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Corinna Schmude, Hartmut Wedekind (Hrsg.): Lernwerkstätten an Hochschulen

Cover Corinna Schmude, Hartmut Wedekind (Hrsg.): Lernwerkstätten an Hochschulen. Orte einer inklusiven Pädagogik. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2016. 204 Seiten. ISBN 978-3-7815-2066-0. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR.
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Herausgeberin und Herausgeber

Die Herausgeber sind Professoren an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Prof. Dr. Corinna Schmude ist Professorin für inklusive Pädagogik mit den Schwerpunkten Familienbildung und Kindheitspädagogik und Prof. Dr. Hartmut Wedekind ist Professor für Frühpädagogik und -didaktik mit den Schwerpunkten Naturwissenschaften, Mathematik und Technik. Beide sind im frühpädagogischen Bachelorstudiengang „Erziehung und Bildung im Kindesalter“ tätig.

Entstehungshintergrund

Der als Tagungsband zur 7. Internationalen Tagung der Hochschullernwerkstätten entstandene Band „Lernwerkstätten an Hochschulen. Orte einer inklusiven Pädagogik“ ist Bestandteil einer Reihe, die das Thema Lernwerkstätten in den Fokus rückt. Die Reihe „Lernen und Studieren in Lernwerkstätten – Impulse für Theorie und Praxis“ wird herausgegeben von Markus Peschel, Eva-Kristina Franz, Hartmut Wedekind, Johannes Gunzenreiner und Barbara Müller-Naendrup.

Thema

In diesem zweiten Herausgeberband wird dieses Mal das Thema Lernwerkstätten an Hochschulen fokussiert. Diese werden als Orte einer inklusiven Pädagogik thematisiert. Versammelt finden sich hier unterschiedliche Beiträge, die auf verschiedene Facetten von Lernwerkstätten an Hochschulen aufmerksam machen. Gleichzeitig wird dabei, bei aller Unterschiedlichkeit in Ausstattung und institutioneller Eingebundenheit, auf die besonderen Lernräume an Hochschulen hinweisen. Dem Thema Lernwerkstätten als Räume einer inklusiven Pädagogik wird aus zweierlei Perspektiven nachgegangen:

  1. Aus hochschuldidaktischer Perspektive wurde der Versuch unternommen, zu diskutieren, welchen Beitrag Lernwerkstattarbeit als hochschuldidaktisches Konzept für eine diversitätsbewusste und diskrimierungskritische Gestaltung von Lehr-Lern-Formaten zu leisten im Stande ist.
  2. Mit einer erziehungswissenschaftlichen Perspektive wurde gefragt, welchen Beitrag Lernwerkstattarbeit an Hochschulen im Qualifizierungs- und Professionalisierungsprozess der Studierenden in (früh-)pädagogischen und bildungswissenschaftlichen Studiengängen leisten kann, unter der besonderen Berücksichtigung von Aufbau und Entwicklung inklusiver Kompetenzen.

Aufbau und Einleitung

Die Beiträge in dem Tagungsband sind in drei Blöcke gegliedert.

  1. Im ersten Block wird der Thematik Inklusion und Lernwerkstattarbeit auf überwiegend deskriptiver Ebene nachgegangen.
  2. Im zweiten Block sind Beiträge zu inklusiven didaktischen Konzepten in Lernwerkstattarbeit versammelt, die verschiedene Qualifizierungsmöglichkeiten durch Lernwerkstattarbeit an der Hochschule thematisieren.
  3. Der dritte Block versammelt empirische Beiträge zur Erforschung und Erprobung inklusiver Didaktik.

Die Einteilung in Blöcke gibt eine Übersicht zu den Themenbereichen der Texte. Dennoch sind alle Beiträge unabhängig voneinander verständlich und nutzbar. Alle Beiträge implizieren einen wissenschaftlich ausgearbeiteten und intendierten Empirie- oder Praxisbezug, der sich in einer (selbst-)kritischen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit einem Projekt oder einer durchgeführten Studie zeigt. Nahezu alle Kapitel führen in die Thematik mit einer Einleitung oder Einführung in das jeweilige spezifische Thema inhaltlich ein und schließen mit einem zusammenfassenden oder diskutierenden Fazit. Jeder Beitrag verfügt über ein eigenes Literaturverzeichnis.

