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Hermann-Josef Ahmann, Manuela Ahmann u.a.: Das Strukturmodell für die Pflegedokumentation

Cover Hermann-Josef Ahmann, Manuela Ahmann, Anette Pelzer: Das Strukturmodell für die Pflegedokumentation. Weniger Bürokratie – Mehr Zeit für die direkte Pflege gewinnen. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2016. 168 Seiten. ISBN 978-3-89993-368-0. D: 27,80 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 39,90 sFr.

Praxisratgeber.
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Thema und Zielsetzung

Immer wieder wird die überbordende Bürokratie bei der Pflegedokumentation beklagt. Mit dem vorliegenden Modell einer Pflegedokumentation ist ein wissenschaftlich fundierter und juristisch abgesicherter Abbau des Arbeitsaufwandes in Sicht. Dieses neue Strukturmodell orientiert sich nicht nur am vierstufigen Pflegeprozess der WHO sondern stellt auch einen personenbezogenen Ansatz und einen darauf aufbauenden Verständigungsprozess vor. Zudem ermöglicht das Modell eine übersichtliche Darstellung und einen rationalen Umgang mit pflegerelevanten Risiken. Durch die Reduzierung der Einzelnachweise und schnelle Orientierung durch die übersichtliche Pflegedokumentation sollte auch eine Zeitersparnis zugunsten der direkten Pflege möglich sein. Dieses Modell besteht aus vier Elementen:

  1. Die Strukturierte Informationssammlung (SIS)
  2. Maßnahmenplanung
  3. Berichteblatt
  4. Evaluierung

Dieses Modell ist komplex oder anders gesagt nicht trivial. Damit benötigt die Implementierung neben der fundierten Qualifizierung der Einführenden in der Folge auch die flächendeckende Qualifizierung der MitarbeiterInnen. In der Folge muss der neue Standard der Pflegedokumtation in die Alltagsarbeit schrittweise übernommen werden. Die Entlastung von der Dokumentation von sog. „Immer-so-Leistungen“ ermöglicht eine Konzentration auf die Dokumentation von relevanten Abweichungen und mehr Zeit für die KlientInnen. Der vorliegende Ratgeber ist dazu eine gute Grundlage.

Aufbau und Inhalt

Der Ratgeber startet mit einer Handlungsanleitung und Implementierungsstrategie für das nachfolgende Modell der entbürokratisierten Pflegedokumentation. Damit erfährt der/die LeserIn eine Orientierung zum weiteren Vorgehen entlang der vier Elemente des Strukturmodells – vergleichbar mit dem PDCA-Zyklus im Zuge der kontinuierlichen Verbesserung. Das erste Element ist die strukturierte Informationssammlung, die die Basis für das Weiterarbeiten legt. Dabei wird zwischen der erstmaligen (weil aufwändiger) und weiteren Informationssammlungen im Verlauf des Versorgungsauftrages unterschieden. Darauf aufgebaut ist – abhängig ob ambulant oder stationär – eine individuelle Maßnahmenplanung, wobei jeweils mehrere Varianten zur Verfügung stehen:

  • Für die Pflegedokumentation werden im ersten Teil die Vorlieben des Klienten als Grundbotschaft vorangestellt, um dann in den Tagesablauf integriert zu werden. Im zweiten Teil wird auf die Tagesstruktur in kompakter Form eingegangen.
  • Anschließend wird die Maßnahmenplanung dargestellt,
  • gefolgt vom Berichteblatt
  • und der Evaluation

Dem schließen sich jeweils drei Fallbeispiele aus der stationären und weitere drei aus der ambulanten Pflege an. Damit erhält der Leser eine greifbare Einführung in das neue Pflegemodell. Zwei grundlegend unterschiedliche Fälle, nämlich die ausführlichere Dokumentation bei Neuaufnahmen sowie die an Standards orientierte Dokumentation im Verlauf der nachfolgenden Betreuung und Pflege führen den Leser weiter zum Thema „Pflegebedürftigkeit“ und zu einer neuen Form des Pflegeassessments. Auch hier wird dies mit dem neuen entbürokratisierten Pflegemodell verknüpft. Unterschiede zwischen ambulanter und stationärer Pflege sowie die rechtlichen Aspekte schließen die vorliegende Arbeit ab.

Fazit

Es gilt, dieses großflächige und großartige Changeprojekt des Bürokratieabbaus bei der Pflegedokumentation auf allen Ebenen zu unterstützen, erfordert es doch einen grundlegenden Wandel in der Pflegedokumentation durch ein Abgehen des Dokumentierens von „Immer so“-Leistungen. Die in diesem Praxisratgeber vorzufindenden Unterstützungen sind sehr gut nachvollziehbar, eine gute Basislektüre, die eine begleitete Umsetzung im eigenen Betrieb zu unterstützen vermag. Mittlerweile verfügbare IT-Lösungen vermögen die MitarbeiterInnen noch besser und anschaulicher zu unterstützen. Trotz aller auch in diesem Modell enthaltenen Vorgaben wird dem Anwender ein rechtlich abgesichertes, eigenverantwortliches Handeln ermöglicht. Die Zufriedenheit der MitarbeiterInnen sollte steigen. Es ist davon auszugehen, dass diese Vorgangsweise – in adaptierter Form – auch in anderen Bereichen der Sozialwirtschaft Eingang finden wird. Eine sehr gute Orientierung für die Weiterarbeit mit dem Modell und das Übertragen auf den eigenen Betrieb.

Auch wenn das neue entbürokratisierte Pflegemodell hier auf die deutsche Situation abstellt, so ist trotzdem daran zu denken, mit welchen Adaptierungen dies etwa auch auf andere Länder übertragbar ist. Die mittlerweile im Internet verfügbare, sehr umfangreiche Sekundärliteratur unterstützt diese Annahme.


Rezensent
Prof. Dr. Paul Brandl
Studiengang Sozial- und Verwaltungsmanagement (SVM). Masterstudiengang Services of General Interest (SGI). Koordinator des Studiengangs Sozialmanagement. FH OÖ-Studienbetriebs GmbH, Campus Linz
Homepage www.fh-ooe.at
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Zitiervorschlag
Paul Brandl. Rezension vom 20.12.2016 zu: Hermann-Josef Ahmann, Manuela Ahmann, Anette Pelzer: Das Strukturmodell für die Pflegedokumentation. Weniger Bürokratie – Mehr Zeit für die direkte Pflege gewinnen. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2016. ISBN 978-3-89993-368-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21677.php, Datum des Zugriffs 15.10.2019.


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