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André Wieprecht, Annett Wieprecht-Kotzsch: Praxisratgeber Pflegeversicherung

Cover André Wieprecht, Annett Wieprecht-Kotzsch: Praxisratgeber Pflegeversicherung. Ansprüche und Leistungen für pflegebedürftige Kinder und Erwachsene nach dem neuen Recht 2017; Walhalla Rechtshilfen. Walhalla Fachverlag (Regensburg) 2016. 160 Seiten. ISBN 978-3-8029-4082-8. D: 14,95 EUR, A: 15,40 EUR.
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Thema

Pflegebedürftigkeit betrifft alle Bevölkerungsgruppen vom Säugling bis zum Erwachsenen. Angehörige oder andere Hilfspersonen stehen den betroffenen Ratsuchenden häufig zur Seite und organisieren und/oder übernehmen die Pflege. Dazu allerdings müssen sie und die Pflegebedürftigen wissen,

  • wie die Pflegeversicherung funktioniert,
  • welche Leistungen in Betracht kommen und
  • wie diese kombiniert und geltend gemacht werden.

Dieser Praxisratgeber soll die nötigen Kenntnisse und auch Fähigkeiten vermitteln, damit Betroffene und ihre Angehörigen selbst handeln und bestimmen können. Das Wissen um die rechtlichen Grundlagen sowie ihre praktischen Erfahrungen im Umgang mit der Pflegekasse und sonstigen Leistungsträgern sind – mit vielen Praxistipps – in diesen Ratgeber eingeflossen.

Autorin

Dr. André Wieprecht, Rechtsanwalt und Lehrbeauftragter zu sozialrechtlichen Fragestellungen, und Annett Wieprecht-Kotzsch, Lehrerin, sind Eltern eines pflegebedürftigen Sohnes und immer wieder damit befasst, die beste Pflegesituation für ihr Kind zu schaffen.

Entstehungshintergrund

Die Pflegeversicherung war in den letzten Jahren stets im Umbruch. Grundsätzlich soll sie das Risiko „Pflegebedürftigkeit“ nicht voll ausgleichen, sondern nur einen Beitrag zu den Kosten leisten. Dennoch schuf der Gesetzgeber ein veränderndes Gesetz auf das Andere. Ob er damit über das Ziel und seine eigenen Intensionen hinausgeschossen ist, sei dahingestellt. Mit den Pflegestärkungsgesetzen werden die Rahmenbedingungen und die gesetzlichen Vorgaben für die Pflege so um fassend verändert, wie es kein anderes Pflege-Reformgesetz zuvor vermochte. Für alle Personenkreise, die mit der Pflege zu tun haben, bedeutet das nicht nur ein Vertraut machen, wie es bisher nur erforderlich war. Jetzt heißt es, die neuen Vorgaben lernen und in die Praxis exportieren. Und das zu lernende Paket ist sehr umfangreich gestaltet. Es genügt also nicht, einfache Abhandlungen zum neuen Recht zu lesen. Jetzt muss in die Tiefe gegangen und „Neuland“ erarbeitet werden. Dazu benötigen alle Beteiligten einen qualifizierten Überblick über die gesamte neue Materie, dem schnell und unkompliziert entnommen werden kann, was ab 01.01.2017 Gesetzeskraft gewonnen hat bzw. gewinnen wird.

Klar ist jedenfalls, dass die neue Materie nicht gerade einfacher und volksnaher gestaltet worden ist. Ganze Komplexe – und hierzu gehört nicht nur der neue Begriff der Pflegebedürftigkeit – sind neu gestaltet worden und „zu verinnerlichen“, wie man so schön sagt. Nicht nur die Bevölkerung, die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen sind ebenfalls in der gegenwärtigen Situation verunsichert.

Der vorliegende handliche und kostengünstige Praxisratgeber kann hier sehr gut Abhilfe schaffen.

Aufbau und Inhalt

Das Werk ist in sechs Kapitel gegliedert. Nach einer Schnellübersicht sind Hinweise zur Nutzung des Buches vorangestellt, in denen die Autoren überschlägig darlegen, was den interessierten Leser in den einzelnen Kapiteln erwartet. Es folgt ein Abkürzungsverzeichnis. Das Stichwortverzeichnis schließt das Buch als achtes Kapitel ab.

