socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Rapahela Schätz: Deutsch als Zweitsprache fördern (Grundschulkinder)

Cover Rapahela Schätz: Deutsch als Zweitsprache fördern. Studie zur mündlichen Erzählfähigkeit von Grundschulkindern. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2016. 344 Seiten. ISBN 978-3-658-15867-5. D: 49,99 EUR, A: 51,39 EUR, CH: 51,50 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Sprachliche Fähigkeiten gelten schon seit längerem als Schlüsselkompetenzen für eine erfolgreiche Bildungsbiografie von Lernenden. Sowohl bei einsprachig, aber vor allem bei mehrsprachig aufwachsenden Kindern und Jugendlichen konnte ein Zusammenhang zwischen vorhandenem Sprachförderbedarf und Problemen bei der erfolgreichen Teilhabe an institutionellen Bildungsangeboten belegt werden. Als Reaktion auf diese Erkenntnisse wurden zahlreiche Förderprogramme entwickelt, die vor allem die sprachlich-kommunikativen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen im Elementar- und Primarschulstufenbereich verbessern sollen. So groß die Quantität dieser Maßnahmen ist, so gering sind empirisch fundierte Daten über die Wirksamkeit dieser Interventionen. An diesem Forschungsdefizit setzt das vorliegende Buch mit dem Ziel an, eine empirische Studie über die Wirksamkeit des Sprachförderprogramms MITsprache zu präsentieren und dadurch wissenschaftliche Erkenntnisse zur Effektivität von Fördermaßnahmen sprachlich-kommunikativer Fähigkeiten von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache zu liefern.

Aufbau

Das 372 Seiten umfassende Buch gliedert sich in zwei Teile, wovon die theoretischen Grundlagen mit knapp zwei Dritteln des Gesamtumfangs im ersten Teil aufgearbeitet werden. Das letzte Drittel erläutert den empirischen Part der Publikation, in dem das Sprachförderprogramm MITsprache und die darauf bezogene Längsschnittstudie zur Wirksamkeit des Programms dargestellt wird.

Inhalt

In der Einleitung skizziert die Autorin die Thematik des Buches als wichtiges Forschungsfeld, um für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache verwertbare empirische Daten zur Wirksamkeit von Fördermaßnahmen zu gewinnen.

Als thematischen Einstieg in die theoretische Diskussion wählt Raphaela Schätz den Bereich des Zweitspracherwerbs und skizziert neben Grundlagen schwerpunktmäßig wissenschaftlich existierende Zweitspracherwerbshypothesen, die sie als theoretische Basis zur Aufarbeitung sprachlicher Bildung von zweisprachig aufwachsenden Kindern heranzieht. Als Zwischenfazit arbeitet die Autorin die drei Aspekte Antrieb, Sprachvermögen sowie Zugang zur Sprache als drei bedeutende Faktoren heraus, um darauf basierend den Zweitspracherwerb zu erklären. Im anschließenden Kapitel wird die mündliche Erzählfähigkeit anhand der daran beteiligten Komponenten als sinnvolle Referenz zur Beurteilung des Sprachvermögens begründet und schließlich durch Verweis auf die Erwerbsverläufe in einzelnen linguistischen Ebenen erläutert. Unter Bezugnahme auf fehlende Forschungsergebnisse zum Erwerb spezifischer pragmatischer Fähigkeiten von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache illustriert Raphaela Schätz die theoretisch bekannten, individuellen sowie endogenen und exogenen Faktoren, die den Erwerbsverlauf beeinflussen können. Im fünften Kapitel wird der Fokus auf die Gestaltung von Sprachfördermaßnahmen gelegt und die existierenden didaktischen Ansätze durch Erläuterung der kommunikationsorientierten und sprachstrukturellen Vorgehensweise konkretisiert, wobei die Autorin bewusst darauf hinweist, dass eine Unterscheidung dieser beiden Formen in der Praxis nicht in Reinform realisierbar ist. Der theoretische Teil der Publikation endet mit der konkreten Skizzierung, welche Komponenten eine zielgerichtete Förderung der mündlichen Erzählfähigkeit beinhalten sollte. Dabei werden vor allem die Erwartungen an die Förderkraft hinsichtlich ihrer Modellrolle sowie ihrer individuumsbezogenen Vorgehensweise formuliert.

