socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Karin Dollhausen (Hrsg.): Diversität und lebenslanges Lernen

Cover Karin Dollhausen (Hrsg.): Diversität und lebenslanges Lernen. Aufgaben für die organisierte Weiterbildung. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2016. 238 Seiten. ISBN 978-3-7639-5633-3. D: 39,90 EUR, A: 41,10 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Herausgeberinnen

Prof.in Dr.in Karin Dollhausen leitet das Programm „Organisiertes Lernen und Management“ im Forschungs- und Entwicklungszentrum des Deutschen Institutes für Erwachsenenbildung (DIE) und lehrt an der Universität Marburg.

Sonja Mundes ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Programm „Organisiertes Lernen und Management“ im Forschungs- und Entwicklungszentrum des Deutschen Institutes für Erwachsenenbildung (DIE)

Aufbau

Das Buch ist in der Reihe Erwachsenenbildung und lebenslanges Lernen des W. Bertelsmann Verlages erschienen, die mittlerweile 25 Bände umfasst. Der vorliegende Band geht eine Tagung zum Thema „Vielfalt Lebenslanges Lernen gestalten – Diversität als Herausforderung für den Weiterbildungsprozess“, des oben zitierten Institutes zurück, zu den 17 Autor*innen beitrugen. Die Herausgeberinnen gingen von der Tatsache aus, dass die Bildung erwachsener Menschen in einer zunehmend pluralen und heterogenen Gesellschaft organisiert wird, und dieser Tatsache Rechnung zu tragen sei. Der Band gliedert sich in folgende vier Kapitel:

  1. Diversität und (RE-)Konstruktionserfordernisse im Adressatenbezug
  2. Diversität als Orientierung und Spannungsfeld in der Organisations- und Personalentwicklung
  3. Diversität und Perspektive für die Angebotsentwicklung
  4. Diversität und die Erschließung von Lernräumen.

Inhalt

Die Verfasserinnen betonen schon im der Einführung, dass „die Beiträge darauf gerichtet sind, Vielfalt und Diversität als eine Herausforderung und Aufgabe der pädagogischen Planung und des Managements in Weiterbildungsorganisationen sichtbar zu machen.“

Das erste Beitrag im ersten Kapitel von Steffi Robak führt in den Begriffe Diversität ein, der aus der Management Theorie übernommen wurde. Er diskutiert die Dimensionen (Differenzlinien) von Geschlecht, Alter/Generation, Herkunft/Milieu, Bildungsvorraussetzung sowie kulturelle Differenz. Die Frage wird aufgeworfen ob Migrationserfahrung selbst eine Differenzlinie bildet und ob diese zeitweise dominierend wirkt.

Halit Öztürk und Sara Reiter diskutieren den Einfluss des Migrationshintergrundes auf die Teilhabequoten an verschiedenen Weiterbildungsangeboten. Hier einige Forschungsergebnisse: Die berufliche Weiterbildung spielt eine größere Rolle gegenüber der individuellen berufsbezogenen Weiterbildung in beiden Gruppen. Die Partizipation in der beruflichen Weiterbildung beträgt insgesamt 31,4 %, doch übertrifft die Zweite Generation mit Migrationshintergrund diese, mit 33,7 % sogar die Personen ohne Migrationshintergrund. (32,4 %). Geschlechtsspezifisch Unterschiede fallen in allen Gruppen zugunsten von Frauen aus. Unter Einbezug der familiären Situation verlieren Frauen jedoch ihren Vorsprung, wenn diese einen Migrationshintergrund haben.

Rainer Brödel diskutiert das Problem des funktionalen Analphabetismus in Lichte der Diversität während Thomas Pfeiffer soziale Ungleichheit, Lernkontext und Digitale Divide reflektiert.

Das zweite Kapitel beginnt die Christine Zeuners Reflexion über Bildungsberatung und Diversität. Es stellt ein sehr klares Modell der integrativen Bildungsberatung vor. Sie unterscheidet zwischen

* Informationsberatung

* Kompetenzentwicklungsberatung

* Laufbahnberatung

Die Lernberatung der Bildungsberater*innen folgende berufliche Handlungskompetenzen:

* Fachkompetenz

* Methodenkompetenz

* Soziale Kompetenz

* Reflexive Kompetenz

Stefanie Ernst reflektiert „Diversity Trouble“ im Management von Vielfalt und gelebter Differenz, am Beispiel der Teamarbeit. Sie findet heraus wie „überkommene, patriarchale Macht- und Autoritätsverhältnisse und die Weigerung sich von Frauen führen zu lassen, als auch das Unbehagen mit Behinderten zusammenzuarbeiten unter dem Deckmantel von Selbstorganisierter Teamarbeit erneut hervortreten.“

Die verstärkte Einbeziehung von qualifiziertem Personal mit Migrationsbiografien wird von Annette Sprung analysiert, wobei sie analog zum Begriff Sozial-Kapital den des Migration-kapital einführt.

