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Barbara Schroer, Elke Biene-Deißler u.a. (Hrsg.): Das Spiel in der heilpädagogischen Arbeit

Cover Barbara Schroer, Elke Biene-Deißler, Heinrich Greving (Hrsg.): Das Spiel in der heilpädagogischen Arbeit. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2016. 192 Seiten. ISBN 978-3-17-025890-7. D: 28,00 EUR, A: 28,80 EUR.
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Thema

Das Grundphänomen Spiel wird unter Einbeziehung neurobiologischer und neuropsychologischer Erkenntnisse dargestellt, und es werden heilpädagogische Impulse für die praktische Arbeit in Fördersituationen mit Fachkräften, Eltern und für das inklusive Setting gegeben.

Autorinnen und Autor

  • Barbara Schroer arbeitet in einem sozialpädiatrischen Zentrum im Münsterland als Heilpädagogin und hat einen Lehrauftrag an der Katholischen Hochschule Münster.
  • Elke Biene-Deißler arbeitete dort ebenfalls als Heilpädagogin und Supervisorin und ist jetzt im Ruhestand. Gemeinsam haben die Autorinnen bereits den Spiel-Beobachtungsbogen für Heilpädagogische Übungsbehandlung herausgegeben (Ergänzung zu: Oy/Sagi/Biene-Deißler/Schroer: Lehrbuch der HpÜ, 14. Aufl., Heidelberg: Winter 2011).
  • Heinrich Greving lehrt an der selben Hochschule im Fachbereich Sozialwesen das Lehrgebiet allgemeine und spezielle Heilpädagogik.

Entstehungsgeschichte

Das vorliegende Werk beruht auf der langjährigen praktischen Arbeit mit Kindern und der Lehrtätigkeit der Autorinnen.

Aufbau und Inhalt

Einführend werden im ersten Kapitel das Spiel und sein Bedeutung für den Menschen allgemein philosophisch betrachtet und als grundlegendes Phänomen menschlichen Lebens sowie als Identitätsmarkierung bezeichnet.

Im zweiten Kapitel werden spielrelevante Erkenntnisse der Gehirnforschung zur Gehirnentwicklung zusammengetragen. Dem Gehirn wird während der Entwicklung die Aufgabe zugewiesen, immer besser zwischen dem kindlichen Organismus und der Umwelt zu vermitteln.

Das dritte Kapitel ist mit „Spiel: Ein In-der-Welt-Sein“ betitelt. Die vier Schlüsselbegriffe für die Entwicklung der kindlichen Handlungsfähigkeit und der Entwicklung seiner Identität sind Lernen, Bindung/Beziehung, Kommunikation und personale Identität, die im Spiel gefördert werden. Als besondere Bedürfnisse der Kinder, die eine heilpädagogische Zuwendung benötigen, werden u.a. ein Schutzraum, in dem sie sich geborgen fühlen, Möglichkeiten zum lustbetonten Sich-Bewegen und Hantieren, Ermutigung, Anerkennung und ein kompetenter Interaktionspartner benannt. Die heilpädagogische Bedeutung des Spiels wird erläutert und mit den Theorien von Piaget, Zollinger und Oerter in Zusammenhang gebracht. Die Ausführungen dieses Kapitel werden durch einige Beispiele aus der Arbeit der Autorinnen untermauert.

Im vierten Kapitel „Spielentwicklung in ihren typischen Grundformen und Ausprägungen“ werden die Entwicklung von Funktions-, Rollen-, Konstruktions- und Regelspiel dargestellt und mit Beispielen verdeutlicht. Für jede Spielform werden die phasenbezogenen Spielthemen und Entwicklungsaufgaben erläutert bio-psycho-soziale reflektiert. Auch hierzu finden sich jeweils Beispiele und tabellarische Übersichten zu den Entwicklungsschritten. Es schließen sich Ausführungen zum Spiel unter erschwerten Bedingungen in der Spielentwicklung von Kindern mit Entwicklungsbeeinträchtigungen an. Hierfür werden leitende Fragestellungen für die diagnostisch orientierte Spielbeobachtung vorgestellt. Sie beziehen sich auf Beeinträchtigungen der Wahrnehmungsverarbeitung im taktil-kinästhetischen und vesitibulären, auditiven und visuellen Bereich, auf die körperliche und motorischen Beeinträchtigungen bei umschriebenen Entwicklungsstörungen motorischer Funktionen, zerebralen Lähmungen und neuromuskulären Erkrankungen, auf Schädigungen der Sinnesfunktionen des Hörens und Sehens, auf Sprachentwicklungsauffälligkeiten, auf kombinierte umschriebene Entwicklungsstörungen, auf eingeschränkte kognitive Leistungsfähigkeit, auf die Autismus-Spektrum-Störung sowie auf sozial-emotionale Beeinträchtigungen.

Das fünfte Kapitel widmet sich dem Spiel als dem zentralen Medium in heilpädagogischen Tätigkeitsfeldern. Die beiden Förderkonzepte Heilpädagogische Übungsbehandlung und Heilpädagogische Spieltherapie werden einander gegenübergestellt. Der Verlauf von der heilpädagogischen Diagnose zur Stundenplanung und -gestaltung wird an Beispielen dargestellt. Es folgen Überlegungen zum Einzelkontakt von Heilpädagogin und Kind, zur Anleitung von Eltern im gemeinsamen Spiel und zur Kleingruppenarbeit.

Im sechsten Kapitel „Ausblick“ werden die Bedeutung des Spiels und seine Relevanz für die Inklusion noch einmal betont.

Fazit

Die Stärke des Buches zeigt sich insbesondere im Kapiteln vier (S. 54-144). So geben die Tabellen für die Entwicklung der verschiedenen Spielformen wertvolle und sehr konkrete Hinweise für eine differenzierte Beobachtung, und die Formulierung gezielter Fragestellungen unterstützt den diagnostischen Prozess. Die vielen Praxisbeispiele in verdeutlichen den Text.


Rezensentin
apl. Prof. Dr. Susanne Wachsmuth
Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Heil- und Sonderpädagogik Geistigbehindertenpädagogik


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Zitiervorschlag
Susanne Wachsmuth. Rezension vom 04.01.2017 zu: Barbara Schroer, Elke Biene-Deißler, Heinrich Greving (Hrsg.): Das Spiel in der heilpädagogischen Arbeit. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2016. ISBN 978-3-17-025890-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21919.php, Datum des Zugriffs 22.03.2019.


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