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Erich Schöndorf: Terrorziel Wasser. Öko-Thriller

Cover Erich Schöndorf: Terrorziel Wasser. Öko-Thriller. Nomen (Frankfurt) 2017. 388 Seiten. ISBN 978-3-939816-37-9. D: 16,90 EUR, A: 17,40 EUR.
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„Der Geist Gottes schwebt auf dem Wasser“

In der Schöpfungsgeschichte des Alten Testaments wird, wie bereits vorher bei den Sumerern und Babyloniern, und danach auch bei vielen Religionen und Weltanschauungen, dem Wasser eine „göttliche“, also übernatürliche Eigenschaft zugewiesen. In den philosophischen und anthropologischen Erzählungen stellt hydôr = Wasser, eines der vier irdischen, unteilbaren und nicht weiter zerlegbaren Elemente dar. Wasser ist, im Sinne der menschenrechtlichen und demokratischen Position, Allgemeingut für die Menschen. In der Hydrologie wird die Verteilung und Verfügbarkeit des Wassers auf der Erde in einer prozentualen Tabelle aufgelistet. Demnach stellen Ozeane und Meere 97,2 %, Gletscher und Eiskappen 2,15 %, Grundwasser 0,625 %, Seen und Flüsse 0,0091% und Atmosphäre 0,001% der Wasservorräte auf der Erde.

Bevölkerungszunahme, Industrialisierung und extensiver, privater Wasserverbrauch und Klimawandel führen dazu, dass die für den Menschen nutzbaren Wasservorräte zur Neige gehen. Wasserverschmutzung gilt als eines der größten Menschheitsübel. Die UNESCO, die Kulturorganisation der Vereinten Nationen, weist immer wieder darauf hin, dass die Menschheit endlich zu einem zivilisierten, verantwortlichen, menschenrechtlichen und menschenwürdigen Umgang mit Wasser kommen müsse. Mit mehreren lokalen und globalen Programmen wird die Bedeutung der Wasserverfügbarkeit und -nutzung für ein gutes, gelingendes und gerechtes Leben für jeden Menschen auf der Erde hervorgehoben. Biodiversität gilt als der wichtigste Überlebensgarant für die Menschheit. Es gibt die Prognosen, dass die zukünftigen Kriege nicht mehr um ideologische und territoriale Macht, sondern um Wasser geführt werden (Andreas Rinke / Christian Schwägerl, 11 drohende Kriege. Künftige Konflikte um Technologien, Rohstoffe, Territorien und Nahrung, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/14132.php). Es gibt Leute, die meinen, dass die Entwicklung der Welt ein Vabanquespiel sei, andere, die aufzeigen, dass wir in einem Weltrisikogesellschaft leben (Ulrich Beck, Weltrisikogesellschaft. Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit, 2007, www.socialnet.de/rezensionen/4820.php). Im Film „Apokalypse Now“ (1979) wird die höllische Gewalthaftigkeit, Absurdität und Weltuntergangsstimmung martialisch dargestellt.

Ein zweites Schreckensszenario stellt sich aktuell dar, wenn Wirklichkeiten von Spekulationen, High-Tech-Entwicklungen und medialer Macht durchdrungen werden (Jörg Becker, Medien im Krieg – Krieg in den Medien, 2016, www.socialnet.de/rezensionen/20864.php). Aus diesen Mischungen und erdachten wie gemachten Imponderabilien entstehen Geschichten und Thriller.

Der Frankfurter Umwelt- und Rechtswissenschaftler Erich Schöndorf gilt als Experte für die Beurteilung von strafrechtlich-relevanten Risiken, die in wissenschaftlich-technisch organisierten, hierarchischen, kapitalistischen und scheinbar demokratisch verfassten Gesellschaften auftreten. Von 1977 bis 1996 war er Staatsanwalt und hat in dieser Zeit mehrere juristische Verfahren gegen die Chemie-Industrie in Deutschland durchgeführt. Zu Verurteilungen jedoch kam es nicht, weil der Bundesgerichtshof die Gerichtsverfahren wegen „Verfahrensfehler“ einstellte. Daraufhin trat Schöndorf aus dem hessischen Justizdienst zurück und übernahm eine Professur an der Frankfurter Fachhochschule. Er bringt seine Erfahrungen nicht mit einem Fachbuch in die Öffentlichkeit, sondern mit einem „Öko-Thriller“, in dem er Phantasie und Realität gekonnt miteinander verbindet. Das ist im wissenschaftlichen Diskurs erst einmal ungewöhnlich; wenn aber Sprache, Faktenlage, Vorstellungskraft und real existierende, kriminelle Praktiken im Einklang stehen (vgl. dazu: Hans See, Wirtschaft zwischen Demokratie und Verbrechen. Grundzüge einer Kritik der kriminellen Ökonomie, 2014, www.socialnet.de/rezensionen/16997.php), kann ein populär-wissenschaftliches Buch sehr wohl den Finger in die ansonsten durch einen dicken, undurchsichtigen und undurchdringlichen Verband von Unwahrheiten, Halbwahrheiten und scheinbar „normalen“ und wohlmeinenden Praktiken verborgene gesellschaftliche Wunde legen.

