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Franziska Ehrler, Felix Bühlmann u.a. (Hrsg.): Sozialbericht 2016. Wohlbefinden (Schweiz)

Cover Franziska Ehrler, Felix Bühlmann, Peter Farago, François Höpflinger, Dominique Joye u.a. (Hrsg.): Sozialbericht 2016. Wohlbefinden (Schweiz(. Seismo-Verlag (Zürich) 2016. 280 Seiten. ISBN 978-3-03777-170-9. D: 38,00 EUR, A: 38,00 EUR, CH: 42,00 sFr.

Weitere HerausgeberInnen: Dominique Joye, Pasqualina Perrig-Chiello, Christian Suter.
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Thema

Der Sozialbericht 2016 beschreibt den aktuellen Zustand der schweizerischen Gesellschaft auf der Basis einer breiten Palette von wissenschaftlich fundierten Datenquellen. Der Bericht steht in der Tradition der Sozialindikatorforschung und kombiniert die Präsentation und Interpretation von 75 Indikatoren mit spezifischen Analysen von Lebensqualität und Wohlbefinden in der Schweiz.

Herausgeberinnen und Herausgeber

Die Herausgeberinnen und Herausgeber haben in den letzen Jahrzehnten wesentliche Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Analyse der Schweiz geliefert, an verschiedenen Schweizer Universitäten gelehrt und/oder sind am Kompetenzzentrum Sozialwissenschaften FORS in Lausanne tätig.

Entstehungshintergrund

Der vorliegende Sozialbericht 2016 ist die 5. Publikation in einer Reihe von Sozialberichten, die 2000 begonnen und dann im 4-Jahresrhythmus fortgeführt worden ist (2000, 2004, 2008, 2012). Nach dem ersten Sozialbericht 2000 hatten die nachfolgenden auch einen speziellen Fokus, der vorangehende Sozialbericht 2012 beispielsweise die Beziehungen zwischen den Generationen in der Schweiz.

Die Publikation des Sozialberichts in Buchform wird ergänzt durch eine Homepage (http://socialreport.ch/?lang=de), auf der die Grunddaten bzw. konkrete Auswertungen der wichtigsten Indikatoren verfügbar sind.

Aufbau

Die Buchpublikation ist – neben einer Einleitung und einer abschliessenden Synthese – in fünf thematische Blöcke gegliedert, nämlich als erster Block die Verteilung sozialer Güter, die kulturelle Vielfalt als zweiter Block, gefolgt von der Auseinandersetzung mit Aspekten der sozialen Integration, der politischen Gestaltung und einem fünften Block zu Gesellschaft und Umwelt.

In allen fünf thematischen Blöcken werden zunächst die zentralen Indikatoren empirisch dargestellt und interpretiert, ehe in einem Fachtext der Bezug zum Schwerpunktthema Wohlbefinden hergestellt wird.

Zu 1. Einleitung

Die Einleitung des Sozialberichtes 2016 dient wesentlich dazu, das Fokusthema Wohlbefinden in Literatur und Forschung inhaltlich und methodisch zu verorten. Dabei wird auch darauf hingewiesen, dass Wohlbefinden und Lebensqualität mit ihrer individualistischen Ausrichtung als Synonyme betrachtet werden können, hingegen der Begriff der Wohlfahrt stärker auf das Gemeinwohl und das materielle Wohlergehen ausgerichtet ist. Im vorliegenden Bericht wird das Wohlbefinden im Spannungsfeld zwischen objektiven Lebensbedingungen und subjektivem Wohlbefinden analysiert. Methodisch wird das Wohlbefinden typischerweise durch eine im Schweizerischen Haushaltspanel verwendete 11-stufige Skala der Zufriedenheit mit dem eigenen Leben erfasst, daneben werden vor allem auch Daten aus internationalen Erhebungen wie der ESS (European Social Survey) oder der ISSP (International Social Survey Programme) berücksichtigt.

Zu 2. Verteilung sozialer Güter

Der erste thematische Block beschäftigt sich mit der Verteilung sozialer Güter in der Schweiz. Dazu werden 15 Indikatoren aus den Unterbereichen Bildung, Arbeitszusammenhänge sowie Einkommen definiert (Bildungsstand der Bevölkerung, Nachobligatorische Ausbildung, Bildungsvererbung, Wandel von Wirtschaft und Arbeitswelt, Erwerbsbeteiligung, Voll- und Teilzeitarbeit, Prekäre Arbeitsverhältnisse, Eintritt ins Berufsleben, Vereinbarkeit von Beruf- und Familie, Carearbeit, Arbeitslosigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit, Erwerbseinkommen, Lohnungleichheiten sowie wirtschaftliche Lage der Haushalte und Vermögensverteilung).

