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Bayerisches Staatsministerium der Justiz (Hrsg.): Der große Vorsorgeberater

Cover Bayerisches Staatsministerium der Justiz (Hrsg.): Der große Vorsorgeberater. Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Notfall, Erbfall. Verlag C.H. Beck (München) 2017. 140 Seiten. ISBN 978-3-406-69834-7. D: 12,90 EUR, A: 13,30 EUR.
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Thema

Nur zu wenige Menschen denken daran, für den Fall Vorsorge zu treffen, dass persönliche Angelegenheiten nicht mehr selbst erledigt werden können.

Die Praxis hat gezeigt, dass immer mehr Menschen aufgrund von Altersdemenz, Unfall oder Krankheit nicht mehr für sich selbst sorgen können. Die Deutschen werden immer älter, und mittlerweile gibt es hier über 1 Million Menschen, die einer Betreuung bedürfen. Wenn die Betreuung durch einen vom Gericht eingesetzten Betreuer vermieden werden soll, muss jeder durch geeignete Verfügungen vorsorgen. Aber es trifft nicht nur ältere Menschen. Auch junge Menschen können durch eine Krankheit oder einen Unfall schnell in eine Situation geraten, in der sie selbst nicht mehr dazu in der Lage sind, über ihre situativen Gegebenheiten selbst zu bestimmen. Was, wenn sie im Falle der Handlungsunfähigkeit über die eigenen Wünsche und Vorstellungen zu medi­zinischen Behandlungen nicht mehr entscheiden können?

Für Fälle dieser Art gibt es gesetzlich geregelte bestimmte Verfügungen oder Vollmachten, die hier situativ Klarheit schaffen könnten. Allerdings geht das nur zu einem Zeitpunkt, zu dem der Mensch noch psychisch und geistig dazu in der Lage ist.

Der große Vorsorgeberater erläutert für jedermann verständlich die wichtigsten Bereiche, die jeder für sich regeln sollte, und stellt die entsprechenden Verbundformulare zum Heraustrennen zur Verfügung: Durch eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht lässt sich sicherstellen, dass im Falle der Handlungsunfähigkeit die eigenen Wünsche und Vorstellungen zu medizinischen Behandlungen bestmöglich zur Geltung kommen. Mit einer Vorsorgevollmacht kann zudem eine rechtliche Betreuung vermieden und derjenige zu dem Vertreter bestimmen, dem am meisten vertraut wird. Über eine Betreuungsverfügung kann bereits gegenwärtig ein späteres Betreuungsverfahren inhaltlich beeinflusst und dafür gesorgt werden, dass im Betreuungsfall eine Person des Vertrauens an die Seite gestellt wird. Schließlich sollten Eltern mit minderjährigen Kindern eine Sorgerechtsverfügung verfassen. Der Vorteil ist, dass eine bekannte und vertraute Person die Vormundschaft übernimmt, falls beiden Elternteilen etwas zustößt.

Folgerichtig werden in dem Ratgeber auch die Bereiche Testament und Erbrecht abgehandelt und Hinweise bzw. Ratschläge hierzu gegeben.

Autorinnen und Autoren

Bestimmte Publikationen, wie u. a. dieser Ratgeber, werden im C.H. BECK Verlag nicht von einzelnen Autoren, sondern vielmehr von einer Autorengruppe erarbeitet. Dieser Gruppe gehören Juristen, Ärzte und sonstige versierte Mitarbeiter an. An der Erstellung der aktuellen Auflage der Broschüre haben mitgewirkt:

  • Professor Dr. Claudia Bausewein, Internistin, Palliativmedizin,
  • Dr. Jürgen Bickhardt, Internist, Kardiologe,
  • Professor Dr. Gian Domenico Borasio, Neurologe, Palliativmedizin,
  • Dr. Hans Dworzak, Anästhesist, Intensivmedizin,
  • Bernadette Fittkau-Tönnesmann, M.P.H., Anästhesistin, Palliativmedizin,
  • Professor Dr. Monika Führer, Kinderärztin, Palliativmedizin,
  • Bruno Geßele, Notar a. D.,
  • Karlo Heßdörfer, Jurist,
  • Dr. Hans-Joachim Heßler, Präsident des Landgerichts München I,
  • Brigitte Hirsch, Krankenschwester/Palliativfachkraft,
  • Professor Dr. Dr. Ralf Jox, M.A., Medizinethik, Neurologie, Palliativmedizin,
  • Professor Dr. Bernhard Knittel, Jurist,
  • Angelika Mertin, Diplom-Sozialpädagogin (FH),
  • Wolfgang Putz, Rechtsanwalt,
  • Josef Raischl, Hospizsozialarbeiter, Diplomtheologe,
  • Hermann Reigber, Diplomtheologe, Diplompflegewirt,
  • Dr. Susanne Roller, Internistin, Palliativmedizin,
  • Ursula Ruck-Köthe, Sozialpädagogin.

