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Werner Gill, Sabine Engelmann (Hrsg.): Coaching-Perspektiven

Cover Werner Gill, Sabine Engelmann (Hrsg.): Coaching-Perspektiven. Theoretische Überlegungen und integrative Anwendungen für ein besonderes Beratungsformat. EHP – Verlag Andreas Kohlhage (Gevelsberg) 2016. 348 Seiten. ISBN 978-3-89797-905-5. 26,99 EUR, CH: 44,70 sFr.

E-Book: ISBN 978-3-89797-619-1. 19,99 EUR.
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Thema

Das Buch stellt in verschiedenen Artikeln praxisorientiert das Handwerkzeug, die Methoden und theoretischen Hintergründe zum Thema Coaching vor.

Herausgeber und Herausgeberin

Werner Gill, Dipl. Päd., Studien in Pädagogik, Psychologie und Soziologie, heute: Geschäftsführer des IGW Schweiz, auch Berater und Therapeut.

Sabine Engelmann, M.A., Geisteswissenschaften an der LMU München, heute: Supervisorin für Berater und Coaches mit eigener Praxis, auch Gestalttherapeutin, Trainerin und Coach.

Entstehungshintergrund

Coaching ist modern und wird auch als Statussymbol betrachtet. Es impliziert: Leistung, Zielerreichung und Erfolg. Die Komplexität zwischen dem Mitarbeiter als Funktionsträger und Individuum und dem Coach wird in den Beiträgen des Buches betrachtet. Die Autoren haben einen psychologischen oder pädagogischen Ausbildungshintergrund und sind Gestalttherapeuten und meist sind sie langjährig als Berater und Coach tätig.

Aufbau und Inhalt

Im Vorwort untersuchen Gill und Engelmann der Begriff des Coachings. Der kleinste gemeinsame Nenner der verschiedenen Ausprägungen von Coaching scheinen folgende Merkmale zu sein:

  • es findet unter vier Augen statt,
  • die Inhalte sind vertraulich,
  • es ist zeitlich begrenzt.

Qualität und Erfolg von Coaching hängt dabei mit dem Selbstverständnis des Coaches, seinem Auftrag und der Wahrhaftigkeit des Coaches ab.

Sabine Engelmann stellt in ihrem Beitrag „GestaltCoaching – eine Begriffserklärung“ dar, wie der Begriff GestaltCoaching die Inhalte und erkenntnistheoretischen Grundlagen der Gestalttherapie und die Beratungstechnik des Coaching vereint. Im Zentrum steht die Beziehung zwischen dem Coach und Coachee.

Der in Englisch verfasste Beitrag von Sandra Čanić trägt den Titel „Gestalt Coaching – From Awareness to Change“. Darin beschreibt sie die Grundhaltung und den Effekt von Coachings auf der Grundlage der Gestalttherapie. Der Coachee wird als gesunder und mit allen nötigen Ressourcen ausgestatteter Mensch gesehen. Ein Coach ist mit Beratungstechniken ausgestattet, die den Coachee bei dessen eigenen Lösungen unterstützt.

Hans Baumeister zeigt in „Coaching und Organisationsverständnis“ wie der Coaching Prozess von der Sichtweise auf die Organisation abhängt. Er stellt 3 Bilder von Organisationen dar und den jeweiligen Auftrag für ein Coaching. Anhand eines praktischen Beispiels werden Ablauf und Effekte eines Coachings verdeutlicht.

Monika Spiegel hat sich in ihrer Diplomarbeit und Dissertation „Führungskräfte im Spannungsfeld“ damit befasst, durch welches Umfeld Führungskräfte geprägt werden, wie sie sich selbst und ihre Umwelt wahrnehmen und welche Konsequenzen das auf ihre Handlungen hat. In ihrem Artikel sucht sie aus Sicht der Gestalttherapie und Psychoanalyse theoretische Hintergründe.

Christof Schneck stellt unter dem Titel „Management-Coaching unter besonderer Berücksichtigung narzisstischer Phänomene“ fest, dass der bewusste Umgang mit narzisstischen Phänomenen zum Erfolg einer Managementpersönlichkeit beiträgt. Er plädiert dafür, Coaching als einen langfristigen und sogar dauerhaften Prozess der Persönlichkeitsentwicklung erfolgreicher Manager anzusehen.

