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Helga Schloffer, Irene Gabriel u.a.: Stundenkonzepte für Menschen mit Demenz in der Pflege

Cover Helga Schloffer, Irene Gabriel, Ellen Prang: Stundenkonzepte für Menschen mit Demenz in der Pflege. Werteorientierte Gruppenarbeit - Validierende Aktivierung©. Springer (Wiesbaden) 2017. 2., akt. u. erweiterte Auflage. 199 Seiten. ISBN 978-3-662-52760-3. 29,99 EUR.
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Thema

Das vorliegende Praxisbuch der drei Autorinnen beschreibt anschaulich und in anregender Form das Konzept der „validierende Aktivierung“. und stellt über 20 komplett vorbereitete Stundenkonzepte zu unterschiedlichen Lebensthemen vor wie z.B. Kindheit, Familie, Arbeit und Haushalt. Der einfühlsame Blick auf den einzelnen Menschen vor dem Hintergrund seiner Lebensgeschichte ist kennzeichnend für das vorgestellte Konzept einer werteorientierte Gruppenarbeit.

Autorinnen

  • Helga Schloffer ist klinische Gesundheits- und Arbeitspsychologin, Gerontopsychologin mit Schwerpunkt Demenz, Aktivierung und Gedächtnistraining, Fachbuchautorin,
  • Ellen Prang ist Dipl. Gerontologin und Dipl. Pädagogin, Fachbuchautorin,
  • Irene Gabriel † arbeitete als Validationslehrerin und Seniorentanzleiterin.

Entstehungshintergrund

Das Konzept der validierenden Aktivierung wurde aus der Praxis heraus entwickelt. Die teilnehmenden Bewohner_innen von Aktivierungsstunden in Pflegeheimen haben nicht nur wie die Autorinnen berichten, es ihnen ermöglicht ihre Vorstellungen und Ideen in die Tat umzusetzen, „sie waren es auch, die unsere Stunden weiterentwickelt und unseren Gedanken ein Gesicht und eine Form gegeben haben.“

Aufbau und Inhalt

Das vorliegende Buch beinhaltet die drei Kapitel

  1. Theorie,
  2. die Methode und
  3. Stundenkonzepte – Vom Wissen zum Handeln.

Im ersten Kapitel „Theorie“ werden im ersten Teil von den Autorinnen grundlegende Aussagen zu Arten und Stadien der Demenz sowie die Grundsätze einer validierenden Gruppenarbeit vorgestellt. Desweiteren wird die Bedeutung der Erinnerungsarbeit in der Begleitung von Menschen mit Demenz erörtert. Im letzten Abschnitt werden die Hauptbestandteile einer ganzheitlichen ressourcenorientierten Aktivierung vorgestellt. Im zweiten Unterkapitel werden die theoretischen Grundlagen der validierenden Aktivierung diskutiert. Erörtert wird der „kleine Unterschied“ zwischen einer Validationsgruppe und einer validierenden Aktivierungsgruppe wie die Bedeutung identitätserhaltender „Lebenswerte“. Die Bausteine und Ziele der validierenden Aktivierung werden im letzten Teil vorgestellt.

Im zweiten Kapitel „die Methode“ stellen die Autorinnen ausführlich ihren methodischen Ansatz vor. Im ersten Teil „praktische Umsetzung der personzentrierten Haltung“ wird anschaulich beschrieben, welchen Stellenwert in der Arbeit mit Menschen mit Demenz das sich Zeit nehmen und Zeit lassen, der sparsame Einsatz vertrauter Gegenstände und Reize, nonverbale Kommunikationsformen und ein wertschätzender Umgang haben. Beschrieben wird auch, wie eine Aktivierungsgruppe so zusammengesetzt werden kann, dass die Teilnehmenden sich wohl fühlen und ein anregendes Miteinander entstehen kann.
Im zweiten Teil „Gestaltung einer validierenden Aktivierungseinheit“ wird sehr anschaulich beschrieben, wie eine validierende Aktivierungsstunde konkret gestaltet werden kann: angefangen vom optimalen Ort und Umfeld der Aktivierungsgruppe, über mögliche Rituale zur Kontaktaufnahme, dem Einsatz von Erinnerungsanker, dem „Einstreuen“ ressourcenfördernder Gesprächsthemen und wie die Stunde ausklingend beendet werden kann. Zum Schluss werden Fragen zur Selbstreflexion formuliert, die Gruppenleiterin dabei unterstützen sollen, selbst zu prüfen, ob eine Aktivierungseinheit „gelungen“ ist bzw. welche Änderungen sinnvoll sein können.

Im dritten Kapitel „Stundenkonzepte – Vom Wissen zum Handeln“ erhalten Leiter von validierenden Aktivierungsstunden eine detaillierte „Gebrauchsanleitung“ zur Verwendung von insgesamt 26 Stundenbildern mit jeweils einem bestimmten Lebensthema. Zu Beginn wird das Grundschema des Ablaufplans einer Aktivierungsstunde vorgestellt, der unabhängig von der inhaltlichen Ausgestaltung als „roter Faden“ dient. Die vorgestellten Stundenbilder möchten die Autorinnen als Anregung verstanden wissen, denn je nach Gruppenzusammensetzung und verfügbaren Material können auch andere oder weitere Themen ausgesucht werden. Die vorgestellten Stundenbildern sind wie folgt gestaltet: zunächst wird die Wahl des Themas skizziert, dann werden Materialvorschläge gemacht und der Ablaufplan für die Gruppenstunde vorgestellt. Fast jedes Stundenbild enthält außerdem Praxistipps und Ideen für weitere ähnliche Themen.

Fazit

Ein sehr empfehlenswertes Praxisbuch für Fachkräfte und Alltagsbegleiter_innen in Pflegeeinrichtungen, die Menschen mit fortgeschrittener Demenz begleiten und betreuen. Im Theorie- und Methodenteil wird sehr verständlich und anregend dargelegt, welche Erkenntnisse und Erfahrungen in der Arbeit mit Menschen mit Demenz grundlegend für eine wertschätzende Haltung, eine personzentrierte und validierende Arbeitsweise sind, damit die Betroffenen mehr Wohlbefinden und eine gute Zeit in ihrer letzten Lebensphase erleben können. Die darauf aufbauenden „Stundenbilder“ bieten nicht nur eine Vielzahl von konkreten, praktisch erprobten Gestaltungsvorschlägen sondern regen den Leser, die Leserin zur Entwicklung eigener Ideen an und ermutigen sie sich im Kontakt mit Menschen mit Demenz auf ihre Lebensgeschichten, ihre Fähigkeiten und Emotionen einzulassen und einzustimmen.


Rezensentin
Dipl. Soziologin Angela M. Laußer
Dipl. Soziologin, Beraterin, Trainerin und Coach
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Zitiervorschlag
Angela M. Laußer. Rezension vom 05.10.2017 zu: Helga Schloffer, Irene Gabriel, Ellen Prang: Stundenkonzepte für Menschen mit Demenz in der Pflege. Werteorientierte Gruppenarbeit - Validierende Aktivierung©. Springer (Wiesbaden) 2017. 2., akt. u. erweiterte Auflage. ISBN 978-3-662-52760-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21980.php, Datum des Zugriffs 19.10.2017.


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