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Stefanie Kunz, Ulrike Scheuermann u.a.: Krisenintervention

Cover Stefanie Kunz, Ulrike Scheuermann, Ingeborg Schürmann: Krisenintervention. Ein fallorientiertes Arbeitsbuch für Praxis und Weiterbildung. Juventa Verlag (Weinheim) 2009. 3., aktualisierte Auflage. 210 Seiten. ISBN 978-3-7799-2053-3. 14,00 EUR.

Reihe: Edition Sozial.
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Thema

Zum Thema Krisenintervention /-beratung gibt es bereits eine ganze Reihe an Veröffentlichungen. Die jeweiligen AutorInnen setzen sich dabei mit Grundprinzipien, theoretischen Aspekten der Krisenintervention, Phasen der Beratung auseinander und verweisen auf einzelne Schritte des Vorgehens. Kriseninterventionen werden von verschiedenen Berufsgruppen, wie Medizinern, Psychologen, Pflegekräften, Sozialarbeitern etc. geleistet. Aber auch Feuerwehr und Polizei können involviert sein. Konkrete Arbeitsstrategien mit Klienten sind jedoch nach wie vor noch schwierig darstellbar. Hintergrund ist dabei die Vielfältigkeit der Menschen, ihrer Lebensweisen und ihrer Probleme, die ein differenziertes Vorgehen erfordern.

Autorinnen

Alle drei Autorinnen sind Psychologinnen, Stefanie Kunz und Ulrike Scheuermann verfügen zudem über zehnjährige Erfahrungen in der Krisenintervention. Stefanie Kunz ist außerdem ausgebildete Sozialpädagogin / Sozialarbeiterin. Sie ist heute Supervisorin, Trainerin und Fortbilderin. Ulrike Scheuermann arbeitet selbständig als Coach, Schreibcoach und Autorin. Ingeborg Schürmann ist promoviert und Psychologische Psychotherapeutin, Supervisorin und als wissenschaftliche Angestellte im Arbeitsbereich Klinische Psychologie und Psychotherapie der Freien Universität Berlin in den Fächern Klinische Psychologie und Gemeindepsychologie tätig.

Entstehungshintergrund

Vor dem Hintergrund der vorzufindenden Diversität möglicher Probleme und entsprechender Ansätze der Auseinandersetzung in der Krisenintervention, wird in dem Buch davon ausgegangen, dass es keine prinzipielle Lösung der Probleme in Krisensituationen geben kann, aber die Möglichkeit, diese zu mildern. Es wird daher, angelehnt an Ciompis Buch (u.a. Sozialpsychiatrische Fälle, 1985), der Versuch unternommen, sich an Fällen zu orientieren und zu zeigen, wie konkrete Beratungsstrategien und allgemeine Prinzipien zusammen spielen.

Aufbau

Das Buch bietet insgesamt eine Vierteilung an, nämlich eine Einleitung, die Darstellung von insgesamt zwölf Lernfällen, ein allgemeines, zusammenfassendes Kapitel und einen Schlussteil. Dabei sind die Lernfälle jeweils klar strukturiert in 1. einleitende Anmerkungen zur gesellschaftlichen Relevanz der jeweiligen Thematik und ihrem Stellenwert in der Krisenintervention, 2. die Darstellung des Fallbeispiels in seinem Einstieg, einer Handlungsskizze, einen Kommentar und die jeweils zentralen Interventionsschritte, 3. das Interventionsprinzip mit seinen Zielen und Methoden über das jeweilige Fallbeispiel hinausgehend und 4. in einen Literaturexkurs mit Literaturüberblick, relevantem Diskurs und differenzieller Krisenintervention.

Inhalt

In der Einleitung wird das Anliegen des Buches – Vorbereitung und Begleitung praktischer Krisenintervention – verdeutlicht. Außerdem wird darauf verwiesen, dass die ausgewählten Lernfälle, als Prototypen generierter Fälle, Typisches repräsentieren. Der Leser wird ferner auf den spezifischen Aufbau des Buches vorbereitet.

Es folgen 12 Lernfälle. Dabei handelt es sich um die Lernfälle:

  1. Trennung,
  2. Akute Suizidalität,
  3. Arbeitslosigkeit und Überschuldung,
  4. Häusliche Gewalt,
  5. Kind in der Krise am Beispiel eines sexuellen Missbrauchs,
  6. Entwicklungskrise im Jugendalter,
  7. Notfall Psychose,
  8. Depression,
  9. Menschen mit schwerwiegenden Beziehungsproblemen – Beispiel Borderline-Persönlichkeitsstörung,
  10. Angehörige eines Alkoholkranken in Sorge,
  11. Angst im Kontext einer Paarkrise und
  12. Diagnose: Chronische Krankheit.