Jürgen Fabian beschreibt unter dem Titel „Persönliche Leistung und Lebensqualität in effizienzgetriebenen Organisationen – Ansatzpunkte für die Arbeit im Coaching“, dass Coaching als Kurzzeitberatung eine Beratungseffizienz im Managementsektor darstellt. Coaching kann seiner Meinung nach Klarheit schaffen und durch die Nutzung verschiedener Abstraktionsmodelle Souveränität mit den eigenen Gefühlslagen erwirken.

André Kindhauser offenbart seine Karriere vom Banker zum Berater unter dem Titel „Die Banker und die Gestaltberatung oder Die Angst des Bankers vor der Gestalt“. Darin beschreibt er seinen eigenen Weg durch Ausbildungen, eigene Supervisionen und Coaching und auch Fallbeispiele aus seine Arbeit.

Karin Schwenk erlebt die Methode PEP (Prozess- und Embodiment- fokussierte Psychologie vom Dr. M. Bohne) als hilfreiche und wirksame Methode in der 20jährigen Arbeit mit Langzeitarbeitslosen. Mit dem Titel „Klopfen in der Arbeitssuche – Coaching mit Arbeitssuchenden“ beschreibt sie unter anderem wie Akupunkturpunkte mit den Fingern beklopft werden und unter anderem z.B. Affirmationen dazu gesprochen werden. Die Wirkung wird anhand eines Beispiels verdeutlicht.

Tom Gerum stellt unter dem Titel „Selbstcoaching durch die Methode ´Embedded Handbuch`“ vor wie man sich mit Hilfe eines beliebigen Buches selbst coacht. Der Selbstversuch nach der 7-Schritte- Anleitung ist hier beschrieben.

Werner Gill wirft Schlaglichter auf Personen, Naturwissenschaften und Bücher, um der Frage nach dem Sinn des Lebens und der Selbstreflexion nachzugehen. Mit dem Titel Fetzen – ein Essay“ gibt der Impulse und kein Rezept.

Zum Schluss werden die Autoren mit ihren Biographien vorgestellt.

Alle Artikel beinhalten eine kurze Einführung, einem Hauptteil und ein Fazit mit Literaturangaben. Die Artikel reichen von der abstrakten Betrachtung über Fallbeispiele bis hin zur persönlichen Beschreibung eigener Prozesse.

Fazit

Aus verschiedenen Blickwinkeln werden Coaching, Gestalt und Beratungsmethoden betrachtet. Der Leser wird auf die Phänomene und Einflüsse von Familie, Umwelt, eigenen Wünschen, Antriebskräfte und vieles mehr aufmerksam gemacht. Es gibt auf vielfache Weise Anregungen über die eigene Sichtweise nach zu denken, sich selbst und seine Sichtweise in frage zu stellen und Vergleiche anzustellen.

Coaching fußt auf eine Vielzahl von Methoden, von denen einige im Buch, nicht immer explizit, vorgestellt werden. So wird eine interessante Bandbreite von Einsatzmöglichkeiten und auch Fallstricken für Coaching und Gestalt beschrieben. Vor dem inneren Auge entstehen Bilder und eröffnen sich möglicherweise eigene Einsatzmöglichkeiten.

So kann das Buch Lesern empfohlen werden, die sich über die Möglichkeiten von Coaching informieren möchten und dabei mit einigen Vorurteilen aufräumen wollen (Manager auf die Couch?). Die wissenschaftlichen Artikel sind für Praktiker und Umsetzer eher schwere Kost.


Rezension von
Monika Pietsch
Training und Konstruktives Lernen
selbständige Trainerin und Beraterin, Schwerpunkt: Team- und Führungskompetenzen mit den Methoden des konstruktiven Lernens
Homepage www.training-konstruktiv.de
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Zitiervorschlag
Monika Pietsch. Rezension vom 03.03.2017 zu: Werner Gill, Sabine Engelmann (Hrsg.): Coaching-Perspektiven. Theoretische Überlegungen und integrative Anwendungen für ein besonderes Beratungsformat. EHP – Verlag Andreas Kohlhage (Gevelsberg) 2016. ISBN 978-3-89797-905-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21852.php, Datum des Zugriffs 25.11.2020.


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ISSN 2190-9245

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