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Martin Schuster, István Hárdi: Kunsttherapie in der psychologischen Praxis

Cover Martin Schuster, István Hárdi: Kunsttherapie in der psychologischen Praxis. Mit therapeutischem Praktikum und Selbsterfahrungsanleitungen. Springer Medizin (Heidelberg) 2014. 163 Seiten. ISBN 978-3-642-44922-2. D: 34,99 EUR, A: 35,97 EUR, CH: 44,00 sFr.
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Thema

Prof. Dr. Martin Schuster beschreibt Einsatzmöglichkeiten der Kunsttherapie in der ärztlichen und psychologischen Praxis. Das Buch richtet sich insbesondere an interessierte Fachkräfte verschiedener Professionen ohne Fachkenntnisse im künstlerischen und kunsttherapeutischen Bereich.

Autor

Prof. Dr. Martin Schuster ist Diplom-Psychologe, Verhaltenstherapeut für Erwachsene, Kinder und Jugendliche sowie Kunst- und Gesprächstherapeut, Mitbegründer der „Kölner Schule für Kunsttherapie“ und war bis zu seiner Pensionierung 2010 Professor für Psychologie an der Universität Köln. Prof. Dr. Martin Schuster veröffentlichte zahlreiche Bücher über Angst- und Depressionstherapie, Kunsttherapie und Kreativität.

Entstehungshintergrund

Das vorliegende Rezensionsexemplar von Prof. Dr. Martin Schuster mit dem Titel „Kunsttherapie in der psychologischen Praxis“ ist die Neubearbeitung seines Buchs „Kunsttherapie“ von 1986. Neu hinzugekommen sind die Kapitel „Effizienz der Kunsttherapie“ und das Unterkapitel „Mentalisation und visueller Ausdruck“, letzteres verfasst von dem Psychiater István Hárdi.

Aufbau und Inhalt

Die sieben Kapitel erstrecken sich auf 149 Seiten. Ergänzend zum Text finden sich Fallbeispiele und 70 Abbildungen. Die Abbildungen zeigen Werke, darunter Fotos, Bilder, Plastiken etc., die im (kunst)therapeutischen Kontext entstandenen sind. Vier von sieben Kapiteln beinhalten einen Praxisteil („Praktikum“) mit Anregungen zur Selbsterfahrung. Das Buch schließt mit einem „Serviceteil“, dieser umfasst Literaturangaben und das Stichwortverzeichnis.

Das 1. Kapitel widmet sich der Frage „Was ist Kunsttherapie?“ in Abgrenzung zu anderen Therapieformen, wie z.B. der Mal- oder Beschäftigungstherapie. Mithin werden alternative Therapienamen sowie Vor- und Nachteile des Begriffs diskutiert. Schließlich werden Ergebnisse einer Befragung vorgestellt, wie Kunsttherapie von amerikanischen Psychologieprofessoren und Laien wahrgenommen wird.

Die Kunsttherapie hat sich aus heterogen therapeutischen Ansätzen entwickelt. Das 2. Kapitel thematisiert „theoretische Grundlagen“, Einbettung und Parallelen der Wirkfaktoren der Kunsttherapie in Bezug auf die unterschiedlichen therapeutischen Schulen, bspw. der Psychoanalyse, Tiefenpsychologie und Verhaltenstherapie. Auch genuin kunsttherapeutische Grundlagen werden beschrieben. István Hárdi stellt im Abschnitt „Mentalisation und visueller Ausdruck“ die Bedeutung des Terminus Mentalisation in der kunsttherapeutischen Praxis dar. Das Kapitel schließt mit einem Praktikum zu den „Grundlagen der Kunsttherapie“.

Im 3. Kapitel werden die„Indikation von Kunsttherapie und Einsatzfelder“ in der therapeutischen Praxis vorgestellt. Es wird sowohl auf unterschiedliche Patienten eingegangen (Alter, Bevölkerungsgruppen etc.), als auch auf verschiedene Symptome und Störungsbilder. Ebenso werden Konstellationen, bei denen die Kunsttherapie weniger geeignet erscheint, beschrieben. Der anschließende Praxisteil behandelt Einsatzfelder der Kunsttherapie im Selbstversuch.

„Methodische Varianten bei der Therapie mit bildnerischen Mitteln“ unter Einbezug verschiedener Materialien und therapeutischer Vorgehensweisen prägen das 4. Kapitel. Der Autor geht auf verschiedene therapeutische Settings, wie zum Beispiel Einzel- und Gruppentherapie, ein. Der Praxisteil bietet Möglichkeiten einige Methoden selbst zu erfahren, bspw. Fototherapie mit biografischem Bezug.

