen auch Praxisbeispiele aus anderen pädagogischen Settings, z.B. dem Bereich der Familie vorgestellt hätten, damit nicht der Eindruckt entsteht, Pädagogische Kinderforschung fokussiere ausschließlich den Schul- und Lehrkontext.

Das Buch verfolgt einen klaren Aufbau in dem eingangs in Teil I zunächst der Bezugsrahmen und die Grundlagen von Pädagogischer Kinderforschung dargelegt werden und daran anschließend in Teil II dem Leser die Methodologie nahe gebracht wird. Die Beispiele aus der Forschungspraxis in Teil III runden das Herausgeberwerk ab, indem veranschaulicht wird, wie Pädagogische Kinderforschung umgesetzt werden kann.

Insbesondere die Zusammenführung von Grundlagentheorie und praktischer Veranschaulichung der qualitativen Forschungsmethode bereichern das Werk.

Fazit

Das Buch „Pädagogische Kinderforschung – Grundlagen, Methoden, Beispiele“ gibt einen einführenden Einblick in die qualitative Methode der Pädagogischen Kinderforschung. Die Herausgeberinnen widmen sich mit ihrem Buch einer Forschungsperspektive, welcher eine besondere Bedeutung zukommen sollte, weil sie die Perspektive des Kindes in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt. Die Kinder werden als „Experten ihrer Lebenswelt“ angesehen und „zu ihren subjektiven Erfahrungen befragt“ (S. 12). Das Buch ist insbesondere für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende, die einen Einstieg zum Thema Pädagogische Kinderforschung suchen, sehr wertvoll.


Rezensentin
Dr. Lisa Jares
Redakteurin des frühpädagogischen Fachportals ErzieherIn.de, Pädagogische Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen und Lehrbeauftragte an verschiedenen Hochschulen in kindheitspädagogischen Studiengängen
Homepage www.socialnet.de/ueber-socialnet/team/lisa-jares.html
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Zitiervorschlag
Lisa Jares. Rezension vom 14.10.2016 zu: Klaudia Schultheis, Agnes Pfrang, Petra Hiebl (Hrsg.): Pädagogische Kinderforschung. Grundlagen, Methoden, Beispiele. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2016. ISBN 978-3-17-028594-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21583.php, Datum des Zugriffs 21.08.2019.


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ISSN 2190-9245

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