socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Marc Hilgenfeld, Ingo Schömmel u.a.: Personalkosten. (...) Gestaltung und Senkung

Cover Marc Hilgenfeld, Ingo Schömmel, Dirk Wasmuth: Personalkosten. Instrumente zur flexiblen Gestaltung und Senkung. Haufe-Lexware GmbH & Co. KG (Freiburg) 2017. 2. Auflage. 253 Seiten. ISBN 978-3-648-08990-3. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR.

Inkl. Arbeitshilfen online.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Autoren

Marc Hilgenfeld, Ingo Schömmel und Dirk Wasmuth sind Rechtsanwälte mit arbeitsrechtlichem Schwerpunkt und langjähriger Erfahrung in der Beratung von Unternehmen und Personalverantwortlichen.

Entstehungshintergrund

„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ ist derzeit wieder einmal eines der meist diskutierten innenpolitischen Themen. Nach Auskunft der Bundesregierung beträgt derzeit die Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern in Durchschnitt 21 %. Anfang Januar 2017 hat das Bundeskabinett das Entgelttransparenzgesetz beschlossen, das jetzt die parlamentarischen Hürden nehmen muss. Hiermit soll die Lohngleichheit vorangetrieben werden. Umso wichtiger ist es für Personalverantwortliche, sich intensiv mit dem Thema Personalkosten zu beschäftigen, denn das Thema wird nicht von der Agenda verschwinden. Hierbei ist zu bedenken, dass in den meisten Branchen die Personalkosten die mit Abstand größte Kostenart sind. Insofern müssen Personaler in der Lage sein, diese Kosten aktiv, ja proaktiv, zu gestalten.

Aufbau

Das Buch ist für betriebliche Praktiker gedacht und entsprechend geschrieben worden. Im Buch gibt es zusätzlich einen entsprechenden Code, mit dem Arbeitshilfen beim Haufe-Verlag zum Download zur Verfügung stehen. Dies sind Checklisten, Musterschreiben, Musterverträge und das Formular zur Analyse der Personalkosten. In 19 Kapiteln, die in sieben Abschnitte unterteilt sind, wird jeweils ein Instrument erläutert, um die Personalkosten zu gestalten. Am Beginn jedes Kapitels steht ein Praxischeck, anhand dessen der Leser überprüfen kann, ob das jeweilige Instrument in seinem Betrieb umgesetzt werden kann. Neben rechtlichen Hinweisen werden auch zahlreiche Praxistipps, Beispiele und Mustertexte von den Autoren zur Verfügung gestellt.

Inhalte

Teil 1: Tarifliche Bedingungen gestalten. Hier geht es zunächst um den häufigsten Fall, dass das Unternehmen aufgrund unterschiedlicher Tatbestände tarifgebunden ist und damit wenig Spielraum hat. In den einzelnen Kapiteln wird gezeigt, wie tarifliche Öffnungsklauseln, so vorhanden, genutzt werden können, ein Ergänzungstarifvertrag abgeschlossen werden kann, ob Alternativen zum Flächentarifvertrag bestehen oder wie betriebliche Bündnisse geprüft werden.

Teil 2: Das vertragliche Entgelt gestalten. Nach dem kollektiven geht es nun um das individuelle Arbeitsrecht. Das in einem Arbeitsvertrag vereinbarte Entgelt ist nur schwer zu ändern. Allerdings gibt es einige Möglichkeiten, die allerdings kommunikativ abgefedert werden müssen. Da wäre zunächst die einvernehmliche Änderung des Entgelts. Andere Möglichkeiten sind die Änderungskündigung sowie die Prüfung, ob Gratifikationen und Sonderzahlungen wirklich gezahlt werden müssen.

Teil 3: Freiwillige Leistungen und Betriebsvereinbarungen gestalten. Hierin wird seit vielen Jahren das größte Sparpotenzial gesehen, da Betriebe frei entscheiden können. In den beiden Kapiteln geht es um die Änderung freiwilliger Leistungen sowie um die von Betriebsvereinbarungen mit dem Betriebsrat.

Teil 4: Variable und alternative Formen des Entgelts. Vor zwanzig Jahren wurde in Politik und auch Wissenschaft oft in der leistungsbezogenen Bezahlung ein Schlüssel für die Neugestaltung der Arbeitsverhältnisse gesehen. Flexibilisierung der Personalkosten und Steigerung der Motivation sollten hierdurch erreicht werden. Im Rahmen von Corporate Governance und Compliance ist man, vor allem angesichts der teilweise überbordenden Boni für das Management, wieder deutlich davon abgerückt. Trotzdem kann überlegt werden, ob sich die Personalkosten durch variable Entgeltgestaltung, Veränderung der Entgeltstruktur oder die Einsparung von Personalnebenkosten senken lassen.

Teil 5: Durch Personalanpassung Kosten senken. In diesem Teil geht es nicht um die individuellen Arbeitskosten, sondern um die zweite Stellschraube: die Anzahl der Arbeitnehmer. Die Frage lautet: wie viele Arbeitnehmer werden tatsächlich benötigt – eine kaum zu beantwortende Frage. Falls man aber tatsächlich zu viel Arbeitsvolumen hat, so kann man dieses durch Kündigung und Outsourcing oder durch Kurzarbeit verringern.

