socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Gerald Schmola: Modernes Personalmanagement im Krankenhaus

Cover Gerald Schmola: Modernes Personalmanagement im Krankenhaus. Das Konzept des Employee Relationship Managements. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2016. 196 Seiten. ISBN 978-3-17-030539-7. D: 39,00 EUR, A: 40,10 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand

über Shop des Verlags


Thema

Das Buch versucht, Perspektiven für die Entwicklung des Personalmanagements im Krankenhaus in Richtung auf ein Employee Relationship Management zu entwickeln.

Autor

Der Autor ist Lehrender für Gesundheitsmanagement an einer Fachhochschule.

Aufbau

Das Buch stellt nach einer kurzen Einführung in das Employee Relationship Management (Kapitel 2) eine Reihe von Entwicklungsaspekten des Personalmanagements im Krankenhaus vor.

Der erste Teil der Aspekte betrifft eine relativ aktuelle Diskussionen um die Möglichkeit, Personal an das Krankenhaus zu binden: durch Diversity Management (Kapitel 3), Berücksichtigung einer Work-Life-Balance (Kapitel4) und gesundheitsbewusste Führung (Kapitel 6).

Der andere Teil der behandelten Themen befasst sich mit Grundsatzfragen des Personalmanagements: Change Management (Kapitel 5), Talentmanagement (Kapitel 7) und Herstellen von Compliance (Kapitel 8).

Inhalt

In Kapitel 2 versucht der Autor das Prinzip des Customer Relationship Managements auf die internen Kunden – die Krankenhausmitarbeiter/-innen – zu übertragen. Hier finden sich auf der Basis einer einzigen Literaturquelle nur sehr allgemeine Alltagsformeln und Hinweise, die in keiner Weise ausführlich begründet und hergeleitet sind. Zudem bleibt völlig offen, wie eine Realisierung beispielsweise der Erhebung der „Potenziale und Motivation“ (S. 17) durch das Personalmanagement oder auch die Führungskräfte des Krankenhauses aussehen kann.

Das Kapitel 3 stellt zunächst gängige Dimensionen des Diversity Managements (Alter, Geschlecht, Behinderung, sexuelle Orientierung und kulturelle Unterschiede) kursorisch vor. Die Darstellung bleibt an der Oberfläche; so wird beispielsweise in keiner Weise der Forschungsstand im Hinblick auf altersgemischte Teams berücksichtigt, und die Behauptung, Kliniken würden „vermehrt … Möglichkeiten wie Teilzeit- und Telearbeit auch in Führungspositionen“ schaffen, überrascht zwar, wird nicht weiter belegt. Die dargelegte Einführungsstrategie für Diversity Management beruht wiederum auf einer einzigen Internet-Quelle. Lakonisch heißt es, die Strategie sei dann erfolgreich, wenn die fünf aufgezählten Schritte beachtet würden.

Das Kapitel 4 widmet sich der Work-Life-Balance, in welcher der Autor einen „Ausgleichsmechanismus zur Vermeidung von Überforderung“ (S. 40) durch steigende Arbeitsanforderungen und Arbeitsdruck im Krankenhaus sieht. Die aufgezählten Elemente des Arbeitszeitmanagements lassen offen, wie der hierfür notwendige Interessenausgleich konkret hergestellt wird. So wird beispielsweise eine „freie Pausenregelung“ (S. 46) vorgeschlagen, bei der neben dem Flexibilitätsspielraum für Betrieb und Beschäftigte auch der Aspekte der Planbarkeit und Vorhersehbarkeit rechtlich verankert werden müsste. – Mögliche Maßnahmen der Mitarbeiterbindung werden teilweise sehr detailliert dargestellt (S. 51-59), dafür sind die Umsetzungshinweise (Abschnitt 4.3) sehr allgemein gehalten.

Das Kapitel 5 über Change Management stellt zunächst zwei idealtypische Verständnisse einander gegenüber: Mechanisches Vorgehen versus „Krankenhaus als soziales System“ (S. 65). Die Darstellung ist insgesamt auch in diesem Abschnitt allgemein gehalten; das Beispiel „Bettenmanagement“ stammt aus einer anderen Veröffentlichung des Autors. Auch bei der Darstellung dreier unterschiedlicher Phasenmodelle von Veränderungsprozessen werden diese Modelle lediglich reproduziert und mit sparsamen Einsprengseln des Begriffs „Krankenhaus“ versehen. Hier wäre eine Konkretisierung anhand des Anwendungsbeispiels sinnvoll gewesen. – Der das Kapitel abschließende Abschnitt „Maßnahmen“ (5.4) bringt einen bunten Katalog denkbarer Interventionen ohne Klärung der Anwendungsbedingungen und -möglichkeiten; die zur Strukturierung der Darstellung verwendete Systematik (Gesamtheit – Gruppe – Individuum) vermag nicht zu überzeugen.

