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Heiner Böttger: Neurodidaktik des frühen Sprachenlernens

Cover Heiner Böttger: Neurodidaktik des frühen Sprachenlernens. Wo die Sprache zuhause ist. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2016. 256 Seiten. ISBN 978-3-8252-4654-9. D: 17,99 EUR, A: 18,50 EUR, CH: 22,90 sFr.
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Thema

Seit einigen Jahren ist es möglich, dem menschlichen Gehirn direkt beim Denken zuzusehen, vor allem mit der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) oder der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT). So lassen sich komplexe Kognitionen und neuronale Prozesse bildhaft darstellen, so scheint sich auch Freuds Prognose zu bewahrheiten, dass sich alle psychischen Ereignisse und Beschwerden immer auf physischer Ebene abbilden. Dass sich die neuesten Erkenntnisse der Neurowissenschaften nicht nur für Salutogenese und Pathogenese nutzen lassen, sondern ohne Weiteres ebenso für das Lernen von Sprachen, dass sie sowohl für die kindliche Sprachentwicklung als auch für den Spracherwerb in der Erstsprache und allen weiteren Sprachen zu funktionalisieren sind, beweist Heiner Böttger mit „Neurodidaktik des frühen Sprachenlernens“.

Autor

Prof. Dr. Heiner Böttger lehrt Didaktik des Englischen an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Die Schwerpunkte seiner Forschung liegen auf Neurodidaktik und Spracherwerb, sensiblen Phasen der Sprachentwicklung, Mehrsprachigkeitsdidaktik, evidenzbasiertem Fremdsprachenunterricht sowie auf den Themen frühes Fremdsprachenlernen und ästhetisches Fremdsprachenlernen.

Entstehungshintergrund

In seinem Vorwort schreibt Böttger, dass er sich vorgenommen habe, für die „Verarbeitung von Sprache bei Kindern und Jugendlichen“ Beweise zu suchen (S. 9). Dazu gebe es noch keine endgültigen Erkenntnisse, aber viele Puzzleteilchen seien inzwischen vorhanden, die sich allmählich zu einem vollständigeren Bild zusammensetzten. Sein Buch entstehe in einer „Zwischenphase“ auf dem Weg zu noch stärker gesicherten Erkenntnissen. Dem Autor liegt es vor allem am Herzen, eine interdisziplinär orientierte „Neuro-Sprachdidaktik“ zu entwickeln, die zuvorderst die Sprachentwicklung und das Erlernen von Sprachen in der frühen Kindheit in den Blick nimmt.

Aufbau und Inhalt

Böttger gliedert seine Publikation in insgesamt zehn Kapitel, die er in der Einleitung knapp auf Deutsch und auf Englisch resümiert. Diese bauen zwar aufeinander auf, können aber mit großem Gewinn einzeln bzw. selektiv gelesen werden.

„Was kann eine Neuro-Sprachendidaktik?“ – dieser Leitfrage widmet sich Böttger in seinem ersten Kapitel, indem er zwölf neurodidaktische Hypothesen aufstellt und diese auf fünf sprachrelevante Prinzipien reduziert, deren Kern mit Stichpunkten wie holistisches, paralleles Lernen in Beziehungen, fokussierte Aufmerksamkeit, Kognition, Intuition und Förderung umrissen werden kann. Bevor der Autor danach vorführt, „wo die Sprache zuhause ist“ und dabei „sprachenrelevante Hirnbereiche“ erläutert (Kap. 3), gibt er „tiefe Einblicke ins Hirn“ (Kap. 2). Dabei lässt er einschlägige bildgebende Verfahren knapp Revue passieren. Er beendet das Kapitel mit drei Beispielen, die illustrieren, wie hilfreich die Verfahren im Rahmen der Spracherwerbsforschung sein können. Konkret geht es um das „Forschungsfeld covert speech“, das „Forschungsfeld Lateralisierung“ und das „Forschungsfeld Sprechgeschwindigkeit“ (S. 38).

