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Gerald Hüther, Christoph Quarch: Rettet das Spiel!

Cover Gerald Hüther, Christoph Quarch: Rettet das Spiel! Weil Leben mehr als Funktionieren ist. Hanser Verlag (München) 2016. 208 Seiten. ISBN 978-3-446-44701-1. D: 20,00 EUR, A: 20,60 EUR.
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Thema

Das Buch „Rettet das Spiel! Weil Leben mehr als Funktionieren ist.“ ruft dazu auf, die Bedeutung des Spiels wiederzuentdecken um in unserer vom instrumentellen Denken beherrschten Zeit die spielerische Kreativität zu erhalten oder wiederzugewinnen.

Herausgeber

Gerhald Hüther ist ein deutscher Neurobiologe und Autor populärwissenschaftlicher Bücher und wissenschaftlicher Schriften. Er befasst sich mit dem Einfluss früher Erfahrungen auf die Hirnentwicklung, dem Einfluss von Angst und Stress und der Bedeutung emotionaler Reaktionen.

Christoph Quarch ist ein Philosoph, protestantischer Theologe, Berater und Keynote-Speaker. Er begleitet Unternehmen, unterrichtet an Hochschulen und veranstaltet philosophische Reisen und Seminare.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in sieben Abschnitte, wobei es aufgebaut ist wie ein antikes Theaterstück. Es startet mit einem Vorspiel und schließt mit einem Nachspiel auf Erden bzw. im Himmel.

Die Kapitel dazwischen stellen die Bedeutung des Spiels aus unterschiedlichen Perspektiven dar:

  1. Feuerwerk für graue Zellen. Die Neurobiologie des Spielens: Die Betrachtungsweise des Spiels aus Sicht der Naturwissenschaft
  2. Das Lächeln des Weisen. Zur Philosophie des Spielens: Der Blick in die Vergangenheit um die Weisheit der alten Spielmeister mit dem Wissen der Gegenwart zu verbinden
  3. Angriff der Spielverderber. Wenn das Spielfeld zum Marktplatz wird: Spiel kann kommerzialisiert und damit instrumentalisiert und missbraucht werden.
  4. Inseln der Lebendigkeit. Zur Phänomenologie des Spielens: Darstellung des Wesens des Spiels anhand von wiederkehrenden Grundstrukturen
  5. Leinen los und auf in die Freiheit. Von der spielerischen Lebenskunst: Die Entwicklung einer spielerischen Lebenskunst

Vorspiel. Was wird aus uns, wenn wir aufhören zu spielen?

Dieses Kapitel beschreibt den Zusammenhang und die nötige Balance zwischen Denken und Spielen und der menschlichen Fähigkeit, die Welt nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Spiel wird hier als notwendiger, kreativer und schöpferischer Gegenpol beschrieben zu einer sehr strukturierten und von Effektivität, Produktivität und Rationalität geprägten Umwelt, als die Basis, von der aus Erneuerung und Entwicklung von Kultur und Zivilisation erst ermöglicht werden. In fünf Punkten wird dargestellt, wie der Ernst des Lebens spielerisch durchdrungen ist:

  • Menschen spielen schon in dem Moment, in dem sie denken und verschiedene Lösungswege theoretisch beleuchten.
  • Spielen und Ausprobieren sind die Voraussetzungen für Erfindungen und Entdeckungen und damit wesentliche Bausteine in der Entwicklung der Menschheit.
  • Spielerisches Ausprobieren der eigenen Fähigkeiten ist unter dem Begriff „intrinsisches Lernen“ die Basis für die Qualität mit der sich ein Lebewesen in seiner Welt zurechtfindet.
  • Spielerisches Ausprobieren ist der Ursprung der Kreativität und neuer Erkenntnisse, sog. „breakthrough innovations“.
  • Spiel ist der Ausgangspunkt von Schönheit und Kunst und damit Quelle für Glückserlebnisse der Seele.

Feuerwerk für graue Zellen. Die Neurobiologie des Spielens

Drei Erkenntnisse sind ursächlich für das Empfinden von Lust und Freiheit während des Spielens:

  1. Die Hirnregion, die bei Angst aktiviert wird, wird im Spiel weitgehend ausgeschaltet.
  2. Neuartige Verknüpfungen regionaler Netzwerke können verankerte Wissensinhalte auf neue und kreative Weise zusammensetzen.
  3. Die Belohnungszentren im Mittelhirn werden bei jeder gut bewältigten Aufgabe besonders aktiv.

