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Kai Vogeley: Anders sein

Cover Kai Vogeley: Anders sein. Autismus-Spektrum-Störungen im Erwachsenenalter : ein Ratgeber. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2016. 2. Auflage. 230 Seiten. ISBN 978-3-621-28306-9. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 40,10 sFr.
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Thema

Bei manchen Menschen wird Autismus erst im Erwachsenenalter festgestellt. Betroffene mit hochfunktionalem Autismus haben bis dahin das Gefühl anders zu sein, können dafür aber keine Ursachen finden. Autismus ist eine Lebenszeitdiagnose oft mit Beginn im Kindesalter bis ins Erwachsenenalter. Der Umgang mit anderen Menschen fällt schwer, intellektuelle Herausforderungen dagegen werden in der Regel problemlos bewältigt. Das Buch handelt von den Schwierigkeiten in Beziehungen und Kommunikation. Diese werden durch Informationen zu Ursachen, aktuellen Verfahren der Diagnostik und Therapiemöglichkeiten ergänzt. Es möchte ein Ratgeber sein, um Erwachsenen mit Autismus grundlegende kommunikative und interaktive Prozesse näher zu bringen. Die Begegnung mit anderen ist untrennbar mit dem Privat- und Berufsleben verknüpft. Betroffenen und Nicht-Betroffenen werden die beteiligten Mechanismen und psychischen Faktoren vor Augen geführt, um Verständnis dafür zu schaffen, welche Leistungen im Umgang mit anderen notwendig sind, um zu kommunizieren und zu interagieren.

Autor

Kai Vogeley ist seit 2004 Professor und leitender Oberarzt der Klinik und Poliklinik der Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikum Köln. Seit 2005 baute er dort eine Spezialambulanz für Erwachsene aus dem autistischen Spektrum, bei denen keine relevante Intelligenzminderung vorliegt, auf. Neben der Diagnostik forscht Vogeley zur „sozialen Kognition“ und beschreibt Faktoren, die in der Kommunikation und Interaktion wirksam sind. Seit 2011 leitet er die Arbeitsgruppe „soziale Kognition“ am Institut für Kognitive Neurowissenschaften am Forschungszentrum Jülich.

Aufbau und Inhalt

Bei dem hier vorgelegten Buch handelt es sich um die zweite Auflage mit einem Umfang von 230 Seiten im DIN A5 Hardcover Format. Es wurde um einige Themen erweitert. Die erste Auflage erschien im Jahr 2012. Das Buch befasst sich in sieben Kapiteln (zwei mehr als in der 1. Auflage) mit Hintergründen, Ursachen und Behandlungsansätzen. Die letzten Seiten des Buches enthalten Literaturempfehlungen, ein Sachwortverzeichnis, Informationen zum Autor und zu seiner Spezialambulanz „Autismus im Erwachsenenalter“ sowie Informationen zu autismus Deutschland e.V.

  1. Menschliche Begegnungen
  2. Problemzonen
  3. Krankheitsbegriff und Klassifikation
  4. Diagnosestellung
  5. Ursachen und Forschungsmethoden
  6. Behandlung und Betreuung
  7. Anders sein

Die grundsätzliche Struktur zwischen erster und zweiter Auflage ist nicht verändert. Jedes Kapitel ist durch zahlreiche Zwischenüberschriften untergliedert und betrachtet das Autismus Syndrom aus verschiedenen Blickwinkeln. Zentrale Merkmale werden verständlich und prägnant beschrieben. Wichtige Schlagworte im Fließtext sind durch Fettdruck zur besseren Übersichtlichkeit hervorgehoben. Schlägt man das Buch auf findet man auf jeder linken Seite unten die Kapitelbezeichnung und rechts die Überschrift der Unterkapitel. Beispiele, Bilder und O-Töne machen das Geschriebene deutlich und lockern auf. Anders als in der ersten Auflage wird in diesem Buch vorrangig der Begriff „Autismus-Spektrum-Störung“, verkürzt „Autismus“ verwendet, da es nicht gelungen ist, verschiedene Unterformen des Autismus klar voneinander abzugrenzen. Damit orientiert sich Vogeley an den 2016 veröffentlichten S3 der DGKJP, der „Deutschen Gesellschaft für Kinder-und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie“.