Kapitel 3 revidiert die weit verbreitete Auffassung, dass die Lautkommunikation des Menschen in erster Linie mit zwei Zentren in der Großhirnrinde, dem Broca- und dem Wernicke-Zentrum, auskomme. Sprache wird sehr facettenreich in ganz unterschiedlichen Hirnregionen verarbeitet, so etwa im präfrontalen Kortex, insbesondere im assoziativen Kortex, in dem die genannten Sprachzentren angesiedelt sind, gleichzeitig aber ebenso im limbischen System, dabei vor allem im Hippocampus. „Dopamin aus dem Mittelhirn“, aus der „Substantia nigra“, werde beim erfolgreichen Lernen, etwa beim Verstehen einer Sprache, ausgeschüttet. Positive Gefühle sind die Folge und damit eine Verstärkung des Lernens, die selbstredend ausbleibt, wenn das Lernen frustrierend und mit negativen Gefühlen behaftet ist.

Prä- und postnatale Sinnes- und Sprachentwicklung ist Gegenstand des vierten Kapitels. Ein erster „Spracherwerbsschub“ sei bereits bei zwei Monate alten Säuglingen zu beobachten, denn der „individuelle Komplexitätsgrad“ des Weinens und die dabei entstehenden Melodien erlaubten „Rückschlüsse auf die Entwicklung der späteren semantischen Sprachverarbeitung“ (S. 64). Wichtige Phasen in der Hirnentwicklung seien die Transitionen Kindergarteneintritt und Schulbeginn. Ab dem dritten Lebensjahr ungefähr beginne die Kompetenz, sich erinnern zu können, ab dem fünften Lebensjahr verringere sich die Gesamtzahl der Neuronen, später, nach dem ersten Lebensjahrzehnt, verliere das Gehirn seine schwächsten neuronalen Verbindungen und stärke demgegenüber die relevanten. Vor diesem Hintergrund beschreibt Böttger die Entwicklungsphasen der Sprache von den ersten Monaten über das erste Halbjahr (danach verliert das Kind die Fähigkeit, zwischen unbekannten Lauten zu unterscheiden), das Ende des ersten Lebensjahres (Ende der natürlichen Sprachwahrnehmungsphase), die Wortschatzexplosion im zweiten Lebensjahr bis hin zum Schulalter. Mit zwei Jahren seien „erste Prädispositionen für zwei- und mehrsprachiges Lernen grundgelegt“ (S. 74).

Wenn auch die phänotypischen Unterschiede zwischen Mann und Frau groß sind, so manifestieren sich diese Dimorphismen kaum in unterschiedlichen Hirnstrukturen oder -funktionen. Dennoch sei es unabdingbar, spracherwerbsbezogene Genderunterschiede didaktisch zu berücksichtigen. Dies ist Thema des 5. Kapitels („Differenzierung: Gender“), in dem zu Beginn betont wird, dass Gender als Geflecht von biologischem Geschlecht und sozialem Gender-Konstrukt zu begreifen ist. Obgleich in der Forschung zu genderspezifischen Unterschieden noch vieles ungeklärt sei, so gelte inzwischen als bewiesen, dass Mädchen beim Sprachenlernen Vorteile haben, unter anderem deshalb, weil beide Hirnhälften besser vernetzt sind. Außerdem entwickelten sich Myelinschichten in Sprachzentren des Gehirns bei Jungen später als bei Mädchen. In der sprachdidaktischen Praxis bedeute dies, dass die Aufmerksamkeitsspannen bei Jungen kürzer seien, was in Aufgabenformaten Berücksichtigung finden müsse.

