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Christiane Stegmann: [...] Zusammenarbeit am Beispiel von Frauenprojekten

Cover Christiane Stegmann: Interaktion und Dominanz. Konflikte in der Zusammenarbeit am Beispiel von Frauenprojekten. Eine empirische Studie auf der Grundlage von Gruppendiskussionen. Institut für angewandte Interaktionsforschung, (Hamburg) 2004. 2. Auflage. 357 Seiten. ISBN 978-3-00-013483-8. 27,80 EUR.
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Einführung / Hintergrund

Die Zusammenarbeit in gleichgeschlechtlichen Arbeitzusammenhängen ist seit den 90ger Jahren vermehrt in der feministischen Diskussion. Kann die Zusammenarbeit wirklich als grundsätzlich konfliktbehaftet angenommen werden? Es wird hier die erste empirische Studie zum Thema, die die kommunikative Praxis als zentrales Aktionsfeld in den Blick nimmt, vorgelegt. Ein hoher Erklärungsbedarf zu Konflikten in der Zusammenarbeit wird aus der vorhandenen Theoriebildung angenommen, insbesondere vor dem Hintergrund der Umstrukturierungen, die seit 1989 in vielen Projekten (fremdfinanziert statt selbstbestimmt) stattgefunden haben. Des Weiteren soll die Frage untersucht werden, inwiefern weibliche Sozialisation spezifische Kommunikationsstile und eine besondere Interaktion in Frauenprojekten auszeichnet.

Aufbau und Inhalt

Die Arbeit beginnt mit der Darlegung des theoretischen und methodischen Rahmens, was auch einen kurzen Abriss über die Geschichte der Frauenbewegung und ihrer Erforschung sowie Ausführungen zum Forschungsinstrumentarium beinhaltet (rund 50 Seiten). Die Auswertung der empirischen Daten in Form transkribierter Gruppengespräche (welche en bloc nochmals auf 20 Seiten am Ende des Buches nachzulesen sind) nimmt den Großteil des Buches ein und ist in drei Kapitel unterteilt.

  • Kapitel I "Die Konfliktfelder in der Zusammenarbeit unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen der Projekte" skizziert die Gesamtheit der betrachteten 10 Projekte.
  • In Kapitel II "Die Spezifika der Interaktionsgestaltung und deren Relevanz für die Prozesse von Konfliktaufbau und Konfliktlösungen" werden transkribierte Mitschriften von 3 Projekt-Diskussionen Wort für Wort interpretiert (Umfang knapp 200 Seiten). Trotz der Mitschriften lebendiger Diskussionen ist dieser Hauptteil durch die ausgiebige Interpretationen jedes Wortes, auch wenn diese exakt und präzise sein mögen, sehr langatmig, wenn nicht langweilig zu lesen.
  • Im dritten abschließenden Teil werden die Projekte auf ihre Interaktionsverfahren hin nochmals untersucht und verglichen. Dies wird mit einem Resümee abgerundet, dem das übliche Literaturverzeichnis von 15 Seiten folgt.

Verstanden habe ich, dass Konfliktdiskussionen da recht schnell zu konsensualen Ergebnissen führen, wo eine Reflexions- und Diskussionskultur vorhanden ist: Projekt 2 nutzt regelmäßige Supervision. Wenn Teammitglieder sich in Allgemeinplätzen ergehen, wird die Auseinandersetzung über einen Konflikt gescheut, ohne professionelle Gesprächsleitung von außen ist dem schwer beizukommen (Projekt 1). Eine auf Gleichberechtigung abzielende Moderation durch eine "Führungskraft" kann im Konfliktfall immerhin einiges bewirken (Projekt 3).

Die These von einer spezifisch weiblichen Kommunikationsform konnte anhand der Diskussionsanalysen nicht bestätigt werden.

Zielgruppen und Nützlichkeit

Das Buch richtet sich ganz klar an die wissenschaftlich orientierte Fachöffentlichkeit. Es ist durchgängig hochwissenschaftlich formuliert, was ja leider bei deutschen Wissenschaftlerinnen auch zur Unverständlichkeit führt. Mir ging es mehrmals so, dass ich manche Sätze auch nach mehrmaligem Lesen nicht verstand, obwohl mir der vokabularische Duktus als Pädagogin nicht fremd ist. Das finde ich schade. Ich erwarte von wissenschaftlicher Literatur Erkenntnisse für die Praxis, die halten sich - siehe oben - doch in Grenzen, sieht man einmal von dem Einblick in die Kompliziertheiten des Transkriptonsverfahrens ab, die erst mal auf einer ganzen Seite erläutert werden: - kurzes Stocken, _längeres Stocken im Sprachfluß, Kurze Pause 2-6 Sekunden, lange Pause bis 15 Sekunden, sehr lange Pause über 15 Sekunden usw.

Über die Autorin konnte ich nichts in Erfahrung bringen.

Fazit

Schwer lesbare Kost, mit dafür relativ wenig Erkenntnisgewinn. Vermutlich eine Dissertation, der eine lesefreundliche Überarbeitung gut getan hätte.


Rezensentin
Dipl. Päd. Sabine Kamp-Decruppe
Mediatorin BM e.V., tätig u.a. im Psychosozialen Dienst der Friesenhörn GmbH
Homepage www.sabine-kamp.de
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Zitiervorschlag
Sabine Kamp-Decruppe. Rezension vom 12.04.2005 zu: Christiane Stegmann: Interaktion und Dominanz. Konflikte in der Zusammenarbeit am Beispiel von Frauenprojekten. Eine empirische Studie auf der Grundlage von Gruppendiskussionen. Institut für angewandte Interaktionsforschung, (Hamburg) 2004. 2. Auflage. ISBN 978-3-00-013483-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2179.php, Datum des Zugriffs 19.09.2019.


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