Kapitel 5 stellt die „Effizienz der Kunsttherapie“, die wissenschaftlichen Überprüfbarkeit der Wirksamkeit therapeutischer Maßnahmen in den Mittelpunkt mit Blick auf eine Etablierung der Kunsttherapie im Kanon der therapeutischen Verfahren.

Im 6. Kapitel „Kunst und Kunsttherapie“ wird die mögliche heilsame Wirkung von Kunst, wie dem Rezipieren von Kunst, als auch dem eigenen Kunstschaffen, dargestellt. Das Praktikum greift einige Beispiele heraus, wie die künstlerische Arbeit therapeutische Wirkung entfalten kann, bspw. ein Zuwachs an Anerkennung der Person bei der Ausstellung der eigenen Werke.

Das 7. Kapitel „Die Entwicklung der Kunsttherapie“ beinhaltet ein Plädoyer für die Kunsttherapie in der psychologischen Praxis. Es betont die Vorzüge des Einsatzes gestalterischer Methoden in der therapeutischen Arbeit. Prof. Dr. Martin Schuster beschreibt qualitative Anforderungen an Kunsttherapeut*innen. Des Weiteren bespricht er mögliche Perspektiven und Entwicklungen der Therapiepraxis.

Diskussion

Das vorliegende Rezensionsexemplar „Kunsttherapie in der psychologischen Praxis“ von Prof. Dr. Martin Schuster ist als Lehrbuch mit Praxisbezug konzipiert. Es ist kurzweilig geschrieben und mit insgesamt 163 Seiten sehr kompakt. Der Autor versteht es in kurzen Unterkapiteln einen fundierten, auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft basierenden Überblick über das jeweilige Themengebiet zu vermitteln. Die im Werk aufgeführten Literaturangaben (auch weiterführende Literatur) sind leserfreundlich und regen zum vertiefenden Studium an. Die 70 Abbildungen aus der kunsttherapeutischen Praxis tragen ebenfalls zur Anschaulichkeit des Beschriebenen bei. Das „Praktikum“ ermöglicht einen Transfer zwischen „Theorie“ und „therapeutischer Praxis“ und dürfte vor allem für Personen, die auf dem Gebiet der kunsttherapeutischen Arbeit unerfahren sind, den Einstieg in die Thematik erleichtern.

Insgesamt ist das vorliegende Buch „Kunsttherapie in der psychologischen Praxis“ von Prof. Dr. Martin Schuster eine gelungene Mischung aus theoretischen Erläuterungen und Praxisbezug. Auch für Laien auf dem Gebiet der Kunsttherapie ist es ein guter Einstieg in das kunsttherapeutische Tätigkeitsfeld, da die einzelnen Themengebiete eher „Übersichtscharakter“ haben und im weiterführenden Studium (siehe „weiterführende Literatur“) vertieft werden können.

Der Autor tritt als „kritischer Experte“ auf. Dem Buch liegt eine Vielzahl an Quellen zu Grunde. Die Quellenangaben finden sich im Fließtest wieder. Eine lebendige Auseinandersetzung mit dem Thema von Seiten des Autors wird deutlich und macht das Buch umso anregender.

Fazit

„Kunsttherapie in der psychologischen Praxis“ von Prof. Dr. Martin Schuster beinhaltet fundiertes, theoretisches Wissen über die Grundlagen der Kunsttherapie und schafft gleichzeitig den Bezug zur Praxis, indem eine Vielzahl kunsttherapeutischer Herangehensweisen und Methoden dargestellt werden. Diese werden nicht zuletzt durch eine große Zahl an Abbildungen für die Leser*innen anschaulich gemacht. Der Praktikumsteil schafft einen direkten Zugang zur kunsttherapeutischen Praxis.


Rezensentin
Dipl.-Kunsttherapeutin Evi Selmeier
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (VT)
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Zitiervorschlag
Evi Selmeier. Rezension vom 21.03.2017 zu: Martin Schuster, István Hárdi: Kunsttherapie in der psychologischen Praxis. Mit therapeutischem Praktikum und Selbsterfahrungsanleitungen. Springer Medizin (Heidelberg) 2014. ISBN 978-3-642-44922-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22107.php, Datum des Zugriffs 22.09.2019.


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