Zu Beginn des 6. Kapitels („Hirngerecht Sprachen lernen und lehren“) stellt Böttger unmissverständlich klar, dass „beweisbares sprachendidaktisches Handeln […] keine Rezeptologie mit Methodenhörigkeit“ (S. 103) ist. Er listet interdisziplinär orientierte Forschungsdesiderata auf und geht im weiteren Verlauf dieses zentralen Kapitels auf die Bedingungen neuronalen Lernens ein, indem er zunächst lerneffiziente Neurotransmitter aufzählt: Acetylcholin, Noradrenalin, Dopamin, GABA, Serotonin und Glutamat. Je mehr Reize verarbeitet werden, je höher auch das bereits vorhandene Wissen ist, desto mehr werden synaptische Verbindungen aufgebaut und Transmitter können in verstärktem Maße in die Synapse gelangen. Diesen Prozess fördern positiver Stress, extrinsische und intrinsische Motivation, diesen Prozess hemmen Ängste. Böttger unterstreicht, dass Sprachenlernen in erster Linie auch motorisches Lernen ist, was an Aufnahmen des Gehirns vor und nach Bewegung, insbesondere nach aerober Ausdauer, unmittelbar abzulesen ist: bereits nach 20minütiger Bewegung ist es einfacher, zuvor Gelerntes, z.B. Vokabeln, zu memorieren. Synästhetisches Lernen, Lernen mit allen, miteinander vernetzten Sinnen und „Sprachenlernen im Vorübergehen“, d.h. implizites Lernen, können im Fremdsprachenunterricht mit selbstkonstruktiven Aufgaben angeregt werden und bedingen ebenfalls neuronales Lernen. Jeweils eigene Abschnitte verfasst Böttger zum „Hören lernen“, „Sprechen lernen“ sowie „Schreiben und lesen lernen“. Immer vermittelt er, wie die jeweiligen Prozesse auf neurophysiologischer Ebene vonstattengehen und darauf aufbauend legt er sehr detailliert dar, welche Übungen die jeweiligen Kompetenzen fördern. Das Kapitel endet mit einer Aufzählung der „wichtigsten Prinzipien“ für erfolgreiches Sprachenlernen, als da sind: „Neugier wecken“, „Relevanz herstellen“, „Restriktionsfrei lernen“, „Individualität fördern“, „Bereichernde Aufgabenformate vorhalten“, „Wiederholen und üben integrieren“, „Bilder“, d.h. sprachliche Bilder, Metaphern, „sprechen lassen“ und „Soziales Sprachenlernen organisieren“. Grob gesagt sollten alle Lernprozesse in hohem Maße individualisiert sein, simultan dazu jedoch auf Beziehungen setzen.

Auf das hirngerechte Lernen von Sprachen folgt die „Kulturtechnik Behalten“ und damit das „Gedächtnis“ (Kap. 7). Nach einer Aufschlüsselung nach Dauer der Gedächtnisleistung (sensorisches Gedächtnis, Kurzzeitgedächtnis, intermediäres Gedächtnis, Langzeitgedächtnis) und funktionalen Aspekten (explizites und implizites Gedächtnis) skizziert Böttger „Grundlagen des Memorierens von Sprache“. Am wichtigsten erweise sich dabei, dass der Inhalt, der enkodiert, gespeichert und später abgerufen werden solle, unbedingt verstanden werden muss. Ein Auswendiglernen von Regeln, die inhaltsleer bleiben, sei sinnlos. Zudem sei ein adäquater zeitlicher Abstand zwischen den aufgenommenen Informationen zu beachten und die Konzentration, mit der man sich diese aneigne. Daraus wiederum ergeben sich Konsequenzen für die Lernumgebung: es gelte, Lerninhalte zu reduzieren, diese strukturiert zu präsentieren, offene Lernformen und multimediale Techniken zu nutzen. Dass Lernen im Schlaf weitergeht, dass es sinnvoll ist, abends zu lernen und danach in einer ungestörten Umgebung zu schlafen, weil sowohl in REM-Phasen als auch in NREM-Phasen mit jeweils unterschiedlicher Akzentuierung relevante Informationen reorganisiert und abgespeichert werden und dass ein gesundes Gehirn einmal Gelerntes nicht vergisst, sondern die daran beteiligten Synapsen nur in einen Ruhemodus versetzt, sind Kernpunkte des Kapitels.

Kapitel 8 („Mehr als eine Sprache sprechen“) erweitert und vertieft Kapitel 4.2, in dem Meilensteine der allgemeinen Sprachentwicklung präsentiert werden. Das nun von Böttger ausgeführte Thema der frühen Bilingualität streicht die Chancen des simultanen Erstspracherwerbs, der „balancierten“ Bilingualität hervor. Während monolingual aufwachsende Säuglinge nach dem achten Lebensmonat nur noch auf muttersprachliche Signale reagieren, kennen bilingual aufwachsende Kinder ungefähr vier Monate später die Muster von zwei Sprachen (S. 178). Weitere positive Phasen für das natürliche Lernen einer zweiten Sprache seien das zweite bis vierte Lebensjahr, eine Zeit, in der auch unabhängig davon erste therapeutische Maßnahmen bei verzögerter Sprachentwicklung erfolgen sollten. Während bilingual aufwachsende Kinder im späteren Leben nahezu mühelos weitere Sprachen zu lernen scheinen, weil sie diese ins gleiche neuronale Netzwerk wie die ersten beiden integrieren, bilden monolingual aufwachsende Kinder für weitere Sprachen eigene Netzwerke aus. „Bilingualismus ist ein überlegenes Spracherwerbskonzept“ (S. 184), so lautet die logische Schlussfolgerung, aus der didaktische Prinzipien, so etwa das Lehren und Lernen in einem bilingualen Sachfachunterricht, abzuleiten sind.

