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Dirk Rohr: Eine kleine Theorie-Einführung in Systemische und Humanistische Ansätze

Cover Dirk Rohr: Eine kleine Theorie-Einführung in Systemische und Humanistische Ansätze am Beispiel des Inneren Teams. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2016. 90 Seiten. ISBN 978-3-7799-3441-7. D: 14,95 EUR, A: 15,40 EUR, CH: 21,30 sFr.

Mit Begleittexten von Friedemann Schulz von Thun, Bernd Schmid und Jürgen Kriz.
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Thema

Wer kennt nicht die Situation wenn mind. zwei Seelen in der Brust streiten. Längst haben sich professionelle Helfer und Psychotherapeuten dies zunutze gemacht und erkunden gemeinsam mit ihrem Adressaten und im Rahmen seines Inneren Teams, etwaige auftretende innere Stimmen. Gleichzeitig haben die Professionellen dafür auch interessante theoretische Erklärungsmodelle. Hier wird explizit in systemische und humanistische Ansätze, am Beispiel des Inneren Teams, eingeführt.

Autor

Dirk Rohr promovierte über das systemisch-humanistische Konzept ‚Analysen Innerer Dialoge‘ und erhielt einen Ruf auf die ‚Professur für Kommunikation in pädagogischen Handlungsfeldern‘ der Universität Oldenburg. Seit 2012 ist er Akademischer Direktor der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln, Leiter des Arbeitsbereichs Beratungsforschung, Leiter des Zentrums für Hochschuldidaktik sowie Fakultätsgeschäftsführer. Er hat neben Erziehungswissenschaft, Psychologie und Beratungsmethoden an der Deutschen Sporthochschule studiert. Er ist Psychomotoriker (AKM), Gestalttherapeut (DGSW), Supervisor (DGSv und DGSF) und Instituts- und Weiterbildungsleiter 'Systemische Beratung' im koelner-institut.de.

Entstehungshintergrund

Das Buch entstand im Kontext einer Tagung in Köln: Gelingende Kommunikation mithilfe von systemisch-humanistischen (Beratungs-)Ansätzen. Anliegen sind dabei, nicht nur die aktuellen Entwicklungen wiederzugeben, sondern auch eine historische Einführung in die Theorien, adressiert an theorieinteressierte EinsteigerInnen, zu leisten.

Aufbau

Die Publikation untergliedert sich in ein Vorwort und acht Hauptkapitel. Dabei sind die letzten drei Kapitel von den Autoren Friedemann Schulz von Thun, Jürgen Kriz und Bernd Schmid verfasst. Das Buch ist wie folgt untergliedert:

1. Vorwort

2. Einführung in diese (Theorie-)Einführung

  • Zielsetzung, Methodik und Aufbau dieser Theorieeinführung
  • Einführung in das Modell des Inneren Teams
  • Bezugsrahmen des Autors (als System)
  • Phasen des Inneren Teams nach Schulz von Thun

3. Erkenntnistheoretische Säulen

  • Erkenntnistheoretische Säulen der humanistischen Psychologie
  • Existenzphilosophische Erkenntnisse
  • Phänomenologische Vorgehensweise
  • Erkenntnistheoretischer Säulen des systemischen Ansatzes
  • Konstruktivistische Konzepte
  • Systemtheoretische Konzepte
  • Autopoietische Aspekte
  • Synergetische Sichtweise
  • Ökologische Orientierungen

4. Prinzipien (I): Prinzipien des Humanistischen (Beratungs-)Ansatzes

  • Wille und Gegenwille (in Anlehnung an Rank)
  • Die Konfrontation mit sich selbst (Perls)
  • Im Hier-und-Jetzt-Sein
  • Bewusstheit bzw. Bewusstsein
  • Konfrontation mit sich selbst
  • Ich-Du-Beziehung
  • Der begegnungszentrierte Innere Dialog (Rogers)
  • Störungen im Inneren Team haben Vorrang (Cohn)
  • Die lustvolle Spannung verschiedener Ziele (Bühler)
  • Das Verschwinden der Polaritäten (Maslow)