Das erste Kapitel Menschliche Begegnungen beginnt mit der Definition des Menschen als soziales Wesen, das mit anderen in Kontakt tritt und kommuniziert. Menschen mit Autismus haben Schwierigkeiten in der Beziehungsgestaltung. Um Verständnis zu schaffen brauchen Menschen ohne Autismus Hinweise, wie ein gelungener Umgang gestaltet werden kann. Am Unterschied Mensch – Gegenstand wird dargelegt, welche Faktoren menschliche Begegnungen ausmachen und was diese so schwierig machen kann. Im Gegensatz zu einem Gegenstand sind Menschen nicht voraussagbar und Situationen nicht vollständig planbar. Dieses Kapitel wurde um das Unterkapitel der beiden „sozialen Gehirne“ ergänzt.

Problemzonen werden im zweiten Kapitel beschrieben. Gemeint sind sog. Mentalisierungsdefizite, die in der Begegnung mit anderen sichtbar werden. Umschrieben wird mit dem Begriff Mentalisierung die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Es gibt Probleme in der Begegnung mit anderen sowie in der Gestik und Mimik. Menschen mit Autismus haben einen hohen Bedarf an Regelmäßigkeit und Ritualen in klaren Rahmenbedingungen, die Sicherheit schaffen. Untersuchungen haben ergeben, dass Unstimmigkeiten in diesem Bereich bei zwei Drittel der Betroffenen zu Stress führen. Rituale entstressen, deshalb werden sie zur Organisation des Alltags vorgezogen. Ein umfassendes Verständnis zur Autismus Spektrum Störung findet man im Begriff der „doppelten Unsichtbarkeit“ in zwei Bereichen: im inneren Erleben und in der intuitiven Kommunikation. Besonders deutlich wird diese doppelte Unsichtbarkeit in gemischten Kommunikationssituationen von Menschen mit und ohne Autismus. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Erfahrung von Christine Preißmann, die erlebt hat, dass ihr Autismus in unserer Kultur als auffällig wahrgenommen wird, in anderen Kulturen wurde ihm keine so große Bedeutung zugemessen.

Kapitel drei bespricht den Krankheitsbegriff und die Klassifikation zur Vorbereitung des vierten Kapitels Diagnosestellung. Ziel ist, Hintergrundinformationen in Bezug auf die Begriffe „Störung“ oder „Krankheit“ im Fachbereich Psychiatrie zu geben. Dabei wird darauf aufmerksam gemacht, dass die Grenzen zwischen Krankheit und Gesundheit fließend sind und damit nicht einfach zu bestimmen sind. Der Psychiater Andreas Heinz der Charité in Berlin schlägt in dem Zusammenhang vor, dass ein Krankheitsbegriff aus drei Dimensionen besteht: 1. objektive Krankheit, 2. subjektives Kranksein und 3.eine kulturelle, gesellschaftliche oder soziale Dimension psychischer Störungen (S.107).

In Medizin und Psychiatrie wird zur Erfassung von Krankheiten mit Klassifikationssystemen gearbeitet, bei denen weltweit Experten Kriterien für psychische Störungen festlegen und die Diagnosestellung damit verbindlich machen. Das ICD 10 und das DSM V sind zwei operationalisierte Kataloge, die psychische Erkrankungen definieren. Das ICD 10 ist die internationale Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (in der 10. Version), das DSM V ist ein amerikanisches System, das 2013 in der fünften Version erschienen ist. Da eine Harmonisierung angestrebt wird, orientiert sich das ICD 11, welches aktuell in Arbeit ist, stark am aktuellen DSM V. Eine Tabelle auf Seite118 stellt die relevanten Unterscheide zusammen. Im DSM 5 wird nur noch der Begriff Autismus Spektrum Störung verwendet, Asperger als Diagnose entfällt. Vogeley merkt an, dass der Wegfall der Kategorie Asperger Syndrom zu einem „Identitätsverlust“ (S. 125) bei Betroffenen führen könnte.

