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Heinz-Gert Papenheim, Joachim Baltes u.a.: Verwaltungsrecht für die soziale Praxis

Cover Heinz-Gert Papenheim, Joachim Baltes, Susanne Dern: Verwaltungsrecht für die soziale Praxis. Ein Handbuch für Sozialberufe. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2015. 25. Auflage. 528 Seiten. ISBN 978-3-943787-47-4. D: 20,00 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 28,90 sFr.
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Thema

„Ein Handbuch für Sozialberufe“ lautet der Untertitel. Sozialarbeiter / Sozialpädagogen kommen im Berufsalltag unweigerlich mit Behörden zusammen. Geht es doch darum, Rechte ihrer Klienten durchzusetzen, deren Pflichten zu kontrollieren und Angriffe / Eingriffe der Behörden abzuwehren. Da treffen Welten aufeinander, die sich in Denk-, Arbeits- und Vorgehensweise grundlegend unterscheiden. Aber es „geht nun 'mal nicht ohne einander“, werden sie sehr bald merken.

Für die Ausbildung Studierender der Sozialen Arbeit / Sozialpädagogik wurde dieses Handbuch geschrieben. Die Begründung findet sich im Vorwort, wo einer der Verfasser konstatiert: „Soziale Arbeit, die sich auf zwischenmenschliche Beziehungsarbeit beschränkt, wird ihrem Auftrag nicht gerecht. Als Katalysator staatlicher Sozialpolitik hat sie das soziale Umfeld mitzugestalten. Nur so kann sie insbesondere sozial Schwache unterstützen.“

Aufbau und Inhalte

Ein Schema erschließt sich auf ersten Blick nicht. Das Buch besteht aus 15 in sich geschlossenen Abteilungen, die mit Großbuchstaben abgekürzt werden und im Inhaltsverzeichnis aufgelistet sind. Diese Abteilungen umfassen ein wesentlich größeres Gebiet, als der Leser es von „Verwaltungsrecht“ erwarten würde: Neben den klassischen verwaltungsrechtlichen Gebieten (der Verwaltungsakt, Verwaltungsverfahren nach dem Sozialgesetzbuch) ist auch eine Abteilung dem Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung gewidmet, eine andere der kommunalen Selbstverwaltung oder den öffentlichen Sachen. Vom Titel „für die soziale Praxis“ ausgehend, wird klar, dass es eine Ansammlung öffentlich – rechtlicher Thermen ist, die mit Sozialarbeit / Sozialpädagogik zu tun haben können.

Das Inhaltsverzeichnis besteht nur aus den mit Großbuchstaben geordneten Abteilungen. Danach folgt ein sehr detailliertes Abkürzungsverzeichnis. An den Textteil schließt sich ein Literaturverzeichnis an.

Erst im Inhaltsverzeichnis für die jeweilige Abteilung wird der Inhalt des Kapitels detaillierter aufgeschlüsselt.

Der Text selbst ist in zwei Spalten dargestellt: Innen ist es farblich unterteilter Fließtext in schwarz und grün. In der farblichen Zuordnung ist kein System erkennbar. Der Text der äußeren, wesentlicher schmaleren Spalte (Verhältnis etwa 1/3 zu 2/3) ist kein Fließtext, sondern nur grün gedruckte Stichwörter, die den Fließtext entweder zusammenfassen oder auf Beispiele verweisen.
Schaubilder werden äußerst sparsam verwendet, auch Aufzählungszeichen, Listen oder ähnlich beliebte Visualisierungsmethoden sind rar im Unterschied zu sonstiger Ausbildungsliteratur für Studierende der Sozialen Arbeit.

Im Unterschied zu sonstiger Ausbildungsliteratur werden hier (teilweise zitierte) Quellen komplett angeben, z. B. Gerichtsurteile mit Datum und Aktenzeichen.

Diskussion

Den Aufbau würde ich als Manko bewerten: Ein Studierender der SozA / SozP weiß zunächst gar nicht, wo er nachschauen muß, er kann Begriffe wie „Träger der freien Jugendhilfe“, „Kostenersatz“, „Verwaltungsvollstreckung“ noch nicht einordnen und da hilft ihm das im vorderen Teil enthaltene Inhaltsverzeichnis erst einmal nicht weiter.

Überhaupt ist das Werk eher für den täglichen Gebrauch im Berufsalltag konzipiert als für Studium und Ausbildung. Auch wenn die Autoren im Vorwort auf Studierende abzielen, so erwähnen sie doch, dass viele Leser dieses Buch im Beruf lange nach Abschluss des Studiums nutzen. Und unter diesem Aspekt ist das Buch eine wahre Fundgrube. Wirklich jedes öffentlich – rechtliche Thema der Sozialen Arbeit wird angesprochen.

Die komplette Angabe der Quellen der Zitate hilft beim Recherchieren. Schade allerdings, dass die zitierten Urteile zu den „ältesten“ Vertretern in ihrer Kategorie gehören. Gerade im Bereich des Verwaltungsverfahrens hat sich bzgl. Anhörung oder Datenschutz in den letzten Jahren eine sehr detaillierte Rechtsprechung herausgebildet. Die hier erwähnten Urteile sind teilweise noch von 2005. Der Gerechtigkeit halber muß aber erwähnt werden, dass auch neuere Rechtsprechung erwähnt wird (wahrscheinlich war in diesem Kapitel ein anderer Bearbeiter am Werk).

Das Buch „Sozialverwaltungsrecht für die Soziale Arbeit“ von Rainer Patjens, Tina Patjens ist in einer Rezension als „Konkurrenzprodukt“ gewertet worden. Konkurrenz nur in dem Sinn, dass es sich auch hier um Sozialrecht für Sozialarbeiter und -pädagogen handelt. Ansonsten geht das Buch von Papenheim u. a. weit über den Rahmen (und den Umfang!) von Patjens hinaus. Dieser wendet sich auch ganz explizit an Studierende. Wollte man eine Reihenfolge empfehlen, würde sich das Werk von Patjens für die Ausbildung anbieten, Papenheim dann später für den Berufsalltag, zum Nachschlagen bei Problemen.

Fazit

Insgesamt eine Kaufempfehlung, nicht nur für Sozialarbeiter. Auch Mitarbeiter in Behörden und Anwälte, die sich nicht täglich mit Sozialrecht befassen, können hieraus Nutzen ziehen. Und für € 20,- ein Schnäppchen (lachhaft verglichen mit den Preisen für juristische Fachliteratur).


Rezension von
RA Marianne Schörnig
Fachanwältin für Sozialrecht, Düsseldorf
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Zitiervorschlag
Marianne Schörnig. Rezension vom 14.02.2017 zu: Heinz-Gert Papenheim, Joachim Baltes, Susanne Dern: Verwaltungsrecht für die soziale Praxis. Ein Handbuch für Sozialberufe. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2015. 25. Auflage. ISBN 978-3-943787-47-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22115.php, Datum des Zugriffs 31.05.2020.


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