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Friedhelm Güntert: 25 Jahre Individualpädagogik

Cover Friedhelm Güntert: 25 Jahre Individualpädagogik. Von der Heimerziehung zu individualpädagogischen Betreuungsformen 1990. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2016. 85 Seiten. ISBN 978-3-8340-1587-7. D: 14,00 EUR, A: 14,40 EUR.
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Thema

Das Buch beschreibt die historische Entwicklung der Individualpädagogik und deren Arbeitsschwerpunkte. Dabei wird eine sich ständig optimierende, individualpädagogische Praxis in den ambulanten und stationären Angeboten der Jugendhilfe skizziert.

Autor

Dr. Friedhelm Güntert, Jahrgang 1939, freier Mitarbeiter im Projekt Husky, Köln, (individualpädagogische Projekte). Oberstudiendirektor a.D, mit internationaler Erfahrung als Dozent im Hochschulbereich. Nach der Pensionierung Vertiefung in das Fachgebiet der Individualpädagogik.

Aufbau und Inhalt

Es ist in sieben Kapitel unterteilt, welche wiederum vier Phasen der Individualpädagogik beschreibt.

Während sich Kapitel 1 und 2 mit der geschichtlichen Entwicklung von 1985-1990 als „Pionierphase“, samt deren Rechtsgrundlage der Jugendhilfe beschäftigt, geht es in Kapitel 3 und 4 in der Aufbauphase um Kritik, Standards und Qualitätsdiskussionen.

In Kapitel 1 beschreibt der Autor sehr anschaulich, wie sich, neben der allgemein bekannten geschichtlichen Entwicklung der deutschen Heimerziehung und den Protestbewegungen der 68er, einerseits innovative sozialpädagogische Betreuungsformen für die sogenannten „Schwierigen“ durch engagierte Sozialpädagogen entwickeln konnten, andererseits aber auch die Trägheit und Veränderungsresistenz allgemein gültiger pädagogischer Praktiken. Auch zeigt er auf, wie oft Wissen /Theorie und Praxis auseinanderklaffen, sodass es eine lange Zeitspanne fehlender dauerhafter Besserungen der Jugendhilfe und deren gesetzlicher Grundlagen gab. „Die entscheidende Zäsur dieser pädagogischen ‚Notlage‘ kam 1990/1991. … Damit ging eine rund zwanzigjährige, zähe, häufig ideologisch geführte Reformdiskussion um die Weiterentwicklung, Modernisierung und grundgesetzangemessene Ausgestaltung einer modernen Jugendhilfe zu einem Leistungsgesetz, das nach der Heimkampagne gefordert wurde, zu Ende.“ (Güntert S. 20). In weiterer Folge geht der Autor in diesem Kapitel in die inhaltlich relevante Tiefe der neuen Gesetzeslage.

Phase 2 Kritikaspekte, Standards und Qualitätsdiskussionen (Kapitel 3 und 4) erzielten, dass ursprüngliche individualpädagogische Konzepte, welche oftmals idealtypisch „aus praktischen Erfordernissen heraus entstanden waren“, nun professioneller und mit überprüfbaren Qualitätsstandards hin zu Dienstleistungsorientierung führten. Diese Entwicklung wird vom Autor im Detail beschrieben.

Im Kapitel 5 beschreibt Herr Güntert neuere Entwicklungen der Jahre 2005-2007 mit Qualitätsstandards wie Evaluation, Beschwerdemanagement u.a. Dabei geht er zusätzlich auf die Brüssel IIa Verordnung ein und beschreibt, wie auch andere EU Länder diese handhaben.

Den zeitlichen Bogen (2007-2015) beschließt er in Kapitel 6, indem er den Fokus auf derzeitige einschneidende Trends, wie

  • weiterer Ausdifferenzierung und Qualitätssteigerungen in Erziehungshilfen,
  • weiterer steigender Legitimationsdruck
  • Einschränkungen von Auslandsaufenthalten

legt.

Im letzten Kapitel erörtert der Autor sein daraus erlangtes Fazit, sowie einen Ausblick auf künftige Anforderungen an individualpädagogische Anbieter.

Diskussion und Fazit

Das Buch beschreibt ausführlich die historische und inhaltliche Gesamtentwicklung der Individualpädagogik. Es zeichnet den Weg von der „Pionierleistung“ alternativer pädagogischer Projekte, hin zur legalisierten, professionellen Alternative nach, mit samt ihren pädagogischen, wie sozialpolitischen Herausforderungen. Exponierte Programme waren, sind und werden auch weiterhin in der Kritik stehen und bedürfen einer speziellen Legitimation.

Jedem/jeder, der/die sich vertiefend mit dieser Fachrichtung auseinandersetzen und sich für die „Schwierigen“ einsetzen möchte, sei dieses Buch als Basiswissen empfohlen.


Rezensentin
Mag. Dr. Martina Gasser
ifs Leitung Sozialpsychiatrische Individualbetreuung Institut für Sozialdienste gGmbH Beratungsstelle Hohenems
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Zitiervorschlag
Martina Gasser. Rezension vom 14.11.2017 zu: Friedhelm Güntert: 25 Jahre Individualpädagogik. Von der Heimerziehung zu individualpädagogischen Betreuungsformen 1990. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2016. ISBN 978-3-8340-1587-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21753.php, Datum des Zugriffs 23.11.2017.


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