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Harald Geißler: Die Grammatik des Coachens

Cover Harald Geißler: Die Grammatik des Coachens. Eine empirische Rekonstruktion. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2016. 461 Seiten. ISBN 978-3-658-09639-7. D: 44,99 EUR, A: 46,26 EUR, CH: 47,50 sFr.
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Thema

Harald Geißler geht den beiden Fragen nach, wie professionelle Coaches ihre Kunden verstehen können und wie sie sich, unabhängig welcher methodischen Schule oder Theorie sie sich zugehörig fühlen, im Coachingprozess steuern. „Das Ziel der vorliegenden Studie ist, empirisch zu ermitteln, was Coaching eigentlich ist bzw. welche Art von Kommunikation begründet beanspruchen kann, als Coaching bezeichnet zu werden. Dieses Ziel ist anspruchsvoll. Denn Coaching ist bisher ein Container-Begriff, der Unterschiedliches zusammenfasst.“ (S 441)

Der Autor geht davon aus, dass sich professionelle Coachingprozesse aus „basalen Handlungseinheiten zusammensetzen, die ihrerseits aus verschiedenen Einzelentscheidungen bestehen, die regelgeleitet in spezifischer Weise miteinander kombinierbar sind.“ (S.1) Er kommt in seiner empirischen Rekonstruktion, so der Untertitel des Buches, zu einer Beschreibung coachingspezifischer Regeln, die sich deutlich unterscheiden von anderen Kommunikations- und Beratungsanlässen und sowohl für die Konzipierung, die Didaktik und Beurteilung von Coachingausbildungen, als auch für die Systematisierung, das Lernen von Coaching, den fachlichen Dialog und die Reflexion der eigenen Praxis nützlich sein können.

Autor

Dr. Harald Geißler hat an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg eine Professur für Allgemeine Pädagogik unter besonderer Berücksichtigung der Berufs- und Betriebspädagogik. Seine Forschungsschwerpunkte sind Organisationsentwicklung, Organisationslernen, betriebliche Weiterbildung, Weiterbildungsmanagement, sowie Beratung und Coaching. Er arbeitet als Coach, forscht und lehrt zum Thema Coaching und zertifiziert Coachingausbildungen. Er beforscht außerdem die Möglichkeiten Coaching mithilfe der neuen Medien verstärkt zu nutzen und diese nicht nur als kommunikative Hilfsmittel, sondern auch für Selbstlernprozesse in der Vor -und Nachbereitung von Coachingsitzungen zu nutzen.

Perspektive der Rezensentin

Um die Beschreibung und Bewertung der Rezensentin besser nachvollziehen zu können, wird kurz skizziert mit welchem fachlichen Hintergrund, Erkenntnisinteresse und damit auch Fokus das Buch gelesen und bewertet wurde.

Die Rezensentin arbeitet nicht in universitären Forschungskontexten, ist aber sehr interessiert an der Beschreibung, Evaluation und Systematisierung von professioneller Praxis. Sie ist Ausbildungsleiterin einer zertifizierten Supervisions- und Coachingweiterbildung und arbeitet als Führungskräftecoach.

Ihre Bewertung der wissenschaftlichen Studie richtet sich auf die Relevanz für die praktische Arbeit in der Ausbildung und Beratung.

Entstehungshintergrund

Das Buch beschreibt eine zehnjährigen Forschungs- und Entwicklungsarbeit, die für Praktiker, aber vermutlich für Wissenschaftler wesentlich interessanter ist. Der Autor schreibt dazu: „Im Rückblick wird dabei ein Weg erkennbar, der trotz mancherlei Irrwegen und Sackgassen durch die Leidenschaft vorangetrieben wurde, zwischen Theorie und Praxis zu vermitteln, indem die Sinnerfüllung eigener praktischer Arbeit als Coach und die gemachten Praxiserfahrungen zur Grundlage der wissenschaftlichen Erforschung professioneller Coachingprozesse gemacht wurde.“ (S.1)

Das empirische Material der Studie bilden dabei drei Live-Mitschnitte von Coachingsitzungen, die dem Leser auch zugänglich sind. Die Prozesse zeigen Einzelsitzungen mit Coachingkunden zu beruflichen Fragestellungen.