Folgende Beiträge sind in diesem Band enthalten (Überschriften z.T. gekürzt)

Inklusion und Lernwerkstattarbeit (59 Seiten)

  • Was ist Inklusion? (Schmude)
  • Hochschullernwerkstatt für inklusionsorientierte Lehrerbildung (Gruhn)
  • Lernwerkstattarbeit und Professionalisierung im Kontext von Inklusion (Franz, Sansour)
  • Entwicklung inklusiver Praxis in Hochschullernwerkstätten (Schöps)

Lernwerkstattarbeit als inklusives hochschuldidaktisches Konzept (63 Seiten)

  • Inklusion in der hochschulischen Qualifizierung von (Kindheits-)Pädagoginnen und Pädagogen (Wedekind, Schmude)
  • Inklusive Didaktik in der Hochschulausbildung (Brée)
  • Gemeinsames Lernen in heterogenen Gruppen (Goschler)

Erprobung und Erforschung inklusiver Didaktik (53 Seiten)

  • Dialogkultur im Lernwerkstattkonzept (Graf, Kekeritz)
  • Inklusion: Spielend einfach? (Weißhaupt, Campana)
  • Rollenspiel als inkludierende Spielform (Hildebrandt, Güvenç, Pautasso)

Der Tagungsband beginnt mit einer Einleitung, um in die folgenden Kapitel einzuführen. Schmude und Wedekind unternehmen hier einerseits den Versuch, eine konsistente Systematik von Lernwerkstatt als „Lernort handelnder Auseinandersetzung mit einem Thema und der bewussten Reflexion des Erfahrenden auf der Grundlage einer theoriegeleiteten und zugleich theoriebegleitenden Praxis“ (S.11) zu entfalten, und andererseits – wie dies in Sammelbänden üblich und sinnvoll ist – zu Beginn einen Überblick über die einzelnen Bestandteile des Herausgeberwerkes zu geben.

Zum ersten Teil

Der erste Teil zu dem Bereich „Inklusion und Lernwerkstattarbeit“ beinhaltet vier Beiträge. Wie bereits aus der Einordnung hervorgeht, beschreiben die Artikel, was Inklusion bedeuten kann und wie dieser Aspekt in Hochschullernwerkstätten eingebunden werden kann.

Corinna Schmude (Kapitel 1) setzt sich in ihrem Text „Was ist Inklusion? – neun Impulse für die Diskussion“ grundlegend mit dem Begriff Inklusion auseinander. Die neun Impulse, die in diesem Rahmen zur Inklusion gesetzt werden, befassen sich mit Inklusion und Integration, normativer Setzung, Diversitätskultur, Bildungspolitik, Menschenrechten, Systemveränderungen, Gruppenbezug, Offenheit gegenüber Inklusion und der Frage wie Inklusion an Hochschulen eingebunden werden kann. Im ersten Schritt werden die genannten Impulse als generelle Aufgabenbereiche vorgezeichnet, um in einem anschließenden Abschnitt zu verdeutlichen, inwiefern Lernwerkstätten an Hochschulen in jedem dieser Bereiche einen Beitrag leisten können.

Der Beitrag „Eine Lernwerkstatt für alle = Vorbereitung auf eine Schule für alle?! – Potenziale von Hochschullernwerkstätten für eine inklusionsorientierte Lehrer*innenbildung“ von Annika Gruhn (Kapitel 2) geht der Frage nach, welche Kompetenzen angehende Lehrerinnen und Lehrer benötigen, um erfolgreich mit heterogenen Gruppen zu arbeiten. Hierfür wird ein Augenmerk auf den derzeitigen Diskussionstand zu diesem Thema gelegt und in einem nachfolgenden Abschnitt werden Elemente daraus in Bezug zu den Potenzialen von Hochschullernwerkstätten in der inklusivorientierten Lehrerinnen- und Lehrerbildung gesetzt. Dies geschieht anhand von qualitativen Daten aus den Lernwerkstätten und dazugehörigen Projekten der Universität Siegen. Als Fazit hält Gruhn fest, dass durch Hochschullernwerkstätten verschiedenartige Beiträge für den Bereich Inklusion im Lehramtsstudium geleistet werden können.