Der Bildungsstand der Bevölkerung zeigt eine deutliche Zunahme der Personen mit Hochschulbildung auch zwischen 2000 und 2014 (Bildungsexpansion), also eher später als in anderen europäischen Ländern. Das Bildungssystem wird in der Schweiz im Vergleich europäischer Länder am positivsten beurteilt. Beim Indikator Carearbeit werden zum Einen Berechnungen des Bundesamtes für Statistik zum wirtschaftlichen Wert der Carearbeit präsentiert (91 Milliarden Franken im Jahr 2013), zum Anderen aufgezeigt, dass sich das durchschnittliche Engagement der Väter für Haus und Familienarbeit in der Schweiz zwischen 1979/80 und 2013 von 6 auf 17 Wochenstunden erhöht hat. Beim Indikator Wirtschaftliche Lage der Haushalte und Vermögensverteilung wird darauf hingewiesen, dass sich die Ungleichheit der Vermögensverteilung in der Schweiz in den letzten 10 Jahren erhöht hat und es in der Schweiz im Vergleich zu Deutschland anteilsmässig ähnlich viele Menschen gibt, die wirtschaftlich nur schwer über die Runden kommen, andererseits aber der Anteil der Bevölkerung, die die wirtschaftliche Situation als komfortabel beurteilt, deutlich grösser ist.

Im Anschluss an die Analyse der einzelnen Indikatoren beschäftigen sich Ursina Kuhn, Rafael Lalive, Oliver Lipps und Rainer Winkelmann mit der Frage, ob Markt- oder soziale Güter für die Lebenszufriedenheit wichtiger sind. Marktgüter können dabei nach ihrer Definition mit dem verfügbaren Einkommen auf dem Markt erworben werden, soziale Güter umfassen unter anderem Essenseinladungen oder soziale Kontakte mit Nachbarn. Auf dem Hintergrund eines wirtschaftswissenschaftlichen Rahmens werden komplexe Analysen von Paneldaten des Schweizerischen Haushaltspanels im Zeitraum 2000 bis 2010 durchgeführt. Die Resultate geben insgesamt nur wenig Unterstützung für den propagierten Einbezug von sozialen Gütern, das Hauptergebnis sagt aus, dass die erhöhte Lebenszufriedenheit bei Menschen mit höherem Einkommen vor allem mit mehr Marktgütern zu tun hat.

Zu 3. Kulturelle Vielfalt

Auch der Themenbereich kulturelle Vielfalt wird mittels 15 Indikatoren analysiert (Nationalitätenprofil, Einbürgerungen und Merkmale der Migrationsbevölkerung, Einstellungen gegenüber Ausländerinnen und Ausländern, Sprachenvielfalt, Konfessions- und Religionszugehörigkeit, Religiosität und Glaubensinhalte, Religiöse und spirituelle Praktiken, Mediennutzung, Kulturverhalten, Kulturelle und kreative Aktivitäten, Reiseverhalten, Bewegungsverhalten, ausgeübte Sportarten, Ernährungsgewohnheiten sowie Lebenssinn und Lebensziele).

Der Indikator Einbürgerungen und Merkmale der Migrationsbevölkerung zeigt, dass die Bevölkerung mit Migrationshintergrund deutlich jünger ist als die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund und dass sie bildungsmässig stärker polarisiert ist (geringerer Anteil von Personen mit mittlerem Bildungsniveau). Ergänzend wird mit dem Indikator Einstellung gegenüber Ausländerinnen und Ausländern aus international vergleichenden Erhebungen hergeleitet, dass die Vorbehalte gegenüber Zuwandernden generell geringer sind als insbesondere in Frankreich und Grossbritannien, aber auch hier sehr stark mit dem Bildungsniveau verknüpft sind (mehr Vorbehalte in tieferen Bildungsschichten). Bezüglich des Indikators Bewegungsverhalten kommt die Kurzanalyse zum Schluss, dass im Zeitraum 1978 bis 2014 eine zunehmende Polarisierung der Bevölkerung festzustellen ist: der Bevölkerungsanteil, der nie Sport treibt, bleibt mit rund 25% relativ konstant, während der Anteil der Menschen, die mehrmals pro Woche Sport treiben deutlich (bis gegen 50%) ansteigt.