Aufbau

Die wissenschaftlichen Fragestellungen, das Untersuchungsdesign und die Ergebnisse werden in den ersten fünf Kapiteln behandelt. Diese Kapitel richten sich vor allem an den wissenschaftlich interessierten Leser und Wissenschaftskollegen. Leser, die daran nicht vorrangig interessiert sind, werden mithilfe von Zusammenfassung am Ende eines jeden Abschnitts soweit informiert, um die Ergebnisse nachvollziehen zu können und eine Informationsbasis für das sechste Kapitel zu haben.

Praktiker können aber auch ohne die Beschäftigung mit der Studie im sechsten Kapitel einsteigen. Hier wird die Ableitung für das praktische Handeln in der Coachingpraxis dargelegt. Die Aktivität des Fragens bekommt bei ihm konzeptuell und praktisch eine zentrale Bedeutung. Er kommt dabei auf elf Fragengruppen und einer Systematik von Fragetypen.

Im siebten Kapitel fasst er alle Ergebnisse auf knappen sechs Seiten zusammen und endet mit Empfehlungen für Folgeuntersuchungen.

Inhalt

Vorwort und Leseorientierung. Das Vorwort orientiert sehr klar zum Forschungsgegenstand, zum Nutzenversprechen für die beiden Zielgruppen (Wissenschaftler und Praktiker) und gibt eine hilfreiche Leseorientierung.

Kapitel 1 – Gegenstand und Ziele der Untersuchung (S. 1- 68)

Die Ziele des Autors an die Untersuchung sind hoch gesteckt. Er möchte zwei Fragestellungen bearbeiten, die schulenübergreifende Antworten darauf geben, wie Coaches ihre Kunden verstehen und wie sie zu Handlungsentscheidungen im Prozess kommen und damit zu einer schulenunabhängigen wissenschaftlichen Theoriebildung beitragen. Die Studie geht von den Vermutungen aus, dass komplexe coachingspezifische Handlungskonstellationen aus basalen Einzelhandlungen der Interaktionspartner bestehen und durch regelgeleitete Entscheidungen zu coachingspezifischen Handlungen und im Weiteren zu Handlungsfolgen kombiniert werden können. Der Untersuchungsgegenstand beschränkt sich jedoch darauf, „konzeptionell und empirisch zu prüfen, durch welche Merkmale sich diejenigen Handlungen von Coaches und Klienten auszeichnen, die als coachingspezifische basale Einzelhandlungen bezeichnet werden können, weil sie sozusagen die `kleinsten Bausteine` sind, aus denen sich komplexe Handlungen, d.h. Handlungskonglomerate zusammensetzen.“ (S. 11) Eines der Ziele der Studie verfolgt die Entwicklung einer handlungsorientierenden Entscheidungssystematik und ein weiteres Ziel will dazu beitragen eine „wissenschaftliche Analysesystematik für die valide Erfassung und Rekonstruktion von Coachingprozessen zu ermitteln.“ (S. 64) Nicht untersucht und auf Folgestudien verwiesen, wird die Frage, wie genau sich die Einzelhandlungen zu Handlungsfolgen zusammensetzen.

Die untersuchten Praxisfälle sind in dieser Studie dyadische Gesprächssituationen. Die Videoaufnahmen zeigen Zweierkonstellationen in der Anfangsphase eines Beratungsprozesses zu beruflichen Themen.

Kapitel 2 – Untersuchungsgegenstandsspezifische Voraussetzungen (S. 69- 123)

Im zweiten Kapitel wird mithilfe der Rekonstruktion der Geschichte des Coachings gezeigt, dass die verschiedenen Coachingsrichtungen ideengeschichtlich Gemeinsamkeiten aufweisen und verbinden.

Dem Coaching wird die gesellschaftliche (latente) Funktion zugewiesen, einen Ort und ein Kommunikationssystem zu bieten, um Personen dabei zu unterstützen mit den Anforderungen der Globalisierung umzugehen. Das betrifft die Selbststeuerung, Selbstbestimmung und Problemlösungs- und Handlungsfähigkeit des Einzelnen im Kontext der gesellschaftlichen Entwicklungsdynamik.

Im Weiteren werden in diesem Kapitel kommunikationspsychologische und pragmalinguistische Erkenntnisse und handlungs- und systemtheoretische Grundlangen herangezogen und knapp skizziert, um zu beantworten was „eine Handlung ist und was man insbesondere unter einer basalen Handlung verstehen kann.“ (S.69) Dabei werden Sprechakte als die kleinste Sinneinheit kommunikativer Prozesse herausgearbeitet.