Diese Punkte sind Voraussetzung für die Möglichkeit, frei zu denken und zu handeln. Im gemeinsamen Spiel mit anderen gewinnen begrenzende Regeln jedoch eine besondere Bedeutung als Voraussetzung für gelingendes und kreatives Spielen, so dass Spiel als Entfaltung individueller Freiheit und Autonomie einerseits und die Verbundenheit und Gemeinschaft mit Anderen andererseits beschrieben werden kann. In dieser perfekten Verbindung scheinbarer Gegensätze erfüllt das Spiel zwei wesentliche Grundbedürfnisse von Menschen und kann nie dauerhaft unterdrückt werden.

Das „Spiel“ der genetischen Erbinformationen war ursächlich für die Entwicklung von Leben und lebendiger Vielfalt, das „Spiel“ physikalischer von außen einwirkender Energieverhältnisse ist ursächlich für die Entstehung von Kristallen, Wolken oder Wanderdünen oder die Funktionsweise eines Feuerwerks. Im Gegensatz zu physikalischen Phänomenen sind Lebewesen jedoch in der Lage, die zur Erhaltung der inneren Ordnung erforderliche Energie selbst in der genau richtigen Menge herzustellen. Weiterentwicklung findet dann statt, wenn etwas herausgebildet werden kann, was es vorher noch nicht gegeben hat. Damit diese „breakthrough innovations“ möglich werden, muss eine druckfreie Umgebung Kreativität und Spielräume zulassen. Die Lust am Entdecken und Probieren ist allen Menschen angeboren, die sog. Belohnungszentren im Gehirn produzieren ein Glücksgefühl, wenn ein Problem erfolgreich bewältigt werden konnte und aktivieren zugleich die weitere Neubildung von Synapsen, was wiederum erneut dazu führt, dass Probleme noch leichter, noch besser bewältigt werden können. So wird erklärbar, warum der sich selbst organisierende Lernprozess von Kindern möglich ist. Dies impliziert wieder die Anforderung an die Umwelt und die die Kinder umgebenden Menschen, den Kindern so lange wie möglich eine möglichst vielfältige Lebenswelt anzubieten.

Das Lächeln des Weisen. Zur Philosophie des Spielens

Das Verständnis der Welt als Spiel der Götter lässt sich bereits bei den Kelten und Germanen finden und wird auch in der griechischen Antike so beschrieben. Die griechischen Götter sind Erscheinungen des Seins, das sich durch das Spiel der Götter lebendig zeigt und sich in vielen Facetten ständig neu erschafft. Die Welt wird als große Spielfläche des Lebens und der Götter verstanden, die Götter sind die Spieler, die Menschen das Spielzeug und das Spiel selbst in den Händen der Götter. So erklären sich die Wettkämpfe und Spiele der Antike, die als eine Art Gottesdienst zum Wohlgefallen der Götter verstanden werden können. Die Griechen verstanden das Spielen des Menschen als göttliche Entfaltung der Seele („psyché“), diese Entfaltung bezeichneten sie als „paideia“ (Bildung), mit dem Ziel, die Seele zur bestmöglichen Entfaltung zu bringen.

Mit dem Wandel zum Weltbild der monotheistischen Religionen, die einen allmächtigen Weltenschöpfer als Erschaffer der Welt als Ausgangspunkt des Denkens nehmen und die Welt als von diesem Schöpfer abgefallen und der Erlösung harrend betrachten, wurde das spielerische Verständnis von Welt und Leben abgelöst und durch ein sehr ernstes Verständnis von Leben ersetzt. In der Philosophie und der Kunst des Abendlandes bleibt die Idee des Weltenspiels und der vollen Entfaltung des Menschseins im Spiel dennoch erhalten, Barock und Rokoko zelebrierten das Spielen, die italienische Renaissance brachte mit der antiken Kunst auch das Spielen zurück. Für Schiller war – wie in seiner ästhetischen Erziehung dargestellt – das Spiel der Königsweg zu Menschlichkeit, Moral und Bildung und Ausdruck der menschlichen Freiheit. Er verstand diese als Balance zwischen den Gesetzen der Natur, denen der Mensch unterworfen ist und den Geboten des Geistes, die im Zustand des Spiels in perfekter Harmonie funktionieren, für Schiller Inbegriff der Schönheit. Die Romantiker führten diesen Gedanken fort und suchten in ihm die Unendlichkeiten der Möglichkeiten. Nietzsche schließlich formulierte: „Reife des Mannes: das heißt, den Ernst wiederzufinden, den man als Kind hatte; beim Spiel.“ und er deute die ästhetische Erziehung Schillers und der Romantik um als Selbstbildung und Lebenskunst, den Menschen als Spieler, der sein eigenes Lebens spielt um sich vor der Welt zu zeigen und sich in ihr zu behaupten. Die Position, dass Spiel der Weg zur Entwicklung des Menschseins ist, legte jedoch auch an, dass Spiel eingesetzt werden kann, um Menschen zu formen, wie sie sein sollen und führte zur Gefahr der Instrumentalisierung des Spiels.