Christophe Monnot & Jürg Stolz beschäftigen sich in ihrem Fokusartikel mit der Bedeutung der zunehmenden Distanzierung von der Religion für das Wohlbefinden. Dabei verorten sie diese Frage in einer generellen Auseinandersetzung mit Veränderungen in der religiösen Landschaft, die als Säkularisierung (mehr Konfessionslose) und als Diversifizierung (mehr Glaubensgemeinschaften) beschrieben werden und weisen auf den Bedeutungsgewinn des Religionstypus des distanzierten Religionsangehörigen hin. Anschliessend wird die Bedeutung der Religionen für das Wohlbefinden auf verschiedenen Ebenen und mit unterschiedlichen Datensätzen analysiert. Für die individuelle Ebene kann dabei gezeigt werden, dass die religiöse Praxis (Teilnahme an Gottesdiensten) nach wie vor positiv mit der allgemeinen Lebenszufriedenheit verknüpft ist.

Zu 4. Soziale Integration

Die 15 Indikatoren im thematischen Block Soziale Integration sind: Eheschliessungen und Partnerschaften, Trennung (Scheidung, Verwitwung), Geburten (und intergenerationelle Normen), Sterben und Tod, Altersstruktur der Bevölkerung, Haushaltsformen und Zusammenleben, Soziale Beziehungen, Freiwilligenarbeit, Informelle Freiwilligenarbeit (und Online-Engagement), Sozialstaat, Subjektive Gesundheit, Wohnsituation, Armut, Kriminalität sowie Gefühl von Unsicherheit.

Der Indikator Eheschliessungen und Partnerschaften zeigt beispielsweise wie sich in der Schweiz im Zeitraum 1980 – 2014 das durchschnittliche Heiratsalter erhöht hat, von 25 bis knapp 30 Jahren bei den Frauen, von 27.5 bis 32 Jahren bei den Männern. Bezüglich Freiwilligenarbeit (allgemein und organisiert) zeigt sich im europäischen Vergleich, dass das freiwillige und soziale Engagement der Bevölkerung ähnlich wie in Deutschland im Jahre 2012 sehr hoch ist und dass Männer nach wie vor (2015) eher formelle (z.B. Vereinsaktivitäten) und Frauen eher informelle Freiwilligenarbeit (z.B. Nachbarschaftshilfe) leisten. Beim Indikator Armut ergibt sich nach SKOS-Richtlinien (Bevölkerungsanteil unter dem sozialen Existenzminimum) 2012 eine Armutsquote von knapp 8%, die Quote der Menschen mit materiellen Entbehrungen beträgt 4% (2013). Am stärksten von Armut betroffen sind Alleinerziehende und Erwerbslose sowie (zumindest was die Armutsquote betrifft) auch Rentnerinnen und Rentner.

Der Fachbeitrag von Robert Tillmann, Maurizia Masia und Monica Budowski gibt zunächst einen Überblick über Definitionen und Klassifikationen von Lebensqualität und bisherige Forschungsergebnisse zu Einflussfaktoren wie Alter (U-förmige Beziehung), Geschlecht (Frauen mit höherem Wohlbefinden) oder Einkommen (höheres Wohlbefinden bei höherem Einkommen). Die eigenen empirischen Analysen mit Daten des Schweizerischen Haushaltspanels zeigen, dass die Wohlstandsposition, definiert durch die Einkommenshöhe und durch Deprivationserfahrungen, ebenso wie die Verweildauer in Prekaritätssituationen die Lebenszufriedenheit beeinflussen (erstere in positiver, letztere in negativer Weise). Als Folgerung weisen die Autoren darauf hin, dass bei der Analyse der Lebenszufriedenheit neben den immer stärker in den Vordergrund gestellten sozialen Faktoren wie Sozialkapital oder Freiwilligenarbeit nach wie vor auch die materielle Situation der Menschen eine entscheidende Rolle spielt.