Dazu zieht der Autor die folgenden kommuikationspsychologischen und pragmalinguistischen Grundlagen heran.

  • Ludwig Wittgensteins Konzept der Sprachspiele
  • Systemische Kommunikationstheorie von Paul Watzlawick
  • Pragmalinguistische Sprechakttheorie von Austin und Searle

Zum Verstehen der handlungstheoretischen Grundlagen beschreibt er

  • Teleologisches und strategisches Handeln
  • Normenreguliertes Handeln
  • Dramaturgisches Handeln

Im Kapitel zu den systemtheoretischen Grundlagen des Handelns bezieht es sich nur auf Eckard König, Ed Schein und Peter Senge.

Kapitel 3 – Untersuchungsmaterial, methodologische Vorannahmen und Untersuchungsdesign (S. 125- 193)

Im dritten Kapitel wird diskutiert, welches Untersuchungsmaterial und welcher Untersuchungszugang gewählt wurde. Der Autor kommt zu dem Ergebnis, ausschließlich empirisches Material von professionellen Coachingprozessen zu nutzen und auf Befragungen zu verzichten. Dafür lädt er im Markt tätigen Coaches ein, mit einem Schauspieler eine Coachingsitzung vor laufenden Kamera zu simulieren.

Das Material der Coachingsitzungen wurde auf Video festgehalten, transkribiert und bildet die Basis der Untersuchung. Alle Überlegungen zur Wahl und Behandlung des Materials werden transparent gemacht. Außerdem sind die Sitzungen für den Leser auf der Webseite www.coaching-gutachten.de zugänglich. In diesem Kapitel wird deutlich mit welchem Wissenschaftsverständnis, Überlegungen und Genauigkeit vorgegangen wird, um den formulierten Objektivitätsanspruch gerecht zu werden.

Kapitel 4 – Qualitative Untersuchungsergebnisse (S. 195- 281)

Hier werden elf, für professionelle Coachingprozesse konstitutive Entscheidungsdimensionen herausgearbeitet. Diese unterscheiden und beziehen sich zum einen auf die Sprechakte, die die Beziehung zwischen Sprecher, Angesprochenen und den Kommunikationsinhalt regulieren und zum anderen auf die Gestaltung des Kommunikationsinhalts und der Wahl des Kommunikationsmediums. Jeder dieser Dimensionen konnten spezifische Entscheidungsoptionen zugewiesen werden.

Als Ergebnis der Studie „konnte empirisch gezeigt werden, dass die Illokutionen, die professionelles Coaching als eine professionsspezifische Kommunikationsgattung ausweisen“, sich als vier Entscheidungsdimensionen mit 38 Entscheidungsoptionen darstellen lässt. Diesen vier Dimensionen ist der größte Teil des Kapitels gewidmet. Weitere sechs Entscheidungsdimensionen mit 26 Entscheidungsmöglichkeiten beziehen sich auf die Gestaltung des Kommunikationsinhalts und eine Dimension mit 23 Optionen dient der Wahl des Kommunikationsmediums (Face- to-face, Telefon, Skype und Schreiben u.a.).

Am Beispiel der Entscheidungsdimension A soll skizzenhaft verdeutlicht werden, wie konkret diese Spezifik dargestellt wird. (Kap. 4.2.1) Die Entscheidungsdimension A weist die folgenden neun rahmensetzende Entscheidungsoptionen aus, die in den einzelnen Unterkapiteln mit Beispielen konkretisiert werden.

  • informative Vermittlung fallspezifischen Wissens
  • informative Vermittlung allgemeingültigen Wissens
  • disputative Stellungnahme zu (potentiell) strittigen bzw. missverständlichen Inhalten
  • Spiegelung
  • Feedback
  • Handlungsaufforderung bzw. -anregung
  • Selbstoffenbarung
  • Performative Beziehungsgestaltung

Kapitel 5 – Quantitative Untersuchungsergebnisse (S. 283- 353)

Untersucht wurde weiterhin, wie häufig Coaches welche Entscheidungsoptionen wählen. Die Untersuchung zeigt die Präferenzen von Coach und Kunden. Coaches wählen im nicht- metakommunikativen Bereich zur Bearbeitung der Anliegen ihrer Kunden fast ausschließlich anregende und unterstützende Problemlösungsaktivitäten, indem sie erkundende Fragen stellen, um die relevante Details zum Kundenanliegen befragen. Sie stellen gerne Fragen und spiegeln das Gehörte. Die Konzentration auf die sorgfältige Erhebung von coachingrelevanten Basisdaten zum Kundenanliegen scheint sich als wesentliches Merkmal von Coaching und Führungsverhalten im Coaching bewerten zu lassen.