5. Prinzipien (II): Prinzipien des systemischen (Beratungs-)Ansatzes

  • Allgemeine Prinzipen
  • Den Möglichkeitsspielraum vergrößern
  • Zirkularität – Innere Bezogenheit
  • Wertschätzung aller eigenen Persönlichkeitsfacetten
  • Die Neugier, sich selbst kennen zu lernen
  • Ressourcenorientierung
  • Der Umgang mit Widerständen
  • Das reflektierenden Innere Team (Andersen)
  • Kommunikation und Veränderung: Innere Dialoge
  • Mein Verständnis des Reflektierenden Teams (RT)
  • Struktur
  • Über die Entstehungsgeschichte des RT
  • Über den theoretischen Hintergrund
  • Angemessen ungewöhnlich
  • Vom Körper lernen
  • Anbieten von Komplexität
  • Über Sprache
  • Authentizität und positive Konnotationen
  • Genogramm der Gedanken (McGoldrick/Gerson)
  • Kurztherapie durch die Arbeit mit dem Inneren Team (de Shazer)
  • Frühere Erfolge einzelner Persönlichkeitsanteile
  • Ausnahmen von der Regel (Ausbleiben des Inneren Konfliktes)
  • Die Regel des entweder/Oder
  • Gewissheit

6. (Zwischen-)Fazit

7. Auf ein Wort zu Dirk Rohrs „Kleine Theorie-Einführung in Systemische und Humanistische Ansätze am Beispiel des Inneren Teams“ (Friedemann Schulz von Thun)

8. Personenzentrierte Systemtheorie – wie Körper, Psyche Interpersonelles und Kultur zusammenwirken (Jürgen Kriz)

9. „Perspektiven der Transaktionsanalyse, der Hypnotherapie Milton Ericksons, der Tiefenpsychologie Jung`scher Prägung und systemischer Ansätze – die Kunst mehrspännig zu fahren“ (Bernd Schmid)

Inhalte

Vorwort Hier formuliert der Autor seinen Ausgangspunkt und Anliegen des Buches.

Erstes Kapitel. In diesem Kapitel formuliert der Autor Zielsetzung, Methodik und Aufbau der Theorieeinführung. Er nutzt dieses Kapitel für die Einführung in die Bedeutung und Funktion des Modells des Inneren Teams. Die Arbeit wird zugleich als Literaturarbeit vorgestellt, die vergleichend, hermeneutisch sein soll und keinerlei empirische Ansprüche stelle. Neben dem eigenen verdeutlichten Bezugsrahmen werden am Ende dieses Kapitels die Phasen des Inneren Teams nach Schulz von Thun vorgestellt.

Zweites Kapitel. Es geht in diesem Kapitel um die Darstellung humanistischer und systemischer, erkenntnistheoretischer Säulen. Dabei verweist der Autor auf seinen anthropologischen Bezugsrahmen, der sich in seinem persönlichen Menschenbild widerspiegelt. Gleichzeitig soll in diesem Kapitel gezeigt werden, dass das theoretische Fundament der humanistischen Psychologie nicht in einem Widerspruch zum systemischen Denken stehe. Die Vorstellung erkenntnistheoretischer Säulen aus dem humanistisch-psychologischen und systemischen Spektrum wird dazu jeweils in Bezug zum Inneren Team gesetzt und so für die Adressaten, in ihrer Auslegung, nutzbar gemacht.

Drittes Kapitel. Anliegen dieses Kapitels sind: 1. eine Darlegung, warum das Modell des Inneren Teams als Modell der humanistischen Psychologie angesehen werden kann, 2. eine Analyse dessen, ob das, was in den Konzepten der Humanistischen Psychologie für die Klienten-Therapeuten-Beziehung gilt auch für den einzelnen Menschen in seiner Beziehung zu sich selbst Gültigkeit hat und wie dabei das Modell des Inneren Teams als Hilfestellung genutzt werden kann und 3. die Vorstellung des humanistischen Ansatzes am Beispiel des Modells des Inneren Teams. Diese Anliegen werden entlang ausgewählter Prinzipien des humanistischen (Beratungs-)Ansatzes verfolgt.