Inhalt

Der Inhalt des 390 Seiten umfassenden Öko-Thrillers: Eine studentische Initiative plant einen Anschlag auf ein von ihnen ausgemachtes, kapitalistisches und dekadentes, westliches Symbol: Las Vegas in den USA. Ein in einem High-Tech-Labor gezüchteter, absolut tödlich wirkender Virus, soll in das Trinkwassersystem der Stadt eingebracht werden und so die größte Katastrophe auslösen, die je die Menschheit gesehen hat. Der Frankfurter Kriminalkommissar René Gronwald wird auf die Aktivitäten aufmerksam und beginnt seine Ermittlungen gegen das verbrecherische Team. Er schaltet dazu auch Detective Robert Vasco aus Las Vegas ein, der die Studenten am Visitors Day im Trinkwasserbassin der Stadt auf frischer Tat ertappen sollte. Doch der Detektiv ist indianischer Abstammung, und er hat noch eine Rechnung offen.

„Alle Personen und Namen sowie die Handlung sind frei erfunden“, so leitet der Autor seine Story ein; und doch: Ist da nicht der kanadische Bauer in Saskatchewan, der, wie auch seine Nachbarn in dem riesigen landwirtschaftlichen Gebiet überwiegend Raps für die industrielle Produktion anbaut und seit Jahrzehnten darauf achtet, dass dies ohne genmanipulierten Samen geschieht. Die Bauern kommen mehr schlecht als recht über die ökonomischen Runden. Doch sie widerstehen den massiven Werbungen und Bedrängungen des mächtigen Konzerns, der den Bauern genmanipulierten Samen anbietet und erheblich größere Erträge und Einnahmen verspricht. Der Bauer Richard Schorra als einer der Widerständigsten und Ehrlichsten in der Region wird vom Saatgutkonzern als Hauptfeind betrachtet, zuerst umworben, dann versucht, ihn zu korrumpieren, zu kaufen und schließlich mitgezielten Manipulationen und betrügerischen Praktiken wegen betrügerischen Anbaus von genmanipulierten Pflanzen mit Hilfe seines benachbarten, vom Konzern korrumpierten Landwirts vor Gericht zu bringen. Ein anscheinender, aber vermutlich manipulierter und nachgeholfener Selbstmord durch die Schergen des Konzerns verdeutlicht die Ohnmacht, die Ohnmächtige gegen die Mächtigen haben.

Bei den Ermittlungen und Niederschriften über den Verlauf der Tat und der nachfolgenden Ereignisse in diesem Kampf Davids gegen Goliath, Recht gegen Unrecht, Information gegen Lüge und Manipulation, kommen die vielfältigen alltäglichen, institutionellen, individuellen und gesellschaftlichen Verbindungen und Seilschaften zutage und zeichnen so ein durchaus reales, auf Hörensagen, Erfahrung, Einfluss und Wirklichkeit beruhendes Bild. Es sind die datierten, chronologischen Tage- oder Berichtsbuch-Aufzeichnungen aus den Ermittlungsorten in Deutschland, in Europa, Kanada und USA. Sie sind gewürzt mit Liebesbeziehungen und Vertrauensbeweisen, und gesalzen mit Aggressionen, Misstrauen und Enttäuschungen. Es gibt kein Happy End, sondern einen Point-of-no-return.

Fazit

Der Öko-Thriller „Terrorziel Wasser“ entpuppt sich als eine Parabel (oder eine Warnung), „was der Menschheit blühen könnte, wenn sich Terroristen nicht mehr Sprengstoffgürteln oder Autobomben bedien(t)en, sondern das Verderben aus dem High-Tech-Labor über die Menschen kommt“.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 27.01.2017 zu: Erich Schöndorf: Terrorziel Wasser. Öko-Thriller. Nomen (Frankfurt) 2017. ISBN 978-3-939816-37-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22144.php, Datum des Zugriffs 15.09.2019.


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