Im metakommunikativen Bereich steht die Steuerung des Coachingprozesses im Vordergrund. Hier werden instruktionalistische Interventionen zur Steuerung des Prozesses bevorzugt.

Interessant ist das herausgearbeitete Muster in der Kommunikation zwischen Coach und Kunde. Zur Bearbeitung der Kundenthemen nutzt der Coach überwiegend facilitative Problemlösungsaktivitäten, zu denen sich der Kunde mit instruktionalistischen Bearbeitungsaktivitäten komplementär verhält.

Geissler kommt im Abschluss dieses Kapitels zu der Einschätzung, dass „die Grammatik des Coachens ganz wesentlich durch die partizipative Führung des Coachs bestimmt wird und dass diese in einer facilitativen und instruktionalistischen Variante erscheinen kann.“ (S. 352) Für verallgemeinerungsfähig identifiziert Geissler die Ergebnisse dieser Führung. Durch die facilitative Variante der partizipativen Führung werden Kunden unterstützt, die „Schuld“ und Verantwortung für ihre Problematik nicht durch Abwertung und Zuweisung bei anderen zu verorten, sondern sich als Verantwortliche und Handelnde wahrzunehmen und entsprechend zu handeln.

Kapitel 6 – Rekonstruktion einer coachingspezifischen Fragentypologie (S. 355- 440)

Das sechste Kapitel ist nun mehr für die Praktiker unter den Lesern geeignet. Es ist so aufgebaut und geschrieben, dass es auch ohne die Betrachtung der wissenschaftlichen Studie aufschlussreich ist.

Fragen zu stellen, scheint die Hauptaktivität des Coachens zu sein. Entlang der Fragestellung, welche Arten von Fragestellungen im Coaching unterschieden werden können und ob ihnen eine bestimmte Systematik zugrunde liegt, entwickelt der Autor im sechsten Kapitel eine Typologie von Fragen, die man im Coaching sinnvoll stellen kann. Er unterteilt diese Fragen in elf Fragegruppen ein.

  1. Befindlichkeitsfragen
  2. Fragen nach relevanten Einzelheiten
  3. Nachsteuernde Informationsfragen
  4. Emotionsfragen
  5. Differenzierungsfragen
  6. Prozessbetrachtungsfragen
  7. Kausalitätsfragen
  8. Sinn-, Bedeutungs- und Verantwortlichkeitsfragen
  9. Nicht- vergleichende Bewertungsfragen
  10. Vergleichende Bewertungsfragen
  11. Entschlussfragen

Diese Fragetypen werden dann weiter untergliedert und auf verschiedene Perspektiven aufgeteilt. So lassen sich Fragen zum Befinden sowohl auf die Coachingthematik, als auch auf den Coachingprozess beziehen. Mit dem Betrachtungsort, der zeitlichen Dimensionen der Betrachtung u.v.a.m. lassen sich die Fragentypen weiter differenzieren.

Kapitel 7 – Zusammenfassung und Ausblick (S. 441-448)

Als Coaching werden zusammenfassend die kommunikativen Beratung- und Führungshandlungen verstanden, die „den Klienten mithilfe facilitaitver Fragen d.h. problemlösungsanregender Sprechhandlungen, und zwar vor allem mithilfe von Fragen dazu anzuregen, alle relevanten Einzelheiten ihrer Coachingproblematik sorgfältig zu identifizieren. Diese auf lernanregende Hilfe zur problemlösungsanregenden Selbsthilfe ausgerichtete Kommunikation über die Kliententhematik verbindet sich mit einer partnerschaftlichen Metakommunikation über die Gestaltung und Steuerung des Coachingprozesses.“ (S. 441)

Im Ausblick skizziert der Autor die Themen für weitere interessante Folgestudien.

Das Kapitel 8 mit Kodierhilfen für die Forschungspraxis (S. 449- 461) schließt das Buch ab.

Diskussion

Die Rezensentin hat die Kapitel mit Seitenangaben versehen, um die Gewichtung des inhaltlichen Schwerpunktes deutlich werden zu lassen. 350 Seiten befassen sich mit wissenschaftlichen Fragestellungen und 85 Seiten mit der praktischen Relevanz der Studie. Vermutlich ist die Studie für die Coaching- und Beratungswissenschaften interessant. Das kann die Rezensentin allerdings nicht beurteilen.

