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Corinna Lorenz (Hrsg.): Patienten­integration in der medizinischen Versorgung

Cover Corinna Lorenz (Hrsg.): Patientenintegration in der medizinischen Versorgung. Eine empirische Analyse der Einflussfaktoren. Verlag Hans Jacobs (Lage) 2016. 193 Seiten. ISBN 978-3-89918-251-4. D: 21,00 EUR, A: 23,00 EUR, CH: 23,00 sFr.

Schriftenreihe zur innovativen Gesundheitswirtschaft, hrsg. von Joachim Merk und Anke Rahmel, Band 3.
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Thema

Das Buch geht der Frage nach, welche Einflussfaktoren über das Integrationsverhalten von Patienten in ihre Therapien entscheiden.

  • Liegt in der bisher unzureichenden Patientenintegration eine bis heute nicht hinreichend genutzte strategische Ressource?
  • Kann hierdurch eine signifikante Effizienzsteigerung erreicht werden?

Im deutschen Gesundheitswesens sind alle Akteure bemüht, Qualität und Effizienz der medizinischen Versorgung nachhaltig zu steigern. Um den Problemen der zunehmenden Unzufriedenheit, des wachsenden Personalaufwands, der begrenzten Versicherungsleistungen und der limitierten Ressourcen zu begegnen, ist es entscheidend, den Patienten in den Mittelpunkt des Leistungserstellungsprozesses zu stellen.

Die Autorin definiert Patientenintegration als „die aktive Beteiligung des Patienten an seiner medizinischen Versorgung, indem er die externen Faktoren in die Behandlung einbringt, Teilschritte im Versorgungsverlauf übernimmt und somit eigenständig in den Versorgungsprozess eingreift um diesen nach seinen Vorstellungen mitzugestalten.“

Die gelungene Integration des Patienten in seinen individuellen Behandlungsverlauf ist eine zentrale Voraussetzung für die Effizienz von Gesundheitsdienstleistungen. Meist sind jedoch die angebotenen Leistungen nicht primär an den Patientenbedürfnissen orientiert und Patienten fehlt oft die Kompetenz für eine erfolgreiche Beteiligung. Diese Aspekte erschweren die effiziente Ausgestaltung der medizinischen Versorgung.

Auf Basis einer empirischen Analyse werden Wirkungsbeziehungen untersucht und die Determinanten ermittelt, die dazu beitragen, dass Patienten sich in ihre medizinische Versorgung integrieren.

Um die Patientenintegration als strategische Ressource nutzen zu können, werden auf Grundlage der empirischen Ergebnisse Handlungsempfehlungen für Einrichtungen des Gesundheitswesens abgeleitet.

Autorin

Corinna Lorenz (Master of Arts) studierte Gesundheitsmanagement an der Hochschule Aalen

Zielgruppe

Die Autorin adressiert Gesundheitsökonomen, Volks- und Betriebswirte, Ärzte, Vertreter der Krankenkassen und andere Akteure im Gesundheitswesen die sich wissenschaftlich mit der Patientenintegration in den Behandlungsprozess auseinandersetzen.

Aufbau

Ziel dieser Arbeit ist es, empirisch zu ermitteln, welche Determinanten dazu beitragen dass sich ein Patient in seine medizinische Versorgung integriert.

Hierzu werden in Kapitel 2 „Grundlagen der Patientenintegration in der medizinischen Versorgung“ zunächst die grundlegenden Begriffe der medizinischen Versorgung und der Patientenintegration erläutert, um darauf aufbauend Systematisierungsformen sowie Auswirkungen der Patientenintegration abzuleiten.

Von hier aus werden in Kapitel 3 „Theoretischer Bezugsrahmen und Ausarbeitung des Untersuchungsmodells“ auf Basis theoretischer Überlegungen Forschungshypothesen aufgestellt und anschließend in einem Untersuchungsmodell zusammengefasst.

Dieses Untersuchungsmodell wird in Kapitel 4 „Empirische Analyse der Einflussfaktoren der Patientenintegration“ mittels eigens durch eine Online-Fragebogen erhobener Daten empirisch überprüft.

