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Annika Pfaff: Der Übergang vom Elementar- zum Primarbereich (...)

Cover Annika Pfaff: Der Übergang vom Elementar- zum Primarbereich in Deutschland aus der Perspektive von Eltern, die in Armut leben. Verlag Dr. Kovač GmbH (Hamburg) 2016. 293 Seiten. ISBN 978-3-8300-9151-6. D: 99,80 EUR, A: 102,60 EUR.
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Thema

In dem Buch „Der Übergang vom Elementar- zum Primarbereich in Deutschland aus der Perspektive von Eltern die in Armut leben“ wird eine qualitativ-rekonstruktiv angelegte Studie vorgestellt, welche das Erleben und Bewältigen von Eltern in Armut bei dem Übergang von ihrem Kind von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule erforscht.

Die thematische Grundlage für die Studie bildet die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Studie „Partizipation von Familien bei verschiedenen Formen des Übergangs vom Elementar- zum Primarbereich und ihre Folgen für die Bildungsorientierung der Eltern“, welche zu dem Ergebnis kam, dass insbesondere für Eltern aus „sozial-schwächeren Schichten“ der Übergang des Kindes von dem Kindergarten in die Grundschule mit Belastungen und Sorgen verbunden ist. Dem Erleben und Bewältigen der Eltern wird in der Studie wenig Beachtung beigemessen, weshalb die Autorin Annika Pfaff diesen Punkt in ihrer Forschung in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt. Zwei Forschungsfragen sind hier leitend für die Autorin:

  • Wie erleben arme Eltern ihren eigenen Übergang von Eltern eines Kindergartenkindes zu Eltern eines Schulkindes? Welche Erlebensmuster lassen sich rekonstruieren?
  • Wie bewältigen arme Eltern – auf Grundlage ihres subjektiven Erlebens – ihren eigenen Übergang von Eltern eines Kindergartenkindes zu Eltern eines Schulkindes? Welche Bewältigungsmuster lassen sich rekonstruieren?

Im Ergebnis der Studie zeigt sich, „dass die erlebten Belastungen der Eltern im Kontext des Übergangs teilweise auf subjektiv wahrgenommene Armutsaspekte (Bildungsarmut, finanzielle Armut, soziale Ausgrenzung) zurückzuführen sind“. Des Weiteren zeigte sich in der Studie, dass arme Eltern während der Phase des Übergangs mit dem subjektiven Erleben der eigenen Armut konfrontiert werden, wodurch sie nicht nur die Phase des Übergangs zu bewältigen haben, sondern eben auch das Erleben der subjektiven Armut. Im Hinblick auf die Bewältigungsmuster konnten sowohl offensive als auch defensive Bewältigungsmuster herausgearbeitet werden.

Autorin/ Entstehungshintergrund

Das Buch ist als Dissertation von Annika Pfaff an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz im Jahr 2016 im Fachbereich Sozialwissenschaften, Medien und Sport zur Erlangung des Doktors der Philosophie eingereicht worden.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich in zehn Kapitel.

  • In Kapitel 1, der Einleitung werden das Forschungsdesiderat und die zentralen leitenden Fragestellungen der Arbeit vorgestellt.
  • Kapitel 2 widmet sich dem Begriff des „Übergangs“ sowie dem Transitionsansatz nach Griebel und Niesel, welcher als theoretischer Bezugsrahmen herangezogen wird.
  • In Kapitel 3 wird das Erkenntnisinteresse unter Bezugnahme des aktuellen Forschungsstandes thematisiert. Dafür wird ein Blick in bestehende Studien geworfen und geschaut, in wie weit diese das subjektive Erleben sowie eine Bewältigungs- oder Armutsperspektive von Eltern bei dem Übergang ihres Kindes von der Kindertageseinrichtung in die Schule, aufgreifen.
  • Kapitel 4 nimmt sich dem Begriff der Armut an und beleuchtet differente Armutskonzepte.
  • Kapitel 5 geht einhergehend damit auf die Begrifflichkeiten „Erleben“ sowie „Bewältigung“ ein. Die Autorin bezieht sich hier auf das Mehrebenen-Modell von Böhnisch.
  • In Kapitel 6 erläutert die Autorin die Fallauswahl sowie die Anlage der Untersuchung, dafür greift sie auf die Begriffsdefinitionen von Kapitel 4 und 5 zurück.
  • In Kapitel 7 wird das forschungsmethodische Vorgehen zur Datenerhebung und Datenauswertung vorgestellt.
  • In Kapitel 8 erfolgt die Auswertung der geführten Interviews. Die rekonstruierten Erlebens- und Bewältigungsmuster sowie die Bedeutung der subjektiven Armut (einzelfallbezogen) werden unter Bezugnahme auf das Mehrebenen-Modell von Böhnisch dargestellt, welches auch
  • in Kapitel 9 für die fallübergreifende Kontrastierung der Erlebens- und Bewältigungsmuster herangezogen wird.
  • In Kapitel 10 erfolgt abschließend eine Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse. Ebenso wird ein Ausblick, ausgehend von den Ergebnissen skizziert.