Die Ausführungen zur Notfallplanung basieren auf „Meine Vorsorgemappe – Vorsorge für den Notfall“, verfasst von Professor Dr. Ludwig Kroiß, Vizepräsident des Landgerichts Traunstein, und Brüne Soltau, Herzogenaurach.

Die Ausführungen zur Sorgerechtsverfügung sowie Testament und Erbfolge hat Dipl.-Finanzwirtin Ruth Bohnenkamp, Fachanwältin für Erb- und Steuerrecht verfasst.

Aufbau und Inhalt

Der Vorsorgeberater macht es leicht, sich schnell und zuverlässig zu informieren, durch

  • detaillierte Darlegung der Sach- und Rechtslage,
  • Gliederung in die wesentlichen Verfügungs- und Vollmachtsmöglichkeiten,
  • Hinweise zu Testament und Erbrecht,
  • Datenerfassungsteil für den Ernstfall und
  • Formulare für den sofortigen Gebrauch.

Der Inhalt gliedert sich dabei wie folgt:

  • Vorwort „Nicht aufschieben, bis es zu spät ist!“
  • Einführung
  • Die Vorsorgevollmacht
  • Die Betreuungsverfügung
  • Die Patientenverfügung
  • Die Sorgerechtsverfügung
  • Testament und Erbfolge
  • Meine Daten für den Ernstfall

Enthalten sind ferner eine Notfallkarte, die jeder bei sich tragen kann und ein Sachregister.

Diskussion

Selbstverständlich ist kein Bürger der Bundesrepublik verpflichtet, für sich Verfügungen und Vollmachten für besondere Fälle des Lebens zu gestalten. Die Praxis hat aber die Notwendigkeit dafür bewiesen, indem immer dann besondere Probleme oder Schwierigkeiten insbesondere mit „Dritten“ aufgetreten sind, wenn die besondere Situation oder die Notfallsituation eine klare situative Regelung erforderte bzw. erfordert. Oft sind Ärzte in Krankenhäusern unsicher, ob eine Organspende möglich ist. Unsicherheit besteht auch immer dann, wenn die Ärzte z. B. innerhalb der Familie eine Entscheidung über die weitere Behandlung fordern.

  • Soll der Mensch durch die Maschine am Leben erhalten werden, auch wenn keine Besserungsaussicht besteht?
  • Oder soll die Maschine abgestellt werden?
  • Und wer betreut mich, wenn ich meine Alltäglichen Geschäfte nicht mehr selbst wahrnehmen kann?
  • Und was geschieht, wenn der Erbfall eingetreten ist; wer kann dann etwas von meiner Erbmasse bekommen?
  • Und wie muss ich das Testament verfassen, mit der Schreibmaschine, dem Computer oder handschriftlich?

Natürlich können die in dem Vorsorgeberater dargestellten Hinweise und Informationen zumeist auch aus den Publikationen und Drucksachen der gesetzgebenden Gremien des Bundes mühsam herausgelesen und zusammengestellt werden. Es ist unschwer vorstellbar, dass eine solche Arbeit bei den tangierten Vorschriften der verschiednen Gesetze sehr aufwändig und mühsam ist. Die Fachgruppe des C.H. BECK Verlages hat diese Arbeit übernommen und präzise dargestellt, und das für einen besonders günstigen akzeptablen Preis.

Fazit

Dieser Vorsorgeberater ist der gesamten Bevölkerung, aber speziell denen sehr zu empfehlen, die in ihrer täglichen und/oder juristischen Arbeit mit dieser Materie regelmäßig zu tun haben. Er bietet für die Zielgruppen eine umfassende Menge an Material und kann sofort in der täglichen Praxis für jede einzelne Person nutzbar eingesetzt werden. Der kleine Preis von 12,90 Euro macht das sicher möglich.


Rezensent
Hans-Joachim Dörbandt
Rechtsberatung Kranken-/Pflegeversicherung, Rentenberater und Prozessagent -
Fachautor in den Bereichen Pflege, gesetzliche Pflegeversicherung, gesetzliche Krankenversicherung
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Zitiervorschlag
Hans-Joachim Dörbandt. Rezension vom 19.01.2017 zu: Bayerisches Staatsministerium der Justiz (Hrsg.): Der große Vorsorgeberater. Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Notfall, Erbfall. Verlag C.H. Beck (München) 2017. ISBN 978-3-406-69834-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22130.php, Datum des Zugriffs 27.06.2019.


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ISSN 2190-9245

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