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Philipp Lepenies: Armut. Ursachen, Formen, Auswege

Rezensiert von Prof. Dr. Monika Sagmeister, 21.03.2017

Cover Philipp Lepenies: Armut. Ursachen, Formen, Auswege ISBN 978-3-406-69813-2

Philipp Lepenies: Armut. Ursachen, Formen, Auswege. Verlag C.H. Beck (München) 2017. 128 Seiten. ISBN 978-3-406-69813-2. D: 8,95 EUR, A: 9,30 EUR.
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Autor

Philipp Lepenies hat Volkswirtschaftslehre studiert und in Wirtschaftswissenschaften promoviert. Habilitiert ist er im Bereich Politikwissenschaft zum Thema „Entwicklungshilfe“. Er ist Gastprofessor für vergleichende Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin.

Entstehungshintergrund

Das Buch ist in der Reihe „C.H.Beck-Wissen“ erschienen. Laut Angaben des Verlags sollen in der Reihe Leserinnen und Leser anspruchsvoll, knapp und kompetent von WissenschaftlerInnen in etwa 100 Seiten gesichertes Wissen übermittelt bekommen.

Aufbau und Inhalt

Das Thema Armut wird aus einer historischen Perspektive aufgerollt. Der Autor möchte kein umfassendes Bild von Armut zeigen, sondern einige der wichtigsten Epochen und Ereignisse beleuchten, die zum aktuellen Verständnis von Armut beitragen können. Beginnend in der Antike endet die Darstellung bei der aktuellen Armutsdebatte. Ein Großteil der Beschreibung bezieht sich dabei auf die Bewertung und den Umgang mit Armut in England bis ins 20. Jahrhundert.

Erst bei der Erläuterung von Armut ab der Weltwirtschaftskrise 1929 erfolgt eine Ausweitung der Ausführungen auf die USA und zu guter Letzt auf die Beschreibung von Armut weltweit. Im Mittelpunkt stehen dabei wirtschaftliche und politische Aspekte von Armut. Es geht um die Darstellung, wie Armut sowohl in der Geschichte als auch heute erfasst und bewertet wird, sowie welche politischen Reaktionen auf die Bewertung erfolgen. Dazu wird das Buch in zehn Kapitel gegliedert, der durch folgende Inhalte geprägt sind:

  • Die Armut in Antike, Christentum und Mittelalter (Kapitel 2)
  • Die Bewertung und der Umgang mit Armut vom 16. Jahrhundert bis etwa 1950 in England (Kapitel 3, 4, 5)
  • Die Armutsdebatte ab 1929 und die Diskussion um die richtige Kennzahl, mit der Armut gemessen und beschrieben werden kann (Kapitel 6)
  • Die Bewertung von Armut international und der politische Wille Armut weltweit zu beenden (Kapitel 7)
  • Neue Vorstellungen von Armut wie z.B. soziale Ausgrenzung (Kapitel 8)
  • Armut in der Bundesrepublik ab 1960 (Kapitel 9)

Kapitel eins stellt eine Hinführung zum Thema dar, Kapitel zehn eine persönliche Stellungnahme und Einschätzung des Autors zum Armutsbegriff.

Diskussion

Das Buch ist im Sinne der C.H.Beck-Wissensreihe im populärwissenschaftlichen Stil verfasst. Dadurch ist es gut zu lesen und eignet sich auch als Abendlektüre, wenngleich naturgemäß Belege für Aussagen fehlen und lediglich am Ende drei Seiten ausgewählte Literatur angegeben sind.

Der Inhalt ist klar unter einer wirtschaftswissenschaftlichen Konnotation verfasst. Es geht weniger um die Beschreibung der Lebenssituation von Menschen, die unter Armut leiden, sondern mehr um die Bewertung und Erfassung von Armut im Lauf der Geschichte. In diesem Sinn tauchen an manchen Stellen Zweifel auf, ob der Untertitel „Ursachen, Formen, Auswege“ so glücklich gewählt ist, da auf aktuelle Ursachen und Auswege nur am Rande eingegangen wird und darüber kaum eine Diskussion erfolgt. Allerdings kommt an der Qualität des Inhalts kein Zweifel auf, da sich der Autor auf dem Terrain bewegt, auf dem er über ausgewiesene Expertise verfügt.

Wer sich also für die Geschichte von Armut interessiert, findet hier eine tolle Einführung ins Thema. Wer eine Diskussion über die aktuelle Armutsdebatte erwartet, wird eher enttäuscht werden.

Fazit

Der Autor legt in kurzer, kompakter und gut zu lesender Form eine Geschichtsbeschreibung von Armut vor. Diese beginnt in der Antike und endet in der aktuellen Debatte über den Armutsbegriff und die Messung von Armut. Im Fokus stehen dabei die Bewertung von Armut und politische Reaktionen im Lauf der Geschichte. Dieser historische Abriss kann in dieser Kürze als sehr gelungen bezeichnet werden. Der Titel allerdings kann auch irreführend sein. Eine aktuelle Auseinandersetzung über die Armutsdebatte etwa in Deutschland enthält das Buch nur am Rande.

Rezension von
Prof. Dr. Monika Sagmeister
Duale Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart
Cooperative State University Baden-Württemberg, Stuttgart
Fakultät Sozialwesen, Lehrgebiet Sozialökonomie
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Es gibt 4 Rezensionen von Monika Sagmeister.

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Zitiervorschlag
Monika Sagmeister. Rezension vom 21.03.2017 zu: Philipp Lepenies: Armut. Ursachen, Formen, Auswege. Verlag C.H. Beck (München) 2017. ISBN 978-3-406-69813-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22149.php, Datum des Zugriffs 10.08.2022.


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