Im dritte Kapitel reflektieren Martina Emke und Annika ???, wie „Blended Learning“ heterogene Ziergruppe Berufstätiger auf ein Hochschulstudium vorbereitet.

Informelles Lernen am Arbeitsplatz wird von Veronika Zimmer, Mathilde Günhage-Monetti und Anne Svet erforscht.

Therese E. Zimmermann präsentiert die Weiterbildungsangebote in der Schweiz vor dem Hintergrund zunehmender Diversität in der Eidgenossenschaft. Hier sind vor allem den Schweizer Kontext in dem 35 % der Einwohner*innen einen Migrationshintergrund haben, die verschiedenen Förderangebote von Bund, Kanton und Gemeinde informativ.

Im vierten und letzten Kapitel wird von Martin Rohs die Diversität und der Gebrauch von digitalen Medien in der Erwachsenenbildung diskutiert. In seinem Zwischenfazit folgert er, dass es im Umgangs mit Diversität bezüglich digitaler Median keine speziellen Empfehlungen gibt, und deren Einsatz individuellen Anforderungen gerecht werden muss. Er stellt fest, dass die Zusammenhänge von Diversität in der Nutzung digitalen Medien noch unzureichend erforscht ist.

Die Vielfalt der Lernorte in der Region Flensburg wird von Christiane Hof erforscht. Sie bemerkt, dass sich nicht alle Einrichtungen in gleicher Weise allen Themen widmen. Beispielsweise werden Wirtschaft/Politik sowie EDV von traditionellen Weiterbildungsorganisationen angeboten, während die Möglichkeiten zum Nachholden eines Schulabschusses, kulturelle Bildung, Gesundheit und Sport meistens von anderen Anbietern organisiert wird.

In ihrem Beitrag „Ist Dabeisein alles?“ analysiert Silke Schreiber-Barsch die Dialektik von Zugang und Barrieren in der Erwachsenenbildung. Sie stellt fest, dass Menschen mit Behinderungen meist in Sonder-Räumen der Behindertenhilfe träger weitergebildet werden.

Diskussion

Da die Beiträge des Bandes sind so divers wie die Herausforderungen der Weiterbildung in einer Interkulturellen Gesellschaft sind, fehlt diesem Band eine gemeinsame Mitte, was eine Diskussion erschwert. Des weiterem erschweren oft komplizierte Satzkonstruktionen den Zugang zum Thema, was nicht nur nicht Muttersprachler benachteiligt. Dies schmälert leider die Nützlichkeit einiger Beiträge für den Praktiker.

Anderseits regen einige Beiträge zum Weiterdenken, zu erweiterten Fragestellung und gegebenenfalls zur Entwicklung von Gegenstrategien an. Hier zwei Beispiele:

  1. So beobachtet Stefanie Erst, dass „überkommene patriarchale Macht und Autoritätsverhältnisse und die Weigerung sich sowohl von Frauen führen zu lassen, als auch ein Unbehagen mit Behinderten zusammenarbeiten … unter dem Deckmantel von selbstorganisierter Arbeit im Team erneuert und verdeckt“ werden. (S. 121)
  2. Silke Schreiber-Barsch stellt fest, dass Menschen mit Behinderungen zwar als reguläres Klientel formal anerkannt werden, sie aber meist in Sonderäumen, den Lernorten der Träger der Behindertenhilfe stattfindet. (S. 225)

Bei manchen Beiträgen wird die bereits existierende Diversität vor Ort in nicht berücksichtigt. So wird von Terese F. Zimmermann nicht analysiert, inwieweit offizielle Sprache eines Kantons (De, Fr, It.) den Zugang von Weiterbildungsangeboten in der Schweiz für Migranten aus Deutschland, Frankreich und Italien erleichtert, und mit vielleicht sogar mit Landesprachlern Parität herstellt.

Auch geht Christiane Hof in Ihrer Analyse der verschiedenen Lernorte nicht auf den bilingualen Status der Region Flensburg/ Flensborg ein.

Fazit

Der Band ist eine umfangreiche Dokumentation einer akademischen Tagung doch sind die Satzkonstruktionen und Sprache der Beiträge eine große Hürde für den Praktiker.


Rezensent
Andreas Wiesner
Der Rezensent ist pädagogischer Fachreferent der Fachstelle Zweite Lebenshälfte in Referat Erwachsenenbildung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Von 2001 bis 2014 war er in der intergenerativen Erwachsenenbildung und Gemeinwesenarbeit in der Grafschaft Cheshire tätig.
E-Mail Mailformular


Alle 2 Rezensionen von Andreas Wiesner anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Andreas Wiesner. Rezension vom 11.05.2018 zu: Karin Dollhausen (Hrsg.): Diversität und lebenslanges Lernen. Aufgaben für die organisierte Weiterbildung. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2016. ISBN 978-3-7639-5633-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22054.php, Datum des Zugriffs 18.08.2018.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Stellenangebote

Erzieher/innen, Eschborn

Leiter/in der Schulkindbetreuung, Freiburg

Weitere Anzeigen im socialnet Stellenmarkt.

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!