Zu Beginn des empirischen Teils erfolgt die Darstellung des konkreten Sprachförderprogramms MITsprache, auf dessen Basis die zweijährige Sprachfördermaßnahme der hier dargestellten Studie durchgeführt wurde. Diese Sprachinterventionsmaßnahme besteht aus drei Eckpfeilern: die konkreten Durchführungshandlungen, die sehr eng an den Inhalten des Sprachförderprogramms „Deutsch für den Schulstart“ angelegt sind, die gezielte Qualifizierung der Förderkräfte sowie die Erläuterung der Umsetzung von Elternarbeit. Das sechste Kapitel resümiert die zugrunde liegenden Fragestellungen der Studie und präsentiert zu jeder Fragestellung auch jeweils formulierte Erwartungshypothesen der Autorin bzw. der Forschungsgruppe. Im anschließenden Kapitel werden konkrete Umsetzungskonzepte sowie forschungsrelevante Fakten des Untersuchungsdesigns der Längsschnittstudie präsentiert, beispielsweise werden wichtige Rahmendaten aufgeführt, wie die Anzahl der Förderungsstunden., z.B. dass jedes Förderkind etwa 140 Förderstunden über die zwei Jahre der Studie erhielt.

Das neunte Kapitel liefert die statistischen Ergebnisse der Studie und bezieht diese durch die statistische Auswertung der Daten von Vergleichs- und Fördergruppe direkt auf die bereits vorher erläuterten Hypothesen. Kapitel zehn diskutiert die vorher dargestellten Ergebnisse hinsichtlich der zugrunde liegenden Fragestellungen und erläutert neben den Hypothesenbewertungen auch Implikationen für die Praxis von Sprachfördermaßnahmen sowie weitere Forschungsansätze in dieser Thematik. Die differenziert analysierten und eingeordneten Ergebnisinterpretationen ordnet Raphaela Schätz so ein, dass der MITsprache zugrunde liegende didaktische Ansatz Kinder mit intensivem Sprachförderbedarf in Deutsch als Zweitsprach bei der Erweiterung ihrer mündlichen Erzählfähigkeiten unterstützt.

Diskussion und Fazit

„Deutsch als Zweitsprache fördern – Studie zur mündlichen Erzählfähigkeit von Grundschulkindern“ thematisiert einen Inhaltsbereich, der sowohl bildungspolitisch als auch fachwissenschaftlich und forschungsspezifisch von großer, aktueller Relevanz ist. Die hier vorgestellte Studie lässt den Schluss zu, dass sich ein gezieltes Angebot an sprachförderlichen Settings mit ausgewählten Inhalten und Vorgehensweisen förderlich für Kinder mit besonderem Sprachförderbedarf in Deutsch als Zweitsprache auswirkt. Die im Rahmen des Buches beschriebene Vorgehensweise der Unterstützung sprachlich-kommunikativer Fähigkeiten repräsentiert eine mögliche Umsetzungsform, die mit Blick auf die einzelnen Kinder weiter individualisiert werden könnte.

Raphaela Schätz arbeitet diese Thematik insgesamt mehr für Wissenschaftler und Theoretiker auf, indem sie fachwissenschaftliche und -didaktische Erkenntnisse aus aktueller Perspektive beleuchtet und mit Hilfe eines umfangreichen Forschungsdesigns untermauert. Inwiefern die standardisierte Leistungszunahmenmessung der Fördergruppe einen realistischen Einblick in die individuellen Entwicklungs- und Förderbereiche widerspiegelt, bleibt aufgrund des stark quantitativ orientierten Forschungsdesigns nicht endgültig zu klären. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sind jedenfalls als Richtwert zur Beurteilung der Effektivität von Sprachfördermaßnahmen als wegweisende Orientierungshilfe zu bewerten. Für praktizierende Fachkräfte hingegen finden sich weniger konkrete Umsetzungsimpulse oder -beispiele, was aber auch nicht Ziel des vorliegenden Buches darstellt. Aufgrund dessen eignet sich das hier beschriebene Werk als interessante Publikation für LeserInnen, die sich berufs- oder studienbedingt theoretisch mit dem fachwissenschaftlich aktuellen Stand der Zweitspracherwerbserkenntnisse auseinandersetzen wollen und gleichzeitig eine mögliche Form der Umsetzung von Sprachfördermaßnahmen für Kinder mit besonderem Förderbedarf in Deutsch als Zweitsprache erwarten.


Rezensent
Dr. Christoph Schiefele
E-Mail Mailformular


Alle 4 Rezensionen von Christoph Schiefele anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Christoph Schiefele. Rezension vom 29.12.2016 zu: Rapahela Schätz: Deutsch als Zweitsprache fördern. Studie zur mündlichen Erzählfähigkeit von Grundschulkindern. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2016. ISBN 978-3-658-15867-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21811.php, Datum des Zugriffs 22.04.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung