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Ricarda Dethloff: Sozialraum­orientierung im Übergang Schule – Arbeitswelt

Cover Ricarda Dethloff: Sozialraumorientierung im Übergang Schule – Arbeitswelt. Potenziale und Rahmenbedingungen. Tectum-Verlag (Marburg) 2016. 445 Seiten. ISBN 978-3-8288-3697-6. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR.
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Autorin

Dr. phil. Ricarda Dethloff, stellvertretende Leitung des Dezernat Kirchliche Handlungsfelder der Landeskirchenamtes Kiel.

Entstehungshintergrund

Ausgelöst durch die damals von der Autorin ausgeübte Tätigkeit als Koordinatorin des Projektes Sozialraumorientiertes Übergangsmanagment Dithmarschen und damaligen Umstrukturierungsprozesses in der kommunalen Jugendhilfe im Jahre 2011 begann sie damit, sich mit den Potenzialen sozialraumorientierter Ansätze im Handlungsfeld Schule-Arbeitswelt intensiver zu beschäftigen.

Aufbau

Aufgebaut ist das Werk in fünf Kapitel:

  1. Sozialraumorientierung – Eine Einführung
  2. Übergänge gestalten – Der Weg von der Schule in die Arbeitswelt
  3. Sozialraumorientierte Übergangsgestaltung – Forschungsmethodik und -region
  4. Sozialraumorientierte Übergangsgestaltung – Fallstudie Dithmarschen
  5. Sozialraumorientierung im Übergang: Eine Frage der Rahmenbedingungen

Ein ausführliches Abbildungs-, Abkürzungs- und Tabellenverzeichnis, Vorlagen für Leitfäden für Experten- und Gruppeninterviews, und ein Rückmeldebogen Übergangslotsen, sowie das Literaturverzeichnis sind im Umgang mit der Fallsammlung und auch für die weitere Nutzung in der Berufspraxis sehr hilfreich.

Inhalt

Im ersten Teil des Buches (Sozialraumorientierung – Eine Einführung) geht die Autorin auf die Entstehungsgeschichte sozialräumlicher Ansätze, die Schwierigkeiten der Bestimmung des Sozialraumes, das Fachkonzept Sozialraumorientierung, die Sozialraumorientierung in der Praxis Sozialer Dienste und die Kritik an der Sozialraumorientierung ein. Bei der Entstehungsgeschichte Sozialräumlicher Ansätze geht sie nicht nur auf historische Wurzeln und die Sozialökologie ein, sie nimmt auch die Gemeinwesenarbeit in den Fokus und beleuchtet diese. Auch die Lebensweltorientierung und Stadtteilorientierte Soziale Arbeit wird beschrieben und definiert.

Im zweiten Teil des Buches (Übergänge gestalten – Der Weg von der Schule in die Arbeitswelt) erstellt die Autorin eine Arbeitsdefinition für den Begriff Übergang Schule-Arbeitswelt, sie bringt Zahlen und Fakten für diesen Bereich, blickt auf die Einflussfaktoren der Übergangsgestaltung und schildert die Potenziale der Sozialraumorientierung. Hierbei beschreibt sie z.B., dass der Übergang Schule-Arbeitswelt eine individuelle Entwicklungsaufgabe ist, die erhebliche Anforderungen an Heranwachsende stellt. Dies begründet sich zum einen in Zielkonflikten und Abstimmungsproblemen zwischen einzelnen Systemen, zum anderen in der Binnenkomplexität der betreffenden Institutionen.

Im dritten Teil des Buches (Sozialraumorientierte Übergangsgestaltung – Forschungsmethodik und -region) geht es um das Forschungsmethodische Vorgehen und die Forschungsregion – Dithmarschen. Neben der Methodenauswahl und der Datenerhebung wird auch die Datenauswertung beschrieben. Auch eine kritische Würdigung wurde verfasst. Interessant hierbei ist der gut hergestellte Praxisbezug zu der Region Dithmarschen.

Im vierten Teil des Buches (Sozialraumorientierte Übergangsgestaltung – Fallstudie Dithmarschen) geht es um die Sozialstruktur, die Organisation, das Netzwerk und das Individuum. In diesem Teil des Buches sind viele Tipps und Hinweise für „Praktiker“ verfasst, die von der Fallstudie Dithmarschen profitieren werden.

Im fünften Teil des Buches (Sozialraumorientierung im Übergang: Eine Frage der Rahmenbedingungen) geht es von den theoretischen Potenzialen zur Anwendung in der Praxis und von Chancen und Herausforderungen zu den Rahmenbedingungen. Mit einem Fazit, einem Ausblick und einem Epilog runden die Autorin das umfassende und inhaltsstarke Werk ab. Interessant und ganz wichtig ist hierbei, dass die Autorin im Epilog auf die personelle Kontinuität hinweist, die bei nicht Beachtung einen Verlust von fachlichem Know-How, Erfahrungskompetenz und Kooperationsvertrauen mit sich bringt.

Diskussion

Besonders gelungen finde ich die Verbindung von Theorie und Praxis. Auch den Exkurs in den Bereich Schulsysteme – von der Abschluss- zur Anschlussorientierung – halte ich für aufschlussreich, denn dadurch erhält der Leser einen Einblick in die Möglichkeiten des Systems Schule hinsichtlich der Förderung gelingender Übergänge in die Arbeitswelt. Auch die sich stetig und schnell wandelnde Arbeitswelt greift die Autorin auf und beschreibt deren Vor- und Nachteile. Sehr fundiert ist auch der theoretische Hintergrund eines solchen Projektes verfasst. Dies kann/ist besonders hilfreich für evtl. angehende Führungskräfte, die sich für den Bereich der Sozialraumorientierung interessieren.

Fazit

Sozialraumorientierte Ansätze halten immer häufiger Einzug in unterschiedliche pädagogische Bereiche. Am Beispiel Sozialraumorientierung im Übergang Schule-Arbeitswelt veranschaulicht die Autorin, welchen Beitrag das Fachkonzept Sozialraumorientierung zur Verbesserung der Übergänge junger Menschen in diesem Bereich leisten kann. Besonderes Augenmerk legt sie hierbei auf Einflussfaktoren der Übergangsgestaltung, der Sozialstruktur und des Individuums. Aber auch Finanzierungsstrukturen, Chancen und Herausforderungen kommen nicht zu kurz.

Dieses Buch ist interessant und informativ für Mitarbeitende in unterschiedlichen Sozialräumen auch über den schulischen Sozialraum hinaus.


Rezensent
Jan Herzog
Student der Hochschule Koblenz des berufsbegleitenden Masterstudienganges Kindheits- und Sozialwissenschaften, mit über zehnjähriger beruflicher Erfahrung im Bereich der Sozialraumorientierung, der pädagogischen Arbeit mit Schulen und im Arbeitsfeld Übergang Schule-Arbeitswelt
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Die Rezension entstand im Rahmen des Masterstudiengangs Kindheits- und Sozialwissenschaften (MAKS) der Hochschule Koblenz


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Zitiervorschlag
Jan Herzog. Rezension vom 11.05.2017 zu: Ricarda Dethloff: Sozialraumorientierung im Übergang Schule – Arbeitswelt. Potenziale und Rahmenbedingungen. Tectum-Verlag (Marburg) 2016. ISBN 978-3-8288-3697-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21913.php, Datum des Zugriffs 24.11.2017.


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