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Eike Hennig, Paul Biermann u.a.: Politische Bildung im Alter

Cover Eike Hennig, Paul Biermann, Hannelore Leder, Dieter Müller, Norbert Pacho u.a.: Politische Bildung im Alter. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2016. 176 Seiten. ISBN 978-3-7344-0412-2. 19,80 EUR.

Non-formale politische Bildung, Band 11. Weitere AutorInnen: Erwin Schauermann, Jens-Uwe Sponholz, Grete Steiner, Heinz Wazinski.
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Thema

Wie man aus der gerontologischen Freizeit- und Ehrenamts-Forschung weiß, betätigt sich etwa ein Drittel alter Menschen aktiv in sozialen Bezügen außerhalb ihrer Familien. Diese Alten-Teilpopulation ist für das politische Geschehen als nicht unwichtiger Multiplikator interessant. An der Universität des Dritten Lebensalters Frankfurt machten jetzt Teilnehmende eines Seniorenhörer-Seminars zur Demokratie eine Selbst- und Fremdbefragung zum Wahlverhalten anlässlich die Europawahl vom Mai 2014. Es zeigte sich eine kritische Haltung der sich teilweise selbst befragenden Senioren zu den Volksparteien mit leichten Präferenzen für SPD, Grüne und die AfD.

Autor

Professor Dr. phil. Eike Hennig lehrte bis zu einer Emeritierung 1975 bis 2008 Politikwissenschaft und spürt derzeit mit Senioren-Studierenden Fragen der Demokratie nach.

Aufbau und Inhalt

Der von den Teilnehmenden einer Demokratie-Veranstaltung für Senior-Studierende in Frankfurt im Wege des forschenden Lernens entstandene Band „Politische Bildung im Alter“ geht dem sozialen und politischen Engagement alter Menschen im Fokus der Europawahlen vom Mai 2014 nach. Davon berichtet der im Wochenschau-Verlag Schwalbach erschienene Band „Politische Bildung im Alter“.

In der Altenbevölkerung gibt es viele Milieus von Aktiven über Genießer und Zurückgezogene bis zu Enttäuschten. Ein Forum für politisch Interessierte wurde an der Universität des Dritten Lebensalters Frankfurt geschaffen. Aus einer Demokratie-Analyse entstand ein die Senioren-Hörerschaft aktiv beteiligendes Wahlforschungsprojekt zu den Europawahlen vom Mai 2014. Die alten Menschen als Wähler sind nicht unbedeutend. Bei der Europawahl gaben 21 Millionen Wähler über 60 Jahren und dagegen nur 10 Millionen Jungwähler unter 30 Jahren ihre Stimme ab. Im Ergebnis stand bei den Altwählern die Enttäuschung über die immer weniger unterscheidbaren Volksparteien neben Sympathien für die kleineren Parteien wie Grüne (für deren Bemühung um die Umweltverbesserung), die FDP (für ihren Liberalismus) und die AfD (für deren Geldwerterhaltungs-Ziel und ihre Europakritik).

Bei den sich selbst und Altersgenossen Befragenden überwiegen die Gut- und Besser-Gestellten. Sie sind nicht alle Vollakademiker, rekrutieren sich aber aus ehemaligen Bänkern, Geschäftsführern, Informatikern, Pädagogen, Werkspharmazeuten, Religionspädagogen, Elementarerzieherinnen und ähnlichen. Sie bringen und brachten sich vor Ort mehrheitlich nachbarschaftlich, verbandlich und gemeinwohlorientiert ein, sahen die Wahlbeteiligung durchweg als vornehme Bürgerpflicht an, hielten aber zu den etablierten Parteien mehrheitlich Distanz. Denn sie möchten selbstbestimmt und autonom arbeiten.

Als wesentliche Impulse für ihre Beteiligung sahen die sich selbst Beforschenden an Freiheit und Unabhängigkeit, kritisches Beobachten, kritisches Engagement, Selbstverwirklichung (im Helfen, in kulturellen Ambitionen, in der unabhängigen Information) und kommunalpolitisches Gestalten.

Diskussion

Die Insider-Studie zum politischen Verhalten einer kleineren Gruppe gibt über deren natürlich nicht repräsentative aktuelle Parteipräferenzen hinaus einen interessanten Einblick auf die wachen und engagierten Seniorinnen und Senioren unserer Gesellschaft. Sie sind fragende und kritische Mitbürger, die sich informieren und durchaus in der Gesellschaft noch Hand anlegen und zum Wohle anderer etwas anpacken.

Die persönliche Motivlage dieser in der Allgemeinheit partizipierenden Alten kommt in vielen transkribierten Interviews überzeugend zum Ausdruck. Die Darstellung dieser 28 kapitelweise zusammen gefassten Einzelinterviews nimmt zwar ein Drittel des Buchumfanges ein, hat aber den Vorzug der Authentizität. Mehrfach ist zu sehen, dass Wähler, die sich ein Leben lang mit politischen Fragen befassen, ihre Parteipräferenzen in ihrem Lebensverlauf wieder geändert haben. Und dass sich alte Menschen auch um die nachkommenden Generationen sorgen.

Der Titel „Politische Bildung“ legt eigentlich einen Aufruf und Impetus zur Partizipation noch nicht Engagierter nahe. Hierzu schildert der Band keine Versuche und zeigt leider auch keine Wege auf.

Fazit

Der Band „Politische Bildung im Alter“ beleuchtet das sozial und politisch aktive Drittel der Altenpopulation. Diese Engagierten sind eher befristet in Initiativen aktiv als Dauermitglieder in sie fremd bestimmenden Organisationen. Zur Partizipations-Motivation der großen anderen Hälfte der außerhäuslich inaktiven Seniorinnen und Senioren sagt die Veröffentlichung nichts.


Rezensent
Prof. Kurt Witterstätter
Dipl.-Sozialwirt, lehrte bis zur Emeritierung 2004 Soziologie, Sozialpolitik und Gerontologie an der Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen - Hochschule für Sozial- und Gesundheitswesen; er betreute zwischenzeitlich den Master-Weiterbildungsstudiengang Sozialgerontologie der EFH Ludwigshafen
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Zitiervorschlag
Kurt Witterstätter. Rezension vom 01.12.2016 zu: Eike Hennig, Paul Biermann, Hannelore Leder, Dieter Müller, Norbert Pacho u.a.: Politische Bildung im Alter. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2016. ISBN 978-3-7344-0412-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21839.php, Datum des Zugriffs 15.10.2019.


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