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Peter Hammerschmidt, Sascha Weber u.a.: Soziale Arbeit – die Geschichte

Cover Peter Hammerschmidt, Sascha Weber, Bernd Seidenstücker: Soziale Arbeit – die Geschichte. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2016. 180 Seiten. ISBN 978-3-8252-4582-5. D: 14,99 EUR, A: 15,50 EUR, CH: 19,40 sFr.
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Thema

Die Geschichte der Sozialen Arbeit in Deutschland wird einer kompakten Form im Rahmen einer Lehrbuchreihe aufbereitet: von ihren Anfängen zu Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart wird ein historisch gerahmtes Verständnis Sozialer Arbeit vermittelt.

Autoren

  • Prof. Dr. phil. habil. Peter Hammerschmidt, Professor für Grundlagen Sozialer Arbeit an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München
  • Prof. Dr. phil. Sascha Weber, Professor für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Organisation und Verwaltung an der Hochschule Magdeburg-Stendal
  • Prof. em. Dr. paed. habil. phil. Bernd Seidenstücker, ehem. Professor für Pädagogik an der Hochschule Darmstadt, ehem. Univ.-Prof. für Sozialpädagogik/Erziehungswissenschaften an der Technischen Universität Berlin

Aufbau und Inhalt

Die Veröffentlichung „Soziale Arbeit – die Geschichte“ ist Band 9 der Reihe „Soziale Arbeit – Grundlagen“, die von Fabian Kessl, Elke Kruse, Sabine Stövesand und Werner Thole herausgegeben wird. Sie ist entsprechend als Lehrbuch bzw. als begleitende Seminarlektüre konzipiert. So sollen vertiefende Literaturhinweise im Text und am Ende jeden Kapitels sowie Marginalien mit zahlreichen Begriffen und Themen das Selbststudium erleichtern.

Insgesamt besteht das Buch aus sechs Kapiteln:

  1. Einleitung
  2. Anfänge und Wurzeln der modernen Sozialen Arbeit in der sich herausbildenden bürgerlichen Gesellschaft
  3. Soziale Arbeit im Deutschen Reich (1871-1945)
  4. Soziale Arbeit in der Nachkriegszeit bis zum Ende der deutschen Zweistaatlichkeit (1945-1989)
  5. Soziale Arbeit in der Zeit von der Wiedervereinigung bis zur Jahrhundertwende
  6. Fazit und Schlussbetrachtung.

Die Autoren wollen Studierenden der Sozialen Arbeit einen kurzen und verdichteten „Einstieg in die Professions-, Rechts-, Organisations- und in Ansätzen auch die Diskursgeschichte des Fachs ermöglichen“ (S. 8).

In der Einleitung nehmen sie dafür zunächst begriffliche Bestimmungen und eine Positionierung Sozialer Arbeit vor.

Im zweiten Kapitel „Anfänge und Wurzeln der modernen Sozialen Arbeit in der sich herausbildenden bürgerlichen Gesellschaft“ wird die Entwicklung der Armenpflege skizziert, vor dem Hintergrund der preußischen Städteordnung von 1808, des preußischen Armenpflegegesetzes von 1842 und des Elberfelder Systems von 1852. Die verschiedenen Kräfte und Interessen im Umgang mit der „sozialen Frage“ nach der Revolution von 1848 bis zur Ausrufung des Deutschen Kaiserreichs werden anschaulich beschrieben, insbesondere die bürgerliche Sozialreformbewegung sowie die protestantischen und katholischen Bewegungen.