Angriff der Spielverderber. Wenn das Spielfeld zum Marktplatz wird

Auch wenn öffentlichkeitswirksam zahlreiche Spiele und TV Shows großes Interesse bei den Zuschauern wecken, so sind doch diese Spiele auf Kommerz, ökonomischen und teilweise auch politischen Nutzen ausgerichtet und in diesem Sinn instrumentalisiert. Eine Ausnahme ist das Fußballspiel, das zwar ebenfalls vermarktet wird, das aber im Spiel selbst die reine Form des Spielens um des Spielens willen erhalten hat. Dies ist dem heute gültigen Selbstverständnis des Menschen als homo oeconomicus, dem Menschen als rationalem, von Eitelkeit und Machtstreben durchdrungenen Menschen, geschuldet. Menschen sind Suchende, gut sichtbar, wenn das explorative Verhalten von Kindern im selbstgewählten, freien Spiel beobachtet wird. Das freie Spiel wird jedoch sofort beendet, wenn Kinder im Sinne erzieherisch-bildenden Eingreifens durch Erwachsene vom Subjekt ihrer eigenen Weltgestaltung zum Objekt des Handelns der Erwachsenen werden. Kinder hören dann auf zu spielen und warten auf Erklärungen und Anweisungen, was wie zu tun sei oder werden zu Konsumenten von (digitalen) Angeboten, um die Langeweile, die durch den Verlust des freien Spiels entstanden ist, auszufüllen. So wird das ursprünglich erfüllende Spiel zu einem Konsumgut und der Spielende wird vom Subjekt, Explorator und Gestalter seines Spiels und seiner Welt zum reinen Konsumenten und Objekt. Im Gegensatz zum homo ludens, dem Menschen, der spielt um des Spielens Willen mit der Absicht zu gewinnen und beim Spiel Spaß zu haben, dabei aber gut auch verlieren kann, strebt der homo oeconomicus danach, das Spiel dazu zu nutzen, den für sich größtmöglichen Gewinn einzustreichen. Verliert der homo oeconomicus ein Spiel, hat er einen Kampf verloren. Der Glaube an den großen Gewinn z.B.in Kasinos oder an die Gestaltbarkeit einer digitalen Spielwelt in Computerspielen mündet besonders bei Menschen, die in der realen Welt nicht finden, was sie suchen – überdurchschnittlich häufig bei männlichen Jugendlichen – in eine Spielsucht. Durch die Geschichte der Menschheit zieht sich auch die Instrumentalisierung des Spiels als politisches Mittel, Menschen zu formen und zu erziehen oder auch Menschen den eigenen politischen Interessen entsprechend wohlwollend einzustellen, wie es beispielsweise Ziel der Gladiatorenkämpfe in Rom gewesen ist. Eine weitere Veränderung haben auch die Zuschauer der Spiele erlebt; ein mitleidendes und mitfieberndes sich Einlassen auf das, was beobachtet und erlebt wird, sei es in Theater, Konzerten, Sportereignissen oder im Kino, ist einem eher gleichgültigen und distanzierten Verfolgen des Geschehens auf Bühne, Spielfeld oder Leinwand geworden, das den Zuschauer zwar noch in den Bann zieht, ihn jedoch eher in eine konsumierenden denn eine beteiligten Haltung bringt. Wesentlichen Anteil an dieser Konsumhaltung hat auch der fortschreitende Anteil an Zuschauen via Monitor (TV, PC, Smartphone etc.). Der Entfremdungsprozess des Spiels stellt es unter die Herrschaft des wirtschaftlichen Denkens, entweder spielt man, um einen Gewinn zu erzielen oder um das Spiel zur Unterhaltung zu konsumieren. Aus diesem Entfremdungsprozess heraus entstehen Spielmonokulturen, die mit einseitigen Kompetenzen der Spielenden erfolgreich gespielt werden können und dabei Fertigkeiten wie strategisches Denken und kognitives Wissen ausbilden, die die Welt des homo oeconomicus unterstützen, das Spiel jedoch verarmen lassen bzw. gänzlich töten.