In Kapitel 9 wendet sich Böttger vom eigentlichen Sprachenlernen ab, indem er sich mit „Brain food. Ernährung beim Sprachenlernen“ beschäftigt, vorab allerdings schon einschränkt, „dass die einzige wirkliche Gehirnnahrung zur Steigerung mentaler Leistungen Wissen ist“ (S. 189). Dennoch: die möglichst lange Gabe von Muttermilch, Nahrungsmittel, die Aminosäuren für die Synthese von Neurotransmittern bereitstellen und/oder vitaminreich sind, fördern die geistige Leistung und damit das Sprachenlernen.

Böttger beschließt seine Monographie mit Bemerkungen zum „Entwicklungspotenzial von Sprachlernprozessen“ (Kap. 10). Obwohl die neurophysiologischen Grundlagen für die Planung eines adäquaten Fremdsprachenunterrichts nicht ausreichen, lassen sich aus ihnen doch einige Planungsparameter eruieren. Zuerst geht es um eine neue Haltung zum Lernen von Sprachen, die auf die Eigenverantwortung der Lernenden setzt, dabei angeborene Hirnfunktionen, kognitive Lerneffekte und unbewusste Gedächtnisprozesse nutzt und darauf achtet, dass neu erworbenes Sprachwissen in Sprachhandeln umgesetzt werden kann. Zu identifizieren seien darüber hinaus „übergeordnete neurodidaktische Handlungs- und Aktionsfelder“ (S. 201), die auf Konzept-, Methoden-, Einstellungs- und Strukturebene liegen. Ein Übergang von „teaching zu learning“, von „preaching zu practising“ (S. 201) müsse erfolgen, es sei ratsam, auf die peer group als Lernpartner zu setzen und einen multimedialen Unterricht zu gestalten.

Die Informationsseiten am Ende des Buches bieten nicht nur ein Literatur- und Stichwortverzeichnis, sondern werden mit einem Glossar (vor allem nützlich für Leser, die sich noch nicht mit neurophysiologischen Begriffen auskennen) und einer Reihe von Fotografien der Gehirnanatomie ergänzt.

Diskussion

Das anspruchsvolle Unterfangen, die neurowissenschaftlichen Grundlagen der Sprachentwicklung und des (Fremd-)Sprachenerwerbs sowohl darzustellen als auch daraus didaktische Maximen abzuleiten, ist dem Autor in hohem Maße geglückt. In sehr komprimierter, eingängiger und damit didaktisch gut aufbereiteter Form unternimmt er einen Rundumschlag von der Kurzdarstellung des Gehirns und der Grundlagen des (Sprachen-)Lernens über das Gedächtnis und Bilingualismus bis hin zu Entwicklungsmöglichkeiten im Sprachenlernen. Merksätze im Text sind besonders gekennzeichnet. Dies bietet eine Orientierung für schnelle LeserInnen und im gleichen Maße die Möglichkeit, das bereits Gelesene ökonomisch zu repetieren. Am Ende des ersten, dritten und achten Kapitels befinden sich darüber hinaus Multiple Choice-Testfragen, die so konzipiert sind, dass sie für jeden einen Miniatur-Erfolg bereithalten und damit zu einer Dopamin-Ausschüttung führen dürften, mit der sich die Maxime „Nothing succeeds like success“ (S. 57) auf einer Mikro-Ebene bereits erfüllt.