Auch der Beitrag von Eva-Kristina Franz und Teresa Sansour (Kapitel 3) mit dem Titel „Alle(s)drin? – Lernwerkstattarbeit und Professionalisierung“ befasst sich mit den Möglichkeiten der Professionalisierung durch Lernwerkstätten. Hierbei wird im ersten Abschnitt verdeutlicht, was die Umsetzung des Menschenrechts auf Bildung bedeutet, während der zweite Abschnitt sich mit dem grundlegenden Verständnis von Lernwerkstätten an Hochschulen und ihren Besonderheiten auseinandersetzt. Anhand der Lernwerkstatt Inklusion der PH Heidelberg wird erörtert, wie eine konkrete Umsetzung inklusivorientierten Lernens gestaltet werden kann. Beschrieben werden hier unterschiedliche Ansatzpunkte zur personellen Vernetzung und Kooperation sowie die zukünftig geplante Angebotserweiterung zur „Offenen Kinderwerkstatt“ in der Grundschulschülerinnen und -schüler sowie Studentinnen und Studenten gemeinsam agieren.

Miriam Schöps konzentriert sich in dem Beitrag „Entwicklung inklusiver Praxis in Hochschul-Lernwerkstätten mit Hilfe des Index für Inklusion“ (Kapitel 4) auf ein Instrument, das zu inklusiven Veränderungsprozessen in der Schule beitragen soll. Gefragt wird, inwiefern auch Hochschullernwerkstätten von der Nutzung profitieren können. Neben der Erörterung der Anliegen und Arbeitsweisen des Index für Inklusion werden auch hier Lernwerkstätten als Orte des inklusiven Lernens in den Fokus genommen. Als Diskussionsgrundlage zu dem Thema dient ein Workshop, der auf der 7. Internationalen Fachtagung der Hochschullernwerkstätten 2014 stattfand, welche zugleich Anlass des Gesamtwerkes war. Es wird über die Einschätzungen der Teilnehmenden zu unterschiedlichen Fragestellungen aus dem Index berichtet, welche zuvor an den Hochschullernwerkstattkontext angepasst wurden. Insgesamt wird das Fazit geschlossen, dass auch im Hochschulkontext hilfreiche Reflexionsanlässe durch die Nutzung des Index für Inklusion geschaffen werden können.

Zum zweiten Teil

Im zweiten Buchteil „Lernwerkstattarbeit als inklusives hochschuldidaktisches Konzept“ fragen drei Beiträge aus unterschiedlichen Perspektiven, welchen möglichen Mehrwert Lernwerkstattarbeit als hochschuldidaktisches Konzept für die diversitätsbewusste und diskriminierungskritische Gestaltung von Lehr- Lern-Formaten leisten kann.

Hartmut Wedekind und Corinna Schmude beschäftigen sich mit „Inklusion in der (Aus-) Bildung zukünftiger Pädagoginnen und Pädagogen“ (Kapitel 5) anhand von modifizierten und aktualisierten Lernwerkstattgedanken zu Orten einer inklusiven Pädagogik. Einführend wird eine Verortung von Inklusion und inklusiver Pädagogik vorgenommen und Bezüge zum hochschulischen Lernen, u.a. in intra- und interpersonellen Ebenen, hergestellt. Anschließend wird eine Begriffsbestimmung und theoretische Verortung zu Lernwerkstatt und Lernwerkstattarbeit vorgenommen, bevor zwei ausgewählte Beispiele aus Lernwerkstattseminaren detailliert beschrieben und reflektierend betrachtend dargestellt werden. In der abschließenden Zusammenfassung stellen die Autoren heraus: „Als gelebte, erlebte und reflektierte Wirklichkeit wertschätzender Interaktionsprozesse trägt Lernwerkstattarbeit in der [.] dargestellten Weise dazu bei, inklusive Pädagogik nicht nur als Vision und Glaubensbekenntnis in der Ausbildung zu thematisieren, sondern als machbare und lohnenswerte Erneuerung pädagogischer Praxis nachhaltig in den Haltungen und Handlungen zukünftiger Pädagog*innen zu verankern“ (S. 103).

