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Renate Schmetz, Johannes Stingl: Kindertages­einrichtungen in Baden-Württemberg

Cover Renate Schmetz, Johannes Stingl: Kindertageseinrichtungen in Baden-Württemberg. Praxisleitfaden für Kommunen und Träger. Richard Boorberg Verlag (Stuttgart) 2017. 226 Seiten. ISBN 978-3-415-05647-3. D: 29,90 EUR, A: 30,90 EUR.
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Thema

Beim Betrieb einer Kindertageseinrichtung sind vielfältige Aspekte zu beachten. Die Herausforderung der letzten Jahre und auch der Gegenwart besteht sicherlich darin, ausreichend Betreuungsplätze vorhalten zu können. Im Rahmen der Subsidiarität und der Trägerpluralität sollten und sollen auch freie Träger in unterschiedlicher Betriebsform und konzeptioneller Ausrichtung in der Kinderbetreuungslandschaft Fuß fassen. Die vorliegende Publikation versteht sich als Praxisleitfaden für Kommunen und (freie) Träger in Baden-Württemberg. Die Verbindung zur Praxis, so kann man es der Buchrückseite entnehmen, ist durch den Erfahrungsschatz und die Fachkompetenz der Autor_innen – besonders im Bereich des Bildungsmanagements – gegeben und soll sich in Tipps und Handlungsempfehlungen widerspiegeln. Neben grundsätzlichen Themen wie Bedarfsplanung, Raumplanung und Finanzierung, werden auch Trägeraufgaben und die allgemein notwendigen Rahmenbedingungen für erfolgreiches pädagogischen Arbeiten behandelt. Das Buch ist, so beschreiben es Schmetz und Stingl in ihrer Einleitung, kein Fachbuch für den pädagogischen Alltag, sondern eine Handreichung für Akteure in Kommunalverwaltungen und bei Trägern.

Autoren

Renate Schmetz ist Leiterin des Fachbereichs Bildung und Familie der Stadt Ludwigsburg.

Johannes Stingl ist Beigeordneter a.D. des Gemeindetags Baden-Württemberg.

Aufbau

Die Publikation beginnt mit einem Grußwort, dem sich Inhaltsverzeichnis, Abkürzungsverzeichnis sowie Literaturhinweise und Internet-Fundstellenhinweise anschließen. Nach der Einleitung gliedert sich das Buch in folgende sieben Kapitel:

  1. Bedarfsplanung (18 Seiten)
  2. Bauliche Anforderungen (10 Seiten)
  3. Finanzierung (26 Seiten)
  4. Träger (8 Seiten)
  5. Der Betrieb einer Kindertageseinrichtung (42 Seiten)
  6. Kindertagespflege (4 Seiten)
  7. Rechtsgrundlagen (74 Seiten)

Am Buchende finden sich der Anhang (10 Seiten) und ein Stichwortverzeichnis (6 Seiten).

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalt

Gudrun Heute-Bluhm (Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Städtetags Baden-Württemberg) greift in ihrem Grußwort wesentliche aktuelle Aspekte von Kindertagesbetreuung auf. Für Kommunen sind Kitas, so stellt sie zu Beginn fest, auch heute schon ein Standortfaktor. Um die Aufgaben meistern zu können, ist eine angemessene finanzielle Ausstattung notwendig.

Das erste Kapitel beschäftigt sich mit der „Bedarfsplanung“. Für Schmetz und Stingl ist sie das Kerninstrument der Kommunalpolitik im Bereich Kindertageseinrichtungen. Nach einer kurzen Hinführung stellen die Autor_innen den Aufbau einer Bedarfsplanung dar und geben Hinweise zur Bewertung der Datenlage. Inhalt des zweiten Teils sind das Anmeldeverfahren, die Aufnahme- oder Vergabekriterien sowie Abgleichgespräche. Diese Abgleichgespräche sind in dezentralen Verfahren erforderlich, um Doppel- und Mehrfachanmeldungen zu filtern.

Bevor die Autor_innen detaillierter in das Kapitel „Bauliche Anforderungen“ einsteigen, empfehlen sie, die Nutzer von Beginn an eng einzubeziehen, da sich so Planungsfehler minimieren lassen und gemeinsam getroffene Entscheidungen und Planungen eine höhere Akzeptanz finden. Grundlage jeder Baumaßnahme sollte, so raten Schmetz und Stingl, „ein ausdifferenziertes und funktionstüchtiges Raumprogramm (sein), welches die pädagogischen Konzepte widerspiegelt.“ (S. 39) Im Abschnitt „Sicherheit in der Kindertageseinrichtung“ wird kurz auf die Themen Nutzungsänderung, Brandschutz und allgemeine Verkehrssicherheit eingegangen. Der zweite Abschnitt widmet sich dem „Raumprogramm“. Die Autor_innen weisen auf zu beachtende Aspekte hin, raten, Fachberatung einzubeziehen, fachbereichsübergreifend zusammenzuarbeiten und bei Bedarf auch externe Architekten und Fachleute einzubeziehen. An zwei Beispielen zeigen sie, wie die „Umsetzung des Raumprogramms“ aussehen könnte.

Zu Beginn des dritten Kapitels „Finanzierung“ geben Schmetz und Stingl zunächst einen Überblick und gehen hier auch auf die „Leistungen des Landes Baden-Württemberg nach dem Finanzausgleichgesetz“ (FAG) und die „Kommunalen Ausgaben“ ein. Im weiteren Verlauf wird die „Förderung von Einrichtungen freier und privat-gewerblicher Träger und die Finanzierungsverantwortung der Kommunen“ behandelt. Sie erörtern: Rahmenvereinbarung und Förderverträge, Investitionskosten, Betriebsausgaben, Personalausgaben, Sachausgaben, Verwaltungskosten, ehrenamtliche Leistungen, Beteiligung der bürgerlichen Gemeinde an den laufenden Betriebsausgaben, Elternbeiträge und Mindestpersonalschlüssel. Abschnitt 3 erläutert den „Interkommunalen Kostenausgleich“ bei Betreuung „auswärtiger“ Kinder, Abschnitt 4 gibt Hinweise zu „Bemessung der Elternbeiträge“. Themen der weiteren Abschnitte sind die „Förderung der Kindertagespflege“, „Finanzierung aus dem Finanzausgleich“, „Investitionsförderung“ sowie die „Projekt- und Programmförderung“.

Überschrieben mit „Träger“ folgt ein kurzes viertes Kapitel. Zusammengefasst wird dargestellt, dass „Betreiber einer Kindertagesstätte“ (Träger) heterogen sind. Unabhängig davon, haben Träger die Verantwortung für den Betrieb ihrer Betreuungseinrichtung. Träger können sich in die Kindergartenbedarfsplanung einer Kommune einbringen, hierfür werden mit der Gemeinde oder der Stadt „Verträge“ (Abschnitt 4.1) geschlossen. Die vielzähligen „Trägeraufgaben“ werden, so wird es zu Beginn des Abschnitts 4.2 erläutert, im Folgenden aufgezeigt. Diese umfassen neben dem „Antrag auf Betriebserlaubnis“ auch die „Sicherstellung des Betriebs einer Kindertageseinrichtung“. Die Aufgaben hierbei werden im Folgekapitel aufgegriffen.

Im Kapitel fünf „Der Betrieb einer Kindertageseinrichtung“ werden, darauf wird zu Beginn hingewiesen, „die Kernbereiche für die Sicherung eines reibungslosen Betriebs einer Kindertageseinrichtung … aufgeführt“ (S. 83) Schmetz und Stingl heben nochmals ausdrücklich hervor, dass „die verantwortungsvolle Übernahme von Aufgaben eines Trägers … nicht mit dem finanziellen Zuschuss der Gemeine für den Betrieb einhergeht.“ (S. 83). Je nach Vertragsgestaltung sind nicht alle Kosten anerkannt. Eine mögliche Deckungslücke muss durch Eigenanteil der Träger, Drittmittel, Elternbeiträge oder Spenden geschlossen werden.

Im Abschnitt 5.1 „Personal“ werden neben grundlegenden Themen zum Beispiel auch die „Ausbildung als Personalentwicklungsinstrument“, „Technisches und hauswirtschaftliches Personal“ oder der „Gesundheitstarif“ (SuE aus 2009) angesprochen. Unter „Pädagogische Aspekte“ (Abschnitt 5.2) finden sich u.a. Ausführungen zu Mittagessen in den Kindertageseinrichtungen oder zu Kindern mit Fluchterfahrung.

Weitere Themen des Kapitels sind beispielsweise Inklusion, die Rolle der Eltern in der Kindertageseinrichtung oder Kinderschutz. Auch äußern sich die Autor_innen zur Aufgabe des Qualitätsmanagements.

Zu Beginn des sechsten Kapitels „Kindertagespflege“ positionieren sich Schmetz und Stingl: „Tagespflege spielt für den hier erfassten Verantwortungsbereich der Kindertagesbetreuung im Vorfeld zur Schule eine wichtige Rolle.“ (S. 125) Im Kapitelverlauf gehen sie kurz auf einzelne Punkte ein und stellen zum Abschluss die „Bedeutung der Kindertagespflege für die örtliche Bedarfsplanung“ dar.

Im Kapitel 7 nennen die Autor_innen die „Rechtsgrundlagen“. Nach einer kurzen Ausführung zur „Gesetzgebungskompetenz“ behandelt das Kapitel relevante Bereiche des SGB VIII, das Kinder- und Jugendhilfegesetz für Baden-Württemberg sowie das Kindertagesbetreuungsgesetz (KiTaG).

Im Anhang finden sich ein Beispiel für eine Sitzungsvorlage „Personalmehrbedarf Küchenkräfte“, die „Übersicht Integrationsmaßnahmen im Rems-Murr-Kreis“ sowie eine Sitzungsvorlage „Einrichtung eines Qualitätsmanagementsystems in städtischen Kindergärten“.

Diskussion

Schmetz und Stingl tragen im vorliegenden Handbuch das breite Feld der Trägeraufgaben zusammen. Bereits zu Beginn verdeutlichen sie dabei, dass wohl pädagogische Themen beziehungsweise das pädagogische Arbeiten benannt werden, es sich bei dem vorliegenden Werk aber um kein Fachbuch für den pädagogischen Alltag handelt. Dies erklärt auch die Ausführungen im Kapitel 5 die stellenweise den Anschein erwecken, als wären sie kurz ausgeführte Auflistungen, die gerne noch ergänzt werden könnten. Sicherlich kann man bei der Vielzahl der im Buch behandelten Themen in tiefere Diskussionen einsteigen. Ich möchte im Rahmen dieser Rezension daher nur Einzelne aufgreifen.

In einer gelebten Trägerpluralität wird ein gut abgestimmtes Wartelisten- und Platzvergabesystem benötigt. Der Umgang mit Doppel- und Mehrfachanmeldungen ist aufwändig. Schmetz und Stingl schlagen hier eine gemeinsame Datenbank vor, aus der ein Platz dezentral vergeben werden kann. Eine Idee, deren Zielsetzung man durchaus nachgehen sollte. Allerdings sollten dabei datenschutzrechtliche Bedingungen beachtet werden. Zwischenzeitlich gibt es verschiedene Softwareanbieter am Markt, die Lösungen für zentrale Datenbanken anbieten.

