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Volker E. Amelung, Daniela P. Chase u.a.: Die elektronische Patientenakte

Cover Volker E. Amelung, Daniela P. Chase, Dominika Urbanski, Nick Bertram, Sebastian Binder: Die elektronische Patientenakte. Fundament einer effektiven und effizienten Gesundheitsversorgung. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2016. 120 Seiten. ISBN 978-3-86216-331-1. D: 59,99 EUR, A: 61,70 EUR.

Stiftung Münch (Hrsg.).
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Thema

Stiftung Münch (Hrsg.)/ Amelung/ Binder/ Bertram/ Chase/ Urbanski: Die elektronische Patientenakte – Fundament einer effektiven und effizienten Gesundheitsversorgung. medhochzwei. 2017

AutorInnen

Zu den AutorInnen gehören neben dem Leiter des Institutes für angewandte Versorgungsforschung (inav), Prof. Dr. Volker Amelung, ebenso dessen MitarbeiterInnen Dr. Nick Bertram, Daniele P. Chase, Dominika Urbanski und Sebastian Binder.

Entstehungshintergrund und Thema

Im Auftrag der Stiftung Münch geht das Institut für angewandte Versorgungsforschung unter der Leitung von Prof. Dr. V. Amelung der Frage nach, wie die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePa) in Deutschland voranschreitet und wie sich diese in anderen Ländern gestaltet.

Aufbau

Der Inhalt des Fachbuches in fünf Hauptkapitel eingeteilt:

  1. Von der Karteikarte zur elektronischen Patientenakte
  2. Internationale Evidenzlage zur elektronischen Patientenakte
  3. Case Studies
  4. European Scorecard zum Stand der Implementierung der elektronischen Patientenakte auf nationaler Ebene
  5. Abgeleitete Handlungsempfehlungen für Deutschland

Einleitend finden sich das Vorwort sowie das Abkürzungsverzeichnis. Das Buch endet mit der Literatur, dem Anhang sowie Angaben zu (Die) Autoren.

Inhalt

In Kapitel 1 arbeiten die AutorInnen die Notwendigkeit der ePa heraus. Es wird deutlich, dass die Implementierung der ePa sich um die „Triade des Wollens, Könnens, Dürfens“ (S. 1) bewegt, wobei das Scheitern der Einführung in Deutschland im „Nicht-Wollen“ begründet ist. Nachweislich ergeben sich auf der Seite der Potentiale der ePa weitreichende Chancen bei der Optimierung der Patientenversorgung. Restriktionen wie Datenschutz und Zweckentfremdung, Finanzierung, Interoperabilität sowie Sicherheit werden kritisch hinterfragt. Mögliche Inhalte und Funktionen (aus technischer Sicht) der ePa werden in einer tabellarischen Übersicht zusammengefasst. Um den Status quo der ePa in Deutschland zu erfassen werden die politischen Entscheidungen nachgezeichnet. Aus der Bandbreite an nationalen und internationalen Begriffsbestimmungen zur ePa focussieren die VerfasserInnen die „patientenorientierte, einrichtungsübergreifende ePa“ (S. 11).

Kapitel 2 stellt zunächst Ziel, Fragestellungen und Methodik (eine Literaturrecherche) der Studie zur ePa vor. Zunächst konzentrieren sich die Forscher auf die Effekte der ePa auf die Patientenversorgung. Bettet man die ePa in die Health Information Technology ein, häufen sich in diversen Evaluationsstudien Funktionalitäten, die durch Amelung et. al. zusammengetragen und analysiert wurden. Wobei die Evidenzlage zur ePa aus der Perspektive als klinisches Tool, aus dem Blickwinkel zum Austausch von Gesundheitsdaten sowie als drittes bezüglich der Einbindung der Patienten zu persönlichen Patientendaten über Portale und ähnliche Lösungen betrachtet wird. Vor dem Hintergrund der Versorgungsvorteile werden Barrieren zur Implementierung der ePa analysiert und daraus folgernd Faktoren zur Optimierung der Implementierung der ePa aus der Sicht der Leistungserbringer (Mediziner u.a.) diskutiert. Zusammenfassend kann eine positive Evidenzlage der Health IT-Anwendungen evaluiert werden, auch wenn insgesamt die systematische Bewertung der Health IT-Anwendungen aufgrund der Heterogenität nur begrenzt möglich war.