Diskussion

In dem Werk „Der Übergang vom Elementar- zum Primarbereich in Deutschland aus der Perspektive von Eltern die in Armut leben“ wird sich dem Thema des Übergangs von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule unter einer spezifischen Fragestellung genähert.

Der Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule ist eine Transition die nahezu jeder erlebt. Die Bedeutsamkeit einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtung und Grundschule zum Wohle der Kinder, wurde bereits in vielfältigen wissenschaftlichen Texten hervorgehoben. Annika Pfaff fokussiert sich hier in ihrer Studie interessanterweise jedoch nicht auf die Kinder, sondern auf die Eltern und differenziert auch hier nochmal und legt den Blick auf Eltern die in Armut leben. Dieser Fokus findet bis dato eher wenig Beachtung in der Fachwissenschaft, was diese Studie wertvoll und interessant macht.

Die Grundlage der Studie bildet wie bereits eingangs erwähnt, eine vorausgegangene Studie des Bundesministerium für Bildung und Forschung, welche den Forschungsschwerpunkt auf die Partizipationsmöglichkeiten von Eltern bei dem Übergang ihrer Kinder von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule legte. Der Begriff der „Armut“ mag hier zunächst irritieren, wird aber von der Autorin differenziert unter Bezugnahme wissenschaftlicher Konzepte begründet. Mit Bezugnahme auf die Armutsperspektive, das subjektive Erleben und die Bewältigungsstrategien von Eltern, trägt die Autorin dazu bei ein bestehendes Forschungsdesiderat zu schließen.

In Kapitel 10.2 gibt die Autorin ausgehend von den Ergebnissen der Studie interessante praxisorientierte Impulse, wie z.B. die Ausbildung einer stärkeren Sensibilität bei ErzieherInnen und LehrerInnen, Aufbau von informellen Gesprächsmöglichkeiten zwischen Eltern und pädagogischen Professionellen sowie anderen Eltern oder die Initiierung informeller Gesprächsangebote zwischen Schule und Eltern. Dieses Kapitel greift leider sehr kurz, hier wäre eine weitere Ausführung wünschenswert gewesen.

Fazit

Die Publikation „Der Übergang vom Elementar- zum Primarbereich in Deutschland aus der Perspektive von Eltern die in Armut leben“ gibt im Rahmen einer qualitativ-rekonstruktiv angelegte Studie Aufschluss über die Erlebens- und Bewältigungsmuster von Eltern die in Armut leben, bei dem Übergang ihres Kindes von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule.

Die Studie nimmt einen, bis dato kaum betrachteten Blickwinkel auf die Transition von Kindern von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule ein.

Die Zielgruppe für das Werk stellen WissenschaftlerInnen, Dozierende und Studierende der Kindheitspädagogik sowie des Grundschullehramts, dar.


Rezensentin
Dr. Lisa Jares
Redakteurin des frühpädagogischen Fachportals ErzieherIn.de, Pädagogische Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen und Lehrbeauftragte an verschiedenen Hochschulen in kindheitspädagogischen Studiengängen
Homepage soz-kult.hs-duesseldorf.de/personen/lisajares
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Zitiervorschlag
Lisa Jares. Rezension vom 14.02.2017 zu: Annika Pfaff: Der Übergang vom Elementar- zum Primarbereich in Deutschland aus der Perspektive von Eltern, die in Armut leben. Verlag Dr. Kovač GmbH (Hamburg) 2016. ISBN 978-3-8300-9151-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21758.php, Datum des Zugriffs 24.11.2017.


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