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Georg Ebersbach (Hrsg.): Pflege von Menschen mit Parkinson

Cover Georg Ebersbach (Hrsg.): Pflege von Menschen mit Parkinson. Praxisbuch für die häusliche und stationäre Pflege. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2016. 3., aktualisierte Auflage. 123 Seiten. ISBN 978-3-17-029751-7. D: 25,00 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 28,70 sFr.
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Thema

Das Praxisbuch zur häuslichen und stationären Pflege von an Parkinson Erkrankten liegt hier in der 3. aktualisierten Auflage vor, das neue Trends in der pflegerischen und medizinischen Versorgung als auch veränderte Rahmenbedingungen berücksichtigen soll. Es soll professionellen Pflegekräften und pflegenden Angehörigen helfen, die Besonderheiten dieser Krankheit mit vielen Gesichtern kennen zu lernen und die Situation der Betroffenen zu verstehen.

Herausgeber und Autoren

Der Herausgeber ist Prof. Dr. Georg Ebersbach, Chefarzt in den Kliniken Beelitz am Neurologischen Fachkrankenhaus für Bewegungsstörungen/Parkinson. Die einzelnen Kapitel wurden vorwiegend von spezialisierten Ärzten oder Krankenschwestern aus unterschiedlichen medizinischen Einrichtungen verfasst.

Aufbau und Inhalt

Neben einer kurzen Einleitung ist das Buch in weitere sechs Kapitel mit Unterkapiteln unterschiedlicher Länge gegliedert. Es folgen ein Anhang mit den Autoren und Autorinnen des Buches sowie ein Stichwortverzeichnis.

Das erste Kapitel ist der Krankheit „Was ist eigentlich ‚Parkinson‘“ gewidmet, das von Georg Ebersbach, Christina Brüstle, Gerd A. Fuchs und Kirsten Graf-Stoff verfasst wurde. Parkinson ist sowohl auf das Absterben von Nervenzellen zurückzuführen als auch auf ein komplexes Zusammenwirken verschiedener Umwelt- und Anlagefaktoren. In den weiteren Ausführungen werden die Symptome der Erkrankung herausgearbeitet (Tremor, Rigor, Bradykinese etc.), die Diagnostik und die medikamentöse Therapie sowie deren Wirkung dargestellt.

Von einem Autorenteam wurde das zweite Kapitel „Pflegerische Besonderheiten bei Menschen mit Parkinson“ geschrieben – Ilona Csoti, Georg Ebersbach, Hans-Jürgen von Giesen, Kirsten Graf- Stoof und Tobias Mai. Hier werden pflegerische Besonderheiten, psychische Aspekte der Versorgung und die Situation der pflegenden Angehörigen diskutiert (S. 51 ff). Kennzeichnend für die Krankheit seien ein häufiger Phasenwechsel, ein chronisch progredienter Verlauf sowie eine verminderte Stresstoleranz. Infolge der gestörten Feinmotorik treten Mikrografie auf (kleiner werdende Schrift während des Schreibens), Dysarthrie (leise Stimme, monotone Sprechweise) und Dysphagie (Appetit- Gewichtsverlust, Schluckstörungen etc.). In den weiteren Ausführungen werden Hilfsmittel und deren Wirkungsweise zur Unterstützung Pflegender vorgestellt. Gegenüber der Normalbevölkerung hätten Patienten mit Morbus Parkinson ein sechsfach erhöhtes Risiko, gleichzeitig an einer Demenz zu erkranken (S. 77). Letztere würde diagnostiziert, wenn die kognitiven Störungen zu einer Behinderung der Alltagsbewältigung führten.

Das dritte Kapitel, von Ilona Csoti verfasst, steht unter dem Thema „Ernährung“. Es werden die zehn Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zitiert und allgemeine krankheitsspezifische Empfehlungen benannt.

Tobias Mai ist der Verfasser von Kapitel vier „Sozialmedizinische Aspekte“, indem vorweg darauf hingewiesen wird, dass die gesetzlichen Regelungen ständig angepasst würden und der bearbeitete Stand vom Juni 2016 sei. Bei einer Publikation, in der das Erscheinungsjahr 2017 angegeben wird, ist es wenig sinnvoll, die alten Pflegestufen und deren finanzielle Leistungen so breit darzustellen, wo doch schon mindestens seit Ende 2015 das Zweite und Dritte Pflegestärkungsgesetz – PSG II und III – Leistungsausweitung für Pflegebedürftige ab 01.01.2017 diskutiert wird und die Veränderungen und Anpassungen, die gerade für die Parkinson Krankheit überaus relevant sind, lange vorher in der Überprüfung waren.

Das fünfte und sechste Kapitel umfasst jeweils nur zwei Seiten und ist den Themen „Deutsche Parkinson Vereinigung Selbsthilfegruppen“ und „Parkinson-Nurse und Parkinson-Assistentin“ gewidmet.

Fazit

Die Publikation erfasst gegenüber der ersten und zweiten Auflage kaum Neuerungen, wobei gerade für 2017 gravierende Veränderungen bezüglich der neu eingeführten Pflegegrade bevorstanden und breit in der Öffentlichkeit diskutiert worden sind. Insofern ist nicht nachvollziehbar, dass mit der dritten Auflage nicht gewartet wurde, bis die Neuerungen hätten eingearbeitet werden können. Des Weiteren sind die Kapitel in der Aufteilung nicht gut bilanziert. So umfasst die Einleitung eine halbe Seite, Kapitel zwei und drei aber 30 bis 40 Seiten und die letzten Kapitel jeweils zwei Seiten. Eine stringentere Gliederung, insbesondere der Kapitel zwei und drei, wäre m. E. von Vorteil gewesen. Dennoch ist es für die Zielgruppen, die erreicht werden sollen, ein lohnendes Buch, das detailliertes Wissen für den Umgang und die Pflege mit an Parkinson Erkrankten vermittelt.


Rezensentin
Prof. Dr. habil. Gisela Thiele
Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
Berufungsgebiete Soziologie, Empirische Sozialforschung und Gerontologie
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Zitiervorschlag
Gisela Thiele. Rezension vom 27.03.2017 zu: Georg Ebersbach (Hrsg.): Pflege von Menschen mit Parkinson. Praxisbuch für die häusliche und stationäre Pflege. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2016. 3., aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-17-029751-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21974.php, Datum des Zugriffs 27.07.2017.


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