Das vierte Kapitel Diagnosestellung beschreibt die Kernsymptome autistischer Störungen wie Störungen der Interaktion, Störungen der Kommunikation und stereotype, repetitive Verhaltensweisen sowie sog. tiefgreifende Entwicklungsstörungen, die ein Leben lang bestehen. Hier wird darauf verwiesen, dass es neben den herkömmlichen Klassifikationen auch alternative Systeme gibt, wie das des schwedischen Forscherehepaars Carina und Christopfer Gillberg, das neben sozialen Beeinträchtigen, Routineabläufe und Spezialinteressen auch Sprachbesonderheiten definiert, die von nonverbalen Kommunikationsschwierigkeiten abgegrenzt werden. Das schwedische Forscherehepaar nennt zudem noch Aspekte motorischer Unbeholfenheit.

Um Ursachen und Forschungsmethoden geht es im fünften Kapitel. Es gibt einen Überblick über zahlreiche Hypothesen und Forschungsbemühungen, sicher benannt werden können einzelne Ursachen aber dennoch nicht. Als Faktoren, die an der Entstehung von Autismus-Spektrum-Störungen beteiligt sind werden verschiedene Modelle psychischer Störungen, genetische Faktoren, Geschlechtsunterschiede, vorgeburtliche Risikofaktoren, psychologisches Prozesse sowie Veränderungen der Gehirnfunktionen benannt. Das Geschlechterverhältnis variiert je nach Alter zwischen 2-11 (Männer): 1 (Frauen). Im Erwachsenenbereich überwiegen Angaben von 2:1. Es wird intensiv diskutiert, wie diese Unterschiede zustande kommen z.B. ob es sich um eine biologisch festgelegte Geschlechterdifferenz handelt oder ob es zu den unterschiedlichen Diagnoseraten kommt, weil die Symptome unterschiedlich deutlich und daher unterschiedlich gut erkennbar sind (S.161). In dem Zusammenhang werden auch die Ursachen in Rollenzuschreibungen oder einer besseren Kompensation bzw. Tarnung von Frauen (das sog. Carmouflaging) diskutiert. Vogeley zitiert eine eigene Untersuchung von 69 Männern und 38 Frauen. Herausgefunden wurde, dass die Frauen bessere Exekutivfunktionen aufwiesen als die Männer. Es ist belegt, dass bessere Exekutivfunktionen auch bessere soziale Anpassungsleistungen zur Folge haben. Dieses interessante Ergebnis könnte zumindest teilweise eine Erklärung für die Unterschiede in der Geschlechterverteilung bei der Diagnosestellung sein.

Kapitel sechs befasst sich mit der Behandlung und Betreuung. Behandlungsoptionen reichen von psychotherapeutischen, über psychosozialen bis hin zu psychopharmakologischen Therapiemaßnahmen im Umgang mit Betroffenen. Da noch keine Ursachen der Erkrankung bekannt sind gibt es auch noch keine ursachenbezogene Therapie. Bewährt haben sich multidimensionale Ansätze, die Umweltfaktoren mit einbeziehen.

Anders sein ist der Titel des siebten und letzten Kapitel. Hier geht es um Wesensunterschiede von Menschen ohne Autismus und mit Autismus. Menschen, die nicht unter ihrem Autismus leiden und gesellschaftlich und sozial integriert sind, ziehen dem Störungsbegriff den Begriff der „Verfassung“ vor. Deshalb wird in der Kölner Ambulanz zwischen Menschen mit einer autistischen „Verfassung“ und diejenigen mit einer autistischen „Störung“ unterscheiden. Der Autor ist sich der Gefahr bewusst, dass eine Gefahr bestehen kann, dass das Erscheinungsbild Autismus romantisiert werden kann.

Integrierte Personen aus dem Spektrum leisten ein hohes Maß an Anpassung, um Kontakte zu anderen aufzunehmen und aufrechtzuerhalten. Ob man sich als in Not oder hilfebedürftig ansieht kann die Person, um die es geht, mitbestimmen. Bei dem Blick auf die Diagnosestellung und auf die Möglichkeiten einer Unterstützung stehen überwiegend Defizite und Interventionen im Vordergrund. Dabei dürfen zwei Aspekte nicht außer Acht gelassen werden. Zum einen das eigene Identitätserleben (kein Mensch gleicht dem anderen, jeder Mensch ist einzigartig) und zum anderen die Aufgabe der nicht autistischen Teile der Gesellschaft, sich mit einer Variante der Andersartigkeit zu beschäftigen.

Das Buch schließt mit Ausführungen zur Akzeptanz in der Gesellschaft, im Besonderen geht es um Aspekte des Umgangs, der Umgebung und der Umwelt autistischer Menschen. Autismus ist in zweierlei Hinsicht von einer Unsichtbarkeit geprägt. Nach außen wirkt das Verhalten arrogant, besserwisserisch oder hochnäsig, es wird nicht erkannt, dass die üblichen sozialen Regeln nicht selbstverständlich genutzt werden können. In einem anderen Rahmen betrachtet ist das Gegenteil der Fall: Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung verfügen über ein ungewöhnliches Maß an Ehrlichkeit und Offenheit. Dieses Anderssein kann als Störung, aber genauso gut als Chance verstanden werden, die Ehrlichkeit, Genauigkeit und Verlässlichkeit in den Mittelpunkt stellt.

Diskussion

Der Titel des Buches ist mit Bedacht gewählt. Betroffene beschreiben sich als „anders als andere“ und nach Auffassung von Vogeley macht der Titel deutlich, dass Autismus nicht nur als Krankheit bzw. psychische Störung definiert werden kann: Der Begriff „Anders sein“ beinhaltet die Abweichung von einer Norm. Da Menschen aber immer einzigartig sind ist jeder Mensch anders als der andere. Auf dieser Basis wird deutlich, dass die einseitige Betrachtung des Autismus als Mangel nicht mehr zeitgemäß ist. Betroffene beschreiben Autismus als besondere Ausstattung mit Talenten und Begabungen. Vogeley spricht sich für eine „ausgewogene Kenntnisnahme der eigenen Stärken und Schwächen“ aus und warnt dabei allerdings davor zu romantisieren oder schön zu reden. Er skizziert prägnant und verständlich, welche komplexen Mechanismen im alltäglichen sozialen Miteinander wirken. Seine Forschungsergebnisse zur „sozialen Kognition“ stellen wichtige Erkenntnisse dar, denn sie machen deutlich, wie viele Faktoren Einfluss auf gelungene Begegnungen, Kommunikation und Interaktion haben, viele davon unbewusst und nicht standardisiert erlernbar, da die Situation und der Kontext zur Einschätzung passender Handlungen dazu gehören.

Bedarfsanalysen zu Behandlungswünschen haben ergeben, dass an oberster Stelle Hilfe im Umgang mit Stress steht. Vogeley beschreibt medikamentöse, psychotherapeutische und psychosoziale Hilfen, die aufgrund fehlender Ursachenbestimmung auf die Symptome abzielen. Aus meiner Sicht kommen Hinweise auf alltagspraktische Strategien wie z.B. ein passendes Zeitmanagement oder die Gestaltung einer stressreduzierten Strukturierung und Ordnung im Zuhause und am Arbeitsplatz also Hilfen, die nicht auf die Behandlung der betroffenen Person abzielen, zu kurz. Es liegt ein großes Potential in der passenden Gestaltung der Umgebung mit dem unmittelbaren Effekt, Stress und Überforderung zu vermeiden.