Die sechs eigentlichen Kapitel sind im Einzelnen:

  1. Wie funktioniert die Pflegeversicherung?
  2. Feststellung der Pflegebedürftigkeit in drei Schritten.
  3. Begutachtung durch den MDK oder einen beauftragten Gutachter.
  4. Die Leistungen der Pflegeversicherung.
  5. Welche Leistungen gibt es für Pflegepersonen?
  6. Was kann man tun, wenn ein Antrag abgelehnt wurde?

Die Autoren stellen den einzelnen Kapiteln Inhaltsverzeichnisse voran, so dass der Leser bei Bedarf gezielt auf die Informationen zugreifen kann. In der Abfolge werden dann die einzelnen Punkte des Inhaltsverzeichnisses detailliert erläutert. Dabei werden allgemeine Fragen zum Verwaltungsverfahren, wie u. a. der Grundsatz der Pflichtversicherung, Mitgliedschafts- und Zuständigkeitsfragen und auch die Beziehungen der Pflegekassen im sozialen System im ersten Kapitel vorangestellt.

Bereits im zweiten Kapitel wird die Feststellung der Pflegebedürftigkeit ausführlich dargelegt. Naturgemäß ist dieser Teil des Buches der Umfangreichste. Im dritten Kapitel werden den sich mit dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung befassenden Fragen nachgegangen.

Die Leistungen der Pflegeversicherung wurden in den letzten Jahren wesentlich verändert. Welche Leistungen im Einzelnen beansprucht werden können, ergibt sich aus Kapitel vier. Hier werden die Einzelleistungen anschaulich und vollständig dargelegt und auch die Inanspruchnahmemöglichkeiten vorgestellt.

Neben den eigentlichen Pflegeleistungen können auch diejenigen Personen Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen, die einen oder mehrere Pflegebedürftige pflegen. Welche das sind, steht im Kapitel 5.

Natürlich werden nicht immer alle Wünsche der Berechtigten erfüllt. Was unternehme ich dann und wie gehe ich gegen einen abgelehnten Leistungsantrag der Pflegekasse vor? Antworten zu diesen Fragen sind im sechsten Kapitel zu finden. Dabei werden die Wege des Verwaltungsverfahrens, des Widerspruchsverfahrens und des Klageverfahrens aufgezeigt.

Diskussion und Fazit

Insgesamt ist festzustellen, dass die zwischenzeitlich sehr schwierig geratene Materie der Pflegeversicherung und ihrer Rechtsgrundlagen in diesem Praxisratgeber sehr gut und komprimiert zusammengefasst worden ist. Der Ratgeber ermöglicht es tatsächlich, die erforderlichen Informationen leicht zu finden und eine Meinungsbildung zu ermöglichen. Nicht in jedem Fall, in dem vermeintlich von Pflegebedürftigkeit auszugehen wäre, werden die dafür erforderlichen Voraussetzungen erfüllt. So kann in diesem Praxisratgeber sehr gut und anschaulich entnommen werden, ob ein Leistungsantrag überhaupt einen Sinn macht oder ggf. zu einem späteren Zeitpunkt eine höhere Erfolgschance besteht.

Durch das handliche und dadurch auch kostengünstige Format ist es jedem an der Pflege Interessierten und Beteiligten gegeben, sich mit den notwendigen Informationen zu versorgen.


Rezensent
Hans-Joachim Dörbandt
Rechtsberatung Kranken-/Pflegeversicherung, Rentenberater und Prozessagent -
Fachautor in den Bereichen Pflege, gesetzliche Pflegeversicherung, gesetzliche Krankenversicherung
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Zitiervorschlag
Hans-Joachim Dörbandt. Rezension vom 20.12.2016 zu: André Wieprecht, Annett Wieprecht-Kotzsch: Praxisratgeber Pflegeversicherung. Ansprüche und Leistungen für pflegebedürftige Kinder und Erwachsene nach dem neuen Recht 2017; Walhalla Rechtshilfen. Walhalla Fachverlag (Regensburg) 2016. ISBN 978-3-8029-4082-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21997.php, Datum des Zugriffs 17.10.2017.


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