Die Case Studies in Kapitel 3 beleuchten die Situationen der Implementierung der ePa in verschiedenen Ländern (Dänemark, Israel, den USA, Österreich) und den Firmen Apple sowie Google. Strukturell wird jeweils das Gesundheitssystem kurz umrissen, die Entwicklungsgeschichte der ePa beschrieben, der Status quo der ePa dargestellt, Evaluationsergebnisse vorgestellt und abschließend im Fazit die wesentliche Ergebnisse bzgl. der Fachdiskussion in Deutschland zusammengetragen. Interessant für RezipientInnen ist vor allem die Analyse der Scheiternserfahrung des Internetgiganten Google.

Mit der Entwicklung der European Scorecard zum Stand der Implementierung der ePa in Kapitel 4 hilft es den Status quo zum Stand der Umsetzung in Deutschland in einen europäischen Rahmen zu setzen. Dank diverser Indikatoren, die aus Eurostat/Health Consumer/Europäische Kommission/OECD herausgefiltert wurden, kann ein Abgleich der Entwicklung in Deutschland mit anderen europäischen Ländern erfolgen. Im Ergebnis zeichnet sich ein erheblicher Rückstand bei der Implementierung der ePa in Deutschland insbesondere gegenüber den nordeuropäischen Staaten ab.

In Kapitel 5 leiten Amelung et. al. Handlungsempfehlungen für die Implementierung der ePa ab. Im Fazit bleibt die Erkenntnis, dass auch die Medizin und auch das Gesundheitswesen zukünftig durch innovative Technologien beeinflusst wird.

Diskussion und Fazit

Obwohl die ePa mit ihren Vorteilen grundsätzlich nicht mehr in Frage gestellt wird, konnte sie sich bisher nicht in Deutschland durchsetzen. Gründe dafür zu evaluieren und im internationalen Vergleich die Implementierung der ePa zu analysieren ist Ziel der vorliegenden Studie. Die Darstellung der Studienergebnisse wird unterstützt durch zahlreiche Abbildungen. Die Empfehlungen für die Implementierung der ePa in Deutschland sind kompakt und praxisorientiert. Die Spezifik der Thematik und auch die kompakte Darstellung der Ergebnisse der Literaturrecherche grenzt jedoch die Zielgruppe der Rezipienten ein. Für das Verständnis moderner Managementprozesse, für die Effizienz in der Krankenversorgung bilden die gewonnenen Erkenntnisse dieses Buch einen Meilenstein.

Den VerfasserInnen gelingt mit dieser Veröffentlichung die Sensibilisierung der Leserschaft für die ePa. Die Diskussion der Vorteile und Grenzen wird in Bezug gesetzt zu internationalen Erfahrungen mit der ePa. Dies geschieht sehr anschaulich und verständlich. Anhand der Forschungsergebnisse und des internationalen Vergleiches steht es den LeserInnen frei sich über die Sinnhaftigkeit und Handhabbarkeit der ePa eine Meinung zu bilden. Zusammenfassend ist dieses Fachbuch uneingeschränkt empfehlenswert für Entscheidungsträger im Gesundheitswesen bzw. in der Gesundheitsversorgung Tätige.

Discussion and Summary

Even if there is no discussion anymore about the electronic patient record (EPR) with all its advantages, it is not yet established in Germany. The study has two aims: The evaluation of reasons for the refusal of the EPR and the analysis of the implementation in an international comparison. The presentation of the final results is illustrated by numerous figures. Recommendations for the implementation of the electronic patient records in Germany are oriented to practical use and hold compact. But both, the specifics of the topic and the compact presentation of the result from a literature research lead to restrictions of the audience.

The conclusions of this book are considered to be a milestone for the comprehension of modern management processes and the efficiency of patient care.

Through this publication the authors manage to sensitize the audience for the topic of the EPR. The discussion about the advantages and barriers of the EPR is also closely related to international experiences in practical use with the electronic reporting systems. Descriptive and comprehensible explanations make it easy to work out the conclusions. The research results and the international comparison invite the readership to come to an own opinion about the purpose and the handling of electronic health record systems. Summarized this specialist book is very recommended for decision makers in the public health sector as well as for people who are employed in health care services.


Rezensentin
Prof. Dr. phil. Barbara Wedler
Homepage www.sa.hs-mittweida.de/professuren/prof-dr-phil-bar ...
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Zitiervorschlag
Barbara Wedler. Rezension vom 04.10.2017 zu: Volker E. Amelung, Daniela P. Chase, Dominika Urbanski, Nick Bertram, Sebastian Binder: Die elektronische Patientenakte. Fundament einer effektiven und effizienten Gesundheitsversorgung. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2016. ISBN 978-3-86216-331-1. Stiftung Münch (Hrsg.). In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22135.php, Datum des Zugriffs 20.10.2017.


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