Im Kapitel zu möglichen Ursachen werden als Faktoren verschiedene Modelle psychischer Störungen, genetische Faktoren, Geschlechtsunterschiede, vorgeburtliche Risikofaktoren, psychologisches Prozesse sowie Veränderungen der Gehirnfunktionen benannt. Die Erläuterungen zum Geschlechterverhältnis sind neu in die zweite Auflage aufgenommen worden. Das Verhältnis Männern zu Frauen variiert je nach Alter zwischen 2 -11:1. Im Erwachsenenbereich überwiegen Angaben von 2:1. Es gibt eine intensive Diskussion, wie diese Unterschiede zustande kommen z.B. ob es sich um eine biologisch festgelegte Geschlechterdifferenz handelt oder ob es zu den unterschiedlichen Diagnoseraten kommt, weil die Symptome unterschiedlich deutlich und daher unterschiedlich gut erkennbar sind (S.161). Auch werden die Ursachen in Rollenzuschreibungen oder einer besseren Kompensation bzw. Tarnung von Frauen (das sog. Carmouflaging) diskutiert. An dieser Stelle möchte ich auf folgende Bücher hinweisen: Christine Preißmann befasst sich in ihrem Buch „Überraschend anders. Mädchen & Frauen mit Asperger aus dem Trias (Stuttgart) 2013“ www.socialnet.de/rezensionen/15195.php mit diesem Effekt. 2012 wurde das Buch von Rudy Simone „Die Welt der Frauen und Mädchen mit Asperger – Aspergirls“ als deutsche Erstausgabe im Beltz Verlag www.socialnet.de/rezensionen/13926.php herausgegeben. Quasi druckfrisch wurde 2016 ein weiteres interessantes Buch von Rudy Simone in deutscher Sprache im Autismusverlag veröffentlicht: „ Asperger im Berufsleben. Ein Muss für Menschen mit Autismus, deren Arbeitgeber, Lehr- und Begleitpersonen.“ Eine Rezension ist in Arbeit.

Vogeley zitiert eine eigene Studie, in der 69 Männern und 38 Frauen untersucht wurden. Herausgefunden wurde, dass die Frauen bessere Exekutivfunktionen aufwiesen als die Männer. Es ist belegt, dass bessere Exekutivfunktionen auch bessere soziale Anpassungsleistungen zur Folge haben. Dieses interessante Ergebnis könnte zumindest teilweise eine Erklärung für die Unterschiede in der Diagnosestellung sein.

Fazit

Bei manchen Menschen wird Autismus erst im Erwachsenenalter festgestellt. Betroffene mit hochfunktionalem Autismus haben bis dahin das Gefühl anders zu sein, können dafür aber keine Ursachen finden. Autismus ist eine Lebenszeitdiagnose oft mit Beginn im Kindesalter bis ins Erwachsenenalter. Der Umgang mit anderen Menschen fällt schwer, intellektuelle Herausforderungen dagegen werden in der Regel problemlos bewältigt. Das Buch handelt von den Schwierigkeiten in Beziehungen und Kommunikation. Diese werden durch Informationen zu Ursachen, aktuellen Verfahren der Diagnostik und Therapiemöglichkeiten ergänzt. Es möchte ein Ratgeber sein, um Erwachsenen mit Autismus grundlegende kommunikative und interaktive Prozesse näher zu bringen. Die Begegnung mit anderen ist untrennbar mit dem Privat- und Berufsleben verknüpft. Betroffenen und Nicht-Betroffenen werden die beteiligten Mechanismen und psychischen Faktoren vor Augen geführt, um Verständnis dafür zu schaffen, welche Leistungen im Umgang mit anderen notwendig sind, um zu kommunizieren und zu interagieren.

Das Buch gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung, vor allem zur „sozialen Kognition“. Es beschreibt prägnant, Mechanismen der Interaktion und Kommunikation in Beruf und Privatleben. Es wendet sich an einen breiten Leserkreis und will dazu beitragen, „Autismus in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und um damit Menschen mit Autismus die Teilhabe am beruflichen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben zu erleichtern“ (S. 18). Der Aufbau ist gelungen, denn er erlaubt, Kapitel aufzuschlagen und quer zu lesen. Es ist übersichtlich gestaltet, Bilder, Fallbeispiele und O-Töne sind farblich hervorgehoben, sodass der Leser sich schnell zu Recht findet. Es ist als Ratgeber durchaus geeignet, einzig der Preis von 29,95 EUR für dieses Buch im DinA5 Format könnte abschreckend wirken.


Rezensentin
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Heilpraktikerin für Psychotherapie. Einrichtungsleitung in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn und freiberuflich in eigener Praxis ABC Autismus tätig. Schwerpunkte: Herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation, Autismus, TEACCH, Erworbene Hirnschädigungen
Homepage www.abc-autismus.de
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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 21.02.2017 zu: Kai Vogeley: Anders sein. Autismus-Spektrum-Störungen im Erwachsenenalter : ein Ratgeber. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2016. 2. Auflage. ISBN 978-3-621-28306-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22153.php, Datum des Zugriffs 20.01.2019.


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ISSN 2190-9245

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