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Friedrich Manz: Wenn Babys reden könnten!

Cover Friedrich Manz: Wenn Babys reden könnten! Was wir aus drei Jahrhunderten Säuglingspflege lernen können. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2016. 669 Seiten. ISBN 978-3-86321-340-4. 34,95 EUR.
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Thema

Das Buch „Wenn Babys reden könnten! Was wir aus drei Jahrhunderten Säuglingspflege lernen können“ setzt sich mit den vergangenen 300 Jahren Säuglingspflege in Deutschland auseinander. Das Bild vom Säugling hat in den 300 Jahren, wie von Prof. Dr. Friedrich Manz in seinem Werk geschildert, immer wieder einen Wandel erfahren. Säuglinge galten lange als nicht vollwertige Menschen die diszipliniert werden mussten. Diese Vorstellung war so verfestigt, dass Säuglinge z.B. noch bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts ohne Betäubung operiert wurden, gleichwohl um 1800 der Säugling „als Hoffnungsträger für eine ‚vernünftigere‘ und menschlichere Zukunft“ angesehen wurde. Die Geschichte und die damit verbundenen Vorstellungen vom Säugling werden in dem Buch nachgezeichnet.

Autor

Der Autor Prof. Dr. Friedrich Manz ist von Beruf Kinderarzt, Nephrologe und Ernährungswissenschaftler. Er leitete das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund und war mehr als 20 Jahre Mitglied der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde. Prof. Dr. Friedrich Manz ist Vater von zwei Kindern sowie Großvater zweier Enkelkinder.

Entstehungshintergrund

Prof. Dr. Friedrich Manz verfasste das Buch „Wenn Babys reden könnten! Was wir aus drei Jahrhunderten Säuglingspflege lernen können“ angeregt durch die Geburt seines Enkelkindes. Sein Enkelkind war ein sogenanntes „Schreibaby“ und stellte mit seinen Bedürfnissen die Eltern vor Herausforderungen. Prof. Dr. Friedrich Manz begann somit in historischen Bücher der Kinderheilkunde zu forschen, wie in anderen Jahrhunderten mit Säuglingen umgegangen wurde.

Aufbau und Inhalt

Das Werk gliedert sich nach dem Vorwort in vier Teile, welche durch Unterkapitel differenziert werden. Das Buch schließt ab, mit einem umfassenden Anhang.

Teil 1: Vorstellungen über das Wesen von Babys. Im ersten Teil des Buches, welcher den Hauptteil darstellt, werden differente Vorstellungen vom Säugling beschrieben. Der Autor geht auf den Ursprung sowie den Bedeutungswandel dieser Vorstellungen und den damit verbundenen Konsequenzen für das Verhalten von Eltern ein. Dabei wird der erste Teil nochmals differenziert in die körperliche Entwicklung, die psychische Entwicklung, Verhaltensschwierigkeiten, spezielle Zuschreibungen, Zerrbilder, Religion und Säugling, der Säugling in Wirtschaft und Politik sowie besondere Themen zur Gesundheit.

Teil 2: Gewalt gegen Ungeborene und Säuglinge. Ungeborene, Säuglinge und Kleinkinder haben in den vergangenen Jahrhunderten vielfältig Gewalt erfahren. Im zweiten Teil werden die Formen der Gewalt, individueller sowie struktureller Natur, historisch aufgearbeitet.

Teil 3: Zahlen, Daten, Fakten – Ein historischer Überblick. Teil drei widmet sich den Rahmenbedingungen der Lebenswelt von Säuglingen der vergangenen zwei Jahrhunderte und gibt einen Einblick in die Veränderung der Säuglingspflege und -ernährung. Der Autor erläutert Zahlen, Daten und Fakten z.B. zu den Themen Geburtenrate, Hausgeburten und Klinikgeburten, Müttersterblichkeit oder Säuglingssterblichkeit.