Stefan Brée (Kapitel 6) befasst sich in 18 Abschnitten mit der Verwirklichung von Inklusion in der frühpädagogischen Kita- und Hochschulpraxis. Unter dem Titel „Vielfältig, merkwürdig und ungewiss – Auf dem Weg zu einer inklusiven Didaktik in der Hochschulausbildung“ subsumiert er unter anderem Gestaltungsmodelle einer didaktischen Differenzierung für heterogene Gruppen in der ästhetischen Werkstatt und dem ästhetischen Labor für Studierende an der HAWK Hildesheim. Inklusion wird dabei als Möglichkeitsraum beschrieben, der von Pädagoginnen und Pädagogen eröffnet wird, die sich dialogorientiert, partnerschaftlich und eben damit professionell verhalten. In diesem Zusammenhang wird auch auf die Bedeutung von Dialogqualität und Scaffolding sowie einer fragend- unterstützenden Haltung verwiesen. Ähnlich zu Gerd E. Schäfers Konzept einer Kultur des Lernens (Schäfer/ von der Beek 2013; www.socialnet.de/rezensionen/16129.php) beschreibt auch Brée die Wahrnehmung von Möglichkeiten für Kinder ihre Welt zu ordnen, zu gestalten und neu zu erfinden und knüpft damit an die Phänomenologie des schöpferischen Denkens an. Der Ansatz ästhetischer Forschung kann daher als Konzept für die pädagogische Arbeit an Hochschulen verstanden werden, wenn das Spannungsfeld von Alltagserfahrung, Kunst und Wissenschaft in einen reflexiven, theoriegeleiteten und an der Praxis orientierten Zusammenhang gerückt wird. Der letzte Abschnitt beschreibt anhand von drei skizzierten Beispielen studentischer Arbeiten in der ästhetischen Werkstatt und dem ästhetischen Labor wie Wissenschaft als sozialer Prozess erfahren werden kann, in dem Studierende der Kindheitspädagogik Phasen eines Forschungsprozesses durchlaufen.

Der Beitrag von Walter Goschler (Kapitel 7) zum gemeinsamen Lernen in heterogenen Gruppen über „das Pascalsche Dreieck im Spannungsfeld zwischen Individualisierung/ Differenzierung und gemeinsamen Lernen“ (S. 127) bildet den letzten Beitrag dieses Teils zu inklusiven hochschuldidaktischen Konzepten. Zunächst werden unter dem Gesichtspunkt einer inklusiven Didaktik das gemeinsame Lernen unter den Aspekten von Behinderung, Lernen am gemeinsamen Gegenstand, didaktische Rekonstruktion, individuelle Zugangsweisen, gemeinsamer Lerngegenstand sowie inklusive Didaktik und Lernwerkstattarbeit vorgestellt. Schwerpunkt des Kapitels bildet ein Lernwerkstattformat des Instituts für Sonderpädagogik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, bei dem es um Schreinertätigkeiten und gemeinsames Lernen anhand des Pascalschen Dreiecks (PD) geht.

Zum dritten Teil

Im dritten Teil „Erprobung und Erforschung inklusiver Didaktik“ wird der Thematik von Theorie-Praxis-Verknüpfung an der Hochschule im Rahmen der Lehrerausbildung mit drei Beiträgen, die unterschiedliche Projekte in Lernwerkstattarbeit beschreiben, nachgegangen.

