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Hermann Will: Mini-Handbuch Training

Cover Hermann Will: Mini-Handbuch Training. Das Wichtigste für Dozenten, Referenten und Trainer. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2016. 175 Seiten. ISBN 978-3-407-36593-4. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 27,90 sFr.
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Thema

Hermann Will möchte in seinem Mini-Handbuch neue Impulse und Anregungen für Trainings, Seminare, Schulungen und Kurse geben, um so zu motivieren, attraktivere Designs zu entwickeln und neue Methoden und Medien einzusetzen.

Autor

Hermann Will, ist Pädagoge und Diplom-Psychologe, arbeitet als freiberuflicher Trainer, Berater und Moderator.

Aufbau und Inhalt

Wills Büchlein umfasst 23 kurze Kapitel zu unterschiedlichsten Aspekten der Seminarplanung, -durchführung oder -reflexion auf ca. 175 Seiten. Will orientiert seine Ausführungen an den folgenden sieben „Glaubenssätzen zum ‚Lebendigen Lernen‘“:

  1. Jeder Teilnehmer und jedes Training ist anders – jeder Trainer auch, d. h. wünschenswert sind flexible Planung und Werkstattdesigns.
  2. Trainings zwischen Predigt, Workshop und Lern-Event, d. h der Blick über Formatgrenzen hinweg ist erwünscht.
  3. Anders als üblich. Dies ist als Plädoyer für „Abweichungen vom Üblichen auf mittlerem Niveau“ zu verstehen.
  4. Auf die Lernenergie achten, „die sich speist aus Motivation, Inhalten und Methoden, dem Lernklima und dem Spirit der Veranstaltung“
  5. Das Chianti-Modell hat ausgedient. Damit erteilt der Autor dem Modell eine Absage, das den Trainer sieht als „ein Fass voll edlem Gran Reserva und die Teilnehmer als leere Flaschen, die abgefüllt, verkorkt und etikettiert werden.“
  6. Nicht auf´s falsche Pferd setzen. Methodenmix und kreative Designs sind gut, nachhaltiger sind nach Will Lerngewinn und Transfer.
  7. Stärken stärken meint eine ressourcenorientierte Sicht auf die Teilnehmenden, die bei ihren Stärken ansetzt, diese unterstützt und nächste Entwicklungsschritte herausarbeitet.

Will unterteilt sein Buch in sechs inhaltliche Schwerpunkte:

  1. Analyse und Recherche. Hier geht es insbesondere um Fragen der Auftrags- und Bedarfsklärung. Desweiteren wird das Thema Teilnehmendenanalyse angesprochen. Besonderes Augenmerk wird hier auf die Erwartungen, die Bedürfnisse und die Lerntypologien gelegt. Zum Abschluß wird die Lernziel-Klärung thematisiert. Dabei hat Will durchaus eigenwillige Vorstellungen von diesen „Lerntypen“. Er spricht in diesem Zusammenhang von „Puzzle-“ oder ZDF-Typen, die Zahlen, Daten, Fakten lieben, von „Struktur-Typen“, die übergeordnete Zusammenhänge, Überblicke und Querbezüge mögen und von „Herzblut-Typen“, denen eine gute Atmosphäre, ein angenehmes Gefühl und positive Kontakte besonders wichtig sind (21).
  2. Planung und Transfer. Hier nimmt Will vor allem die Grobplanung und die Feinplanung unter die Lupe. Außerdem widmet er sich der konkreten Planung von Trainingseinheiten anhand eines Konzeptes, das er Zi-Bo-Bo-Nut-Z-In nennt: Zi: steht für Ziele, die erreicht werden sollen, Bo für die Botschaft, die vermittelt werden soll, Nu für den Nutzen, den die Teilnehmenden mit dem Erwerb des Erlernten verbinden sollen, Z steht für Zielgruppe, auf die es den Nutzen und die Botschaft abzustimmen gilt. Bei In geht es natürlich um die Inhalte, die vermittelt werden sollen bzw. müssen, damit die Lernziele erreicht werden können. Abschließend werden der Fragen der Erfolgssicherung und des Lerntransfers geklärt.
  3. Methoden und Funktionen. Mit zehn Kapiteln macht dieser Teil eindeutig den Schwerpunkt des Büchleins aus. Zunächst werden einführenden Anmerkungen zur Methodenauswahl präsentiert und die Leser*innen motiviert, sich bei der Methodenwahl bewußt zu entscheiden. Dafür präsentiert der Autor einige Leitfragen. Er bietet dann einige (recht klassische) Ideen zur Gestaltung von Lehrvorträgen und Diskussionen unter den Teilnehmende an (z. B. Fischbowl, Pro-und Contra-Diskussion, Schriftlich diskutieren). Es folgen Vorschläge zur methodischen Gestaltung von Sammlungs-, Sortier- und Bewertungsprozessen sowie zur Umsetzung von Gruppenarbeitsformen (Tandems, Minikonferenzen etc.). Es werden Ideen präsentiert für eine optimalere Verzahnung von Praxis und Theorie und eine anwendungsorientiertere Ausrichtung von Lernprozessen in Gestalt von Rollen- und szenischen bzw. Planspielen. Es folgen einige Vorschläge für eine alternative Gestaltung von PC-basierten Schulungen und Hinweise für die Umsetzung von Stationenlernen, z. B: in Form von Lernzirkeln, Lernen durch Lehren, Schwarzmarkt (gemeint ist eine dialogische Inputmethode in Form informeller kurzer Experteninterviews) oder Worlds-Café. Es folgen abschließend grundlegende Anmerkungen zu Trainingseinstieg, -abschluß und ggf. erforderlichen Übergängen zwischen einzelnen inhaltlichen Modulen.
  4. Sinnlich-Mediales. Hier setzt Will drei Akzente: zum einen auf Papiermedien. Hier gibt er Gestaltungstipps für Flipcharts und Pinnwände. Er macht im zweiten Teil konkrete Vorschläge zur Gestaltung und zum Einsatz von Folien und weist sogar auf Prezis hin. Interessant ist vor allem der dritte Teil dieses Kapitels, in dem er konkrete Hinweise gibt, wie Smartphones und Tablets konstruktiv in den Trainingsablauf einbezogen werden können: etwa in Gestalt einer TED-Abstimmung via Google-Doc-Forms oder als kollaboratives Erstellen von Notizen über entsprechende freie Internettools.
  5. Lernenergie, Raum, Turbulenzen. Hier werden zunächst Vorschläge entwickelt, die sich energetisierend auf Lernsettings auswirken können, denen es an entsprechender Energie mangelt, etwa weil der Überblick über Ziele und Lernwege fehlt oder sich Teilnehmende nicht ernstgenommen oder beteiligt fühlen. Es werden entsprechende methodische Vorschläge unterbreitet, die inhaltliche „Hallo-Wach-Aktivitäten“ oder Bewegungspausen darstellen oder inhaltsneutrale Wachmacher oder Denksportaufgaben beschreiben. Im weiteren Verlauf des Kapitels geht es um Fragen der Sitzordnung und Raumgröße bzw. Raumgestaltung, aber auch um Vorschläge, Bewegungselemente in den Lernprozess einzubeziehen. Der letzte Teil des Kapitels ist der Frage nach möglichen Ursachen und nach Reaktionsalternativen auf Störungen hin gewidmet. Wie können potentielle Störungen vermieden werden, was sind Auslöser für Störungen im Training, wie können kritische Situation professionell gehandhabt werden? Diesen und anderen Fragen geht Will in diesem Kapitel nach.
  6. Quellen und Methodenverzeichnis.

Diskussion und Fazit

Hermann Wills Buch ist ein flott und anwendungsorientiert geschriebenes Handbuch mit vielen praktischen Anregungen.


Rezensentin
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 17.03.2017 zu: Hermann Will: Mini-Handbuch Training. Das Wichtigste für Dozenten, Referenten und Trainer. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2016. ISBN 978-3-407-36593-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21821.php, Datum des Zugriffs 25.08.2019.


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