Barbara Zollinger: Kindersprachen. Kinderspiele
Rezensiert von apl. Prof. Dr. Susanne Wachsmuth, 21.12.2004
Barbara Zollinger: Kindersprachen. Kinderspiele. Erkenntnisse aus der Therapie mit kleinen Kindern. Haupt Verlag (Bern Stuttgart Wien) 2004. 180 Seiten. ISBN 978-3-258-06806-0. 22,00 EUR. CH: 36,00 sFr.
Die Autorin
Barbara Zollinger arbeitet als Logopädin im "Zentrum für kleine Kinder" und ist sowohl praktisch in der Therapie tätig als auch in der Fortbildung und in der Forschung. Es liegen bereits mehrere Bücher von ihr zur Sprachtherapie von Vorschulkindern vor. Insbesondere in "Die Entdeckung der Sprache" stellt sie den engen Zusammenhang von Sprechen und Spielen dar und liefert ein diagnostisches Instrumentarium. Dieses neue Buch ist eine Erweiterung der Thematik durch Aspekte aus der Psychotherapie. Sie wendet sich hier insbesondere dem Inhalt der Spiele zu, versprachlicht die vermuteten Intentionen und zeigt Wege, die Kinder bei der Bewältigung ihrer Probleme zu unterstützen.
Inhalt
Zollinger greift einzelne Störungsbilder auf wie schwere Formen der Dyslalie (z.B. die so genannte G-Sprache, D-Sprache usw.), Mutismus oder ADHS. Darüber hinaus diskutiert sie die Auswirkungen von geistiger Behinderung, Zweisprachigkeit, von Gehörlosigkeit der Kinder oder Eltern, von sexuellen Übergriffen und vom Aufwachsen in der Situation als Zwilling. Sie bietet Erklärungsansätze an, die über die üblichen logopädischen hinausgehen. Ausführlich stellt sie das in ihrer Praxis verwendete Spielmaterial unter entwicklungspsychologischen und psychoanalytischen Gesichtspunkten dar.
Weil der Aspekt der Beziehung eine große Bedeutung in dem Therapiekonzept einnimmt, werden sowohl die Beziehungen zwischen Kindern und Eltern als auch die zwischen Kindern und Therapeutinnen thematisiert.
Das Buch lebt von einer Fülle anregender Beispiele, die die Überlegungen Zollingers sehr anschaulich werden lassen und zum Mitdenken anregen, insbesondere weil die perfekten Lösungen der dargestellten Fälle nicht angeboten werden.
Obwohl die psychoanalytischen Interpretationsangebote nicht für jeden nachvollziehbar sind (z.B. die Präferenz von Autos durch Jungen, weil möglicherweise eine Verknüpfung zwischen der Rundheit der Räder und der Hoden bestünde), sind sie in aller Regel doch sehr anregend und bereichernd.
Fazit
Zwar nicht als Grundlagenwerk - wie die vorhergehenden Veröffentlichungen - aber als Vertiefung ist dieses Buch sehr empfehlenswert. Es eröffnet neue Horizonte und kann helfen, aus einer neune Interpretation des Verhältnisses zum Kinde neue therapeutische Ansätze zu finden.
Rezension von
apl. Prof. Dr. Susanne Wachsmuth
Justus-Liebig-Universität Gießen,
Institut für Heil- und Sonderpädagogik
Geistigbehindertenpädagogik
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