Kapitel 6 „Healthy Leadership“ stellt zunächst die Bedeutung des Faktors Gesundheit der Beschäftigten für das Krankenhaus in den Vordergrund (S. 113, ähnlich: S. 140); die Perspektive der Mitarbeiter wird nicht als Wert an sich, sondern lediglich als Faktor für die Einschätzung der Relevanz von Maßnahmen betrachtet. Die Betrachtung ist auch in diesem Kapitel allgemein gehalten; ärgerlich ist die Darstellung des wichtigen Themas „Präsentismus“ ohne jede empirische Fundierung („Es ist zu beobachten …“, S. 114). Die Darstellung der rechtlichen Vorgaben (Abschnitt 6.2) basiert auf dem Arbeitsschutzgesetz, die Beispiele für Gefährdungen und Gegenmaßnahmen sind nicht immer treffend. Die Darlegung des Themas „Gefährdungsbeurteilungen“ (Abschnitt 6.3) ist eine Kurzzusammenfassung einer einzigen Quelle (BGW 2012) mit teilweise wörtlichen Übernahmen von Sätzen und Formulierungen. Der Abschnitt über das Gesundheitsgespräch (6.4) umfasst eine Reihe von anscheinsplausiblen Ratschlägen; der juristische Aspekt dieser Gesprächssituation ist nicht sorgfältig genug berücksichtigt. – Auch kleinere Variationen des Textes (Einstreuen des Begriffs „Krankenhaus“) können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Abschnitt 6.6 „Implementierung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements“ eine komplette sinngemäße Übernahme (Struktur, Inhalt) einer einzigen Quelle (BGW 2011) mit teilweise wörtlichen, aber nicht kenntlich gemachten Zitaten ist.

Das Kapitel 7 widmet sich dem Talentmanagement. Der erste Schwerpunkt der Darstellung liegt auf den Aspekten der Arbeitgeberattraktivität als Voraussetzung für die Personalbeschaffung. Der zweite Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung; hier fehlt es an einer klaren Definition zentraler Begriffe (Talent; Potenzial; Kompetenz) und an Klärung der Frage, wer die Informationen aus den dezentralen Personalentwicklungsgesprächen zusammenfasst und steuert und insofern das eigentliche ‚Management‘ übernimmt. – Die übrigen Abschnitte dieses Kapitels (Retention; Placement) weisen Redundanzen mit dem Kapitel 4 auf.

Nicht ganz klar wird, inwiefern das letzte Kapitel „Compliance“ (Kapitel 8) mit kurzen Hinweisen für die Mitarbeiter, „sich im Klinikalltag korrekt zu verhalten“ (S. 180), einen Bezug zum Ansatz des Employee Relationship Management aufweist, da es nur wenig um die Weiterentwicklung der Beziehungen der Akteure zueinander geht, sondern eher um einseitige Verhaltensanweisungen.

Fazit

Das Buch liefert einen ersten Einblick in den Diskussionsstand über einen aktuellen Teilaspekt des Personalmanagements, nämlich Fragen der Personalbindung und -erhaltung (Retentionsmanagement). Der konkrete Bezug zum Krankenhaus ist allerdings eher gering ausgeprägt. Wer ohne Vorkenntnisse einen Einführungstext lesen will, könnte dieses Buch nutzen.

Allerdings ist die Brauchbarkeit des Buches durch einen niedrigen wissenschaftlichen Standard deutlich reduziert. Der fast durchgängige Verzicht auf Definitionen und einen präzisen Begriffsapparat mag zwar die Lesbarkeit steigern, führt aber zwangsläufig zu Unklarheiten. Der durchgängige Verzicht auf wissenschaftliche Quellen und statistische Belege ist auch durch All-Sätze und die „Alltagsstichprobe n=1“ nicht zu kompensieren. Die verwendete Literatur ist knapp, nicht alle Quellen tauchen im Literaturverzeichnis auf, und die seitenweise Übernahme der Angaben aus einer einzigen Quelle in zwei Abschnitten ist nicht zu akzeptieren.

Neben diesen formalen Schwächen weist das Buch einen weiteren inhaltlichen Mangel auf. Die Selbstverpflichtung aus dem Buchtitel: „Modernes Personalmanagement im Krankenhaus“ wird nur skizzenhaft verdeutlicht. Offen bleibt, wer derartige Ansätze wie das Employee Relationship Management konkret konzipieren soll, welche Akteure in der Krankenhausbetriebsleitung diese Aufgaben übernehmen oder an welche Stelleninhaber übertragen sollen und welche Rolle das – in vielen Krankenhäusern noch recht wenig entwickelte und nicht gerade machtvolle – Personalmanagement bzw. die Personalabteilung spielt.


Rezensent
Prof. Dr. Knut Dahlgaard
Professor für Personalmanagement und Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Fakultät Wirtschaft und Soziales
E-Mail Mailformular


Alle 9 Rezensionen von Knut Dahlgaard anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Knut Dahlgaard. Rezension vom 16.03.2017 zu: Gerald Schmola: Modernes Personalmanagement im Krankenhaus. Das Konzept des Employee Relationship Managements. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2016. ISBN 978-3-17-030539-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21624.php, Datum des Zugriffs 24.07.2017.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 12 000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!