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Hans Jung: Personalwirtschaft

Cover Hans Jung: Personalwirtschaft. De Gruyter Oldenburg (Berlin) 2017. 10., aktualisierte Auflage. 1016 Seiten. ISBN 978-3-11-049205-7. D: 44,95 EUR, A: 45,40 EUR.
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Autor

Hans Jung, Prof. Dr., Dipl.-Ing., Dipl.-Kfm. lehrte an der Hochschule Lausitz am Standort Cottbus. Nach Stationen in der gewerblichen Wirtschaft unterrichtete er zunächst in Mönchengladbach an der Fachhochschule Niederrhein, wechselte dann nach Wernigerode an die Fachhochschule Harz und war ab 1998 in Cottbus tätig. Die Hochschule Lausitz wurde am 1.7.2013 mit der BTU Cottbus zur Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus – Senftenberg (btu) verschmolzen.

Entstehungshintergrund

Die betriebliche Personalarbeit soll auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse in einer modernen und praxisbezogenen Form dargestellt werden. Im Vordergrund steht die kritische Auseinandersetzung mit den aktuellen Instrumenten der Personalarbeit. In die 10. Auflage wurde neue Themenbereiche integriert, zum Beispiel Industrie 4.0, Wertewandel und die Vergütung von Vorständen und Aufsichtsräten.

Aufbau

Das Buch ist in fünf Teile, umfangreiche Abkürzungs- und Literaturverzeichnisse sowie ein Sachwortregister gegliedert. Es ist als in Lehrbuch aufgebaut und soll ideal zur Vorbereitung auf die Bachelor- und Masterprüfung sein, so der Autor. Es gibt daher zahlreiche farbige Abbildungen, die das Verständnis erleichtern. Was allerdings für ein Lehrbuch vielleicht nicht ausreichend ist, sind die Überprüfungsfragen, mit denen der Studierende seinen Lernstand feststellen kann; diese gibt es nur am Ende des jeweiligen Teils. Zudem fehlen die Lösungen. Es gibt allerdings vom Autor in 3. Auflage ein entsprechendes Arbeits- und Übungsbuch Personalwirtschaft.

Inhalte

Teil A: Grundlagen der Personalwirtschaft umfasst die Einführung, die Organisation und die Rechtsgrundlagen der Personalwirtschaft. Es werden kurz die theoretischen Ansätze, die Objekte, die Zielsysteme und die Personalpolitik geschildert. Im Kapitel Organisation erfolgt die Einordnung des Personalwesens in den Betrieb und es werden mögliche Formen aufgeführt. Das Arbeitsrecht wird zwischen individuellem und kollektivem Arbeitsrecht unterschieden, wobei letzteres erfreulich umfangreich dargestellt wird.

Teil B: Personelle Leistungsbereitstellung besteht aus fünf Kapiteln, die prozessual aufgebaut sind. Am Anfang steht die Personalbedarfsplanung mit den einzelnen Schritten und Methoden. Dem folgt die Personalbeschaffung, wobei insbesondere die Personalauswahl geschildert wird. Die Leistungserbringung wird in der Personaleinsatzplanung wiedergegeben, wobei es um Informationen, Stellen, Flexibilisierung und rechtliche Aspekte geht. Die Personalentwicklung wird in ihren Zielen und Aufgaben, Inhalten und unterschiedlichen (Bildungs-)Bereichen aufgeführt und endet mit den Methoden und der Erfolgskontrolle. Den Abschluss bildet die Personalfreisetzung, wobei zwischen Ursachen, Maßnahmen, Kündigungen und möglichen Abwicklungsstrategien unterschieden wird.

Teil C: Leistungserhalt und -förderung geht in vier Kapiteln auf die sogenannten „weichen Faktoren“ ein. Am Beginn des Teils steht die Motivation, in dem nicht nur Motive erklärt werden, sondern auch einige Grundmodelle der arbeitenden Menschen. Danach wird die Personalführung als Teil der Unternehmensführung geschildert: Führungs- und Führungsstiltheorien, Führungsprozess, -aufgaben und -prinzipien sowie Kommunikation. Im Kapitel Betriebliche Anreizsysteme werden Arbeitsbewertung, Lohnformen, Sozialleistungen sowie der Entgelt-Rahmentarifvertrag (ERA) des Metall- und Elektrogewerbes diskutiert. Den Abschluss bildet die betriebliche Sozialarbeit, in dem es vor allem um Gesundheit, Sucht und die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben, die work-life-balance, geht.