Über eine akzeptierende und reflexive Dialogkultur im Lernwerkstattkontext. Wie ein Kind sich in der Perpsektive der Lernbegleiter*innen verändert“ schreiben Ulrike Graf und Mirja Kekeritz (Kapitel 8). Thematisiert werden ein konstruktivistisches Lernverständnis als Basis von Lernwerkstattarbeit, Dialoge als diagnostische Potenziale und Lernstrukturen zwischen Konstruktion und Instruktion. Zwei Gesprächsprotokolle von Kindern mit Studierenden in der Lernwerkstattarbeit sollen dem Leser wichtige Hinweise vor dem Hintergrund einer diversitätsbewussten dialogischen Beobachtungsvalidierung geben. Eine Interpretation zweier kontrastierender Dialogstile wird vorgenommen. Das Kapitel schließend wird eine Schrittfolge zur Sensibilisierung der eigenen Diversitätsbewusstheit angeboten, an die sich im Fazit die pädagogisch-didaktischen Fragestellungen für solche Settings anschließen. Diese sind: „Was kann ein Kind?“ und „Was davon ist nutzbar für die nächsten Entwicklungs- und Lernschritte?“

Inklusion: Spielend einfach? Ein Projekt der Lernwerkstattspiel“ von Mark Weißhaupt und Sabine Campana (Kapitel 9) beschreibt ebenfalls ein Projekt in der Lehrerbildung, das an der Pädagogischen Hochschule und Fachhochschule Nordwestschweiz angesiedelt ist. Im Rahmen des Projekts wurden von Studierenden unterschiedliche aktive, inkludierende Spielformen für die Pausen für Schülerinnen und Schüler an Schulen in der 1. und 2. Klasse entwickelt. Studierende sind dann, neben der Planung, Konzipierung und Durchführung, ebenfalls mit der Erhebung von Daten beschäftigt und bekommen damit Einblick in Methoden, die zu weiteren Hypothesen und Forschungsüberlegungen anregen. Methodisch ging es um die Erstellung von Soziogrammen und Beobachtungen während der Spielsequenzen sowie um Fallbesprechungen und Gruppendiskussionen über die erhobenen Daten. Die Ergebnisse zeigen, dass es sowohl inklusionsfördernde als auch -erschwerende Bedingungen im Spiel gibt. Als inklusionsfördernd wurde es erlebt, wenn „in kleinen Gruppen interagiert werden konnte, so dass unmittelbarerer neue Rollen und Anerkennungsfelder entstanden“ (S. 183). Als inklusionserschwerend wurde erlebt, „wenn die Spielleitenden die einzelnen Kinder nicht gut genug kannten oder über zu wenige Informationen verfügten“ (S. 184).

Weiter betrachten Elke Hildebrandt, Ezgi Güvenç und Johanna Pautasso (Kapitel 10) ebenfalls das Thema Spiel. Ihr Beitrag „Rollenspiel als inkludierende Spielform – Erkundungen zur Verwendung von Sprache im Rollenspiel“ widmet sich der Frage, inwiefern Inklusionsprozesse nicht nur exemplarisch in der Praxis erlebbar sind, sondern auch in Lernwerkstattkontexten im Sinne des forschenden Lernens anhand selbst gewählter Fragestellungen dokumentier-, analysier- und reflektierbar sind. Anhand der Rollenspielthematik werden Aspekte von Sprache und Spielbegleitung umschrieben, bevor Interpretationen von den Autoren zu ausgewählten Analysen von Spielsituationen vorgelegt werden. Die angefügten Beispiele zeigen wie Studierenden durch Lernwerkstattarbeit ermöglicht wird, Spielbeobachtungen machen zu können und diese auch im Hinblick auf beispielsweise Sprachfähigkeiten reflektieren zu lernen.

Diskussion

Der Herausgeberband beschreibt Berührungspunkte zwischen inklusivorientierter Lehrkräfteaus- und -weiterbildung sowie Kindheitspädagogenaus- und -weiterbildung und der Nutzung von Hochschullernwerkstätten. Die Praxisbeispiele gestalten einen deutlichen Bezug zwischen den erörterten Grundlagen im Inklusionsbereich und den Möglichkeiten einer Umsetzung. Anzumerken ist, dass die Perspektive von Kindern als Akteure in den hier vorliegenden Darstellungen zu den Lernwerkstätten und in der aufgezeigten Lernwerkstattarbeit weitgehend vernachlässigt wird. Hier wären akteursspezifische Sichtweisen spannend und bereichernd.

