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Vera Bernard-Opitz, Vera Bernard-Opitz (Hrsg.): Lernen mit ABA und AVT

Cover Vera Bernard-Opitz, Vera Bernard-Opitz (Hrsg.): Lernen mit ABA und AVT. Applied Behavior Analysis und Autismusspezifische Verhaltenstherapie. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2016. 80 Seiten. ISBN 978-3-17-031675-1. D: 14,00 EUR, A: 14,40 EUR.
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Entstehungshintergrund und Thema

Dieses Buch ist das erste einer neuen Reihe Autismus konkret, die von Vera Bernard-Opitz herausgegeben wird. Sie zeichnet sich aus durch ein kompaktes Format (kurze Kapitel, Taschenbuchformat) und thematisch geht es um therapeutische Ansätze, die in Deutschland bisher weniger bekannt sind bzw. ein Nischendasein fristen.

Dieser Band hat Applied Behavior Analysis (ABA) und Autismusspezifische Verhaltenstherapie (AVT) zum Inhalt.

AutorInnen

Dr. Vera Bernard ist Psychologische Psychotherapeutin und deutsch- amerikanische Verhaltenstherapeutin. Sie ist Autorin, Herausgeberin einer amerikanischen Autismuszeitschrift und gibt ihre Erfahrung durch Workshops und Konferenzen weiter.

Dr. Christos K. Nikopoulus ist Verhaltenstherapeut und Direktor und Gründer von Autism Consultancy Services Ltd, London, UK.

Beide Autoren sind in der Fachwelt mit verschiedenen Publikationen bekannt.

Aufbau

Das erste Kapitel führt in das Thema ein, indem Verhaltenstherapie, ABA und AVT erklärt und voneinander abgegrenzt werden. Wichtig ist den Autoren, dass die Methoden evidenzbasiert sind, was in Kapitel 3 noch ausführlicher aufgegriffen wird.

Das zweite Kapitel ist mit etwas mehr als 2 Seiten sehr knapp, aber aufgrund der Diskussion in Deutschland um ABA als umstrittene Methode von großer Relevanz. Die Kritik an ausschließlich verhaltenstherapeutischen Ansätzen richtete sich gegen die Konditionierung, weil die Individualität des Menschen, seine Emotionen, seine momentane Situation und andere subjektiver Momente keine Rolle spielten. Die Autoren weisen darauf hin, dass selbstverständlich Gedanken, Gefühle, Motivation und organische Befindlichkeit für Verhalten relevant sind (S. 28) und auch ethischen Regeln folgen muss (ebd.), wozu es allerdings nur einen Verweis gibt.

Kapitel 3 geht auf die Evidenzbasierung ein und verweist auf amerikanische Studien, wonach es 4 Stufen von Evidenz gibt, die von nicht empfehlenswert bis höchst wirksam reichen. Natürlich gehört ABA in die Kategorie höchst wirksam. Das steht etwas plakativ im Raum, aber hier ist auch nicht der Raum für forschungsmethodische Diskurse und die Interpretation der Ergebnisse.

Mit Kapitel 4 geht es um den methodischen Ansatz, der mit Motivation und Verstärkern beginnt. Klassisch geht es darum herauszufinden, was das jeweilige Kind besonders gern mag und entsprechende Belohnungen daraus zu konstruieren.

Das 5. Kapitel ist das umfangreichste des Buches und zeigt sowohl Beispiele auf, wie auch diverse Unterteilungen von ABA. ABA wird als ein Dach verstanden, worunter sich differenzierte Ansätze subsumieren: diskretes Lernformat, Präzisionslernen, visuelle Hilfen/Pivotal Desponse Training, verbales Verhalten/verbale Behavior und kognitive Verhaltensmodifikation. Einige dieser Themen sollen in anderen Büchern in dieser Reihe ausführlicher dargestellt werden.

Kapitel 6 gibt sozusagen die Indikationen an, denn es geht darum, welches Lernformat für wen mit welchem Ziel eingesetzt werden soll. Mit etwas mehr als 2 Seiten fällt das recht schmal aus.

Den Abschluss des Buches bildet in Kapitel 7 die Darstellung der Ausbildungsmöglichkeiten in Deutschland sowie die in diesem Zusammenhang verwendeten Zertifikate. Das Literaturverzeichnis umfasst – bis auf die Publikation von Bernard-Opitz – nur englischsprachige Literatur, was es für so manchen interessierten Menschen schwer macht Literaturverweise nachzuverfolgen.

Diskussion und Fazit

Das Buch ist mit einigen Bildern illustriert und enthält zudem einige Merksätze sowie in kursiv gesetzte Beispiele. Es ist übersichtlich aufgebaut und gut lesbar. Allerdings hinterlässt es auch den Eindruck, eine Rechtfertigung für ABA zu sein, wobei insbesondere in Kapitel 5 die Reichweite und Vielfältigkeit dieses Ansatzes umrissen wird. Gleichzeitig führt die verkürzende und komprimierte Darstellung dazu, dass vieles verwirrend erscheint. Da helfen auch die Beispiele nicht, weil sie ein gewünschtes Verhalten darstellen, aber den Weg dazu nicht wirklich beschreiben.

Das Buch gibt einen Abriss zu ABA, was aber auch zahlreiche Fragen offen lässt, weil viele Dinge angepriesen werden und andere Aussagen plakativ im Raum stehen bleiben.

Als ersten Überblick zu ABA kann das Buch verwendet werden, für ein tieferes Verständnis der Methode reicht es nicht. Menschen, die sich im therapeutischen Umfeld von Menschen mit ASS befinden, können es als Hintergrundinformation heranziehen.

Summary

This book is an overview about ABA but many questions remain open. It is useful to get a first impression but not for understanding ABA as a method. It is might helpful for people who work directly with persons who have PDD, because it offers some background information.


Rezensent
Prof. Stefan Müller-Teusler
Homepage www.uelzen.paritaetischer.de
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Zitiervorschlag
Stefan Müller-Teusler. Rezension vom 10.05.2017 zu: Vera Bernard-Opitz, Vera Bernard-Opitz (Hrsg.): Lernen mit ABA und AVT. Applied Behavior Analysis und Autismusspezifische Verhaltenstherapie. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2016. ISBN 978-3-17-031675-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22030.php, Datum des Zugriffs 16.01.2019.


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