Es bereitet große Freude, dieses Buch zu lesen, obschon (oder vielleicht weil) man auf viele neurophysiologisch begründete Erkenntnisse stößt, die einen hohen Bekanntheitsgrad haben, so etwa das „Use it or lose it-Prinzip“ oder auch alle Ausführungen zum „Brain food“. Meist entsteht eine ausgewogene Mischung von Neuem und Altem und auch letzteres erscheint wegen seiner Begründungszusammenhänge mitunter im neuen Gewand. Sehr begrüßenswert ist des Weiteren, dass Böttger sich eindeutig für frühes Lesenlernen ausspricht. Dabei würdigt er die Komplexität des Leseprozesses unter anderem deshalb, weil „der stärkere Informationsaustausch der verschiedenen Hirnareale bei der Verarbeitung der sensorischen Leseimpulse […] nicht nur die neuronalen Aktionsfelder“ verändert, „sondern anatomische Spuren“ hinterlässt (S. 142). Solche Sätze appellieren ohne Umschweife an die LeserInnen und sind Wasser auf die Mühlen aller Lesebegeisterten.

Bei allem Hymnischen sind dennoch ein paar Dinge zu monieren: manchmal springt Böttger sehr schnell vom Thema frühes Sprachenlernen zum Fremdsprachenerwerb bzw. es ist sogar nicht immer eindeutig, was er gerade in den Mittelpunkt stellt. Zwar überschneidet sich in diesen Bereichen vieles, dennoch ergibt sich das Desiderat einer stärkeren Systematik. Das gilt insbesondere für Kapitel 8, das man sich nicht als „Ergänzung und Vertiefung“ von Kapitel 4, sondern diesem integriert gewünscht hätte, und zwar mit der gebotenen Makrostrukturierung in Erst-, Zeit- und Fremdspracherwerb sowie mit einer zusätzlichen Binnendifferenzierung. Ob man in einer Neurodidaktik des Sprachenlernens in ökotrophologische Disziplinen vorstoßen sollte, sei dahingestellt. Zwar ist das Kapitel über „Brain food“ knapp und informativ, wirkt aber etwas aufgesetzt. Und ob Kaffee und dunkle Schokolade tatsächlich für das Sprachenlernen eher kontraproduktiv sind, wie Böttger behauptet, müsste in extenso diskutiert werden. Nicht zuletzt ist anzumerken, dass an manchen Sätzen – zwar nur an einigen wenigen, an diesen aber umso auffälliger – die Korrektur vorbeigegangen ist (z.B. S. 105, S. 117).

All dies tut jedoch der gut aufbereiteten Darbietung eines im Wortsinne unendlichen Themas keinen Abtrag. Böttger beabsichtigte, „auf der beweisbasierten, neurobiologisch-deskriptiven Ebene etwas Licht in die dunklen Bereiche lerntheoretischer Mythen und Annahmen zu bringen“ und „den aktuellen Status quo der Erkenntnisse“ zusammenzufassen, „die für die frühe (und natürlich auch spätere) (Fremd-)Sprachendidaktik und damit für alle an Sprachlehr- und -lernprozessen Beteiligten von Relevanz sind“ (S. 199). Dieses Ziel hat er vollumfänglich erreicht.

Fazit

Alles in allem hat Böttger ein Grundlagenwerk vorgelegt, das gute Informationen liefert und gleichzeitig als Basis für Planungsprozesse des Lernens dienen kann. Das Buch bietet einen hervorragenden Einstieg in die Neurodidaktik im Allgemeinen und das darauf begründete Sprachenlernen im Besonderen. Ein weiterer Pluspunkt ist die gute Verknüpfung von Sprachlerntheorie und Praxis des Sprachenlehrens. Was des Weiteren bleibt, ist die wohltuende Erkenntnis, dass man kindliche Gehirne nicht überfordern, sondern eher unterfordern kann. Diese sollte für die professionelle Haltung und das entsprechende Handeln von Lehrpersonen ein Leitstern sein.


Rezensentin
apl. Prof. Dr. Anne Amend-Söchting
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Zitiervorschlag
Anne Amend-Söchting. Rezension vom 24.11.2017 zu: Heiner Böttger: Neurodidaktik des frühen Sprachenlernens. Wo die Sprache zuhause ist. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2016. ISBN 978-3-8252-4654-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22078.php, Datum des Zugriffs 13.12.2017.


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