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Schatzsuche bei Kindern - Das VERSTEHEN als besondere Kunst

Cover Schatzsuche bei Kindern - Das VERSTEHEN als besondere Kunst, die Einzigartigkeit eines jeden Kindes zu entdecken. AV1 Pädagogik-Filme (Kaufungen) 2017. 23,00 EUR.

DVD. Zu bestellen unter av1-shop.de.


Thema

Vor dem Hintergrund der Profession der Hirnforschung wird besprochen wie es gelingen kann Kinder in ihrer Entwicklung so zu begleiten, dass aus ihnen, sich ihres Selbst bewusste, unabhängige, kreative, sozial entwickelte und reife Persönlichkeiten werden können.

Herausgeber

AV1 produziert seit 20 Jahren als eigene Firma, vorher schon 10 Jahre lang im Rahmen von Auftragsarbeiten, Pädagogik-Filme für „Menschen, die mit Kindern wachsen wollen“. Eines der Formate hierzu ist es, besondere Fachkräfte aus pädagogisch therapeutischen Wissenschaftsgebieten zu verschiedenen Themen zu interviewen.

Sprechende

Der Inhaber und Produktionsleiter, Kurt Gerwig holt den Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther zu einem Spaziergang ab. Es wird begleitend gefilmt, wie die beiden Männer das oben genannte Thema besprechen.

Entstehungshintergrund/Darbietungsrahmen

Prof. Dr. Hüther ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Hirnforschung. Zudem ist er in der Lage komplexe Forschungsergebnisse allgemein verständlich, humorvoll mit Ausflügen in sein persönliches Leben darzustellen. So kann es nicht verwundern, dass er einer der begehrten Interviewpartner für AV1 sein musste.

Auf dem parkartig angelegten Gelände des Rittergutes Besenhausen im Landkreis Göttingen in Südniedersachsen, wo Prof. Dr. Hüther phasenweise lebt, bekommt der/die interessiert zuhörende Zuschauer_in bei einem Spaziergang ein frühherbstliches Ambiente geboten, das die akustischen Anregung zusätzlich optisch bereichert.

Zielgruppe

Alle, an der Erziehung von Kindern Beteiligten.

Aufbau

Das Gespräch wird in sechs Abschnittenaufbereitet.

Nach der Einleitung durch Kurt Gerwig, in deren Verlauf er seinen Gesprächspartner abholt, geht es um die Suche nach der Einzigartigkeit eines jeden Kindes, die erkannt und gefunden werden will. Vergleichbar mit einem Schatz, der zu heben ist. Dazu muss verstanden werden, wie sich das Einzigartige im jeweiligen Individuum ausdrückt. Das zu erfassende Subjekt darf dabei keinesfalls zum Objekt anderer Interessen werden. Anschließend wird dieser Zusammenhang betrachtet und klar festgestellt, dass die Aufgabe zu verstehen und das Kind als Subjekt zu behandeln, einander bedingen. Wenn das nicht der Fall ist, wird das Subjekt missbraucht.

Schließlich mündet diese Menschensicht und Erziehungshaltung in ihre politische Dimension. Als gesellschaftliche Grundhaltung in allen Lebensbereichen einer Gemeinschaft wirkt es sich gesellschaftspolitisch aus, Respekt vor dem subjektiven Individuum und seinen einzigartigen Wesenszügen zu haben, ebenso, wie dieses nicht zu haben.

Inhalt

In den vorher dargestellten sechs Abschnitten des Gespräches, werden die genannten Aspekte näher ausgeführt. Teilweise an den Erfahrungen in seiner eignen Familie mit zwei Töchtern deren Lebensweg er begleitet, teilweise mit Ergebnissen aus seiner Forschungsarbeit, leitet Prof. Dr. Hüther mühelos von seiner Grundannahme zu den einzelnen Haltungen und Ergebnissen über. Besonders wichtig ist ihm hier, dass die Erziehenden offen, unvoreingenommen, neugierig und vor allem, ohne ein eigenes vorgefasstes Interesse, auf die zu Erziehenden schauen.

Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang das Forschungsergebnis, dass im Gehirn des Menschen die selben Areale auf Ausgrenzung reagieren, die in anderen Zusammenhängen auf körperlichen Schmerz reagieren. Das kann durch die heutigen Bild gebenden Untersuchungsmethoden des Gehirnes sichtbar gemacht werden. Und – diese Reaktion erfolgt in jedem Lebensalter! Eine Erkenntnis zum Thema – Folgen seelischer Gewalt –, die in vielen Bereichen unseres Lebens bekannt sein sollte (z.B. in Jugendämtern).