Viertes Kapitel. Ähnlich wie im vorangegangenen Kapitel, wird auch hier untersucht, ob verschiedene Prinzipien der systemischen Therapie und Beratung auch Prinzipien der Arbeit mit dem Inneren Team darstellen. Dazu werden Probleme, Unwohlsein, innere Konflikte etc. im traditionellen systemischen Denken erklärt, um später den Fokus des systemischen Denkens auf das intrapersonale System zu legen.

Fünftes Kapitel. Hier wird im (Zwischen-)Fazit darauf verwiesen, dass mit der Arbeit kein Tiefgang und die Wiedergabe der aktuellen Entwicklungen bezweckt wurden. Vielmehr sei eine Einführung in Theorien erfolgt, womit auch die Nähe und wechselseitige Ergänzung von humanistischer Psychologie und Systemansatz, am Beispiel des Inneren Teams verdeutlicht wurde.

Sechstes Kapitel. Friedemann Schulz von Thun, der eigentliche Schöpfer des Inneren Teams würdigt in diesem Kapitel die Überlegungen von Dirk Rohr. Insbesondere setzt er auseinander, inwiefern der Autor Recht habe damit, das Modell und das Methodenarsenal des Inneren Teams in beiden Welten, dem Humanismus und dem Systemansatz zu verorten.

Siebentes Kapitel. Jürgen Kriz stellt hier die Personenzentrierte Systemtheorie – PZS vor und geht dabei darauf ein, wie Körper, Psyche, Interpersonelles und Kultur, trotz einer Personenzentrierung zusammenwirken.

Achtes Kapitel. Bernd Schmid rundet die Überlegungen des Autors ab, indem er am Beispiel der Verantwortungsklärung zeigt, wie man mit Perspektiven der Transaktionsanalyse, der Hypnotherapie nach Erickson, der von Jung geprägten Tiefenpsychologie und systemischen Ansätzen, mehrspännig fahren kann.

Diskussion und Fazit

Wer lesend mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen möchte, findet hier einen Zugang zu humanistischen und systemischen Ansätzen und erkennt ihre komplementäre Nutzbarkeit. Als Beispiel hierfür dient das Modell des Inneren Teams. Allerdings beschränkt sich diese Darstellung im Wesentlichen auf intrapersonelle Prozesse, so dass wesentliche Aspekte, zumindest systemischer Arbeitsweisen, nämlich Kontextualisierungen im System der Familie und anderen Systemen und Perspektivwechsel zwischen Personen und Situationen praktisch kaum relevant erscheinen. Das nährt die Hoffnung, dass es ggf. ausreiche, sich mit seinen inneren Stimmen zu beschäftigten, auch wenn von außen das Leben bedrückend sein kann, z.B. durch Mangel an basalen Grundausstattungen zum Leben wie; Arbeit, Geld, ein Dach über dem Kopf etc. Das heißt, die praktische Relevanz ist eher psychotherapeutischer und subjektorientierter Natur.

Mit diesem Buch liegt eine – für theorieinteressierte EinsteigerInnen – gelungene Heranführung an systemische und humanistische Ansätze vor.


Rezensentin
Dr. phil. Oda Baldauf-Himmelmann
Ausgebildete systemische Therapeutin / Familientherapeutin, Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin und Kulturwissenschaftlerin. Arbeitet als Akademische MA an der Brandenburgisch-Technischen Universität Cottbus/Senftenberg (BTU CS)
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Zitiervorschlag
Oda Baldauf-Himmelmann. Rezension vom 02.03.2017 zu: Dirk Rohr: Eine kleine Theorie-Einführung in Systemische und Humanistische Ansätze am Beispiel des Inneren Teams. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2016. ISBN 978-3-7799-3441-7. Mit Begleittexten von Friedemann Schulz von Thun, Bernd Schmid und Jürgen Kriz. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21776.php, Datum des Zugriffs 19.11.2018.


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