Teil 4: Zusammenschau. Im abschließenden vierten Teil des Buches werden die Vorstellungen vom Säugling unter dem Blickwinkel der verschiedenen zeitlichen Epochen dargelegt:

  • Die Morgenröte der Kinderheilkunde und Pädagogik (1700-1860)
  • Die Disziplinierung des Säuglings (1860-1932)
  • Rigide gefühlskalte Fürsorglichkeit und die Vernichtung lebenswerten Lebens (1933-1945)
  • Kontinuität disziplinierender Säuglingspflege (1945-1965)
  • Der beziehungsbedürftige und -fähige Säugling (1966-2010)
  • Ausblick

Diskussion

Das vielschichtige Thema der Säuglingspflege wird in dem Buch „Wenn Babys reden könnten! Was wir aus drei Jahrhunderten Säuglingspflege lernen können“ umfassend aufgearbeitet. Prof. Dr. Friedrich Manz legt in seinem Werk interessantes Wissen aus der Vergangenheit und der Gegenwart, dar. So beispielsweise die historische Vorstellung von einem Fötus, als die Möglichkeiten der Ultraschalluntersuchung noch nicht gegeben waren. Oder aber das Bild vom Stillen; Wie kommt es, dass das Bild vom Stillen heute dem Bild vom Stillen 1873 ähnelt, sich aber grundsätzlich vom Bild vom Stillen um 1960 unterscheidet? Er zeigt historische Stränge auf und geht der Frage nach, wie wir heute zu dem Bild vom kompetenten, beziehungsfähigen Säugling kommen, wo zwischen 1860 und 1970 eher von einer „Verrohung im Umgang mit Säuglingen“ gesprochen werden kann.

Der Autor sieht zukünftige Eltern als primäre Zielgruppe an, welche in dem Buch unterstützende Hinweise im Umgang mit Säuglingen finden. Das vermitteln dieser Hinweise gelingt Prof. Dr. Friedrich Manz, ohne dabei wie ein klassischer Elternratgeber zu klingen. Davon ist das Buch aufgrund seiner wissenschaftlichen und historischen Bezüge -im positiven Sinne- weit entfernt. Die Kapitel stehen für sich, so dass der Leser/ die Leserin bei Interesse auch zu den für ihn/ sie relevanten Abschnitten des Buches springen kann.

Dem Buch liegt eine umfassende Recherche zugrunde, was nicht nur der umfassende Anhang vermuten lässt. Die Einstellung zum Säugling in den letzten 300 Jahren wurde akribisch aufgearbeitet.

Fazit

Das Buch „Wenn Babys reden könnten! Was wir aus drei Jahrhunderten Säuglingspflege lernen können“ zeichnet die Vorstellung vom Säugling der letzten 300 Jahre nach. Geprägt von seinem persönlichen Interesse nimmt Prof. Dr. Friedrich Manz sich dem Thema an und berichtet in lebensnahen Geschichten, ohne dabei den wissenschaftlichen Bezug zu verlieren. Fundiert wird der Wandel der differenten Vorstellungen vom „Wesen des Säuglings“ dargelegt.

Das Buch spricht sowohl Berufsgruppen an, die sich im fachlichen Kontext mit Säuglingen beschäftigen, so z.B. Mediziner und Pädagogen sowie Studierende dieser Disziplinen. Aufgrund seiner eingängigen Schilderungen ist dieses Buch ebenfalls für (zukünftige) Eltern geeignet die ein vertiefendes Interesse an dem Wandel der Säuglingspflege haben. Diese werden vom Autor als primäre Zielgruppe verstanden.

Erwähnenswert ist außerdem, dass der Autor 50% der Verkaufseinnahmen des Buches der „Stiftung der Fördergesellschaft Kinderernährung e.V., Dortmund, zur Förderung der Wissenschaft“ spendet.


Rezensentin
Dr. Lisa Jares
Redakteurin des frühpädagogischen Fachportals ErzieherIn.de, Pädagogische Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen und Lehrbeauftragte an verschiedenen Hochschulen in kindheitspädagogischen Studiengängen
Homepage www.socialnet.de/ueber-socialnet/team/lisa-jares.html
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Zitiervorschlag
Lisa Jares. Rezension vom 04.01.2017 zu: Friedrich Manz: Wenn Babys reden könnten! Was wir aus drei Jahrhunderten Säuglingspflege lernen können. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2016. ISBN 978-3-86321-340-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21959.php, Datum des Zugriffs 19.08.2019.


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