Sicherlich ist die verbale Sprache das zentrale Mittel der Kommunikation in Beratungsprozessen. Unumstritten ist ebenfalls, dass Fragen leiten und orientieren und in den meisten methodischen Schulen als zentrale Technik zur Erkundung, Führung und Intervention eingesetzt werden. Die Studie fokussiert ausschließlich das gesprochene Wort und lässt die nonverbale Dimension vollständig ausgeschlossen. Die Schlussfolgerungen sind zwar schlüssig nachvollziehbar, wenn man den Fokus und die Vorannahmen teilt. Für die Rezensentin bleiben die Fragen offen, zu welchen Ergebnissen man kommt, wenn die nichtsprachliche Kommunikation und die Resonanz, bzw. Zwischenleiblichkeit in der Begegnung mit in die wissenschaftliche Aufmerksamkeit käme.

Sollte man mit den Dimensionen und ihrer Vielzahl an Entscheidungsmöglichkeiten eine innere Orientierung für den Berater im Beratungsprozess erwarten, erscheint die Systematik dafür zwar interessant, aber auch zu komplex. Die Fragenkomplexe können jedoch als Anregung zur Überprüfung der eigenen Praxis, zur Anregung für neue Perspektiven und Fragentypen genutzt werden.

Als Supervisorin bin ich irritiert, dass die Verbindung von Supervision und Coaching und das Beratungsformat Supervision als Wurzel von beruflichem Coaching nicht erwähnt werden. Eine wesentliche entwicklungsgeschichtliche Wurzel des beruflichen Coachings mit 100 Jahre Professionsentwicklung und Theoriebildung wird damit völlig ausgeblendet.

Als systemisch orientierte Beraterin ist es schwierig nachzuvollziehen, den Einfluss des Beobachters/ Wissenschaftlers nicht mit zu beleuchten. Die eigenen Vorannahmen, der Fokus, die Kamera, das Untersuchungsdesign usw. wirken im systemischen Verständnis immer mit. Die Wirkung dieser Einflussfaktoren auf das Untersuchungsdesign bleiben aber unreflektiert

Das Buch ist gut aufgebaut und gut lesbar. Harald Geißler gelingt es durch den Aufbau der Buches, sowohl wissenschaftlich interessierte Leser, als auch für Praktiker, gut durch das Buch zu führen.

Die Studie erhebt den Anspruch schulenunabhängige Aussagen machen zu können. Der Beschreibung von Coaching, die letztendlich formuliert wird, können die verschiedenen Schulen, zumindest im Kontext berufsbezogenen Coachings, sicher alle zustimmen.

Vermisst habe ich ein Sachregister zum Nachschlagen und Suchen.

Fazit

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Coaching sich durch eine partizipative Führung des Coachs und einen partnerschaftlichen Dialog auszeichnet, der wesentlich durch facilitative Fragen die Selbsterkundung, Selbsterkenntnis und das verantwortliche Handeln des Kunden fördert. Diese Definition grenzt Coaching von der instruktiven Fachberatung ab und profiliert es als reflexives Beratungsformat, wie dies die meisten wichtigen Schriften zum beruflichen Coaching und Supervision immer schon definierten. Somit kann die Studie als Bestätigung der Praxis gesehen werden.

Der Leser sollte sich klar sein, dass es sich um eine wissenschaftliche Studie handelt, auch wenn Praktiker angesprochen werden. Als Praktiker sollte man zumindest Spaß daran haben, den Forschungsprozess mit zu verfolgen.


Rezensentin
Dipl. Sozialpädagogin Carla van Kaldenkerken
Dipl. Sozialpädagogin, Supervisorin und Caoch (DGSv), Lehrsupervisorin und Ausbildungsleiterin für Supervision und Coaching (DGSv-zertifiziert), Mediatorin und Ausbilderin für Mediation (BM e.V.), Organisationsberaterin und Fachbuchautorin zum Thema Supervision
Homepage www.stepberlin.de
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Zitiervorschlag
Carla van Kaldenkerken. Rezension vom 06.06.2017 zu: Harald Geißler: Die Grammatik des Coachens. Eine empirische Rekonstruktion. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2016. ISBN 978-3-658-09639-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21817.php, Datum des Zugriffs 21.10.2019.


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