Inseln der Lebendigkeit. Zur Phänomenologie des Spielens

Das Spiel muss in zweierlei Hinsicht gerettet werden: Das Spiel muss davor geschützt werden, benutzt und missbraucht zu werden und davor, dass ökonomische Faktoren seine innere Logik ihren Regeln unterwerfen. Drei Grundsignaturen des Spiels müssen erfüllt und durch fünf archetypische Spielformen ergänzt sein, damit Spiel wirklich ein Spiel ist. Die erste Grundsignatur eines echten Spiels ist das Zusammenspielen, das Miteinanderspielen, das Verbundensein von Spieler und Umwelt oder Mitspieler. Die zweite Grundsignatur ist das Öffnen von Freiräumen, indem Spiel als Selbstzweck das Ausprobieren aller Möglichkeiten schafft. Die dritte Grundsignatur schließlich ist die Darstellen von etwas, das sich im Spiel zeigt, was außerhalb nicht zum Vorschein gekommen wäre, eine Potentialentfaltung, die nur in der Rahmung des Spiels möglich ist. Fünf Spielformen erfüllen diese Grundsignaturen: die Geschicklichkeitsspiele, die Wettkampfspiele, die Kultspiele, die Schauspiele und die Glücksspiele. Geschicklichkeitsspiele zeigen zum einen, was der Spielende schon kann, trainieren zum anderen auch weiter dessen Fertigkeiten und verbessern sie zunehmend. Wettkampfspiele funktionieren in einem festgelegten Raum – zeitlich und örtlich und folgen bestimmten Regeln mit dem Ziel zu gewinnen und zeigen Fertigkeiten und Talente, Emotionen und Charaktereigenschaften. Kultspiele gehören zu den ursprünglichsten Spielen der Menschheit und gestalten einen definierten Raum, in dem sich im Miteinander von Spielführer (z.B. einem Schamanen) und Zuschauern das Göttliche zeigen soll. Im Gegensatz dazu zeigt das Schauspiel den Zuschauern das Menschliche, es zeigt, wer der Mensch ist oder sein könnte. Die erste Form des Glücksspiels war das Orakel, das befragt wurde, um sein (künftiges) Glück herauszufinden. Heute zeigen sich Glücksspiele in Kasino oder Spielbank, Orte, an denen die Spieler herausfinden, ob sie das Glück haben zu gewinnen, wobei die Höhe des Einsatzes und Gewinns unerheblich sind und das Glück im Zusammenspiel von Spieler und Croupier geprüft wird. Das Glücksspiel ist die anfälligste Spielform für Missbrauch, da es hier sehr schnell tatsächlich um den Gewinn gehen kann, der gemacht wird als um das Spiel selbst, wie sich beispielsweise in Spielhallen mit Spielautomaten oder bei Sportwetten zeigt. Orte, an denen heute noch ursprünglichen Sinn des Spiels gespielt wird, sind Stadien, hier erfüllt in ganz besonderem Maß das Fußballspiel die Phänomenologie des Spiels. Weitere Orte, an denen diese sichtbar und für nahezu jeden, Kind wie Erwachsenen, erlebbar wird sind Geschicklichkeitsspiele wie sie z. B. in Parks praktiziert werden – Jonglieren, Balancieren auf einer Slackline, Klettern in Klettergärten, Dart- oder Boulespielen. Auch Improvisationsworkshops in Theater, Tanz, Musik etc. erschaffen genau diese Spielräume, ebenso wie Kartenspiele (solange der Gewinn von Geld nicht im Vordergrund steht) oder Gesellschaftsspiele