Es werden dabei sowohl allgemeingültige, immer wiederkehrende Handlungsoptionen wie Ressourcenorientierung, Vernetzung etc., als auch die fallspezifischen Zugangsweisen verdeutlicht. So werden z.B. unterschiedliche Wissenshintergründe zu Beziehungsaspekten in Paarkonflikten oder bei der Arbeit mit Angehörigen suchterkrankter Menschen dargestellt. Auch die Zugänge bzw. Handlungsoptionen in der Krisenintervention sind daher im konkreten Vorgehen different. So wird im Beispiel ´Paarkonflikt` das Grundprinzip des Verstehens – kognitiv und emotional – hervorgehoben und die Haltung der Neutralität und Allparteilichkeit betont, um beiden Partnern gemeinsam gerecht zu werden. Im Beispiel ´Angehörige eines Alkoholkranken in Sorge` hingegen, steht das Interventionsprinzip: ´Entlastung ermöglichen` im Vordergrund. Dabei werden Empathie und Aufklärung sowie Abgrenzung und Schaffen unterstützender Netzwerke als mögliche Interventionen betrachtet.

Im allgemeinen, zusammenfassenden Kapitel Theorien und Konzepte der Krisenintervention wird zunächst ein historischer Rückblick in die Anfänge von Krisentheorien und Krisenintervention vorgenommen. Vor diesem Hintergrund werden Möglichkeiten der Begriffsdefinition zum Begriff Krise gezeigt. Krise wird demnach zwischen Alltagswelt, zwischen Stress und Depression platziert oder in seinen bestimmenden Merkmalen beschrieben. Dann wird auf Krisentheorien und Konzepte eingegangen. Nach Verweis darauf, dass es nach wie vor keine wissenschaftlich verbindliche Krisentheorie gibt, ziehen die Autorinnen die Darstellung wichtiger theoretischer Bezüge zum Verständnis von Krisen heran. Als Konzepte werden hierbei das Lebenslagenkonzept, das Konzept ´Selbstwertgefühl`, das Belastungs-Bewältigungsparadigma, das Ressourcenkonzept und das Konzept der Emotionspsychologie vorgestellt. Im Abschnitt Interventionskonzepte werden Aufträge und Aufgaben der Krisenintervention wie z.B. Prävention, Früherkennung und Information, Unterbringung abwenden etc. beschrieben. Auch auf bestimmte Struktur-Merkmale wird dabei eingegangen. Neben allen spezifischen Vorgehensweisen in einem konkreten Fall, gibt es dennoch allgemeine Handlungsmodelle, die am Ende noch einmal zusammengefasst werden.

Im Schlussteil werden notwendige Qualifikationen angesprochen, die Professionelle dazu befähigen, eine qualifizierte Krisenintervention zu leisten. Hierzu zählen Erfahrungen, Wissen, Handwerkzeug, Schlüsselqualifikationen und persönliche Qualifikationen, Reflexion und Lernkompetenz.

Diskussion

Das Buch richtet sich an Berufsgruppen, die in Kriseninterventionen involviert sind, aber insbesondere an PsychologInnen, SozialarbeiterInnen/SozialpädagogInnen und an jene, die darin ausbilden oder ausgebildet werden. Es bietet neben theoretischen Grundlagen vor allem prototypische Fälle zur Veranschaulichung allgemeiner und differenzierter Handlungsoptionen. Das macht Krisenintervention konkret vorstellbar und führt an dieses interessante und anspruchsvolle Arbeitsfeld praktisch heran. Die strikt eingehaltene Struktur und eine einfache verständliche Sprache, sowie die interessante Aufbereitung der Lern-Fälle lassen Kurzweil entstehen und nehmen die Anstrengung aus einem anspruchsvollen Arbeitsgebiet.

Fazit

Das hier vorliegende Buch hält unbedingt, was es verspricht: Es bietet Lern-Fälle und ist ein Arbeitsbuch für die Praxis und Weiterbildung in der Krisenintervention.


Rezension von
Dr. phil. Oda Baldauf-Himmelmann
Ausgebildete systemische Therapeutin / Familientherapeutin, Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin und Kulturwissenschaftlerin. Arbeitet als Akademische MA an der Brandenburgisch-Technischen Universität Cottbus/Senftenberg (BTU CS)
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Zitiervorschlag
Oda Baldauf-Himmelmann. Rezension vom 04.06.2010 zu: Stefanie Kunz, Ulrike Scheuermann, Ingeborg Schürmann: Krisenintervention. Ein fallorientiertes Arbeitsbuch für Praxis und Weiterbildung. Juventa Verlag (Weinheim) 2009. 3., aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-7799-2053-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2211.php, Datum des Zugriffs 15.07.2020.


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