Das dritte Kapitel „Soziale Arbeit im Deutschen Reich“ (1871-1945) umfasst drei Epochen, zu denen jeweils kompakt historische Kontextualisierungen erfolgen: Die Zeit des Deutschen Kaiserreichs (1871-1918), der Weimarer Republik (1918-1933) und des Nationalsozialismus (1933-1945). Die rechtlichen Entwicklungen und Rahmenbedingungen für die Begründung, Ausgestaltung sowie die Ausbildung der Fürsorge im Kaiserreich und der Weimarer Republik werden differenziert dargestellt. Der Umbau der Wohlfahrtspflege in der NS-Zeit, in der die Klient_innen nach „Wertigkeit“ unterschieden werden, die eugenischen Erfassungs- und Selektionsapparaten der Gesundheitsämter sowie die Krankenmorde an mehr als 70.000 Menschen in der sogenannten „Aktion T 4“ sind Teil der kurzen, zusammenfassenden Darstellung der NS-Zeit.

Im vierten Kapitel „Soziale Arbeit in der Nachkriegszeit bis zum Ende der deutschen Zweistaatlichkeit (1945-1989)“ erhalten die Leser_innen zunächst einen eindrücklichen Überblick über die sozialökonomische, politische und gesellschaftliche Lage in den ersten Jahren nach Ende des zweiten Weltkriegs und der Zeit des Nationalsozialismus. Wie die öffentliche Fürsorge und die freie Wohlfahrtspflege in den vier Besatzungszonen organisiert werden, erschließt sich deutlich. Daran anschließend wird die Geschichte der Sozialen Arbeit in Westdeutschland in einer vertiefenden Beschreibung in drei Phasen „Restauration und Konsolidierung des Sozialstaats und der Sozialen Arbeit (1949-1965)“, „Zeit des Aufbruchs“ (1965-1975) und „Ausbau der Sozialen Arbeit (1975-1989)“ vorgenommen. Dies ermöglicht ein fundiertes Verständnis für die jeweilige Epoche und die Entwicklung der Sozialen Arbeit in der Zeit. Die Geschichte der Sozialen Arbeit in Ostdeutschland (1949-1989) wird nicht nach zeitlichen Epochen differenziert beschrieben, vielmehr dominiert hier die Skizzierung unterschiedlicher Felder und Funktionen bzw. Organisationen.

Unter der Überschrift „Soziale Arbeit in der Zeit von der Wiedervereinigung bis zur Jahrhundertwende“ werden im fünften Kapitel die Folgen des Beitritts der DDR zur Bundesrepublik und die sich wandelnden Paradigmen und rechtlichen Grundlagen Sozialer Arbeit thematisiert.

Im abschließenden Fazit (6. Kapitel) betonen die Autoren noch einmal die Bedeutung der jeweiligen epochenspezifischen politischen, ökonomischen und sozialstrukturellen Bedingungen für die sozialarbeiterischen Problemkonstruktionen und die entsprechenden Fachdiskurse.

Fazit

Die Geschichte der Sozialen Arbeit wird in diesem Lehrbuch sehr systematisch im jeweiligen historischen Kontext aufbereitet. Mit zahlreichen zusammenfassenden Einführungen von Kapiteln und Unterkapiteln werden die Leser_innen durch die Lektüre geführt, entsprechende Hinweise zum Weiterlesen bieten die Möglichkeiten zur weiteren Vertiefung. Dieses Lehrbuch eignet sich hervorragend für Ausbildung und Studium, als Grundlagen- oder Begleitlektüre für Seminare – sowohl für Studierende als auch Lehrende in der Sozialen Arbeit.


Rezensentin
Prof. Dr. Gudrun Ehlert
Professorin für Sozialarbeitswissenschaft an der Fakultät Soziale Arbeit der Hochschule Mittweida in Rosswein/Sachsen
Homepage www.sw.hs-mittweida.de/professuren/prof-dr-phil-gud ...
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Zitiervorschlag
Gudrun Ehlert. Rezension vom 12.01.2018 zu: Peter Hammerschmidt, Sascha Weber, Bernd Seidenstücker: Soziale Arbeit – die Geschichte. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2016. ISBN 978-3-8252-4582-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22012.php, Datum des Zugriffs 20.01.2018.


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