Leinen los und auf in die Freiheit! Von der spielerischen Lebenskunst

Der (Rück-)Gewinn einer spielerischen Lebenskultur bringt eine spielerische Grundhaltung zum Leben mit sich, die es Menschen ermöglicht, sich Zeit ihres Lebens als Subjekte in ihrer Welt zu fühlen, die zugleich Freiheit und Verbundenheit ermöglicht und die Menschen den Raum eröffnet, sich zu zeigen und darzustellen. So ist eine spielerische Grundhaltung ein Schlüssel zu Glück und Zufriedenheit im Leben. Wichtig ist, die Lebenskunst von der Technik abzugrenzen. Die Kunst stellt das Leben dar (während Technik das Leben herstellen würde) und wird nie fertig. Lebenslang suchen sich Menschen Mitspieler und Gegenspieler, die ihnen dabei helfen, mehr über sich selbst herauszufinden und gemeinsam entdecken, was das gute Leben ist. Dazu ist es wichtig, sich eine innere Distanz von den eigenen Rollen, die wir täglich spielen zu erwerben, um sich selbst so unabhängig von diesen betrachten zu können und die Rollen spielen zu können. So kann man sich bewusst werden, dass das eigentliche Selbst wächst und lernt, sich auf das Leben einlässt und immer neue Rollen erprobt. Die spielerische Lebenskunst lässt sich in verschiedenen Bereichen des Lebens entdecken – in Partnerschaft und Familie, in der Schule oder in einem Unternehmen, in Politik oder Religion und Spiritualität.

Nachspiel auf Erden. Was wird aus uns, wenn wir beginnen des Zauber des Spiels wiederzuentdecken?

Übertragen vom einzelnen Menschen auf eine gesellschaftliche Entwicklung ist eine längere Periode des Friedens die Voraussetzung dafür, dass neue, komplexe, ganzheitliche und langfristig tragfähige Lösungen für das Miteinander gefunden werden. Eine solche Periode erlebt die westliche Welt gerade und sobald es gelingt, die alten Denkmuster aufzubrechen und die spielerische Lebenskunst vermehrt in den Alltag zu holen, wird es möglich sein, dass Menschen sich mit mehr Freude und Leichtigkeit begegnen und dass Liebe und Lebendigkeit in das Leben einziehen.

Nachspiel im Himmel

In Form eines Epilogs melden sich die alten griechischen Götter zu Wort und beschließen auf Fürsprache Zeus, wieder auf die Erde zurückzukehren und dort die Menschen dem Spiel wieder näher zu bringen.

Diskussion

Das Buch „Rettet das Spiel“ beschäftigt sich mit den philosophischen Aspekten eines zweckfreien und selbstgewählten Spiels sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen. Diese Aspekte werden ergänzt um die durch die Neurobiologie mittlerweile wissenschaftlich belegten Leistungen, die ein freies Spiel für das menschliche Gehirn erbringt. Der Imperativ des Titels zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch, das eine große Erklärung dafür ist, weshalb es aus Sicht der Autoren so wichtig ist, das Spiel zu retten. Nach einer Abgrenzung von dem im Sinne der Autoren rettenswerten Spiels vom heute oft instrumentalisierten Spiel einer auf Gewinn und Nutzen gerichteten Gesellschaft beschreiben die Autoren Überlegungen, wie die Veränderung der inneren Haltung die Menschen zurückführen kann zu einer spielerischen Einstellung zum Leben, die zwar geprägt ist von einer hohen Ernsthaftigkeit, die zugleich aber auch eine Gelassenheit und Leichtigkeit in das Leben bringt und so Spielräume öffnet, um ein glückliches, zufriedenes Leben zu erfahren. Die philosophischen Gedankengänge sind bisweilen etwas komplex formuliert, so dass die Lesbarkeit des Buches beeinflusst wird und es nur für eine entsprechend vorgebildete Leserschaft zugänglich sein dürfte.

Fazit

„Rettet das Spiel – Weil Leben mehr als funktionieren ist“ ist ein Impuls für den Leser, sich selbst mehr Freiräume für Spiel zuzugestehen und sich bewusst aus der Pflicht, funktionieren zu müssen, heraus zu nehmen. Es kann auch eine Argumentationsgrundlage für Pädagogen, Lehrer und Eltern sein, Kindern heute mehr Zeit zum Spielen zuzugestehen, weil Spielen mehr ist, als einfach nur Zeit zu vergeuden. Im Spiel entsteht das Menschsein und das kann gar nicht überschätzt werden.


Rezensentin
Dipl. Pädagogin Lorena Rautenberg
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Zitiervorschlag
Lorena Rautenberg. Rezension vom 03.02.2017 zu: Gerald Hüther, Christoph Quarch: Rettet das Spiel! Weil Leben mehr als Funktionieren ist. Hanser Verlag (München) 2016. ISBN 978-3-446-44701-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21665.php, Datum des Zugriffs 23.10.2019.


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ISSN 2190-9245

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