Teil D: Informationssysteme der Personalwirtschaft greift den immer wichtigeren Datenschutz personenbezogener Daten auf. Was sind eigentlich Personaldaten? Wie werden diese organisiert und aufbewahrt? Welche Personalinformationssysteme gibt es und worauf ist hierbei zu achten? Den Abschluss bilden die Personalbeurteilung und das Arbeitszeugnis, die vielleicht besser in den Teil B bzw. C gepasst hätten.

Teil E: Neue Tendenzen und Entwicklungen in der Personalwirtschaft ist, wie die Überschrift bereits verrät, ein Sammelbecken unterschiedlicher Themen. Zunächst geht es um die veränderten Rahmenbedingungen, zu denen Wertewandel, demographische Entwicklungen, Internationalisierung und Technischer Wandel gehören. Kapitel 2 beschäftigt sich mit den Konsequenzen für die Personalwirtschaft: Rolle der Führungskräfte, Flexibilisierung und Individualisierung sowie neue Ansätze in der Vergütungspolitik. Kapitel 3 greift Trends in Personalmanagement und Organisation auf, wozu das, gar nicht mehr so neue, Lean Management, Qualitäts-, Innovations-, Visionäres, Chaos- und Ganzheitliches Management vom Autor gezählt werden. Den Abschluss bildet ein Kapitel über Personalcontrolling, in dem verschiedene Aspekte beschrieben werden.

Diskussion

Ökonomen wie Backes-Gellner, Hax, Sadowski oder Scholz diskutieren seit den 1990er Jahre die Frage der Theorielosigkeit der Personalwirtschaft. Fragen der Arbeitsorganisation, der Entlohnung oder der Personalpolitik berühren viele Politikfelder, ökonomische Theorien und letztlich Fragen der Wirtschaftsethik und Ordnungspolitik. In der umfangreichen Literatur der Fachhochschuldozenten zur Personalwirtschaft, oder wie sie heute meistens genannt wird, zum Human Resource Management, werden wissenschaftliche Theorien und insbesondere ökonomische Theorien nur selten und wenn meist nur rudimentär aufgegriffen. Unter dem Verdikt der Anwendungsorientierung scheint Theorielosigkeit geradezu determinierend zu sein. Entsprechend wird mit der direkten Umsetzung in Beratung, Coaching oder betrieblichen Modellen argumentiert und nicht mit der wissenschaftlichen Fundierung der Überlegungen. Daher verbleiben viele personalwirtschaftliche Publikationen entweder auf einer rein deskriptiven Ebene oder sind direkt Beraterliteratur, die gängige Konzepte anstelle wissenschaftlicher Ableitung wiedergibt. Hierbei sollte man sich aber vergegenwärtigen, dass »nichts so praktisch ist wie eine gute Theorie!«, um einmal Kurt Lewin zu zitieren. Die hier besprochene Publikation darf den deskriptiven Büchern zugerechnet werden; trotz nur geringer Theoriebezüge ist sie aufgrund der umfassenden Darstellung durchaus mit Gewinn zu lesen.

Fazit

Wenn ein Lehrbuch in seiner 10. Auflage erscheint, dann darf man es mit Recht als Klassiker bezeichnen. Der Autor leitet sein Vorwort mit dem Satz ein „Da auch die neunte Auflage sehr rasch vergriffen war, konnte ich mich darauf beschränken, das Buch kritisch durchzusehen.“ Er muss also schon einiges richtig gemacht haben. Und dieses sind zweifelsohne die klare und verständliche Sprache, die wirklich umfassende Darstellung der Personalwirtschaft als betriebliches Wissensgebiet und die klare, weitgehend nachvollziehbare Gliederung des Textes. Als Lehr- und Lernbuch ist es mit seinen rund eintausend Seiten sicherlich sehr, sehr umfangreich. Es ist eher ein Kompendium für den Praktiker oder den Studierenden der Personalwirtschaft. In dieser Funktion hat sich dieses Buch seit Jahrzehnten im entsprechenden Fachbuchmarkt etabliert und auch die 10. Auflage wird diese Position halten können. Allerdings ist vor allem in den USA in den vergangenen Jahren das HRM in vielfacher Richtung weiterentwickelt worden, so dass eher der deutsche Status Quo in den Betrieben beschrieben wird als die sich abzeichnenden wissenschaftlichen Trends der HRM.


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
em. Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Human Resource Management und Berufsbildung sowie Sportmanagement an der Hochschule Koblenz
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 09.02.2017 zu: Hans Jung: Personalwirtschaft. De Gruyter Oldenburg (Berlin) 2017. 10., aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-11-049205-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22062.php, Datum des Zugriffs 23.08.2019.


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ISSN 2190-9245

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