Um die notwenigen Plätze zu schaffen, werden neue Einrichtungen gebaut, an bestehende Einrichtungen angebaut oder bestehende Immobilien umgenutzt. Die Autor_innen empfehlen, schon frühzeitig die verschiedenen Verantwortlichen eng in die Planungen, Gestaltungen und Grundsatzfragen mit einzuziehen. Dies halte ich für besonders bedeutsam, da im Austausch die verschiedenen Anforderungen zusammengetragen werden und Planungsfehler minimiert werden. Schmetz und Stingl warnen davor, und das ist in Zeiten, in denen Raum für Platzausbau gefunden werden muss, positiv hervorzuheben, sich nur an den Mindestquadratmetervorgaben zu orientieren. Dies würde, so die Autor_innen, zu massiven Schwierigkeiten führen. Deswegen raten sie dazu, frühzeitig Kontakt zu allen notwendigen Behörden aufzunehmen.

Eine zentrale Stelle, die auch im Rahmen des Betriebserlaubnisverfahren eine wesentliche Rolle einnimmt, ist der Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) in Baden-Württemberg. Eine gute und verlässliche Zusammenarbeit zwischen Träger und den Verantwortlichen des KVJS, so interpretiere ich die Ausführungen der Autor_innen, sollte Grundvoraussetzung sein. Der Antrag auf eine Betriebserlaubnis unter Abgabe aller Angaben und Dokumente soll mindestens acht Wochen vor Betriebsbeginn erfolgen, doch raten Schmetz und Stingl, eine dreimonatige Vorlaufszeit einzuplanen.

Die Darstellung der Rechtsgrundlagen nimmt mit 74 Seiten den größten Anteil des Buches ein. Da sie die Grundlage der Arbeit darstellen und hier auch die Gesetzestexte genannt werden, ist der Umfang angemessen. Hervorzuheben ist an dieser Stelle, dass die Autor_innen erläuternde Anmerkungen zu den Gesetzestexten geben.

In ihren Ausführungen geben Schmetz und Stingl einen fundierten Überblick über das Feld der Kindertagesbetreuung. Ihren Ausführungen kann man eine Vielzahl von anregenden Impulsen entnehmen. Die auch im Layout hervorgehobenen „Tipps“ machen den direkten Praxisbezug der Autor_innen deutlich. Das vorliegende Handbuch ist, das wird deutlich, von Personen verfasst, die, wie in Aussicht gestellt, auf einen umfangreichen Erfahrungsschatz und Fachkompetenz zurückgreifen können.

Die Handreichung kann ein auffrischender Impuls für Akteure sein, die bereits über eine mehrjährige Berufserfahrung im Feld verfügen. In erster Linie wird sie aber für Leserinnen und Leser interessant sein, die sich ins Feld der Kindertagesbetreuung in Baden-Württemberg einarbeiten wollen. Neben Akteuren in den Fachverwaltungen können dies auch Verantwortliche bei unterschiedlichsten freien Trägern sein.

Fazit

Schmetz und Stingl geben in ihrer Handreichung, die sich an Entscheidungsträger, Beschäftige in Fachverwaltungen, Ausbildungs- und Studienstätten, Träger und interessierte Eltern richtet, einen umfassenden Überblick über die komplexen Trägeraufgaben und der Kindertagesbetreuung. Die umfassenden, fundierten und nachvollziehbaren Ausführungen basieren merklich auf dem Erfahrungsschatz der Autor_innen.


Rezensent
Dipl.Soz-Päd. Martin Walz
Master of Social Management, Diplom-Sozialpädagoge (FH) Geschäftsführer Kindertageseinrichtungen mit mehrjähriger Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe
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Zitiervorschlag
Martin Walz. Rezension vom 18.10.2018 zu: Renate Schmetz, Johannes Stingl: Kindertageseinrichtungen in Baden-Württemberg. Praxisleitfaden für Kommunen und Träger. Richard Boorberg Verlag (Stuttgart) 2017. ISBN 978-3-415-05647-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22016.php, Datum des Zugriffs 20.11.2019.


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