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Robert H. Frank: Success and Luck

Cover Robert H. Frank: Success and Luck. Princeton University Press (Oxfordshire, OX20 1TR) 2016. 208 Seiten. ISBN 978-0-691-16740-4. 26,35 EUR.
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Thema

Ausgehend von autobiographischen Erlebnissen stellt der Autor den Faktor Glück neben die Faktoren Talent und harte Arbeit in den Bedingungsrahmen der für das Erreichen der individuellen wirtschaftlichen Erfolge notwendigen Faktoren. Glück bedeutet für ihn auch gute soziale Bedingungen, gute Bildungsbedingungen und gute Umweltbedingungen. Resultierend aus seinen Überlegungen schlägt er eine Änderung des Steuersystems vor.

Autor

Der US-amerikanische Bestseller-Autor Robert H. Frank war Kolumnist für den wirtschaftlichen Bereich der New York Times. Er ist Professor für Management und Professor für Ökonomie.

Aufbau und Inhalt

Vorwort. Der Autor erklärt den Begriff „Meritokratie“ (Verdienstadel), der im Jahre 1958 von dem britischen Soziologen Michael Young geprägt wurde.

Kapitel 1: Beschreibe, was Du kennst

In diesem Kapitel beschreibt der Autor die autobiografischen Erlebnisse, die ihn dazu geführt haben, dieses Buch zu schreiben. Er habe erkannt, dass Talent und Leistung für den wirtschaftlichen Erfolg nicht hinreichend seien, da es immer viele Mitbewerber gebe, die ebenfalls über Talent verfügen und hart arbeiten. Entscheidend sei häufig der Faktor Glück, d. h. der Einfluss äußerer zufälliger Ereignisse und vorteilhafter Umweltfaktoren.

Durch die neuen Methoden der Produktion und der Kommunikation sei es zu einer Ausdehnung der Reichweite beim Vertrieb der Produkte gekommen, die häufig zu Winner-Take-All Märkten führe. Die Ausbreitung der Winner-Take-All Märkte verstärke die Bedeutung des Zufalls. Hohe Gewinne für wenige Gewinner auf diesen Märkten ziehen viele Mitstreiter an. Je mehr Mitstreiter es gebe, die mit ähnlichen Talenten ausgestattet seien und gleichermaßen ehrgeizig seien, desto eher gewinne der Einflussfaktor Glück an Bedeutung.

Die Negierung der Bedeutung des Glücks für den eigenen wirtschaftlichen Erfolg stärke den Glauben an die eigenen Bemühungen und den Glauben an die eigene Wirksamkeit und somit die Überzeugung, einen „rechtmäßigen“ Anspruch auf den erworbenen Wohlstand zu besitzen.

Kapitel 2: Warum scheinbar triviale Ereignisse zufällig geschehen

Robert H. Frank veranschaulicht an Beispielen, wie zufällige Begebenheiten ökonomische Erfolge beeinflussen. Die Berühmtheit des Gemäldes der Mona Lisa sei darauf zurückzuführen, dass sie im Jahre 1911 gestohlen worden war. In den beruflichen Karrieren der Schauspieler Al Pacino und Bryan Cranston haben zufällige Ereignisse dazu geführt, dass ihre Laufbahnen sich grundlegend verändert haben. Andere zufällige Wirkfaktoren seien die Position in der Geschwisterfolge bei der Berufswahl, der Geburtsmonat für die Aufnahme in Hockeyteams, der Geburtsmonat und die Einnahme von Führungspositionen an der High School, die als Voraussetzung für spätere höhere Verdienste betrachtet werden. Auch spiele der Anfangsbuchstabe des Nachnamens bei der Beförderung von Assistant Professoren an Lehrstühlen der Ökonomie eine Rolle, da bei gemeinschaftlichen Publikationen die Namen der Autoren alphabetisch aufgeführt würden.

Kapitel 3: Wie die Winner-Take-All Märkte die Rolle des Glücks vergrößern

In diesem Kapitel versucht der Autor die Frage zu beantworten, warum leistungsstarke Personen mit ähnlichen Begabungen und Ausbildungen oft so unterschiedliche Einkommen erhalten.

So habe es einst viele regionale Anbieter für die unterschiedlichen Produkte und Dienstleistungen gegeben, die nicht in direkter Konkurrenz zueinander standen. Heute seien durch den Ausbau der Verkehrswege (Straßennetz, Eisenbahn, Schifffahrtswege), durch das Sinken der Transportkosten sowie durch eine bessere Kommunikationstechnologie und geringere Handelsbarrieren Veränderungen in den Handelsabläufen eingetreten, die dazu führen, dass in vielen Bereichen des Marktes eine Konzentration auf wenige Anbieter stattfinde. Beispielsweise könne durch einen geringen Kostenvorteil bei der Produktion eines Produktes oder durch einen minimalen Qualitätsvorteil eines Produktes oder durch den Verkauf eines Produktes mit einer ihm innewohnenden (Werbe-)Botschaft die Basis für entscheidende wirtschaftliche Vorteile gebildet werden.

Die Winner-Take-All Märkte verfügen über zwei Merkmale. Zum Einen hängen die Belohnungen, die Erfolge, die wirtschaftlichen Gewinne weniger von der absoluten Leistung ab als von der relativen Leistung. Die Tennisspielerin Steffi Graf habe durch den verletzungsbedingten Ausfall ihrer Rivalin Monica Seles beispielsweise ihr Tennisspiel nicht in absoluter Qualität, sondern in relativer Qualität verbessert. Zum Anderen konzentrieren sich Belohnungen auf die Hände nur weniger Spitzenleistungsträger. So sei zum Beispiel durch die Produktion und die Verbreitung verschiedenartiger Klangträger die Anzahl der sehr gut bezahlten Sänger im Bereich der Klassischen Musik sehr niedrig. Der Markt brauche nicht mehr als „eine Handvoll“ Tenöre.

Kapitel 4: Warum die größten Gewinner fast immer glücklich sind

Je höher die Anzahl der Mitstreiter in einem Wettbewerb ansteige, desto entscheidender würden zufällige oder glückliche Ereignisse für einen Erfolg. Der Autor nennt an dieser Stelle die Vorteile des Rückenwindes in der Leichtathletik für die Erzielung neuer Rekorde, wie für den 100 m-Lauf, für den 110 m-Hürdenlauf, für den Weitsprung und für den Dreisprung.

Kapitel 5: Warum falsche Überzeugungen über Glück und Talent fortbestehen

Personen verlassen sich auf mentale Abkürzungen oder auf Faustregeln. Diese Regeln seien adaptiv, da sie Zeit und Mühen sparen, die im Gegenzug ihre fehlende Genauigkeit kompensieren. Eine ihrer Funktionen bestehe darin, dass sie die Motivation auf dem Weg zum Erfolg aufrecht erhalten.

Eine falsche Überzeugung bezüglich des eigenen Talentes sei der Lake Wobegan Effekt, eine selbstwertdienliche Verzerrung: Eigene Fähigkeiten werden als überdurchschnittlich eingeschätzt.

Kapitel 6: Die Last der falschen Glaubenssätze

Eine Dimension des persönlichen Glücks sei der Umstand, in einem hoch entwickelten Land geboren worden zu sein. Gesellschaften können für sich vorteilhafte Umweltbedingungen formen. Robert H. Frank nennt Beispiele für Verbesserungen der Umweltbedingungen aus den USA, die durch hohe Investitionen durchgeführt werden könnten, wie Straßensanierung, Brückensanierung, Dammsanierung, Renovierung von Schulgebäuden, Ausbau und Verbesserung der bestehenden Infrastruktur, Verbesserung der Schulbildung. Die Ausgaben hierfür überträfen die staatlichen Steuereinnahmen. Zum Einen bestehe das Glück über die vorteilhaften Umweltbedingungen, das in Kombination mit Talent und harter Arbeit zu hohen Einkünften für einige Personen führe. Zum Anderen bestünde die Abneigung der Wohlhabenden, Steuern zu zahlen, um mithilfe der Steuern in den Erhalt und den Ausbau der guten Umweltbedingungen zu investieren. Diese Abneigung sei durch zwei kognitive Irrtümer zu erklären: Durch die Annahme, dass höhere Steuern dazu führen, dass es schwieriger werde, das Gewünschte zu kaufen.Ebenso durch die Tendenz der wirtschaftlich erfolgreichen Personen, die Bedeutung des Glücks für ihr eigenes Leben zu unterschätzen.