Die ermitteln Ergebnisse werden in Kapitel 5 „Diskussion“ interpretiert und diskutiert um daraus möglich Handlungsempfehlungen für die Praxis der medizinischen Versorgung abzuleiten.

Im Anschluss daran werden die Limitationen der Studie sowie weiterer Forschungsbedarf aufgezeigt. Kapitel 6 bildet das Fazit und die Zusammenfassung der erlangen Ergebnisse.

Erkenntnisse

Die Studie legt plausibel dar, welche Faktoren eine starke Wirkung auf die Patientenintegration haben. Für ein ausgeprägtes Integrationsverhalten vonseiten des Patienten sind sowohl die Kooperationsbereitschaft des Arztes als auch das Involvement des Patienten zu erhöhen, indem im Idealfall gleichzeitig die Unsicherheit des Patienten, die Komplexität der medizinischen Versorgung, der wahrgenommene Aufwand sowie das Stressempfinden des Patienten gesenkt werden.

Die Autorin verweist auf folgende Limitationen ihre Ausführungen. Die ärztliche Perspektive wurde nicht erhoben. Es kann keine Aussage dazu getroffen werden, ob der Patient generell den Willen und die Fähigkeiten hat, sich in den Behandlungsprozess zu integrieren. Es ist zu vermuten, dass das individuelle Krankheitsgeschehen und der Krankheitsverlauf auf den Integrationswillen und die Integrationsfähigkeit des Patienten Auswirkungen hat.

Schlussfolgernd kann gesagt werden dass infolge einer gelungenen Patienten-Integration sowohl auf Seiten des Patienten als auch auf Seiten des Arztes eine große Wissensbasis entsteht, infolgedessen der Behandlungsprozesse effektiver gestaltet werden kann und somit das vorhandene Effizienzpotential ausgeschöpft wird.

Diskussion

Das Buch erhebt zu Recht den Anspruch das Untersuchungsfeld und die Einflussfaktoren der Patientenintegration umfassend zu beleuchten. Insbesondere die theoretischen Ausführen zur Arzt-Patientenbeziehung und deren Erklärungsansätze aus der betriebswirtschaftlichen Perspektive des kundenorientierten Funktionsansatzes sind gelungen. Der Patient wird als Co-Produzent seiner Gesundheit definiert.

Gleichzeit wird deutlich, das Patienten in ihrem akuten oder chronischen Krankheitsgeschehen meist nicht handlungssouveräne Käufer von Gesundheitsdienstleistungen sind. Die individuelle medizinische Behandlung bleibt ein Vertrauensprodukt. Zwischen Arzt und Patient besteht in der Regel eine enorme informelle Asymmetrie. Der Arztbesuch ist oftmals alternativlos. Den Darstellungen fehlt die ärztliche Perspektive. Offen bleibt, wie sich die Informationsmöglichkeiten des Internet auf das Patientenverhalten insgesamt und die Patientenintegration im Besonderen auswirken werden. Nicht zu unterschätzen sind monetäre Einflussfaktoren auf Ärzte und Patienten die eine direkte Rückkopplung auf die notwendige Dialogbereitschaft zulassen.

Die Steigerung der Patientenintegration ist zweifelsohne sinnvoll, ob signifikante Ressourcen zu heben sind bleibt zu bezweifeln.

Fazit

Eine lesenswerte Darstellung für Alle, die sich wissenschaftlich für die Arzt-Patientenbeziehung und die Patientenintegration interessieren. Die Patientenintegration wird ökonomisch ein Randthema bleiben.


Rezensent
Dr. med. Thomas Kerckhoff
MBA
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Zitiervorschlag
Thomas Kerckhoff. Rezension vom 26.01.2017 zu: Corinna Lorenz (Hrsg.): Patientenintegration in der medizinischen Versorgung. Eine empirische Analyse der Einflussfaktoren. Verlag Hans Jacobs (Lage) 2016. ISBN 978-3-89918-251-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21740.php, Datum des Zugriffs 15.12.2019.


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