Prof. Dr. Hüther führt aus, dass zum VERSTEHEN, so wie er es meint, gehört, dass der Erzieher praktisch im Rollentausch mit dem Kind, die notwendige Einfühlung in seine Lage üben sollte. Durch das Einnehmen von dessen Perspektive, dem Erkennen seiner Motivation und der Zielrichtung seiner Interessen würde er in der Lage sein, sich in das Kind hinein zu versetzen, sein Wesen zu erfühlen.

Erst dann entsteht ein Prozess, der wirklich ein „aufeinander bezogen sein“ der Akteure über ein gemeinsames Thema, zur Folge haben kann. Dieses aufeinander bezogen sein auf Augenhöhe nennt er später den ko-kreativen Prozess. Über einfühlsame Begegnung das Lernen als gemeinsamen kreativen Prozess zu erleben. Empfänger bezogenes Lernen.

Zusammengefasst: Ein Kind braucht Vorbilder, eine unvoreingenommene Lehrperson, die die Maßstäbe und Interessen des Kindes erforscht um dann, mit dem Kind zusammen, den Schatz seiner besonderen Persönlichkeit, mit seinen besonderen Bedürfnissen und Fähigkeiten, heben zu können. Ein positiver, natürlicher, vom Kind und durch das Kind gestalteter Prozess in dem der Erwachsene fragt, nicht immer nur antwortet.

Diskussion

Die politische Dimension einer solchermaßen durchgeführten Erziehung junger Menschen liegt auf der Hand. Wer unabhängig von den Interessen anderer aufgewachsen ist, verfügt über eine eigene und unabhängige Urteilsfähigkeit. Respekt vor der Andersartigkeit seiner Mitmenschen öffnet die Gemeinschaft für alle Bedürfnisse, Hautfarben, Haltungen und Wesenszüge, so lange sie anderen Menschen nicht schaden. Und das tun sie nicht weil ihnen der Respekt vor dem Anderen inhärent ist. Wertvoll und, derzeit leider auch utopisch wäre eine Gesellschaft, die respektvoll die vielen Schätze ihrer einzelnen Mitglieder hebt?

Jedenfalls ist es eine sehr schöne Vorstellung von einer humanistischen Gemeinschaft. Dem entgegen steht unsere hektische, auf schnelle Wirkungen abzielende und individualisierende, im Sinne von das Individuum einsam machenden Gesellschaft. Trotz oder gerade wegen des vielen Kontaktes, den unser Alltag mit sich bringt und der oft so wenig Bedeutung hat. Bedauerlicherweise wird in unserer Zeit das Subjekt so oft zum Objekt macht, dass viele Menschen die Wohltat eines wirklich verstandenen und gesehenen Werdens nicht erleben dürfen, obwohl diese ein zutiefst menschliches Bedürfnis ist.

Fazit

Dieser Lehrfilm, der in der Form eines Spazierganges daher kommt, lehrt auf angenehme Weise. Er ist anregend anzuschauen und trotz seiner anspruchsvollen Themengebung durch die Leichtigkeit und Authentizität mit der Prof. Dr. Hüther seine umfassenden Kenntnisse erläutert, verbunden mit seiner sympathischen Persönlichkeit, unterhaltsam und zum Nachdenken einladend.

Eine gute Idee in einem ungewöhnlichen Format präsentiert. Sehr anschauenswert.


Rezensentin
Dipl.-Soz.Päd. Dagmar Fiebiger
Psychodramaleiterin.
Jugendgerichtshilfe in versch. berliner Bezirken, KoLeiterin der Jugendarrestanstalt Berlin, soziale Gruppenarbeit mit gewaltbereiten Kindern und Jugendlichen in verschiedenen berliner Schulen, Regionaler Sozialdienst und Einrichtungsmanagement im Jugendamt Berlin, Tempelhof/Schöneberg
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Zitiervorschlag
Dagmar Fiebiger. Rezension vom 08.03.2017 zu: Schatzsuche bei Kindern - Das VERSTEHEN als besondere Kunst, die Einzigartigkeit eines jeden Kindes zu entdecken. AV1 Pädagogik-Filme (Kaufungen) 2017. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22139.php, Datum des Zugriffs 05.12.2019.


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