Im Ergebnis wurde mit dem Band eine Sammlung von Beiträgen vorgelegt, die zum großen Teil als hochschuldidaktische Bausteine vor dem Hintergrund des Lernwerkstattgedankens sowie inklusiver Konzepte identifizierbar sind und somit ein wichtiges Teilstück im Rahmen der Inklusionsdebatte zur Umsetzung in der Lehrkräfte- und Kindheitspädagogenausbildung darstellt. Durch die vorgenommene Einteilung in drei Teilbereiche („Inklusion und Lernwerkstattarbeit“, „Lernwerkstattarbeit als inklusives hochschuldidaktisches Konzept“ und „Erprobung und Erforschung inklusiver Didaktik“) ist der Band sehr strukturiert. Der Leser findet in jedem Teilbereich einen anderen Schwerpunkt, so dass die einzelnen Kapitel für sich stehend gut verstanden werden. Wünschenswert wäre eine Gesamtrahmung durch Wedekind und Schmude, um die Erkenntnisse aus den Texten zu bündeln und einen Ausblick zu geben.

Fazit

Der Band „Lernwerkstätten an Hochschulen. Orte einer inklusiven Pädagogik“ gibt einen guten Überblick zu der Bedeutung von Inklusion in der Lehrer- und Kindheitspädagogenbildung und zu Lernwerkstätten als Bildungsräume. Es wird deutlich, dass sich durch die hier dargestellten Vorgehensweisen profunde Möglichkeiten zu der Gestaltung von inklusivorientierten Lernprozessen ergeben. So richtet sich das Buch gleichermaßen an Hochschullehrende wie an Lehrkräfte und Mitarbeitende in weiteren pädagogischen Feldern. Es leistet einen wertvollen Beitrag zu der Gestaltung innovativer Lern- und Lehrformen. Durch seine spannenden Bezüge in Theorie und auch in Praxis ergeben sich anregende Hinweise zu möglichen Transferprozessen zwischen beiden Bereichen. Diskussionen um die Verzahnung von Theorie und Praxis in der hochschulischen Qualifizierung von Pädagoginnen und Pädagogen sind nicht neu, sondern scheinen einem kontinuierlichen Diskurs unterworfen zu sein. Umso wichtiger scheint es, auch lernwerkstattspezifisch, dass Themen wie Inklusion und Qualifizierung von pädagogischen Fachkräften immer wieder den aktuellen fachlichen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskursen angepasst werden.

Literatur

  • Schäfer, Gerd E. (2010). Fachfrau für den kindlichen Anfängergeist. In: Schäfer, Gerd E.; Staege, Roswitha; Meiners, Kathrin (Hrsg.): Kinderwelten – Bildungswelten. Unterwegs zur Frühpädagogik. Berlin: Cornelsen.
  • Wedekind, Hartmut (2013). Lernwerkstätten in Hochschulen – Orte für forschendes Lernen, die Theorie fragwürdig und Praxis erleb- und theoretisch hinterfragbar machen. In: Coelen, H.; Müller-Naendrup, B. (Hrsg.). Studieren in Lernwerkstätten. Potentiale und Herausforderungen für die Lehrerbildung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Rezensentin
Prof. Dr. Lena S. Kaiser
Professur für Kindheitswissenschaften Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit Hochschule Emden/Leer
Homepage www.hs-emden-leer.de
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Rezensentin
Dr. Sabrina Schude
Erziehungswissenschaftlerin, hat im Bereich der empirischen Bildungsforschung promoviert und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Lehrerbildung der Universität Kassel
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Zitiervorschlag
Lena S. Kaiser/Sabrina Schude. Rezension vom 22.12.2016 zu: Corinna Schmude, Hartmut Wedekind (Hrsg.): Lernwerkstätten an Hochschulen. Orte einer inklusiven Pädagogik. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2016. ISBN 978-3-7815-2066-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21746.php, Datum des Zugriffs 19.08.2019.


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ISSN 2190-9245

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