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Alexandra Caster: Qualität in der stationären Altenpflege [..] (Zertifizierung)

Cover Alexandra Caster: Qualität in der stationären Altenpflege. Die Bedeutung der Zertifizierung. Verlag Dr. Kovač GmbH (Hamburg) 2004. 249 Seiten. ISBN 978-3-8300-1577-2. 85,00 EUR.

Reihe: Schriftenreihe Qualitätsmanagement - Band 8.
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Thema

Welchen Nutzen haben Zertifikate zur Qualität pflegerischer Dienstleistungen? In der heutigen Zeit ist es modern geworden, mit einem Qualitätssiegel zu werben und das Image einer Pflegeeinrichtung mit Hilfe von Qualitätszertifikaten zu verbessern. Die Frage, ob das erworbene Zertifikat tatsächlich ein geeignetes Instrument ist oder sein kann, wird kaum gestellt. Dieser Frage nimmt sich Caster an. Sie hinterfragt darüber hinaus die stete Forderung nach "Qualität in der Pflege" und betrachtet die Fragestellungen aus soziologischer, betriebs- und volkswirtschaftlicher Perspektive.

Die Autorin

Frau Dr. Alexandra Caster, seinerzeit Universität Trier, hat bereits mit mehreren Veröffentlichungen auf sich aufmerksam gemacht und jetzt Ihre Dissertation veröffentlicht.

Zielgruppe

Zur Zielgruppe sind alle zu zählen, die sich mit Fragen der Zertifizierung von Pflegeeinrichtungen nach den Regelungen des Elften Buches Sozialgesetzbuch geschäftigen. Neben den Trägern von Pflegeeinrichtungen und den Pflegekassen sowie deren Verbände sind insbesondere die Studenten aus den Bereichen der Pflegewissenschaften hervorzuheben.

Aufbau und Inhalt

  1. Das 1. Kapitel trägt den Titel "Zertifikate stationärer Pflegeeinrichtungen - ein Qualitätssignal?". Hier werden die sozialpolitische Relevanz von Zertifikaten, die Fragestellungen der Arbeit, das methodische Vorgehen und der Aufbau des Buches kurz und prägnant dargestellt.
  2. Pflegebedürftigkeit als Problem und der institutionelle Umgang damit prägen das folgende Kapitel. Der Bedarf und das Potential an Pflege in der Zukunft werden aufgegriffen und die gesetzlichen Vorgaben einschließlich der sozialpolitischen Vorstellungen des Gesetzgebers kritisch diskutiert. Nachdem das dem SGB XI zugrunde liegende Pflegeverständnis und die geforderte Qualitätssteuerung durch die gesetzlichen und vertraglichen Rahmenbedingungen im Kontext mit dem Heimgesetz erläutert wurden, werden Fragen der Über- und Untersteuerung durch den geschaffenen Rahmen aufgegriffen und die einzelnen Instrumente kritisch beleuchtet. Die Auseinandersetzung reicht von gesetzlichen Vorgaben über Gefahren der Doppelregulierung durch SGB XI und HeimG bis hin zum Prüfkonzept des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung.
  3. Im Mittelpunkt des 3. Kapitels steht die Problematik der Qualität in der Pflege. Die Schwierigkeiten der Definition des Begriffs Pflegequalität aus den unterschiedlichen Perspektiven, wie z. B. dem individuellen und dem gesellschaftlichen Blickwinkel, bilden den Einstieg. Dem folgt die Thematik der Messung von Pflegequalität und den damit einher gehenden Problemen. Nachdem der Kunde und seine Bedürfnisse und das Spannungsfeld Kunde - Leistungserbringen - Leistungsträger beleuchtet wurde, widmet sich die Verfasserin den Gründen der Qualitätsdiskussion bei pflegerischen Dienstleistungen. Mit einer konstruktiven Kritik an der Qualitätsorientierung bei Pflegedienstleistungen wird das Kapitel abgeschlossen.
  4. Daran anschließend werden Informationsasymmetrien und ihre Auswirkungen in Verträgen aufgegriffen. Mit Unsicherheiten bei der Gewinnung von Informationen und dem Entstehen endogener und exogener Risiken durch Unsicherheit sowie dem Zusammenspiel der verschiedenen Unsicherheitsfaktoren steigt die Autorin in das Thema dieses 4. Kapitels ein. Dem schließen sich Ausführungen an zu Verhaltensunsicherheiten bei Marktteilnehmern, den Auswirkungen asymmetrischer Informationen auf den Markt und zum Einsatz von Signalen (Signaling) als Mittel gegen Informationsasymmetrien. Natürlich fehlt eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Ansatz nicht. Hier wird dem Leser u. a. der Wirkbereich des Instrumentes anhand des Beispiels aus der Wohlfahrt plastisch erläutert.
  5. Kapitel 5 setzt sich mit Zertifikaten auseinander. Die DIN EN ISO 9000 ff-Familie steht hier im Mittelpunkt der Betrachtung. Sie wird nach einer kurzen Einführung in das Thema vorgestellt und die einzelnen Normen werden voneinander abgegrenzt. Externe und interne Beweggründe der Zertifizierung trägt die Verfasserin zusammen und setzt sich mit dem immer wieder erhobenen Vorwurf auseinander, dass eine DIN EN ISO-Zertifizierung einem TQM-Ansatz (Total Quality Management) unterlegen sei. Auch dieses Kapitel schließt mit einer kritischen Betrachtung, bei der die Ursprünge der DIN EN ISO im Fokus stehen.
  6. Der Kommunikation von Qualität aus Sicht der Leistungsanbieter mit Hilfe eines zertifizierten Qualitätsmanagements nimmt sich Kapitel 6 an. Nach Hinweisen zur organisatorischen Verankerung des Qualitätsmanagements und der Unternehmenssituation vor der Zertifizierung werden die Folgen der Zertifizierung abgehandelt. Neben den Auswirkungen eines Zertifikats auf externe Prüfungen, den Wirkungen auf Organisationsstrukturen und Arbeitsprozesse sind die (typischen) Widerstände gegen Qualitätsmanagementsysteme Gegenstand der Ausführungen. Die externen Konsequenzen einer Zertifizierung, die Außenwirkung und die Bedeutung eines Zertifikats bei Entscheidungen von Pflegebedürftigen und Angehörigen sind erläutert. Auch die Bedeutung eines Zertifikats als Versprechen ist thematisiert. Ausführungen zum Einfluss des Qualitätsmanagements auf die Pflegequalität beschließen das Kapitel, dass in die Themen Messung, Sicherung und Verbesserung, Verhaltenssteuerung und Beschwerdemanagement gegliedert wurde.
  7. In einem eigenständigen Kapitel werden zu guter letzt unter dem treffenden Titel "Die Überzeugungskraft des Zertifikats in der Pflege" die Gründe der Dominanz des Themas "Qualität in der Pflege" aufgegriffen und die Aussagekraft eines Zertifikats (am Beispiel DIN EN ISO 9000 ff.) abgehandelt.

Im Anhang werden eingangs die 20 Elemente des Qualitätsmanagements nach DIN EN ISO 9001 ins Gedächtnis gerufen. Es folgen das Ablaufschema bei Zertifizierungen, ein Fragebogen zur Erfassung des Profils von Einrichtungen sowie ein Gesprächsleitfaden. Die Kurzübersicht über die beteiligten Interviewpartner rundet den Anhang ab.

Insgesamt 500 Fußnoten weisen insbesondere auf weiterführende Literatur gezielt hin. Eingerahmt werden die Ausführungen von einem Geleitwort, dem ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis und ein kurzes Abkürzungsverzeichnis folgen, und einem umfangreichen Literaturverzeichnis.

Fazit

Ein leicht verständliches Fachbuch, das trotz seines hohen Preises zu empfehlen ist. Die Autorin folgt dem präzise gelegten roten Faden. Beim Lesen blieb die Neugier auf die folgenden Ausführungen bei dem von vielen als "trocken" eingeschätzten Thema bis zur letzten Zeile erhalten. Im Geleitwort schreibt Prof. Braun, dass die Arbeit der Verfasserin durch die gewählte Verbindung von betriebswirtschaftlichen, volkswirtschaftlichen und soziologischen Perspektiven für Theoretiker und Praktiker gleichermaßen interessant ist. Dem ist vollends zuzustimmen. Hinzugefügt werden soll lediglich, dass die Ausführungen der Autorin insbesondere jenen ans Herz gelegt werden, die Zertifizierungen vornehmen und anerkennen. Der hohe Preis sollte hier nicht abschrecken.


Rezensent
Georg Vogel
Rentenberater für die Bereiche SGB XI/SGB V
Herausgeber eines Onlineportals zur Altenhilfe


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Zitiervorschlag
Georg Vogel. Rezension vom 27.12.2005 zu: Alexandra Caster: Qualität in der stationären Altenpflege. Die Bedeutung der Zertifizierung. Verlag Dr. Kovač GmbH (Hamburg) 2004. ISBN 978-3-8300-1577-2. Reihe: Schriftenreihe Qualitätsmanagement - Band 8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2190.php, Datum des Zugriffs 26.03.2019.


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