Zu 5. Politische Gestaltung

Es werden als Indikatoren auch hier zunächst 15 Aspekte der politischen Gestaltung in der Schweiz beschrieben und im Kontext von Vergleichen mit anderen Ländern und früheren Zeitpunkten prägnant interpretiert (politisches Interesse, politische Überzeugungen, Problemwahrnehmung, Politische Identitäten, Soziale Verunsicherung, Politische Positionen, Politische Aktivitäten, Abstimmen, Wählen, Parteisympathie und Parteimitgliedschaft, Parlament und Parteienstärke, Politische Repräsentation nach Alter und Geschlecht, Regierung und Verwaltung, Justiz sowie Beurteilung des politischen Systems). Im Zusammenhang mit dem politischen Interesse ist beispielsweise festzuhalten, dass dieses in der Schweiz insgesamt relativ hoch ist, beispielsweise grösser als in Frankreich, und mit zunehmendem Bildungsniveau deutlich ansteigt. Bezüglich Abstimmen, als regelmässige Volksentscheide in Sachfragen eine Besonderheit des politischen Systems der Schweiz, zeigen die analysierten Daten, dass die Zahl der Sachabstimmungen vor allem bis zur Jahrtausendwende deutlich zugenommen hat und diese spezifische Partizipationsform auch dazu führt, dass Bürgerinnen und Bürger in der Schweiz subjektiv eher der Meinung sind, die Politik beeinflussen zu können (beispielsweise im Vergleich zu Deutschland).

Entsprechend zeigt sich dann auch beim letzten Indikator Beurteilung des politischen Systems, dass die Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie in der Schweiz im Ländervergleich am höchsten ist, leicht höher als in Schweden und deutlich höher als in Deutschland.

Im Fachartikel zur politischen Gestaltung analysiert Marc Bühlmann den Zusammenhang zwischen den beiden komplexen Gebilden von Partizipation und von Wohlbefinden. Die Ausgangsthese, dass politische Beteiligung glücklich macht, muss dabei relativiert werden. Einerseits kann aufgrund der durchgeführten Analyse die Kausalitätsrichtung zwischen Wohlbefinden und Partizipation nicht verbindlich geklärt werden, andererseits erweist sich das hedonistische Wohlbefinden (Generelle Zufriedenheit mit dem eigenen Leben) als negativ verknüpft mit verschiedenen Partizipationsformen wie Wahlbeteiligung, Unterstützung von Petitionen oder dem politischen Interesse.

Zu 6. Gesellschaft und Umwelt

Der Block Gesellschaft und Umwelt umfasst die Indikatoren Verkehrsmobilität, Verkehrsgefahren, Verkehrslärm, Energie-Endverbrauch, Veränderung von Siedlungsverhältnissen (und Wohnumfeld), Artenvielfalt (und die ökologische Qualität der Landschaft), Wassernutzung, Luftverschmutzung (und Atemwegserkrankungen), Klima und Treibhausgase, Einschätzung der Umweltqualität, Informationsstand Umweltthemen, Einschätzung von Umweltgefahren, Umweltpolitik, Umweltbewusstes Verhalten sowie Abfälle und Wiederverwertung.

Der Indikator Verkehrsmobilität zeigt unter anderem, dass sich die Hauptverkehrsmittel von Arbeits- und Ausbildungspendelnden doch deutlich unterscheiden: bei Ersteren ist das private Auto für über 50 % das Hauptverkehrsmittel, bei Letzteren ist das zu über 40% die Bahn. Bezüglich Siedlungsverhältnissen und Wohnumfeld zeigt ein Ländervergleich, dass der Anteil der in Städten wohnenden Bevölkerung in der Schweiz zwischen 1950 und 2015 deutlicher zugenommen hat als in den meisten anderen Ländern, aber immer unter dem entsprechenden Wert in Deutschland oder Frankreich liegt. Die Umweltqualität wird in der Schweiz im Jahre 2015 von einer deutlichen Mehrheit der Befragten als sehr gut oder eher gut eingeschätzt, insbesondere auch von in der Schweiz lebenden Ausländerinnen und Ausländern.

Nicola Cantoreggi und Jean Simos beschäftigen sich in ihrem Beitrag mit zunächst mit der Einbettung von Lebensqualität in einer umfassenden Gesundheitsdefinition als körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden. Bezüglich Determinanten von Gesundheit und Wohlbefinden heben sie soziale Gradienten hervor, die den Einfluss beispielsweise von Einkommen oder Bildung auf das Wohlbefinden beschreiben. Anschliessend wird der Einfluss verschiedener Umweltfaktoren wie beispielsweise die Luftverschmutzung durch Feinstaub oder die Lärmbelastung auf Gesundheitsrisiken untersucht. An diesen Beispielen werden schweizerische Belege für den stets präsenten sozialen Gradienten vorgelegt, beispielsweise dass sich die Lärmbelastung durch Strassenverkehr mit zunehmendem Bildungsstand verringert.