Teil 6: Alternative Beschäftigungsformen zur Personalkostensenkung. Ein Prozess, der seit vielen Jahrzehnten in allen Branchen festzustellen ist, ist die Beschäftigung externer Mitarbeiter. Nicht immer sind die in einem Unternehmen Tätigen auch deren Beschäftigte, sondern Leiharbeiter, der Fahrer einer Spedition oder der Buchhalter eines Steuerberaters. Charles Handy hat seine Shamrock-Organisation, das dreiblättrige Kleeblatt, in die drei Beschäftigtengruppen professional core, Fachleute und Spezialisten sowie flexible Arbeitskräfte unterteilt, von denen nur noch die erste Gruppe klassische Arbeitnehmer sind. Entsprechend werden die Kosteneffekte von Zeitarbeit, die Befristung von Arbeitsverträgen und der Einsatz freier Mitarbeiter untersucht.

Teil 7: Arbeitsorganisatorische Veränderungen. Waren es bisher immer die Menschen, die Ziel der Personalkostenmaßnahmen waren, so ist es im letzten Kapitel die Organisation. Werden in der Arbeitsorganisation flexible Arbeitsmodelle eingesetzt, so lassen sich durch die effizientere Passung von Arbeitsaufkommen und Arbeitszeiten in hohem Maße Personalkosten einsparen. Und letztlich zeigt sich auch das Betriebsklima kostenwirksam: einem hohen Krankenstand entgegenzuwirken erhöht das zur Verfügung stehende Leistungspotenzial. Allerdings dürfen angesichts der deutlich unterschiedlichen Qualifikationen die Substitutionseffekte nicht überschätzt werden.

Diskussion

Vielleicht ist die Betonung von Kostensenkung in diesem Buch etwas zu stark, da ja in erster Linie nicht die Kosten gesenkt werden sollen, sondern unter unterschiedlichen Bedingungen optimal gestaltet werden sollen. Im Mittelpunkt steht eher das proaktive Steuern der Personalkosten als deren Absenkung. Proaktiv insofern, als es nicht nur das positiv konnotierte Antonym zu reaktiven Handeln ist, sondern in der Personalpolitik absolute Notwendigkeit ist, da nachträgliche Absenkungen von Entgelten kaum durchzusetzen sind. Zudem zeitigen Absenkungen des Gehalts in aller Regel weitere unerwünschte Reaktionen der Arbeitnehmer wie Senkung der Loyalität – innere Kündigung – und Minder- oder Schlechtarbeit. Ziel einer sinnvollen Personalkostenpolitik muss es sein, kostenoptimale Strukturen zu schaffen, die nicht zu einer Haltung der Arbeitsverweigerung bei den Arbeitnehmern führen. Das Buch greift dieses Thema aus arbeitsrechtlicher Sicht auf und prüft die betrieblichen Realisierungsmöglichkeiten.

Nicht eingegangen wird auf die ordnungs- und gesellschaftspolitischen Implikationen, die mit dem Arbeitslohn verbunden sind. Was ist ein gerechter Lohn? Gibt es Lohgleichheit? Working poor: kann man von seiner Arbeit nicht leben? Diese und viele andere Fragen, die sich bereits im Neuen Testament im Gleichnis der Arbeiter im Weinberg wiederfinden, sollten bei aller pragmatischen Vorgehensweise nicht vernachlässigt werden.

Fazit

Manch ein Personalverantwortlicher in der Sozialwirtschaft wird sich fragen, ob er angesichts tarifvertraglicher Bindungen und AVR sich überhaupt mit der Thematik beschäftigen muss, da „man sowieso nichts machen kann“. Gerade diesen Entscheidern sei dieses Buch ans Herz gelegt, da es zeigt, dass es auch in vermeintlich festgefügten Systemen durchaus Gestaltungsspielraum gibt. Zudem darf man nie die motivationale Wirkung des Entgelts unterschätzen, auch wenn dieses immer wieder bestritten wird. Gerade jüngere Forschungen zeigen, dass Lohn und Gehalt in hohem Maße mit dem Gerechtigkeitsgefühl korrelieren – und dieses ist eines der stärksten menschlichen Gefühle, das vom Glücklichsein bis zu ernsthaften Erkrankungen führen kann. Personalverantwortliche, die proaktiv die Personalkosten ihres Betriebes strukturieren, optimieren damit nicht nur die Kosten, sondern auch den Betriebsfrieden. In diesem Sinne ist der Kaufpreis für dieses Buch mehr als gut angelegt.


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
em. Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Human Resource Management und Berufsbildung sowie Sportmanagement an der Hochschule Koblenz
E-Mail Mailformular


Alle 162 Rezensionen von Rüdiger Falk anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 27.02.2017 zu: Marc Hilgenfeld, Ingo Schömmel, Dirk Wasmuth: Personalkosten. Instrumente zur flexiblen Gestaltung und Senkung. Haufe-Lexware GmbH & Co. KG (Freiburg) 2017. 2. Auflage. ISBN 978-3-648-08990-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22167.php, Datum des Zugriffs 11.12.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Mehr zum Thema

Leider liegen aktuell keine passenden Rezensionen vor.

Literaturliste anzeigen

Stellenangebote

Inserieren und suchen Sie im socialnet Stellenmarkt.

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung