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Jed Baker (Hrsg.): Anders denken lernen

Cover Jed Baker (Hrsg.): Anders denken lernen. Kognitive Verhaltenstherapie bei Autismus-Spektrum-Störungen. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2016. 80 Seiten. ISBN 978-3-17-030854-1. D: 14,00 EUR, A: 14,40 EUR.
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Entstehungshintergrund und Thema

Dieses Buch ist das zweite einer neuen Reihe Autismus konkret, die von Vera Bernard-Opitz herausgegeben wird. Sie zeichnet sich aus durch ein kompaktes Format (kurze Kapitel, Taschenbuchformat) und inhaltlich geht es um therapeutische Ansätze, die in Deutschland bisher weniger bekannt sind bzw. ein Nischendasein fristen. Dieses Buch hat die Kognitive Verhaltenstherapie bei Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) zum Inhalt.

Autor

Dr. phil. Jed Baker ist ein international renommierter Autismus-Experte und Leiter der sozialen Trainingsprogramme für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen der Milburn Public Schools (New Jersey, USA).

Aufbau und Inhalt

Das sehr kurze (2 Seiten) 1. Kapitel weist Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) als Erweiterung klassischer Verhaltenstherapie aus, ergänzt um Denken, Entscheidungsfindung, Sprache und Problemlösung (12.). Damit wird das Denken über sich und die Umwelt als Teil emotionaler Reaktion aufgefasst. KVT ist eine Richtung des Therapieansatzes Applied Behavior Analysis (ABA).

Das wiederum sehr knappe 2. Kapitel erläutert Begriffe aus der Verhaltenstherapie wie klassische und operante Konditionierung, kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze und biologische Einflüsse.

Kapitel 3 wendet sich der Methode an sich zu und greift mit Krisenmanagement und Prävention von herausforderndem und unkontrolliertem Verhalten eines der häufigen Themen bei Menschen mit ASS auf. Ausgehend von der Haltung der Eltern zu ihrem Kind geht es erst einmal um Intervention als Krisenmanagement, dann aber auch um Ursachensuche, was anhand eines Beispiels aus einem Schulalltag ausführlich dargestellt wird. Dazu gehört auch die Entwicklung eines Präventionsprogrammes, um zukünftig solche Situationen zu vermeiden oder anders mit ihnen umzugehen. Hinzu kommen noch allgemeine Tipps, um Eskalationen zu vermeiden oder zu minimieren wie z. B. Beachtung von Allergien, angenehme Dinge zur Verfügung stellen etc.

Da unangemessenes Verhalten häufig im Zusammenhang mit Ängsten (ent-) steht, ist es nun folgerichtig, dass diese im 4. Kapitel thematisiert werden. Auch hier geht es um das Erkennen des Problems, dessen Analyse und die Entwicklung von Schritten, um zukünftig einen konstruktiven Umgang damit zu finden oder sogar Ängste abzubauen.

Das 5. Kapitel hat das Unterrichten sozialer Fähigkeiten zum Inhalt, wo anhand von Videovorführungen oder social stories gutes Material zur Verfügung steht oder erstellt werden könnte, um dann mit den Kindern und Jugendlichen im Rahmen der Kognitiven Verhaltenstherapie über ihre Befindlichkeiten, Verhalten und Reaktionen zu sprechen.

Das 6. Kapitel enthält eine Reihe von Arbeitsblättern zu Themen aus den Bereichen Interaktion und Teilhabe, wo viele Menschen mit ASS häufig Probleme haben:

  • ein Gespräch beginnen und aufrechterhalten
  • Freundschaften schließen
  • Wo findet man Freunde?
  • Empathisches Zuhören
  • Anteilnahme und Fürsorge für die Gefühle anderer zeigen
  • Freundschaften vertiefen: vertrauliche Informationen teilen

Im 7. Kapitel gibt es auf knapp 3 Seiten eine Zusammenfassung, was als Kausalabfolge dargestellt wird: Umweltauslöser? Biologische Einflussfaktoren? Kognition/Denken? Verhalten und emotionale Reaktion? Konsequenzen der Umwelt (S. 133).

Diskussion und Fazit

Das Buch führt gut in die Methode Kognitiver Verhaltenstherapie ein und zeigt anschaulich auf, wie systematisch (nicht nur hier) vorgegangen werden muss, um einem als Problem definierten Verhalten auf die Spur zu kommen, es zu bearbeiten und einen konstruktiven und gelingenden Umgang damit zu finden. Dazu muss man kein ausgebildeter Therapeut sein, sondern hier lassen sich gut Anknüpfungspunkte für Eltern, Lehrer und Erzieher finden. Allerdings ist das Therapeutische wesentlich in der Kognition angesiedelt, was voraussetzt, dass die Klient_innen über entsprechende intellektuelle und kommunikative Fähigkeiten verfügen. Was das Buch ganz außer Acht lässt, ist die Beziehungsebene mit Ausnahme des Beginns von Kapitel 3, wo es um eine positive Haltung (der Eltern) geht.

Summary

This book is a good introduction to cognitive behaviour therapy for parents, teachers and child care worker. Also you get a good systematic to find reasons for problem behaviour.


Rezensent
Prof. Stefan Müller-Teusler
Homepage www.uelzen.paritaetischer.de
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Zitiervorschlag
Stefan Müller-Teusler. Rezension vom 11.05.2017 zu: Jed Baker (Hrsg.): Anders denken lernen. Kognitive Verhaltenstherapie bei Autismus-Spektrum-Störungen. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2016. ISBN 978-3-17-030854-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22029.php, Datum des Zugriffs 22.03.2019.


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