Zu 7. Synthese: Zufriedenheit, Glück und erfülltes Leben in der Schweiz

Der Sozialbericht 2016 wird durch eine rund zehnseitige Synthese zum aktuellen Stand des Wohlbefindens in der Schweiz abgeschlossen. Dabei werden auf Hintergrund einer im internationalen Vergleich generell hohen Lebenszufriedenheit in der Schweiz gewisse Unterschiede zwischen Lebensbereichen und zwischen spezifischen Bevölkerungsgruppen diskutiert. Diese Unterschiede betreffen aber weniger das generelle Zufriedenheitsniveau als vielmehr Unterschiede im Zufriedenheitsniveau zwischen Gruppen beispielsweise mit unterschiedlichem Alter, Einkommen oder Bildung. Diesen gruppenspezifischen Zufriedenheitsniveaus wird dann auch im zweiten Teil der Synthese nachgegangen und beispielsweise für die Migrationsbevölkerung festgehalten, dass ihre Zufriedenheit geringer ist als jene der Schweizerinnen und Schweizer, aber höher als in den jeweiligen Herkunftsländern. Abschliessend wird festgehalten, dass die Lebenszufriedenheit in der Schweiz hoch, aber ungleich verteilt ist und dass für die Zukunft eine Erweiterung der Datenlagen zu einer mehrdimensionale Erfassung der Lebenszufriedenheit zu wünschen wäre. Zudem müsste nach Meinung der Autoren neben dem individuellen Wohlbefinden verstärkt auch wieder die gesamtgesellschaftliche Sicht berücksichtigt werden.

Diskussion

Der Sozialbericht 2016 vermittelt ein empirisch breit abgestütztes Bild der Schweiz und insbesondere des Wohlbefindens in diesem Land. Er steht in der Tradition der Sozialindikatorforschung mit ihren Vor- und Nachteilen, nämlich einer breiten Datenbasis zu unterschiedlichsten Aspekten der Gesellschaft, andererseits einem Mangel an Systematik und weitergehenden theoretischen Reflexionen. Gerade auf dem Hintergrund der für diesen Sozialbericht spezifischen Kombination von Indikatorenanalyse und Fokusthema wäre aber zu wünschen, dass die beiden Aspekte systematischer getrennt würden. Bezüglich des Indikatorenteils wäre ebenfalls ein systematischeres Vorgehen von Vorteil, insbesondere auch deshalb, weil dann einerseits die bestehenden Datenlücken deutlicher würden und andererseits die Kontinuität der Sozialberichterstattung (Vergleich mit den früheren Ausgaben des Sozialberichtes) verbessert werden könnte. Die Logik des Grundsystems der Indikatoren wirft einige Abgrenzungs- und Zuordnungsfragen auf. Beispielsweise ist nicht stringent zu begründen, weshalb die Migrationsfrage im Themenbereich kulturelle Vielfalt und nicht im Themenbereich Soziale Integration (oder allenfalls sogar im Themenbereich Verteilung sozialer Güter) abgehandelt wird. Bezüglich Titelsetzung würde ich vorschlagen, dass zukünftig der Bezug zur Schweiz explizit gemacht wird und freue mich jetzt schon auf den nächsten Sozialbericht Schweiz 2020.

Fazit

Das Buch beinhaltet eine umfassende Beschreibung der Schweiz mittels einer Vielzahl von objektiven und subjektiven Indikatoren, die aus unterschiedlichen nationalen und internationalen Datenquellen stammen. Als Fokusthema des Sozialberichts 2016 wurde das Wohlbefinden oder die Lebensqualität ausgewählt, welche sich in der Schweiz generell auf einem hohen Niveau befindet, aber wie in den meisten Vergleichsländern stark mit der gesellschaftlichen Position verknüpft ist. In den fünf Kapiteln Verteilung Sozialer Güter, Kulturelle Vielfalt, Soziale Integration, Politische Gestaltung sowie Gesellschaft und Umwelt werden insgesamt 75 Indikatoren diskutiert, die zusammen ein aufschlussreiches Bild der gesellschaftlichen Lage der Schweiz ergeben.


Rezensent
Prof. Dr. Heinrich Zwicky
ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft. Departement Soziale Arbeit
Homepage www.sozialearbeit.zhaw.ch
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Zitiervorschlag
Heinrich Zwicky. Rezension vom 05.01.2017 zu: Franziska Ehrler, Felix Bühlmann, Peter Farago, François Höpflinger, Dominique Joye u.a. (Hrsg.): Sozialbericht 2016. Wohlbefinden (Schweiz(. Seismo-Verlag (Zürich) 2016. ISBN 978-3-03777-170-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21799.php, Datum des Zugriffs 17.11.2019.


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