Kapitel 7: Wir sind glücklich: Eine goldene Gelegenheit

Der Autor stellt an dieser Stelle fünf Prämissen vor, um die ökonomische Verschwendung zu reduzieren. Ausgehend von Faktoren, die zu einer Verschwendung führen können, wie die Bedeutung des sozialen Bezugsrahmens und der Rangkämpfe, wozu er auch das Wettrüsten zählt, schlägt er statt einer progressiven Einkommenssteuer eine steil ansteigende progressive Verbrauchssteuer vor. Ziel dieser Steuer sei es, durch staatliche Investitionen die Wiederherstellung und den Erhalt der Institutionen und der Infrastruktur zu finanzieren.

Kapitel 8: Dankbar sein

Robert H. Frank fasst die Argumente für die Verbrauchssteuer auf der Grundlage der Wertschätzung für die guten Bedingungen, die den materiellen Erfolg begünstigen, zusammen.

Es folgen:

  • Appendix 1: Er enthält statistische Berechnungen über die Rolle der oft geringen zufälligen Einflüsse auf die Ergebnisse von Wettbewerben.
  • Appendix 2: In ihm werden häufig gestellte Fragen zur progressiven Verbrauchssteuer beantwortet.
  • Anmerkungen
  • Index

Diskussion

In einer Kombination aus Autobiographie und Sachbuch beschreibt Robert H. Frank die Bedeutung des Faktors Glück für den wirtschaftlichen Erfolg Einzelner, den er immer zusätzlich zu den Faktoren Talent und Leistung sieht. Unter Glück versteht er einerseits unterstützende Umweltbedingungen und andererseits die Rolle zufälliger vorteilhafter Ereignisse. Als Resultat seiner Überlegungen postuliert er den Ersatz der Einkommenssteuer durch die Einführung einer Verbrauchssteuer. Er unterstützt seine Argumentation durch die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen aus der Ökonomie und aus der Psychologie. Seine Argumentation hat er in sich schlüssig, strukturiert und verständlich aufgebaut.

Fazit

Der US-amerikanische Autor Robert H. Frank bringt in „Success and Luck. Good Fortune and the Myth of Meritocracy“ eine subjektive Intention zum Ausdruck, die er durch verschiedene im Buch geschilderte autobiographische Episoden entwickelt hat. Er beschreibt sich selbst als einen der Besserverdienenden und wünscht sich den Ersatz der progressiven Einkommenssteuer durch die Einführung einer steil progressiven Verbrauchssteuer, um mit den daraus gewonnenen Einnahmen die Investitionen in die vorteilhaften Umweltbedingungen zu finanzieren, die zuvor die Basis für die wirtschaftlichen Erfolge gewesen sind. Als Ökonom führt er eine sachliche Argumentation, nennt die Pros und die Contras und verwendet wissenschaftliche Studienergebnisse zur Veranschaulichung. Kritisch hinterfragt er den „rechtmäßigen“ Anspruch der Verdienstgesellschaft nach größeren, teueren und verschwenderischen Statussymbolen.

Neben den beiden durch den Autor beschriebenen Glücksbegriffen – zum Einen die vorteilhaften Umweltbedingungen oder Lebensbedingungen, zum Anderen glückliche Ereignisse oder Zufälle – kann das Glück ergänzend als Wohlgefühl verstanden werden. Zwischen diesem gefühlten Glück und dem Monatseinkommen gibt es laut Studienergebnissen eine Beziehung. Das Glücksgefühl vergrößere sich durch steigendes Monatseinkommen, erreiche aber bei ungefähr 5000 Euro netto insofern ein optimales Maß, da es bei einem höheren Einkommen keinen signifikanten „Glückszuwachs“ mehr gebe.


Rezensentin
Dr. Barbara Mahmoud
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Zitiervorschlag
Barbara Mahmoud. Rezension vom 28.04.2017 zu: Robert H. Frank: Success and Luck. Princeton University Press (Oxfordshire, OX20 1TR) 2016. ISBN 978-0-691-16740-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22024.php, Datum des Zugriffs 18.11.2019.


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